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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.

Kommen wir heute also zu einer der umstrittensten Folgen der Staffel, allein schon P-Code und Titel lassen eher auf eine Veräppelung treuer Langzeitfans schließen. Erstaunlicherweise ist das Ergebnis aber doch deutlich gelungener, als erwartet (natürlich mit einigen Abstrichen.)

Satirisch hat die Episode durchaus Potential und nutzt dieses auch in gewissem Rahmen. Natürlich hätte man der Haupthandlung hierbei etwas mehr an Laufzeit geben sollen, die ca. 8 Minuten lange Vorgeschichte mit dem Besuch in der schwedischen Möbelfabrik ist trotz einer losen Verbindung mit der Haupthandlung eher unnütz und erinnerte teilweise zu stark an Scully-esque Gagreihen nach S1x-Schema. Meh.

In der Haupthandlung mit Homer, Apu, Gil und "Supernintendo" Chalmers als interessantem Team wird die Satire aber konkreter - mir gefiel da besonders der nette Seitenhieb auf jene Zerstörung von Korallenriffen in Australien durch US-Abwässer. Die Implikationen hier (und speziell auch beim Schluß) gehen deutlich tiefer, als in S1x üblich. Auch bei Filmreferenzen ist von Hitchcock über Star Wars alles vertreten, die referentielle Breite bei den Szenen in Neds Wohnzimmer ist aber wohl nur für Kenner südkaukasischer Filmregisseure erkennbar.

Humoristisch hat die Folge nette Einfälle, z.B. Lisas genialer "Look at my new shoes"-Satz (der natürlich nur im Kontext klappt und dabei beim Zuschauer ein gewisses Vorwissen voraussetzt). Nette Metagags im Detail, siehe Homer und der Badezimmerschrank. Was der Folge noch den großen Pluspunkt bei mir bringt, ist der F3K-Metagag - speziell auch, weil die Antwort offenbleibt, ob Bender nun einen neuen Hut bekommt.

Kommen wir zu den negativen Aspekten.

Die sollten eigentlich deutlich erkennbar sein, ich will da gar nicht zu sehr in die Tiefe gehen. 5 Gaststars sind einfach zuviel - mag das Cameo von Al Gore noch ganz nett sein, wirkt Oskargewinner Clint East- wood vor Homers Haustür eher deplatziert. Speziell zum Schluß hin ist der Level an wackiness etwas zu hoch und stört die Satire. Daß der im Titel erwähnte Nixon in der Folge gar nicht vorkam, sollte sicherlich auch noch negativ vermerkt werden und ist für Al Jean untypisch.

Von den 14 Metagags klappen auch nur ca. 7 wirklich gut, ein amüsanter Seitenhieb auf alle Langzeitfans ließe sich ein klein bißchen subtiler erreichen, als mit CBGs wohl ca. 20 m hohem "Worst Non-Existing P-Code and Episode Ever"-Schild. Und war das tatsächlich *schon* wieder Artie Ziff am Schluß im Hintergrund? Die Synchro dürfte manch Problemstellen haben - wie wurde bspw. der Shakespeare-Dialog bei Lenny übersetzt?

Fazit: eine durchaus ambitionierte Folge, bei der es aber etwas an der Balance im Inhalt mangelt. Gute Einfälle wie Benders neuer Hut halten sich nicht ganz die Waage mit Scully-ismen. Trotzdem ist die Folge IMO deutlich besser, als man im Vorfeld hätte vermuten können. Note 3+

Weitere Meinungen dazu sind natürlich willkommen, zumal mir nun auf Anhieb nicht noch mehr sinnbefreiter Unfug einfällt ;-).


Review von Tobias J. Becker

Wieder einmal haben wir eine Folge, bei der es scheint, dass die Autoren mehrere Ideen, die für eine Folge allein nicht ausgereicht haben, verbunden haben. Immerhin sind beide thematisch verwandt.

Der Anfang in diesem "Crykea"- Geschäft versprach eigentlich ganz interessant zu werden (mal von so Albernheiten wie dem Typen mit dem Schraubenzieher im Kopf abgesehen), aber letztlich war es dann doch nur der Aufhänger für die eigentliche Handlung. Vom Titel her hätte man nun davon ausgehen können, dass Homer seinen neuen Job in eben diesem Geschäft kriegt, aber abgesehen von der ersten Begegnung mit Tim Allen, der später als Retter in der Not herbeieilt, hat der erste Teil mit der Haupthandlung nichts zu tun. Na ja, außer dass das von den Simpsons bestellte Schrankmodell aus echtem "Eastwood" mit Clint Eastwood verwechselt wird, der zu Beginn des zweiten Teils geliefert wird, was ein Lacher... Der Lisa-Satz war auch unter aller Sau. Als Homer bemerkt, dass der "Schrank" nicht so geräumig ist, wie er dachte, beschließt er, eine Verbraucherschutzagentur zu eröffnen. Mitstreiter sind mit dem gerade gefeuerten Gil, Apu ("Ich empfinde ein bisschen Konkurrenz keineswegs als Ärgernis, dafür glaube ich zu sehr an den amerikanischen Kapitalismus, aber wenn jemand eine gesetzliche Regelung der Ladenöffnungszeiten durchdrücken will, MUSS ich mich dagegen erheben!") und Oberschulrat Chalmers (Skinner-Klatsche funktioniert nicht) schnell gefunden.

Nun beginnt als eine wahnwitzige Jagd quer durch Springfield, in der ein Bewohner nach dem anderen erzählt, was für schlechte Erlebnisse als Kunde er oder sie gemacht hat, um eine Sammelklage gegen den KONZERN (wurde der Name tatsächlich nicht in der Folge genannt oder habe ich nur nicht aufgepasst?!?) zu erheben. Dies mag wie eine wacky Gag-in-a-Row-Tour wirken, ich finde diese Sequenz aber sehr gelungen. Die hohe Geschwindigkeit und die Steigerung der Absurditäten machen wirklich Spaß (ich sage nur Frink und die Bleistiftfalt-Maschine ;-)).

Nun, da sich einiges zusammengesammelt hat, kann es an den Prozess gehen. Leider hat Homer und sein Team nicht mit der Mafia gerechnet, die natürlich wieder ihre Finger im Spiel hat. Doch diesmal steht Marge aus ganz pragmatischen Gründen sogar gegen ihren Mann auf der Seite der Mafia! Nach einigem Geplänkel, bei dem Joe Mategna als Fat Tony etwas unterfordert wirkt, kommt es schließlich im Freiluftgericht zum großen Showdown. Als auch Lennys Shakespearevortrag nichts mehr bringt, müssen die Promis eingreifen (soll Tim Allens "Weg mir dir, du hast zu wenig Power" zu Madonna eine Anspielung darauf sein, dass sie sich weigerte, sich selbst zu sprechen?) und in der folgenden Gesangsszene kommt es schließlich zu der für alle akzeptalen Lösung, bei der sich Burns überraschenderweise als Menschenfreund erweist, auch wenn er natürlich seine ganz eigenen Gründe hat.

Der im Episodentitel erwähnte Nixon hat übrigens doch einen Auftritt, allerdings im Abspann, der bei der US-Ausstrahlung weggelassen wurde. Der aus "Sprinfield Film-Festival" bekannte George C. Scott kriegt - diesmal von Richard Nixon - wieder einen Ball in die Leistengegend. Hans Maulwurf ruft "Hey, das ist doch mein Job... und mein Ball!". Homer flitzt ins Bild und fragt ihn, ob er sich betrogen fühle, weil ihn der Ball nicht derartig verletzt habe, wie es ihm versprochen wurde. Denn wenn dem so sein sollte-- ehe Homer den Satz abschließen kann, brüllt Marge ein lautes "Hoooooommer!!!!1". Ende

Insgesamt eine etwas holprige, konstruierte Folge, die trotzdem sehr viel Spaß macht. Einige Gags hätten wirklich nicht sein müssen, aber man kann leicht über sie hinwegschauen. Note gerade noch 2-


Review von Andreas Roth

Aufgrund der bisher größtenteils doch recht positiv verlaufenen 15. Staffel war ich eigentlich recht zuversichtlich, daß "Homer und seine Bande als Verbraucherschützer" nicht allzuschlecht sein würde (vom wie üblich grottenschlechten IVAR-Titel einmal abgesehen), versprach sie doch reichlich Meta-Humor und einige Seitenhiebe auf die Produktion selbst. Zwar war der Grundgedanke nicht schlecht, aber bei der Ausführung haperte es doch stellenweise deutlich.

Wie in S12/13 so häufig der Fall verschenkte man am Anfang einfach zu viel Laufzeit, zwar hatte der Besuch in der Möbelfabrik indirekt mit dem Thema zu tun, aber die viel zu sehr an die Scully-Zeit erinnernden Gags trübten meine Vorfreude doch sehr schnell wieder, die Elch-Szene war viel zu übertrieben, und Ekelhumor à la "Schraubenzieher im Kopf samt Blutfontäne" habe ich mittlerweile gründlich satt. Bei der Sägemehlkiste konnte ich allerdings einen kleinen Lacher nicht unterdrücken.

Daß Homer ständig alle möglichen Jobs hat, nur nicht seinen richtigen - Sicherheitsinspektor im Kraftwerk - ausübt, ist ja leider nichts neues mehr und bietet sogar den einen oder anderen satirischen Ansatz. Zwar haben wir das meiste schon in der einen oder anderen Form gesehen, aber daß die Abwässer der USA sogar für das Korallensterben am Great Barrier Reef verantwortlich sein sollen, zeugt doch deutlich davon, daß die Autoren sich stets ein wenig gegen die aktuelle Regierung stellen (man denke z. B. an das nicht unterzeichnete Kyoto-Protokoll).

Für alle Meta-Gag-Freunde dürfte sicher der Gag mit Benders Hut ein Leckerbissen gewesen sein; auch wenn Jo ihn für zu unrealistisch hält, muß man bedenken, daß Futurama durchaus schon ein paarmal bei den Simpsons erwähnt wurde (eigentlich ja sogar erst letzte Woche). Einen Lacher wert war auch das riesige Schild des CBG, allerdings hat man es hier mit dem Meta-Humor doch etwas weit getrieben.

Störend wirkte auch das Übermaß an Gaststars, zwar war die "Eastwood"-Verwechslung ganz nett, aber schon bei "Die Queen ist nicht erfreut" hat mir nicht gefallen, daß die Stars jedesmal mit einem "Schau' mal, da ist ja..." präsentiert werden - sooo unbekannt sind Clint Eastwood und Tim Allen ja nun nicht, als daß man sie stets gesondert vorstellen müßte. Wie sehr sehne ich mich da an die gute alte Zeit zurück, in der die besten Starauftritte jene waren, in der die Stars gar nicht namentlich genannt wurden oder wenigstens andere Rollen sprachen... :-(

Die Sprecherleistung der Hauptcharaktere war ganz ordentlich, auch wenn der Gesang von Norbert Gastell wie üblich total daneben war. Butz als Schildervorleser fand ich eigentlich nie sooo schlimm, aber einige andere hier werden sicher Anfälle bekommen haben. Ausgesprochen störend war diesmal auch das allgegenwärtige Vogelgezwitscher - ist man das bei Freiluft-Szenen mittlerweile gewöhnt, hat IVAR im ersten Akt es dann wirklich übertrieben, denn ich glaube kaum, daß man bei IKEA den ganzen Tag davon umsäuselt wird (oder doch? - ich war schon lange nicht mehr da ;-) ).

Der Abspann war als Meta-Gag sicher gut gemeint, aber stupides Recycling von alten Gags fällt nicht gerade unter die Rubrik "ausgesprochen kreativ". Der Mittelteil bot hingegen durchaus die eine oder andere gute Szene, so daß ich der Folge insgesamt eine 3- gebe.


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