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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Viele Flanders-Auftritte der letzten Jahre hatten ein großes Problem, nämlich die Charakterisierung. Ned wurde meistens als hyper-religiöse Selbstkarikatur dargestellt, der es an jeglicher Tiefe mangelte. Auch die Thematisierung von Neds Verlust von Maude wurde in der Scully-Ära auffallend platt abgewickelt, die zweimal auftauchende Figur der sehr farblos wirkenden Rachel Jordan konnte daran auch nichts ändern.

Die heutige EABF08 geht da einen deutlich besseren Weg. Neds Einsamkeit wird konkret und mit genug Laufzeit dargestellt, speziell die Szene als er zum Leftorium geht (man beachte die nette Musik) ist schön gestaltet. Neds Verhalten mag zwar etwas ungewöhnlich wirken, es macht ihn IMO aber wieder deutlich menschlicher. Das Interesse von Sara Sloane an Ned wird plausibel erklärt (er ist einfach mehr "Mensch" als die Leute aus Holly- wood) und ihre Charakterisierung ist erstaunlich sympathisch und nicht nur auf ein plumpes "sexy moviestar"-Stereotyp beschränkt.

Wir haben viel netten Humor, an passenden Stellen auch zurückhaltender. Es sind zwar diverse sexuelle Anspielungen mit drin, in diesem Fall ist das meist passend und wirkt nicht aufgesetzt. Besonders genial ist Neds Hollyweird-Fantasie. Die Anspielung auf Benny Hill ist sicherlich etwas schräg, der Seitenhieb auf die sophisticated subtlety of British humour dennoch amüsant. Die Hauptreferenz der Folge dürfte "Notting Hill" sein, man beachte auch die nette "Psycho"-Referenz mit dem Rückspiegel.

Die Folge wird in der Ivarisierung sicherlich an Qualität verlieren. In der OV kommt ein Teil ihrer Qualität auch aus Harry Shearers brillanter Ned-Darstellung, auch Marisa Tomei ist sehr gut als Sara Sloane. Manche Stellen dürften relativ schwer zu übersetzen sein, z.B. Cher-Crow oder Spongebob Nopants und mehr.

Kommen wir zu den negativen Aspekten.

Da läßt sich eigentlich wenig finden. Satirisch bleibt die Folge eher harmlos, auch wenn die Anspielungen auf Hollywood gelungen sind, etwa Rod und Todds Auftritt in der Fantasie. Die Satire über Schmierblätter ist ebenfalls nett ("Let´s concoct more lies"), wird aber nur relativ kurz gestreift. Ein paar Jokes zünden nicht ganz, z.B. Apu, der seine Kinder an Ned und Sara verkaufen will. Der Schluß wirkt etwas hastig, wobei mich die erneute Benny-Hill-Szene aber eher wenig stört.

Fazit: IMO beste Ned-Folge seit Jahren mit viel nettem Humor, guten Einfällen, sympathischen Charakteren - einfach angenehm anzuschauen. Woran es ihr als OFF-Folge etwas mangelt, ist vielleicht Schärfe im satirischen Umgang mit dem Hollywood/Tabloid?-Thema, aber das ist in dem Fall wenig störend. Note A-

Chris

Review von Andreas Roth

"A Star Is Born Again" hebt sich erfrischend von dem Einheitsbrei ab, den wir in der letzten Zeit vielfach serviert bekamen, was natürlich auch durch die berühmten Vorlage zu begründen ist. Aber für Referenzen und Parodien waren die Simpsons ja schon immer bekannt, und so sehen wir endlich wieder einmal eine routinierte Inszenierung, die nahezu aus einem Guß wirkt.

Besonders erfreulich ist, daß viel Wert auf die Charakterisierung gelegt wurde, wobei Flanders fast schon etwas zu forsch erscheint, wurde er in der Vergangenheit doch nahezu ausschließlich aus keuscher, absolut bibeltreuer Christ dargestellt. Sein Interesse an Sara wirkt jedoch durchaus überzeugend, zumal es sehr gefühlvoll herübergebracht wird.

Überhaupt zeigt die Episode sich von einer sehr romantischen Seite, die gekonnt mit vielen simpsonstypischen Gags aufgelockert wird, welche zum Glück größtenteils ohne kruden Humor auskommen. Lediglich Dinge wie die Raupe, die sich in Homers Mund innerhalb von Sekunden in einen Schmetterling verwandet, oder Apus Versuch, seine Kinder loszuwerden, wirken etwas deplatziert.

Hervorragend sind jedoch die verschiedenen Phantasie-Sequenzen, sowohl was Witz (strippende Bibel), als auch was das surrealistische betrifft ("Hollyweird"). Überhaupt wird diesmal optisch sehr viel geboten, was zusätzlich zur Atmosphäre beiträgt. Auch Zwischeneinlagen wie Lennys Autogrammwunsch ("Das stell' ich gleich bei eBay 'rein.") sorgen für den einen oder anderen Lacher und lockern die Geschichte auf.

Größter Kritikpunkt ist der überhastete Schluß, hier fehlte wohl einfach die Sendezeit, um die Folge gebührend abschließen zu können. Auch Flanders' Tabubruch (Sex vor der Ehe) macht ein wenig die Stimmung kaputt; zwar ist es, wie weiter oben erwähnt, durchaus positiv, daß er nicht mehr als fanatischer Super-Christ dargestellt wird, sondern so wie früher als braver, gottesfürchtiger Bürger (schön in diesem Zusammenhang ist auch das Wiederauftauchen des Leftoriums), daß er jedoch letztendlich alle seine Prinzipien über Bord wirft, enttäuscht schon etwas.

Zwar ist von vorneherein klar, daß aus der Beziehung zwischen einem Springfielder und einem Hollywoodstar nichts werden kann, und so überrascht der Schluß natürlich auch nicht. Jedoch bleiben bis auf den kleinen Ausreißer im letzten Akt viele positive Eindrücke zurück, so daß ich diesmal eine 2+ vergebe.

Andreas


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