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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.

Die heutige FABF19 ist IMO doch deutlich besser, als die recht leblose Gagsammlung letzte Woche und zählt durchaus zu Recht mit zu den besten S16-Folgen (obwohl sie ja eigentlich noch zu S15 gehört.)

Ich würde sagen, FABF19 ist für Nelson, was "Moe Baby Blues" für Moe war - eine gelungene S1x-Folge, die einem klassischen Nebencharakter mit Stil mehr Tiefe gibt. Darüber hinaus greift sie auch den seit S14 bestehenden Kontinuitätsfaden über das Verschwinden von Nelsons Vater auf und bringt ihn zu einem Abschluß. Last but not least ist auch der sehr gelungene und ernstere Subplot zu nennen, der das Potential von Lisa ausnutzt und sie nicht nur als simple "Moralitätsfigur" benutzt.

Der Humor ist gelungen, aber den Themen entsprechend zurückhaltend und bisweilen mit jenem dunkleren Unterton, den man in vielen der rein auf leicht verdaulichen Humor abzielenden S16-Folgen schmerzlich vermissen wird. Der Unterton zeigt sich an vielen Stellen: ein besonders schönes Beispiel ist die Szene, als Marge Nelson vor einem heruntergekommenen Haus aussteigen lässt (im Glauben, er wohne hier) - dieser jedoch zum noch heruntergekommeneren Haus nebenan geht.

Der Charakterhumor ist nachvollziehbar, fein und oft in Nuancen zu finden. Hauptplot und Subplot stören sich nicht, sondern ergänzen sich - so ist es Nelsons Anwesenheit im Haus, die Lisa hilft, dem Spott in der Schule ein Ende zu bereiten. Gleichzeitig bleibt aber das Ende des Subplots (trotz Homers Protest) offen. Die Diskussion auf der Couch erinnert mich entfernt an das Ende von "Blood Feud", das Gespräch zwischen Homer und Lisa wirkt sehr lebendig ("Every- thing is fine", "That was you", "Prove it...")

Nelsons Song ist übrigens eine Referenz auf "Yentl", daher Barts Satz über Lisa "At least she´s not singing Streisand". Diese Art von nicht erklärten Referenzen funktioniert IMO weit besser, als die aufgesetzte Art, die wir am Schluß letzte Woche hatten.

Was ebenfalls zu erwähnen ist, ist die oft brillante Animation - es ist leider die momentan letzte Folge "directed by Lauren McMullen?". Herausragende Szenen sind hier bspw. diverse Kameraperspektiven und Beleuchtungen, Nelsons nächtliche Wanderung zum Haus der Simpsons, der 3D-Schwenk während des Songs, auch die Beleuchtung in der Küche, als Lisa den Kühlschrank öffnet. Auch wenn die Stärke der Folge im Plot liegt, ist die wunderbare Animation ein merklicher Pluspunkt.

Kommen wir zu den negativen Aspekten:

Was durchaus zu Recht kritisiert wurde, war die arg schräge Auflösung über den Verbleib von Nelsons Vater und die Zirkus-Szene. Tatsächlich wirkt diese seltsam deplatziert, die "alles ist wieder gut"-Auflösung relativ hastig. Erstaunlicherweise stören mich diese Szenen aber kaum, mit wiederholtem Ansehen immer weniger. Selbst hier finden sich viele nette Details, etwa Nelsons Antwort "I wish it were that simple", als ihn Bart fragt, ob er nun (da er glücklich ist) kein "Bully" mehr sei.

Ansonsten gibt es im Laufe der Folge noch ein paar wenige Gags, die nicht so ganz gefallen, Ralphs "Duck-Duck-Duck" zieht sich etwas zu sehr in die Länge. Der deutsche Titel ist so gut, wie ein deutscher Titel nur sein kann. Die Klasse der Folge kommt jedoch auch von den Sprechern, z.B. vom Zusammenspiel Julie Kavners als Marge und Nancy Cartwrights als Nelson. Hier wird es die Synchro schwer haben.

Fazit: sehr schöne Charakterfolge, die im Unterschied zu einigen anderen Nachzüglern die Qualität der besten FABF mit nach Staffel 16 bringt. Schöner Charakterhumor, viele Nuancen, sehr gelungene und lebendige Animation und Sprecherleistung. Dezent kritisieren kann man einige wenige Gags, die Auflösung mit Nelsons Vater ist als versuchter "Gag" wohl auch etwas daneben gegangen. Note 1-.

Chris



Review von Nicolai-Tobias Sauer

Bin ebenfalls begeistert von der Episode: Story gut, Gags gut, Animation gut. Sowohl der Hauptplot, als auch der Subplot sind gelungen. Um ehrlich zu sein hätte man daraus zwei Folgen machen können. Dann hätte man vielleicht auch mehr Szenen mit Nelson im Haus der Simpsons einbauen können und die Versöhnung der Muntz-Familie am Ende wäre nicht so schnell gegangen. Trotzdem bin ich eigentlich ganz zufrieden, so wie es gekommen ist. Vor allem da der Haupt- und der Nebenplot gut miteinander verknüpft sind. Und auch das Ende finde ich nicht so schlimm wie akbar und einige bei NHC. Im Gegenteil: Ich find's irgendwie witzig. Die schnelle, absurde (und vielleicht gerade deswegen komische) Erklärung mit der Freak-Show, die erwartete Versöhnung und dann bittet Homer Lisa auch noch, zu sagen, alles wäre in Ordnung, damit das "Happy End" komplett ist. Die Schlußszene auf der Couch ist meiner Meinung nach sogar der beste Gag der Episode. Weitere gute Gags sind Ralphs "duck, duck, duck", wenn auch beim zweiten Mal ein "wenig" zu lang (was ist das eigentlich für'n Spiel, sowas wie die amerikanische Variante vom Plumpssack, oder wie?), Homer, der sich selbst zeichnet (und das M und G bemerkt) und das Auftauchen Moes am Schluss. Dann zur Story: Sie erinnert zwar an "Moe Baby Blues", ist aber IMO noch mal ein wenig besser umgesetzt. Die Charakterisierung find' ich hier auch wieder toll: Angefangen bei Marge, die bei ihren eigenen Kindern keinen Anschluss mehr findet (hierzu passt auch der Subplot schön) und daher beschließst, sich um Nelson Muntz zu kümmern. Man kann sie richtig gut nachvollziehen. Und auch Nelson ist gut charakterisiert. Auf der einen Seite ist er aussergewöhnlich sympathisch und man lernt ihn ein bisschen besser kennen, versteht ihn besser. Auf der anderen Seite bleibt er doch der Rowdy, den wir kennen (in den Szenen mit Bart sehr deutlich zu sehen). Homer hält sich in der Folge glücklicherweise zurück, aber alle Szenen mit ihm sind amüsant. Er ist der liebenswerte Trottel, der er sein sollte. Und Bart: Seine Reaktionen auf die misslungene Party und den Einzug von Nelson sind typisch Bart. Super. Soweit alles in Ordnung. Richtig klassisch. Nur bei Lisa könnte man sagen, dass sie sich ein wenig "out of character" verhält. Aber das finde ich nicht. Sie stellt hier keine "Mini-Erwachsene" dar, sondern durchaus eine typische 8-Jährige, die einfach ein wenig klüger ist als andere. Und wie viele hat sie ein Problem mit ihrem Aussehen. Das finde ich mehr als realistisch dargestellt. Mit einem anderen Charakter hätte man eine derartige Satire von Schönheitsidealen in der heutigen Gesellschaft vielleicht nicht so gut hingekriegt. Was die Kuchenszene angeht, die war auch gar nicht sooo schlimm, sogar nachvollziehbar. Und noch was zum Subplot: Ich hab' zwar nicht so viel gelacht, aber ich finde es gut, dass "Die Simpsons" ein derart ernstes Thema angemessen behandeln können (anders als in "Large Marge"). Und noch etwas, was wir aufgefallen ist: Wir sehen wieder mehr klassische Chraktere (Sherry und Terry, Marges Mutter), während im Großen und Ganzen auf Auftritte von Lindsey Neagle und so weiter verzichtet wurde. Noch ein Grund, warum ich mich bei dieser Folge in die klassische Ära zurückgesetzt fühle. Schließlich will ich noch mal etwas zur Animation sagen: Lauren MacMullan? ist schlicht und einfach die beste Regiesseurin, die die Serie je hatte. Guter Gebrauch von Schatten, vor allem bei den Nachtszenen. Schade, dass das ihre letzte Folge ist, aber sie hat hoffentlich Einfluß auf die anderen Regiesseute, sieht man z.B. auch bei der Halloween-Folge. Neben der Animation trägt auch die Musik einiges zu der Folge bei und verleiht einigen Szenen die nötige Dramatik.

14 Punkte - Beste Folge der Staffel

Zur Synchro: Naja, mir sind jetzt keine allzu großen Fehler aufgefallen, aber ich hab' auch nur nebenbei geguckt. Natürlich kommen die DV-Sprecher nicht ans Original ran, vor allem die wichtigen Stellen (z.B. "Smell ya later... forever" und "kein Geschlechtsverkehr auf dem Weg") kamen nicht gut rüber. Den "Ente"-Witz werden die wenigsten Deutschen verstehen, da hätte man "Der Plumssack geht um" oder sowas draus machen können.



Review von Christian Hackl

Im Vorfeld als eine der besseren Jean-Folgen angekündigt, schafft es "Sleeping With The Enemy" tatsächlich, die Schlaftablette der letzten Woche spielend zu übertreffen. Aber eine Spitzenfolge klassischer Qualität ist sie nicht; diese Spezies könnte wohl erst mit einem neuen Sendungsleister wieder zurück ins Leben gerufen werden.

Die Geschichte rund um Nelsons Beziehung zu seinem Vater warf bereits in vorherigen Folgen dezent ihren Schatten voraus. Die Idee ist gut; Nelsons Charakter hat, wie man einst schon in Staffel 8 sehen konnte, Potential. Dazu gibt's noch eine nette Nebengeschichte mit einer rundum charaktertreuen und sympathischen Lisa, die ohne viel Vorgeplänkel beginnt.

Woran krankt die Folge dann? In erster Linie am bei Al Jean typisch gewordenen Erklärungssyndrom. Nirgends ist das so deutlich wie bei der ersten Begegnung zwischen Marge und Nelson im Park, bei der der weitere Verlauf der Handlung mit riesigen Pfeilen angezeigt wird und Nelson den Zuseher davon in Kenntnis setzt, daß er gerade seinen psychologischen Selbstschutz verliert.

Auch Nelsons Heulszenen wirken viel zu übertrieben. Die Geschichte wird mit kräftigen Pinselstrichen ohne sonderlich komplexe Stellen gezeichnet.

Nicht vergessen wollen wir freilich auch das katastrophale Ende, bei dem Nelsons Vater erzählt, was ihm widerfuhr, und man sich ob des kindischen Billig-Gags mit dem Schokoriegel und der Freakshow sogleich in Scullysche Schreckenszeiten zurückversetzt sieht.

Das Hervorheben all dieser negativen Kritikpunkte ist schmerzhaft, aber notwendig. Ansonsten muß man wirklich zufrieden sein. Dummen, störenden Schrotthumor gibt es diesmal praktisch gar keinen. Vielleicht Homers übertriebene Bart-Würgerei oder Lisas Torten-Szene. Kaum der Rede wert.

Dafür kann man, man höre und staune, an mehreren Stellen richtig lachen. Homers tolpatschiger Versuch, Lisa mit seinen Ausführungen über den sogenannten "Simpsons-Hintern" zu trösten, entbehrt nicht einer gewissen Komik, und Skinner glänzt als Muttersöhnchen, das Marge erzählen möchte, wie wichtig es ist, daß Kinder selbständig werden.

Im Mittelpunkt steht freilich das ernste Thema. Marges Versuche, Nelson von der schiefen Bahn abzubringen, sind glaubwürdig und passen tausendmal besser zu ihrem Charakter als der letztwöchige Kochwettbewerbs-Unfug. Noch dazu werden sie mit einem weiteren Thema vermischt, nämlich Marges Angst, von ihren Kindern irgendwann nicht mehr gebraucht zu werden. Wirklich gut gelungen.

Daß Marge Nelson gleich bei sich zuhause aufnimmt und zuläßt, daß er Bart am Frühstückstisch terrorisiert, ist weniger gut. Außerdem habe ich das Gefühl, daß man Nelsons Mutter viel stärker in die Handlung miteinbeziehen hätte sollen. Das dokumentiert die fantastische Szene, als sie Marge zuerst wütend das Geld vor die Füße wirft und Marge ihr dann zum Schock ihrer Familie hinterherruft, daß sie am Heimweg zu ihrem Sohn versuchen solle, keinen Geschlechtsverkehr zu betreiben.

Meine Reaktion: Bemerkenswert! Eine solche Dialogszene hätte ich den Autoren ja gar nicht mehr zugetraut. Davon sollte es mehr geben! Dazu noch die schöne, wenn auch kurze Gesangszene mit Nelson. So kann man Fans wieder milde stimmen.

Zudem sollte man der Folge zugutehalten, daß die Auflösung von Nelsons charakterlichen Problemen nicht erst bei der konstruierten, unglaubwürdigen Wiedervereinigung mit seinem Vater stattfindet, sondern sich die gesamte Folge hindurch entwickelt. Kein Deus Ex Machina, nur eine kleine (und mißlungene) Draufgabe.

Auch die Nebenhandlung mit Lisa ist, wie schon angesprochen, gut aufgebaut. Die Angst, zu dick zu sein, weil man von Schulfreundinnen ausgelacht wird, ist für ein achtjähriges Mädchen plausibel und weckt leise Erinnerungen an "Lisa The Beauty Queen" auf Staffel 4. Die gesundheitlichen Folgen, die ein solcher Irrglaube haben kann, wenn man die Nahrungsaufnahme verweigert, werden jedoch maximal angedeutet. Richtiges Thema sind sie keines.

Die synchronisierte Version der Folge ist erwartungsgemäß ein Graus. Die Sprecher halten ihr Niveau, aber die Texte sind zum Vergessen und ziehen die Gesamtqualität in den Keller. Als würde er meine Kritik mitverfolgen und mich ärgern wollen, läßt der uns allen bekannte Regisseur wieder sein Lieblingswort "Cookies" auf das Publikum los. Das reicht aber noch nicht. Er peppt unser langweiliges Deutsch auch mit einem gezielten coolen "Lunch" auf - und das aus dem Mund von Marge. Leichtfertig ist der Ivar mit dem Wort und bar jeden Sinnes für übersetzerische Dinge.

Der Qualität der Folge selbst tut dies selbstverständlich keinen Abbruch. Mit einem brauchbaren Ende anstatt der gezeigten Farce wäre die Bewertung noch freundlicher geworden.

Note: 2-



Review von Tobias J. Becker

Diese Woche haben wir wieder eine funktionierende Geschichte mit zwei glaubwürdigen, gut miteinander verbundenen Handlungssträngen, in der Personen auf menschliche Weise agieren. Darüberhinaus ist sie auch optisch liebevoll gestaltet, z.B. die Szene, in der die Kamera über die entsetzten Familienmitglieder fährt, nachdem Marge Mrs. Muntz angeschnautzt hat, und danach Nelson durch die Nacht schlürft.

Schauen wir es uns aber erst einmal oberflächlich an: Bart hat erstmals bei einem Test die volle Punktzahl erreicht. Die versprochene Belohnungsparty, die seine Mutter für ihn schmeißt, fällt aber ultralahm aus. Auch fühlt sich Lisa in ihrem neuen Schlankheitsbestreben von ihr unverstanden. Als Marge sich schon ganz nutzlos fühlt, entdeckt sie, dass Nelson Muntz, der in einer ziemlich kaputten Familie mit desolater Haushaltsführung lebt, nun von ihrer Aufmerksamkeit profitieren könnte. Sie unternimmt mit ihm etwas, stärkt sein Selbstvertrauen und lässt ihn sogar im Simpsons-Haus einziehen. Bart und Lisa, die allerdings sowieso ihre eigenen Sorgen hat, werden bald eifersüchtig, aber das neue Quasi-Familienmitglied kann den beiden bei ihren eigenen Problemen helfen - und schließlich wird auch Nelson umgekehrt geholfen. Also Ende gut, alles gut, wieder einer dieser beliebigen Episoden, bei der am Ende alles wieder gut ist und sich alle liebhaben? Mitnichten.

Schauen wir uns die einzelnen Personen genauer an. Es ist nicht leicht, das alles getrennt aufzudröseln, da das Handeln einer jeden Person mit dem der anderen verstrickt ist. Trotzdem lassen sich gewisse Motive erkennen. Dabei fällt auf, dass keiner der Akteure völlig selbstlos ohne Hintergedanken handelt:

Marge wird in ihren mütterlichen Instinkten von ihren Kindern zurückgewiesen. Zur Kompensation nimmt sie sich Nelsons an. Einerseits kümmert sie sich wirklich um ihn, andererseits lässt sie ihn gegen Geld die Arbeiten ausführen, auf die Bart keinen Bock hat. Sie ist ernsthaft entsetzt, als sie sieht, wie Nelsons Mutter daherlebt, aber ernsthafte Bemühungen, in Nelsons Familie wieder Ordnung herzustellen, gehen von ihr nicht aus. "And try not to have intercourse on the way"[1] sollte Mrs. Muntz zwar durchaus beherzigen, aber helfen tut es auch nicht viel.

Nelson übernimmt in der Schule eine Schutzstellung für Lisa und Bart und wird für Marge zu einer Art gutem Quasi-Sohn. Innerhalb des Simpsons-Hauses benutzt er seine neue Position jedoch auch, um eine Machtposition einzunehmen. Er zwingt Bart, ganz aufzuessen, was Marge zubereitetet hat. Damit weist er Bart an, Respekt vor der Arbeit seiner Mutter zu haben, aber auch an der Machtposition an sich hat er offenbar Vergnügen.

Lisa hat kein Problem, Nelson in der Öffentlichkeit wie eine Art starken großen Bruder zu behandeln. Wie passend gerade dann, als sie jemanden braucht, der einen Schülermob gegen ihre Busenfreundinnen Sherri und Terri aufbringen kann. Praktischerweise muss sie sich dadurch mit ihrem Problem der Magersucht nicht ernsthaft auseinandersetzen Als es hieß, Lisa verfalle dem Schlankheitswahn, war ich zunächst skeptisch. 'Das passt doch nun gar nicht zu Lisa', dachte ich. Ich bin auch immer noch nicht ganz sicher, aber man hat es doch versucht, auf glaubhafte Weise mit Lisas Charakter auszuloten: "I know this obsession with thinness is unhealthy and anti-feminist, but that's what a fat girl would say!" [2]. Sie steht hier also in einem Zwiespalt, zwischen zwei Bestrebungen in ihr. Die Frage ist nur, ob man ihr die eine Bestrebung, nämlich die "obsession with thinness" abnimmt. Oft rührt diese mit Minderwertigkeitskomplexen her. Lisa könnte zwar eigentlich über ihre Mitschülerinnen erhaben sein, aber glücklich macht das auch nicht immer. Von daher, Ansätze gibt es für ihren Schlankheitswahn schon. So schlimm wie ich es befürchtet hatte, ist zumindest keinesfalls.

Bart führt Nelson wieder mit seinem Vater zusammen, als er ihn des Nachts von ihm weinen hört. Auf der anderen Seite will er Nelson wieder aus seiner Familie drängen. Ist ja ganz nett, einen "Bully" weniger als Gegner und dafür sogar auf seiner Seite zu haben, aber in der Familie? Nein, das nun wirklich bitte nicht. Die Erklärung für das Verbleiben des Herrn Muntz ist etwas albern und kommt etwas plötzlich, im Nachhinein stört es dann aber doch nicht so. Nach dem ersten Ansehen hatten mich derlei Sachen noch etwas gestört, weshalb ich die Folge damals noch etwas zwiespältig sah.

Die Muntz-Familie ist "schließlich" also wieder vereint. Ist jetzt alles wieder gut? Man weiß es nicht. Die Nelson-lebt-bei-den-Simpsons-Episode ist zwar abgeschlossen, die tiefergehenden Probleme sind aber bestimmt nicht gelöst. Am Lebenswandel seiner Mutter hat sich nichts geändert und es bleibt fraglich, ob der momentane Zusammenhalt der Familie auch langfristig Ausdauer hat. Auch muss Nelson seine Position als Beschützer für Bart und Lisa aufgeben, weil er jetzt wieder in seinem System steckt. Er wünschte zwar, es könnte so bleiben wie jetzt, aber die Dinge seien nicht so einfach. Und damit hat Nelson zum einen Recht: Die Dinge sind wahrhaftig nicht so einfach, wie man es gerne hätte... Probleme lassen sich nicht nicht immer in 22 Minuten bzw. mit einem Schlag lösen kann, auch wenn das Bedürfnis nach solch klaren Strukturen herrscht, wie sich an Homer zeigt, der am Ende unbedingt die Episode abschließende Worte hören will, dass jetzt alles wieder gut sei (und damit abermals die Position so manch eines Zuschauers einnimt). Aber so einfach ist es eben nicht. Lisa meint auch, sie habe daraus nichts gelernt. Dem möchte ich teilweise widersprechen: Eine neue Erfahrung gemacht und dadurch dazugelernt hat sie schon. Sie kann es, sofern sie sich dessen jetzt überhaupt schon bewusst sein kann, nur nicht in Worte fassen. Erst in Zukunft wird sie rückblickend vielleicht (!) erkennen können, was sie aus dieser Episode des Lebens mitgenommen hat. Und um noch mal darauf zurückzukommen: Angesichts der vielen Faktoren, der unausgesprochenen Verhaltens"regeln" ist es auch langfristig kaum möglich alle Probleme der Welt zu lösen und ein Utopia zur erschaffen. Stattdessen können wir aber - und ich wage zu behaupten, dass dies einer der wichtigsten Aussagen der ursprünglichen Simpsons ist - Inseln der Humanität erzeugen, in der wir der aus den Fugen geratenen Welt ein wenig Einhalt gebieten versuchen. Dabei ist es dann auch gar nicht schlimm, das ist ganz menschlich, wenn jemand, auch eigene Motive verfolgt, wenn er Gutes bewirkt. Denn die Welt ist schließlich schon grausam genug, da müssen wir es nicht auch noch sein.

Note 2+ (vielleicht, aber nur vielleicht auch 1-)

Zur deutschen Bearbeitung (sic!): Es gab wieder einige unsynchronisierte Stellen, vornämlich wieder Essgeräusche sowie Maggie, aber auch der verrückte Mr. Muntz. Nelsons Gesang war komplett OV (zum Glück ;-)), das übrige Gesinge der Kinder synchronisiert. Ebenso der Gesang des Mannequin-Hoblers, wobei die Referenz auf "Bringing in the Sheaves" nicht mehr erkennbar war.

"Riech' dich später" hieß es mal wieder in der deutschen Fassung, obwohl "Ich seh dich später" nicht gebräuchlich ist (solange ich lebe, erkläre ich die Wendung für ungebräuchlich *g*).

Lisas Satz über ihren Zwiespalt war leider etwas verpeilt übersetzt: "Ich weiß, meine Besessenheit, dünn zu sein, ist ungesund und antifeministisch... Das sagt ausgerechnet ein Mädchen, das fett ist!"

Lustig war am Ende noch Moe, der in der deutschen Satz und Dreifach-Plural "Die vier Muntzensens" bildet.

Nelson und Marge waren diesmal anspruchsvoll und es klangen auch nicht alle Sätze so, wie ich mir das vorgestellt hätte, aber besser als befürchtet.

Mr. Muntz hatte zuvor Thomas Rau und Ivar Combrinck, dieses Mal "Comic Book Guy" Manfred Erdmann. Probleme hatte ich diesmal mit den Stimmen einiger Kinder: Sherri und Terri waren in den letzten Staffeln beide Caro Combrinck. Jetzt sind es Beate Pfeiffer und wohl Solveig Duda, die ich mir bei OFF noch nie aufgeschrieben habe. Auch auf die beiden Kinder bei der Modenshow sind komisch.

Die größte Überraschung gab es aber dann im Abspann. Die letzten anderthalb Staffeln gab es ab Ende keine Tafel zur deutschen Bearbeitung mehr (wie auch bei allen anderen ProSieben/Sat?.1-Serien), sondern Gracie- und FOX-Logo. Jetzt gibt es wieder eine: http://www.uloc.de/cgi-bin/wiki.pl?Screenshots/Fabf19_42_Deutsche_Bearbeitung

Es gibt mit Tom Schneider also einen neuen Redakteur, der Gerhard Steinert abgelöst hat. Im ersten Moment fühlte ich mich aufgrund des Aufbaus übrigens an eine Tafel aus einer drts-Synchro erinnert und ich fragte mich zunächst "Stand da eben wirklich 'JENS Schneider'?!" ;-)

 Lisa Simpson            Sabine Bohlmann           (OV: Yeardley Smith)
 Sherri                  Soveig Duda?              (OV: Russi Taylor)
 Terri                   Beate Pfeiffer            (OV: Russi Taylor)
 Janey Powell            Caroline Combrinck (?)    (OV: Pamela Hayden)
 Hausmeister Willy       Thomas Rauscher           (OV: Dan Castellaneta)
 Homer Simpson           Norbert Gastell           (OV: Dan Castellaneta)
 Bart Simpson            Sandra Schwittau          (OV: Nancy Cartwright)
 Marge Simpson           Elisabeth Volkmann        (OV: Julie Kavner)
 Edna Krabappel          Inge Solbrig              (OV: Marcia Wallace)
 Rektor Seymour Skinner  Klaus Guth                (OV: Harry Shearer)
 Junge                   Caroline Combrinck        (OV: Tress MacNeille)
 Mädchen                 Natascha Geisler          (OV: Nancy Cartwright?)
 Mannequin-Hobler        Hans-Rainer Müller        (OV: Hank Azaria)
 Milhouse Van Houten     Michaela Amler            (OV: Pamela Hayden)
(Abe Simpson             -                         (OV: Dan Castellaneta))
 Ralph Wiggum            Beate Pfeiffer            (OV: Nancy Cartwright)
 Martin Prince           Michelle Tichawsky        (OV: Russi Taylor)
 Off-Sprecher            Ivar Combrinck
 Agnes Skinner           Alice Franz               (OV: Tress MacNeille)
(Maggie Simpson          -                         (OV: Nancy Cartwright))
 Nelson Muntz            Wolfgang Schatz           (OV: Nancy Cartwright)
 Mrs. Muntz              Inge Solbrig              (OV: Tress MacNeille)
 Moe Szyslak             Bernd Simon               (OV: Hank Azaria)
 ABC-TV-Sprecher         Ulf-Jürgen Wagner         (OV: Harry Shearer)
 Mr. Muntz               Manfred Erdmann           (OV: Harry Shearer)

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[1] "Und versuchen Sie, auf dem Weg keinen Geschlechtsverkehr zu haben!"
[2] "Ich weiß, meine Besessenheit, dünn zu sein, ist ungesund und anti-
    feministisch... Das sagt ausgerechnet ein Mädchen, das fett ist!"




Review von Andreas Roth

Unterschiedlicher kann der Einstieg in die 16. Staffel kaum sein; bot "Die geheime Zutat" bestenfalls unterdurchschnittliche Kost, läßt "Der Feind in meinem Bett" kaum Wünsche offen. Die Charaktere sind gut getroffen, störende Szenen sind so gut wie nicht zu finden (vielleicht abgesehen von Ralphs etwas zu sehr in die Länge gezogenem "Ente, Ente, Ente..."), und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Positiv zu bewerten ist zudem der Verzicht auf nervende Gaststars, so daß die Nebencharaktere der Serie, die in der Vergangenheit nur allzu oft zu Statisten degradiert wurden, wieder mehr in den Mittelpunkt rücken.

Beide Plots sind gut miteinander verwoben, als Beispiel sei die Szene genannt, in der Nelson Lisa gegen die Verbalattacken ihrer Mitschülerinnen verteidigt. Auch sind die Geschichten direkt aus dem Leben der Springfielder gegriffen und behandeln die ganz alltäglichen Probleme - welches Mädchen hat sich nicht schon einmal Gedanken um seine Figur gemacht, und welche Mutter spürte nicht schon irgendwann einmal, daß ihre Fürsorge nicht länger in dem Maße gebraucht wird als früher? Auch Nelsons Dilemma ist gut nachgezeichnet, so daß man stets mit den Charakteren mitfühlen kann.

Die Gags sind größtenteils punktgenau, und selbst diskussionswürdige Szenen wie Marges Kommentar über Mrs. Muntz oder die Rückblende auf das Verbleiben von Mr. Muntz können die Stimmung nicht wirklich stören. Viel zur Atmosphäre tragen auch die schönen Animationen, die Farbgebung sowie die Kameraperspektiven bei, die eine wohltuende Abwechslung zum ansonsten üblichen Einheitsbrei sind. Auf jeden Fall ist "Der Feind in meinem Bett" eines der Highlights von S16, die man sich gerne auch ein weiteres Mal anschaut, so daß die Folge sich auf jeden Fall mindestens eine 2+ verdient hat.