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Die Simpsons
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Um nicht aus der Übung zu kommen, mal wieder ein kleines Review. Ich werde mich heute einer meiner absoluten Lieblingsfolgen zuwenden, der IMO genialen 3F22 "Summer of 4 Ft 2", dem Season Finale der letzten großen Staffel, S7.

Die Episode ist wieder mal so komplex, daß das folgende Review nur einen Teil der konzeptuellen Breite abdeckt, weitere Meinungen und Interpretationen können gerne genannt werden. Ich werde mich im folgenden Text auch nicht mit normalen Referenzen, offensichtlichen Handlungsebenen und dem natürlich brillanten Humor beschäftigen. Ich empfehle, die Folge nach dem Review nochmal zu schauen, um die erwähnten Bezüge (und mehr) zu entdecken.

Obwohl das Subversionsbuch viele meiner Lieblingsfolgen etwas vernachlässigt, wird gerade 3F22 als herausragende und raffinierte Folge gelobt, ohne jedoch wirklich konkret auf genaue Qualitäten einzugehen. Ich will versuchen, das im Review nachzuholen.

Ein Kernpunkt der Folge ist der Unterschied zwischen dem festen (stereotypen) Rollenschema der (Kinder)gesellschaft in Springfield und dem weit offerenen Konzept der Kinder im Urlaubsort mit dem langen Namen. Die Folge ist somit nicht nur tiefergehendes Charaktermaterial, sondern auch Sozialparabel.

Aber der Reihe nach. In Springfield (als Ort der satirischen Überzeichung sozialer Rollenbilder) gilt eine strikte Gruppentrennung - Nerds gehören zu Gruppen von Nerds und hippe Kids gehören zu Gruppen von hippen Kids (oder zu "nihilistischen dudes", wie es das Subversionsbuch ausdrückt.) Nerds erfahren nur unter sich Bestätigung durch Wissen, hippe Kids erfahren ebenfalls nur unter sich Bestätigung durch "Kewlheit". Die Grenzen sind abgesteckt.

Wichtig für das Verständnis der Ep => Kein Nerd oder Intellektueller würde in einer Gruppe hipper Kids der Popkulturgesellschaft in Springfield als gleichwertig gelten. Der Auftakt der Folge mit den Szenen am letzten Schultag ist deshalb essentiell wichtig und zeigt uns eben nochmal genau dieses "Springfield-Rollenschema" - in dem natürlich auch Bart und Lisa stecken.

Lisas Ausgrenzung durch ihr "erwachsenes" Verhalten wird hier thematisiert. Sie hat kompetent (und völlig gegen ihr Alter) gehandelt, als sie die Ausgabe des Schuljahrbuches übernommen hat. Dadurch erfährt sie zwar Bestätigung durch ihre eigene "Sozialschicht" (die Nerd-Mädchen, die Lisa bei dem Projekt helfen) wird aber von den anderen Kindern automatisch ausgegrenzt. Die symbolische Szene, als Lisa allein auf dem leeren Schulgang steht und ein Jahrbuch ohne Einträge in der Hand hält, ist hier symptomatisch => Lisa erfährt keine echte Anerkennung durch die Masse auf den Gängen.

Barts Zugehörigkeit zur hippen Riege der Grundschule wird als Gegenpol thematisiert - Kinder aller Klassen stehen an, um Autogramme vom berühmten "Underachiever and Proud of it" zu bekommen (hier klingt sogar ein gewisser Meta-Bezug an). Barts Rolle wird sogar deutlich satirisch überbetont, als ihn selbst Rektor Skinner um ein Autogramm bittet. Das mag auf den ersten Blick als bizarr und out-of-character erscheinen, es unterstreicht hier aber doch gekonnt die Rollenverteilung in Springfield.

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, wie raffiniert diese Szenen sind und wie stark sie bereits auf den weiteren Verlauf der Handlung vorbereiten. Einen Vergleich mit den nutzlosen und überlangen Gag-Reihen in der S1x-Leere spare ich mir lieber.

Die folgende Urlaubsreise (geniale Idee) ist in gewisser Weise gar ein Novum in der Serie. Diese Reise dient nicht etwa dazu, die Familie einfach in lustige Situationen an neuen Orten zu bringen, die Reise ist hier durchaus metaphorisch zu sehen, als Symbol für Lisas Weggang aus dem alten Rollenschema zu ihrer Hinterfragung des eigenen Charakters. In Springfield wäre sie weiter "gefangen", im Urlaub können sich aber neue Facetten entfalten und weiterentwickeln. Für Lisa ist die Fahrt auch eine Art von Selbsterfahrungstrip in eine andere (jugendsoziale) Welt als das gewohnte Springfield, ihr "Aufbruch" wird in ihrem Satz "Goodbye Lisa Simpson" bei der Abfahrt deutlich.

Nach der Ankunft in der "neuen Welt" ist sich Lisa noch unsicher über ihre Aktionen, was in der einzigen surrealen Szene der ansonsten komplett realistischen Folge betont wird - Lisa sieht sich selbst mit den "Geistern" ihres Intellekts konfrontiert - den Figuren, die aus Büchern steigen und versuchen, sie in die Bibliothek zu locken (ein brillanter und wohldosierten Einsatz von Surrealität, der nicht für billige Gags im Hintergrund dient, sondern zur Unterstreichung einer emotionalen Situation.)

Durch hippe Kleidung hat sie sich bereits visuell von ihrer alten Rolle getrennt und als sie endlich auf andere Kinder trifft, versucht sie es auch durch verbale Anpassung. Hier zeigt sich aber wieder ihr eingeschränktes Denken nach Springfield-Spielregeln, da sie die Kommunikation mit den Kindern zum Einen mit einer gestellten Phrase beginnt ("Like you know whatever...") und außerdem (nach freundlicher Aufnahme) sofort nach gewohntem Sarkasmus scannt.

Dieses Denken - die Angst als "Nerd" nicht zur Gruppe zu gehören - zieht sich weiter durch diese Folge und stellt sich erst am Schluß als völlig unbegründet heraus. Aber soweit sind wir noch nicht. Lisa entwickelt sich als Charakter, sie adaptiert aber zum Teil auch Fremdverhalten und verleugnet ihren eigenen Charakter, z.B. durch Anwendung von Barts "Don´t have a cow, man."

Bart denkt nach wie vor in den festen Rollenschemen von Springfield und ist daher überzeugt, das ihn seine Skateboardnummer sofort beliebt machen wird, denn hippe Kids gehören schließlich zu hippen Kids und beeindrucken sich durch Kewlheit. Hier irrt Bart, denn die Kinder am Urlaubsort sind nicht die nihilistischen Dudes aus Springfield, sondern in gewisser Hinsicht weit freiere Charaktere. Daher kommt seine Vorstellung nicht an und wird als "Anbiederung" durchschaut. Dieses Verhalten übersteigt Barts Horizont und er vermutet, das die Kinder wohl einen Nerd gesehen haben und ihn nur deshalb ablehnen (er sagt daher sofort zu Milhouse "They must have seen you...").

Milhouse´ Rolle in der gesamten Handlung unterstreicht, das Nerds unter hippen Kids in Springfield niemals als gleichwertig gelten können. Milhouse fungiert als untergebener Charakter, er muß sich in Büschen verstecken, wenn es Bart verlangt und bekommt sogar noch die Schuld am Versagen von Barts Anbiederung, denn bei sich (er ist schließlich hip) sucht Bart diese Schuld nicht. Das Milhouse von Homer beim Brettspiel als "Dud" bezeichnet wird, betont hier nur seine Funktion im Plot, anders als Lisa ist er nämlich nicht in der Lage, im Urlaub mit seiner Rolle gegenüber Bart zu brechen.

Bart macht im Folgenden zwei Fehler - er vermutet sowohl, das ihre neuen Freunde Lisa natürlich sofort fallenlassen, wenn sie im Jahrbuch die Wahrheit sehen (die Kinder in Springfield würden es tun) und er vermutet, das sich Lisa dann ihrer alten Rolle wieder bewußt wird und sich eingliedert und alle Dinge wieder so werden, wie sie seiner Meinung nach sein müssen. Er hat nicht mit Lisas Frustration gerechnet, die er sich zuziehen wird - der Automatismus, mit dem sich alle Nerds in Springfield in ihre Rollen fügen, ist nämlich durch ihre Charakterentwicklung ausgesetzt worden.

Um zum Ende zu kommen - Lisa will sich unter Tränen gerade wieder in ihre Rolle fügen, als ihr die Kinder zeigen, das sie eben "mehr" sind als sie erwartet hatte und das sie über dem Rollenverhalten stehen, das Lisa gewohnt ist. Es zählt nicht, ob sie in Springfield als "Nerd" gilt, es zählt, was sie für ein Mensch ist und was sie für die Freunde getan hat. "Lisa rules" ist in diesem Sinn auch wieder als eine Selbstfindungsbotschaft zu sehen. Sie muß sich nicht ändern oder verleugnen, sie ist gut so wie sie ist. You are Lisa Simpson.

Die DV habe ich eine Weile nicht mehr gesehen, die Übersetzung dürfte annehmbar sein. Ein Fehler, der mir noch einfällt - "flag fearing" heißt in der DV wohl "Flaggen fütternd" (?). Ivar Spielregeln. Es gibt glaube ich sogar ein BART-File zur Folge. Ein paar Sachen sind in der DV sicher nicht deutlich zu erkennen (z.B. das "Don´t have a cow") und Frau Bohlmann reicht natürlich mal wieder nicht an die coole Brillanz von Yeardley Smith ran. Stellen wie "I´m the sister of a rotten, jelaous, mean little sneak" sollte man auf jeden Fall im Original hören.

Fazit: Ein kleines Meisterwerk in der Tradition von "Lisa´s Substitute" und IMO die beste Folge der mittleren Staffeln, eine wunderbare Charakterfolge, die auch die typischen Cartoonkonventionen von Stereotypen zugunsten einer dreidimensionalen Charakterisierung ad absurdum führt. Darüber hinaus ist es auch eine Sozialparabel über (Kinder)gesellschaft und Rollenschemata und mehr. Ein Novum unter den Urlaubsfolgen und vielleicht eine der letzten wirklich großen Folgen. Note A+.
Um nicht aus der Übung zu kommen, mal wieder ein kleines Review. Ich
werde mich heute einer meiner absoluten Lieblingsfolgen zuwenden, der
IMO genialen 3F22 "Summer of 4 Ft 2", dem Season Finale der vielleicht
letzten wirklich großen Staffel, S7.

Die Episode ist wieder mal so komplex, daß das folgende Review nur einen
Teil der konzeptuellen Breite abdeckt, weitere Meinungen und Interpreta-
tionen können gern genannt werden. Ich werde mich im folgenden Text auch
nicht mit normalen Referenzen, offensichtlichen Handlungsebenen und dem
natürlich brillanten Humor beschäftigen, sondern (wie üblich) versuchen,
einen interpretatorischen Blick "hinter die Fassade" zu werfen.

Obwohl das Subversionsbuch viele meiner Lieblingsfolgen etwas vernach-
lässigt, wird gerade 3F22 als herausragende und raffinierte Folge ge-
lobt, ohne jedoch wirklich konkret auf genaue Qualitäten einzugehen.
Ich will versuchen, das im Review nachzuholen.

Ein Kernpunkt der Folge ist der Unterschied zwischen dem festen (stereo-
typen) Rollenschema der (Kinder)gesellschaft in Springfield und dem weit
offerenen Konzept der Kinder im Urlaubsort mit dem langen Namen. Die Ep
ist somit nicht nur tiefergehendes Charaktermaterial, sondern auch eine
Sozialparabel.

Aber der Reihe nach. In Springfield (als Ort der satirischen Überzeich-
nung sozialer Rollenbilder) gilt eine strikte Gruppentrennung - Nerds
gehören zu Gruppen von Nerds und hippe Kids gehören zu Gruppen von hip-
pen Kids (oder zu "nihilistischen dudes", wie es das Subversionsbuch
ausdrückt.) Nerds erfahren nur unter sich Bestätigung durch Wissen, hip-
pe Kids erfahren ebenfalls nur unter sich Bestätigung durch "Kewlheit".
Die Grenzen sind klar abgesteckt.

Wichtig für das Verständnis der Ep => Kein Nerd oder Intellektueller
würde in einer Gruppe hipper Kids der Popkulturgesellschaft in Spring-
field als gleichwertig gelten. Der Auftakt der Folge mit den Szenen am
letzten Schultag ist deshalb essentiell wichtig und zeigt uns nochmal
genau dieses "Springfield-Rollenschema" - in dem natürlich auch Bart
und Lisa stecken.

Lisas Ausgrenzung durch ihr "erwachsenes" Verhalten wird hier deutlich
thematisiert. Sie hat kompetent (und völlig gegen ihr Alter) gehandelt,
als sie die Ausgabe des Schuljahrbuches übernommen hat. Dadurch erfährt
sie zwar Bestätigung durch ihre eigene "Sozialschicht" ("Nerd"-Mädchen,
die Lisa bei dem Projekt helfen) wird aber von den anderen Kindern auto-
matisch ausgegrenzt. Die symbolische Szene, als Lisa allein auf dem
leeren Schulgang steht und ein Jahrbuch ohne Einträge in der Hand hält,
ist hier symptomatisch => Lisa erfährt keine echte Anerkennung durch die
Masse auf den Gängen.

Barts Zugehörigkeit zur hippen Riege der Grundschule wird als Gegenpol
thematisiert - Kinder aller Klassen stehen an, um Autogramme vom berühm-
ten "Underachiever and Proud of it" zu bekommen (hier klingt sogar ein
gewisser Meta-Bezug an). Barts Rolle wird sogar deutlich satirisch über-
betont, als ihn selbst Rektor Skinner um ein Autogramm bittet. Das mag
auf den ersten Blick als bizarr und out-of-character erscheinen, hier
unterstreicht es aber doch gekonnt die Rollenverteilung in Springfield.

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, wie raffiniert diese Szenen sind
und wie stark sie bereits auf den weiteren Verlauf der Handlung vorbe-
reiten. Einen Vergleich mit den nutzlosen und überlangen Gag-Reihen in
der S1x-Leere spare ich mir lieber.

Die folgende Urlaubsreise (geniale Idee) ist in gewisser Weise gar ein
Novum in der Serie. Diese Reise dient nicht etwa dazu, die Familie ein-
fach in lustige Situationen an neuen Orten zu bringen, die Reise ist
hier durchaus metaphorisch zu sehen, als Symbol für Lisas Weggang aus
dem alten Rollenschema zu ihrer Hinterfragung des eigenen Charakters.
In Springfield wäre sie weiter "gefangen", im Urlaub können sich aber
neue Facetten entfalten und weiterentwickeln. Für Lisa ist diese Fahrt
auch eine Art von Selbsterfahrungstrip in eine andere (jugendsoziale)
Welt als das gewohnte Springfield, ihr "Aufbruch" wird in ihrem Satz
"Bye Bye Lisa Simpson" bei der Abfahrt deutlich.

Nach der Ankunft in der "neuen Welt" ist sich Lisa noch unsicher über
ihre Aktionen, was in der einzigen surrealen Szene der ansonsten komp-
lett realistischen Folge betont wird - Lisa sieht sich selbst mit den
"Geistern" ihres Intellekts konfrontiert - den Figuren, die aus Büchern
steigen und versuchen, sie in die Bibliothek zu locken (ein brillanter
und wohldosierten Einsatz von Surrealität, der nicht für billige Gags
im Hintergrund dient, sondern zur Unterstreichung einer emotionalen
Situation.)

Durch hippe Kleidung hat sie sich bereits visuell von ihrer alten Rolle
getrennt und als sie endlich auf andere Kinder trifft, versucht sie es
auch durch verbale Anpassung. Hier zeigt sich aber wieder ihr zu einge-
schränktes Denken nach Springfield-Spielregeln, da sie die Kommunikation
mit den Kindern zum Einen mit einer gestellten Phrase beginnt ("Like you
know whatever...") und außerdem (nach freundlicher Aufnahme) sofort nach
gewohntem Sarkasmus scannt.

Dieses Denken - die Angst als "Nerd" nicht zur Gruppe zu gehören - zieht
sich weiter durch diese Folge und stellt sich erst am Schluß als völlig
unbegründet heraus. Aber soweit sind wir noch nicht. Lisa entwickelt
sich als Charakter, sie adaptiert aber zum Teil auch Fremdverhalten und
verleugnet ihren eigenen Charakter, z.B. durch Kopie/Anwendung? von Barts
klassischer catchphrase "Don´t have a cow, man."

Bart denkt nach wie vor in den festen Rollenschemen von Springfield und
ist daher überzeugt, das ihn seine Skateboardnummer sofort beliebt mach-
en wird, denn hippe Kids gehören schließlich zu hippen Kids und beein-
drucken sich durch Kewlheit. Hier irrt Bart, denn die Kinder am Urlaubs-
ort sind nicht die "nihilistischen Dudes" aus Springfield, sondern in
gewisser Hinsicht weit freiere Charaktere. Daher kommt seine Vorstellung
nicht an und wird als "Anbiederung" durchschaut. Dieses Verhalten über-
steigt Barts Horizont und er vermutet, daß die Kinder wohl einen Nerd
gesehen haben und ihn nur deshalb ablehnen (er sagt daher sofort zu
Milhouse "They must have seen you...")

Milhouse´ Rolle in der gesamten Handlung unterstreicht, das Nerds unter
hippen Kids in Springfield niemals als gleichwertig gelten können. Mil-
house fungiert als untergebener Charakter, er muß sich in Büschen ver-
stecken, wenn es Bart verlangt und bekommt sogar noch die Schuld am
Versagen von Barts Anbiederung, denn bei sich (er ist schließlich hip)
sucht Bart diese Schuld nicht. Das Milhouse von Homer beim Brettspiel
als "Dud" bezeichnet wird, betont hier nur seine Funktion im Plot, denn
anders als Lisa ist er nämlich nicht in der Lage, im Urlaub mit seinem
Rolleverhalten gegenüber Bart zu brechen.

Bart macht im Folgenden zwei Fehler - er vermutet sowohl, daß ihre
neuen Freunde Lisa natürlich sofort fallenlassen, wenn sie im Jahr-
buch die Wahrheit sehen (die Kinder in Springfield würden es tun) und
er vermutet, das sich Lisa dann ihrer alten Rolle wieder bewußt wird
und sich eingliedert und alle Dinge wieder so werden, wie sie seiner
Meinung nach sein müssen. Er hat nicht mit Lisas Frustration gerechnet,
die er sich zuziehen wird - der Automatismus, mit dem sich alle Nerds
in Springfield in ihre Rollen fügen, ist nämlich durch ihre Charakter-
entwicklung ausgesetzt worden.

Um zum Ende zu kommen - Lisa will sich unter Tränen gerade wieder in
ihre Rolle fügen, als ihr die Kinder zeigen, das sie eben "mehr" sind
als sie erwartet hatte und das sie über dem Rollenverhalten stehen, das
Lisa gewohnt ist. Es zählt nicht, ob sie in Springfield als "Nerd" gilt,
es zählt, was sie für ein Mensch ist und was sie für die Freunde getan
hat. "Lisa rules" ist in diesem Sinn auch wieder als eine Art Selbst-
findungsbotschaft zu sehen. Sie muß sich nicht ändern oder verleugnen,
sie ist gut so wie sie ist. You are Lisa Simpson.

Die DV habe ich eine Weile nicht mehr gesehen, die Übersetzung dürfte
annehmbar sein. Ein Fehler, der mir noch einfällt - "flag fearing"
heißt in der DV wohl "Flaggen fütternd" (?). Ivar Spielregeln. Es gibt
glaube ich sogar ein BART-File zur Folge. Ein paar Sachen sind in der
DV sicher nicht deutlich zu erkennen (z.B. das "Don´t have a cow") und
Frau Bohlmann reicht natürlich mal wieder nicht an die coole Brillanz
von Yeardley Smith ran. Stellen wie "I´m the sister of a rotten,
jelaous, mean little sneak" sollte man auf jeden Fall im Original hören.

Fazit: Ein kleines Meisterwerk in der Tradition von "Lisa´s Substitute"
und IMO die wohl beste Folge der mittleren Staffeln, eine wunderbare
Charakterfolge, die auch die typischen Cartoonkonventionen von Stereo-
typen zugunsten einer dreidimensionalen Charakterisierung ad absurdum
führt. Darüber hinaus ist es auch eine Sozialparabel über (Kinder)-
gesellschaft und Rollenschemata und mehr. Ein Novum unter den Urlaubs-
folgen und vielleicht eine der letzten wirklich großen Folgen. Note A+.

Review von Chris Pfeiler

Um nicht aus der Übung zu kommen, mal wieder ein kleines Review. Ich werde mich heute einer meiner absoluten Lieblingsfolgen zuwenden, der IMO genialen 3F22 "Summer of 4 Ft 2", dem Season Finale der vielleicht letzten wirklich großen Staffel, S7.

Die Episode ist wieder mal so komplex, daß das folgende Review nur einen Teil der konzeptuellen Breite abdeckt, weitere Meinungen und Interpreta- tionen können gern genannt werden. Ich werde mich im folgenden Text auch nicht mit normalen Referenzen, offensichtlichen Handlungsebenen und dem natürlich brillanten Humor beschäftigen, sondern (wie üblich) versuchen, einen interpretatorischen Blick "hinter die Fassade" zu werfen.

Obwohl das Subversionsbuch viele meiner Lieblingsfolgen etwas vernach- lässigt, wird gerade 3F22 als herausragende und raffinierte Folge ge- lobt, ohne jedoch wirklich konkret auf genaue Qualitäten einzugehen. Ich will versuchen, das im Review nachzuholen.

Ein Kernpunkt der Folge ist der Unterschied zwischen dem festen (stereo- typen) Rollenschema der (Kinder)gesellschaft in Springfield und dem weit offerenen Konzept der Kinder im Urlaubsort mit dem langen Namen. Die Ep ist somit nicht nur tiefergehendes Charaktermaterial, sondern auch eine Sozialparabel.

Aber der Reihe nach. In Springfield (als Ort der satirischen Überzeich- nung sozialer Rollenbilder) gilt eine strikte Gruppentrennung - Nerds gehören zu Gruppen von Nerds und hippe Kids gehören zu Gruppen von hip- pen Kids (oder zu "nihilistischen dudes", wie es das Subversionsbuch ausdrückt.) Nerds erfahren nur unter sich Bestätigung durch Wissen, hip- pe Kids erfahren ebenfalls nur unter sich Bestätigung durch "Kewlheit". Die Grenzen sind klar abgesteckt.

Wichtig für das Verständnis der Ep => Kein Nerd oder Intellektueller würde in einer Gruppe hipper Kids der Popkulturgesellschaft in Spring- field als gleichwertig gelten. Der Auftakt der Folge mit den Szenen am letzten Schultag ist deshalb essentiell wichtig und zeigt uns nochmal genau dieses "Springfield-Rollenschema" - in dem natürlich auch Bart und Lisa stecken.

Lisas Ausgrenzung durch ihr "erwachsenes" Verhalten wird hier deutlich thematisiert. Sie hat kompetent (und völlig gegen ihr Alter) gehandelt, als sie die Ausgabe des Schuljahrbuches übernommen hat. Dadurch erfährt sie zwar Bestätigung durch ihre eigene "Sozialschicht" ("Nerd"-Mädchen, die Lisa bei dem Projekt helfen) wird aber von den anderen Kindern auto- matisch ausgegrenzt. Die symbolische Szene, als Lisa allein auf dem leeren Schulgang steht und ein Jahrbuch ohne Einträge in der Hand hält, ist hier symptomatisch => Lisa erfährt keine echte Anerkennung durch die Masse auf den Gängen.

Barts Zugehörigkeit zur hippen Riege der Grundschule wird als Gegenpol thematisiert - Kinder aller Klassen stehen an, um Autogramme vom berühm- ten "Underachiever and Proud of it" zu bekommen (hier klingt sogar ein gewisser Meta-Bezug an). Barts Rolle wird sogar deutlich satirisch über- betont, als ihn selbst Rektor Skinner um ein Autogramm bittet. Das mag auf den ersten Blick als bizarr und out-of-character erscheinen, hier unterstreicht es aber doch gekonnt die Rollenverteilung in Springfield.

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, wie raffiniert diese Szenen sind und wie stark sie bereits auf den weiteren Verlauf der Handlung vorbe- reiten. Einen Vergleich mit den nutzlosen und überlangen Gag-Reihen in der S1x-Leere spare ich mir lieber.

Die folgende Urlaubsreise (geniale Idee) ist in gewisser Weise gar ein Novum in der Serie. Diese Reise dient nicht etwa dazu, die Familie ein- fach in lustige Situationen an neuen Orten zu bringen, die Reise ist hier durchaus metaphorisch zu sehen, als Symbol für Lisas Weggang aus dem alten Rollenschema zu ihrer Hinterfragung des eigenen Charakters. In Springfield wäre sie weiter "gefangen", im Urlaub können sich aber neue Facetten entfalten und weiterentwickeln. Für Lisa ist diese Fahrt auch eine Art von Selbsterfahrungstrip in eine andere (jugendsoziale) Welt als das gewohnte Springfield, ihr "Aufbruch" wird in ihrem Satz "Bye Bye Lisa Simpson" bei der Abfahrt deutlich.

Nach der Ankunft in der "neuen Welt" ist sich Lisa noch unsicher über ihre Aktionen, was in der einzigen surrealen Szene der ansonsten komp- lett realistischen Folge betont wird - Lisa sieht sich selbst mit den "Geistern" ihres Intellekts konfrontiert - den Figuren, die aus Büchern steigen und versuchen, sie in die Bibliothek zu locken (ein brillanter und wohldosierten Einsatz von Surrealität, der nicht für billige Gags im Hintergrund dient, sondern zur Unterstreichung einer emotionalen Situation.)

Durch hippe Kleidung hat sie sich bereits visuell von ihrer alten Rolle getrennt und als sie endlich auf andere Kinder trifft, versucht sie es auch durch verbale Anpassung. Hier zeigt sich aber wieder ihr zu einge- schränktes Denken nach Springfield-Spielregeln, da sie die Kommunikation mit den Kindern zum Einen mit einer gestellten Phrase beginnt ("Like you know whatever...") und außerdem (nach freundlicher Aufnahme) sofort nach gewohntem Sarkasmus scannt.

Dieses Denken - die Angst als "Nerd" nicht zur Gruppe zu gehören - zieht sich weiter durch diese Folge und stellt sich erst am Schluß als völlig unbegründet heraus. Aber soweit sind wir noch nicht. Lisa entwickelt sich als Charakter, sie adaptiert aber zum Teil auch Fremdverhalten und verleugnet ihren eigenen Charakter, z.B. durch Kopie/Anwendung? von Barts klassischer catchphrase "Don´t have a cow, man."

Bart denkt nach wie vor in den festen Rollenschemen von Springfield und ist daher überzeugt, das ihn seine Skateboardnummer sofort beliebt mach- en wird, denn hippe Kids gehören schließlich zu hippen Kids und beein- drucken sich durch Kewlheit. Hier irrt Bart, denn die Kinder am Urlaubs- ort sind nicht die "nihilistischen Dudes" aus Springfield, sondern in gewisser Hinsicht weit freiere Charaktere. Daher kommt seine Vorstellung nicht an und wird als "Anbiederung" durchschaut. Dieses Verhalten über- steigt Barts Horizont und er vermutet, daß die Kinder wohl einen Nerd gesehen haben und ihn nur deshalb ablehnen (er sagt daher sofort zu Milhouse "They must have seen you...")

Milhouse´ Rolle in der gesamten Handlung unterstreicht, das Nerds unter hippen Kids in Springfield niemals als gleichwertig gelten können. Mil- house fungiert als untergebener Charakter, er muß sich in Büschen ver- stecken, wenn es Bart verlangt und bekommt sogar noch die Schuld am Versagen von Barts Anbiederung, denn bei sich (er ist schließlich hip) sucht Bart diese Schuld nicht. Das Milhouse von Homer beim Brettspiel als "Dud" bezeichnet wird, betont hier nur seine Funktion im Plot, denn anders als Lisa ist er nämlich nicht in der Lage, im Urlaub mit seinem Rolleverhalten gegenüber Bart zu brechen.

Bart macht im Folgenden zwei Fehler - er vermutet sowohl, daß ihre neuen Freunde Lisa natürlich sofort fallenlassen, wenn sie im Jahr- buch die Wahrheit sehen (die Kinder in Springfield würden es tun) und er vermutet, das sich Lisa dann ihrer alten Rolle wieder bewußt wird und sich eingliedert und alle Dinge wieder so werden, wie sie seiner Meinung nach sein müssen. Er hat nicht mit Lisas Frustration gerechnet, die er sich zuziehen wird - der Automatismus, mit dem sich alle Nerds in Springfield in ihre Rollen fügen, ist nämlich durch ihre Charakter- entwicklung ausgesetzt worden.

Um zum Ende zu kommen - Lisa will sich unter Tränen gerade wieder in ihre Rolle fügen, als ihr die Kinder zeigen, das sie eben "mehr" sind als sie erwartet hatte und das sie über dem Rollenverhalten stehen, das Lisa gewohnt ist. Es zählt nicht, ob sie in Springfield als "Nerd" gilt, es zählt, was sie für ein Mensch ist und was sie für die Freunde getan hat. "Lisa rules" ist in diesem Sinn auch wieder als eine Art Selbst- findungsbotschaft zu sehen. Sie muß sich nicht ändern oder verleugnen, sie ist gut so wie sie ist. You are Lisa Simpson.

Die DV habe ich eine Weile nicht mehr gesehen, die Übersetzung dürfte annehmbar sein. Ein Fehler, der mir noch einfällt - "flag fearing" heißt in der DV wohl "Flaggen fütternd" (?). Ivar Spielregeln. Es gibt glaube ich sogar ein BART-File zur Folge. Ein paar Sachen sind in der DV sicher nicht deutlich zu erkennen (z.B. das "Don´t have a cow") und Frau Bohlmann reicht natürlich mal wieder nicht an die coole Brillanz von Yeardley Smith ran. Stellen wie "I´m the sister of a rotten, jelaous, mean little sneak" sollte man auf jeden Fall im Original hören.

Fazit: Ein kleines Meisterwerk in der Tradition von "Lisa´s Substitute" und IMO die wohl beste Folge der mittleren Staffeln, eine wunderbare Charakterfolge, die auch die typischen Cartoonkonventionen von Stereo- typen zugunsten einer dreidimensionalen Charakterisierung ad absurdum führt. Darüber hinaus ist es auch eine Sozialparabel über (Kinder)- gesellschaft und Rollenschemata und mehr. Ein Novum unter den Urlaubs- folgen und vielleicht eine der letzten wirklich großen Folgen. Note A+.

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