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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.

Nun ist FABF21 sicher keine Folge mit einer besonderen Handlungstiefe oder brillanten Satire und Charakterentwicklung - im Grunde über weite Strecken nicht mal eine Folge mit einer konkreten Richtung. Eine Bart- Handlung wechselt im Lauf der Episode zu einer Homer-Handlung - es ist sogar überraschend, daß sich beide Stories am Schluß so nett zusammen- finden. Trotzdem ist die Folge durchweg sympathisch und unterhaltsam in einer Weise, wie man sie in S1x sonst relativ selten findet.

Eine Stärke der Folge ist ihr Humor, der oft frisch und einfallsreich wirkt, ohne in allzu plumpe Gags oder Gemeinheiten in "Oven War"-Stil zu verfallen. Im Gegensatz zu letzter Woche wirkt auch Homer IMO weit sympathischer, seine Homerismen und Auftritte weniger konstruiert und zeitfüllend. Es mag für die Serie sprechen, daß selbst eine inhaltlich leichte Folge ohne viele Ambitionen durch Humor und Charaktere punkten kann. Diese Klasse bräuchte man eben auch in komplexeren Folgen.

Die Beispiele für gelungene Szenen und Wortwitz sind zu vielfältig, um sie nun aufzuzählen - etwa die T-Shirt-Aufschriften (inklusive Wiggums "Proud Nubian Princess"), die Messe ("Poison Ice-Cubes - free samples") und Krustys Werbeshow ("Made for kids, by kids") mit beliebten Figuren wie Scratchbob Itchpants, Itchy-Poochie und Osama Bin Scratchy. Viele Gags funktionieren durch ihren "klassischen" Geist, etwa der Spot zum nutzlosen Change Magician ("Machine does not actually sort change.")

Man beachte auch die verschiedenen Meta-Gags, etwa Barts "My attitude is not for sale" und den visuellen Kommentar zur Qualität koreanischer Animation. Die Episode verzichtet (abgesehen von einer Szene mit Eric Idle) auf Gastsprecher, Goose Gladwell wird hier gutgelaunt von Hank Azaria gesprochen. Als letzten Pluspunkt möchte ich noch die schöne Lisa-Charakterisierung erwähnen - besonders in den Szenen mit Homer.

Kommen wir zu den negativen Aspekten.

Wie oben zu sehen, ist FABF21 wieder eine jener Folgen, deren Qualität sich am besten in einer Aufzählung von Gags und Einzeilern beschreiben lässt. Für Komplexität und Absichten ist relativ wenig Platz. Das muß nicht negativ sein, aber trotz all des guten Humors und der amüsanten Charaktere bleibt die Episode "a bunch of funny stuff" - und für eine wirkliche OFF-Bestnote ist das irgendwie nicht genug.

Ein paar Gags wirken zudem leicht daneben - das Messer in Homers Kopf, das Plutonium-Abschlecken, die Gemeinheiten gegenüber Grampa. Smithers Aussage "Today is Christmas" sollte man wohl auch nicht allzu logisch betrachten. Was mir auch dezent störend auffiel, war Homers "The couch is like that tree"-Kommentar zum Film - das wäre auch so klar gewesen.

Ich befürchte auch, daß die Folge in der Synchro stärker an Qualität verlieren wird, da viele Problemstellen da sind, z.B. der Abzählreim am Anfang (hier muß sich die Synchro wirklich was einfallen lassen), diverser Wortwitz und Dialoghumor und Goose Gladwell im Allgemeinen. Wie wurde sein "And now it´s time for me to leave" übersetzt? Es gab mal den Vorschlag mit "Ich mach jetzt Ur-Laub". Kreative Synchro?

Fazit: schöne Spaßfolge mit einer für S1x ungewöhnlichen Kombination von Leichtigkeit, guten Ideen, Wortwitz und Sympathie für Charaktere. Wenig Substanz und Richtung, aber trotzdem Unterhaltung mit Stil und OFF-Geist (minus ein paar dezent mißlungene Gags). Im Endeffekt wohl schlicht und einfach als gut zu bezeichnen und zu bewerten. Note 2.



Review von Andreas Roth

"Dicker Mann und kleiner Junge" weckt gleich in der ersten Szene Hoffungen, eine sehr klassisch angehauchte Folge zu werden, sieht man die Kinder doch wieder einmal beim unbekümmerten Spiel im Garten. Ganz erfüllt wurden meine Hoffnungen zwar nicht, dennoch würde ich die Folge durchaus als solide bezeichnen. Hauptschwerpunkt hat man diesmal auf den Spaß gesetzt, und so reihen sich etliche zumeist auch gelungene Gags aneinander, zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. Die Handlung tritt dagegen eher in den Hintergrund und ist mehr oder weniger Wegbereiter und Stichwortgeber für den Witz.

Schön gemacht ist die Darstellung von Barts "Midlife Crisis", sowie die Interaktion von Homer und Lisa - wann haben wir Homer zuletzt so ausgelassen und umgänglich gesehen, eben ganz der naive Vater, der er in früheren Zeiten einmal war? Richtig lachen konnte man bei Homers Plutonium-Besorgungstour mit den unter Steinen versteckten Schlüsseln zum Kernreaktor oder der Szene mit dem Tierfilm, die zwar allzu voraussehbar war, aber gerade deshalb so viel Spaß machte. Zu gefallen wissen auch die zahlreichen Meta-Gags, wie die T-Shirt-Sprüche, Homers Kommentar über die Qualität koreanischer Animation.

Die Story selbst (Homer wird gefeuert, die Simpsons kommen zu Geld und verlieren es gleich wieder) ist natürlich nicht sehr innovativ, und bei einigen Gags (Homer leckt am Plutonium-Stab) hat man es vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber dies fällt kaum störend auf, vor allem, weil Tiefschläge, wie man sie in der Vergangenheit nur allzu oft erleben mußte, diesmal nicht vorkamen.

Die deutsche Synchro war diesmal leider nicht allzu gelungen; so wunderte es mich, warum man den Abzählreim am Anfang nicht übersetzt hat (zugegeben, so etwas ist nicht immer einfach, aber es sollte machbar sein), und die vielen neuen Stimmen (Skinner, Chalmers, Grampa,...) sind immer noch gewöhnungsbedürftig. Nervig auch das immerwährende Vogelgezwitscher bei allen Freiluft-Szenen, das sollte IVAR wirklich so langsam mal abstellen.

Mit einigen Abstrichen bei der Handlung konnte man jedenfalls eine durchaus gelungene und vor allem sehr witzige Folge erleben, die über weite Teile auch an klassische Episoden anknüpfen konnte. Hierfür vergebe ich diesmal eine versönliche 2.



Review von Christian Hackl

Zuallererst möchte ich Ivar dazu gratulieren, daß er einen wertvollen Beitrag zur Völkerverständigung leistet. Setzt doch erst einige Zeit, nachdem die Folge in der amerikanischen Originalfassung begonnen hat, langsam die deutsche Synchronisation ein. Bravo! Dieser Mann ist eben ein wahrer Diplomat.

Zu solchen Begeisterungsstürmen kann einen die Folge selbst aber nicht animieren. Die Handlung wirkt chaotisch zusammengewürfelt, und die Witze sind meist zum Vergessen. Bloß Smithers' Anmerkung, daß heute Weihnachten sei, ist wirklich zum Lachen. Über alles andere kann man bestenfalls müde lächeln.

Ein besonders katastrophaler Fall von Witze-durch-Erklären-kaputtmachen liegt vor, als Homer im Fernsehen die Sendung über die Löwen sieht und die ach so komplizierte Pointe dem Zuseher danach ins Gesicht gedrückt wird: Die Couch ist wie dieser Ast! Ach, tatsächlich? Und weiter in dieser Tonart: Homer erklärt Lisa und damit dem Zuseher (den die Produzenten bei solchen Szenen nicht für sonderlich intelligent halten können), daß ihm das Fernsehen gerade gesagt hätte, er solle sich um sie kümmern. Nein, sowas aber auch!

Das Messer im Kopf und die Spuckangriffe Barts fallen unter die Kategorie "Scully-Unfug".

Was nun die Handlung betrifft, so ist die Idee, daß Bart das traurige Gefühl hat, der Kindheit zu entwachsen, gut. Daß Homer bald darauf finanziell von Bart abhängig wird, ist auch gut. Die Charakterisierung der Beteiligten bleibt dabei sogar einigermaßen im Rahmen. Daß Homer etwa bereitwillig Lisa bei ihrem Wettbewerb unterstützt, wäre in Scully-Zeiten schon als riesiger Charakterisierungserfolg gefeiert worden. Hier läßt sich ein Unterschied zur Jean-Ära nicht leugnen.

Dafür zeigt die Folge auf, was heutzutage ein großes Problem der Serie sein scheint: Gute, reife Ideen gäbe es zwar genug, doch sie können nicht mehr ernsthaft umgesetzt werden. Statt dessen sind (a) ein Gaukler mit ein paar kindischen Tricks und (b) ein von Homer im Keller zusammengebauter Mini-Atomreaktor tragende Handlungselemente. Hier würde ich mir bessere, realistischere Ideen wünschen. So hat es einfach keinen Sinn, irgendwelche tieferen Themen zu berühren.

Die Regie hatte auch kein glückliches Händchen. Barts Rauswurf aus dem Geschäft kommt viel zu plötzlich und wird viel zu lieblos abgespult; die Tränen danach wirken entsprechend künstlich. Keine Spur mehr von irgendwelcher Emotion.

Ein weiterer Minuspunkt ist, daß die Nebenhandlung ins Nichts läuft. Zwar kann man problemlos darauf verzichten, Lisa bei ihrem x-ten Wettbewerb in der Serie zuzusehen, aber trotzdem macht ein abgeschnittener Handlungsstrang keinen guten Eindruck.

So bleibt es alles in allem nur bei einer leicht überdurchschnittlichen Folge. Das Gute an ihr ist weniger das, was sie enthält, sondern vielmehr das, was sie eingedenk massiv schlechterer Folgen in der Serie nicht enthält.

Note: 3+



Review von Tobias J. Becker

Die heutige Folge konnte man sich ohne Magenkrämpfe anschauen. Im Gegenteil, man kann sie sich sogar ohne Probleme mehrmals anschauen und sie ist immer noch unterhaltsam.

Was mich nur jedes Mal wieder im Nachhinein wundert, ist, wie aus einer Bart-Folge auf einmal eine Homer-/Lisa-Folge wird und dann am Ende wieder eine Bart-(/Homer-)Folge. Es sind nicht richtig zwei Handlungsstränge, sondern die eine Geschichte geht in die andere über und wieder zurück. Es stört aber auch nicht direkt, allerdings finde ich diesmal den Bart-Strang interessanter, so gerne ich auch sonst Homer-/Lisa-Geschichten mag.

Bart kommt zu der Erkenntnis, dass seine Kindheit vorbei ist und nun versucht er krampfhaft, sich ein neues Image zu verschaffen - die Idee hat mir von Anfang an gefallen. Dass Bart seine Idee vermarkten lassen kann, bringt die Geschichte in eine andere Richtung als erwartet, weicht von der eigentlichen Thematik ab, schafft aber Platz für einigen Humor vom alten Schlag und einen witzigen Goose Gladwell. Da Homer auch von Barts Erfolg profitiert, braucht er nicht mehr zu arbeiten und hat jetzt mehr Zeit für Lisa. Er interessiert sich wirklich für Lisas aktuelles Projekt. Ganz in Tradition von Heimwerker-König Tim Taylor und anderen überengagierten Vätern beschließt er, Lisas Projekt etwas aufzumotzen, was ihn kurioserweise wieder zurück an seinen Arbeitsplatz führt, dem Atomkraftwerk. Dass nicht vor, sondern selbst im Kraftwerk ein Schlüssel unter einem Stein versteckt ist, der durch dessen anzunehmende Auffälligkeit die ganze Idee dahinter sinnlos macht, ist ein geistreicher, verdrehter Gag, wie ich ihn in jüngerer Zeit oft vermisse. Überhaupt ist die ganze Szene mit der Titelmelodie von "Der rosarote Panther" schön. Homer und Radioaktivität ist eine alte umstrittende Geschichte, aber wie er hier versucht, das funktionierende Atomkraftmodell zu verdecken, dabei aber durchleuchtet wird, bringt einen wirklich zum lachen. Auch der Krusty-Geigerzähler ist ein lustiger Einfall, bei dem man sich fragt, an was für eine Zielgruppe die Merchandiseprodukthersteller dabei nur dachten :-) Als Bart bemerkt, dass er über's Ohr gehauen wurde, muss Homer auch hier eingreifen und macht das auf seine eigene Art. Ja, auch in dieser Folge haben wir wieder den sympathischen Homer, den ich mag. Am Ende sieht Bart ein, dass er zumindest seine Position als Sohn, der von seinem Vater im Notfall Hilfe erwarten kann, nicht verloren hat, selbst wenn seine Kindheit sich vielleicht dem Ende zuneigt. Über den Abspann gibt es auch wieder eine Szene, die in der Folge nicht nehr untergebracht werden konnte, aber an eine Stelle anknüpft, hier an Barts Versuch, seinen letzten Milchzahn zu verlieren. Auch hier gilt wieder: Nette Idee, gefällt mir.

Note 2


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