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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.

Wie ich schon im Review zu F3Ks "Less Than Hero" geschrieben habe, habe ich wohl ein kleines Faible für amüsante Superhelden-Parodie. Daher er- scheint mir auch die heutige FABF15 auf ihre Weise recht nett gelungen.

Allein schon der Gag mit "Promiscuous Idiots Island" macht die Episode von Anfang an sympathisch. Man beachte auch den Seitenhieb auf FOX in Barts Satz (die Folge fällt zeitlich in das Umfeld der Verhandlungen über die neuen Gehälter der Sprecher). Ansonsten haben wir viele gute Ideen bei Gags, etwa die Patriotismus-Vermarktung ("If you don´t buy my records, then El Quaida wins..." und Homers Reaktion), zahlreiche amüsante Oneliner, visuelle Ideen und natürlich Pieman-Aktionen.

Überhaupt hat die Folge trotz ihres leichtgewichtigen Parodie-Themas eine gute Balance zwischen Dialoghumor, visuellen Gags, Genrezitaten und funktionierender Charakterisierung. Man gibt Homer eine konkrete Motivation, Pieman zu werden (anfangs, um für Lisa einzutreten, dann für den "litte guy" an sich) und sogar einen kleinen Konflikt - wenn auch im harmlos-parodistischen Rahmen der Folge.

Im Bezug auf Superhelden wird das Genre unterhaltsam zitiert, recht deutlich in der Spiderman-Szene. Auch die Schwächen des Genres sind ein Thema - wie sagt Marge so treffend "It was clearly you in that suit. You´d have to be an idiot not to notice that from the start". Einer der nettesten Oneliner ist IMO auch noch Homers "I ran out of pie-related puns *platsch*" und der nette Metagag bei Krusty "This is for your shows slight decline over the years *platsch*".

An Substanz oder an klassisch-subtilen OFF-Qualitäten ist natürlich nur recht wenig da, ich könnte die Auflistung der positiven Aspekte eigentlich nur mit weiteren Gags und Zitaten verlängern. Einige der Oneliner und Pie-Puns dürften Problemfälle für die Synchro sein.

Kommen wir zu den negativen Aspekten

Das Hauptproblem der Folge ist, daß ihr in der zweiten Hälfte etwas der Schwung und die Ideen auszugehen scheinen bzw. teilweise sogar Erinnerungen an die unsägliche "Homer vs Dignity" wach werden. Ein paar schwächere Gags wie Monty im Kinderwagen, der fliegende Dalai Lama oder Homer beim Entfernen der Kugel (was aber optisch harmlos bleibt) sind dezent störend. Der Episode fehlt auch irgendwie ein echtes "Highlight", wie es bei "Less Than Hero" z.B. der Song war.

Fazit: gutgelaunte Parodie ohne viel Substanz und Tiefe, der es in der zweiten Hälfte etwas an Schwung mangelt. Trotzdem sympathische B-Folge im positiven Sinn - nicht mehr und nicht weniger. Note 2.



Review von Andreas Roth

Von der Grundkonzeption her muß man diese Episode wie schon letzte Woche hauptsächlich in die Kategorie "Spaßfolge" einordnen, diesmal mit Schwerpunkt "Superhelden-Parodie". An einigen Stellen nimmt der Klamauk etwas überhand, aber im Allgemeinen sind die Gags durchaus erfrischend und die Parodie-Elemente gut umgesetzt. Fans von Batman, Spiderman und Co. werden sicher auf ihre Kosten kommen.

Positiv zu erwähnen ist, daß die Folge ohne Verzögerungen direkt in die eigentliche Handlung einsteigt, welche sie auch bis zum Ende durchhält. Trotz hohem Tempo bleibt genügend Zeit, sich mit den einzelnen Szenen ausreichend zu befassen und so auch auf die Charaktere einzugehen. Homers Selbstzweifel nach der eindringlichen Bitte von Lisa, nicht mehr als Kuchenmann aufzutreten, sind beispielsweise glaubwürdig umgesetzt.

Die "Bösewichte" sind natürlich übertrieben dargestellt, sowohl was den reichen Texaner (eine Figur, die ich noch nie besonders mochte) als auch was Mr. Burns angeht - um der Parodie willen kann man dies aber durchaus durchgehen lassen. Mit am gelungensten war Krustys Betrafung für die ständig sinkende Qualität seiner Show - Metahumor vom Feinsten, genauso wie Barts Kommentar über FOX. Gefallen haben mir auch die surreal in Szene gesetzten Sequenzen, z. B. bei Homers Verwandlung in den Kuchenmann.

Allerdings wird man während der ganzen Folge den Eindruck nicht los, daß alles in irgendeiner Form schonmal dagewesen ist (nicht nur, weil hier so gut wie jede Superhelden-Geschichte parodiert wurde), und nur an wenigen Stellen geht die Folge auch mal in die Tiefe. Die Charakterisierung der Figuren geschieht nur ansatzweise und bedient sich häufig an Stereotypen, sowohl bei Haupt- als auch bei Nebencharakteren.

Etliche der Gags sind zwar nicht schlecht, den richtigen Brüller vermißt man aber. Burns als Baby oder ein fliegender Dalai Lama sind auch etwas daneben, selbst für eine Parodie. So gleitet die Folge locker-leicht und ohne viel Substanz dahin, wobei man nach richtigen Höhepunkte vergeblich Ausschau hält. Note 2-.

Die Syncro ist leider nicht immer sehr konsistent, schon der Episodentitel nennt Homer den "Tortenmann", in der Folge selbst wird aber immer vom "Kuchenmann" gesprochen. Zugegebenermaßen war auch nicht jedes Wortspiel leicht zu übersetzen, aber an der einen oder anderen Stelle hat es dann doch etwas geholpert.



Review von Christian Hackl

So eine schwierig zu bewertende Folge hat es schon lange nicht mehr gegeben. Anfangs wirkt sie noch reichlich konventionell (die x-ste Fox-TV-Parodie, das immergleiche "Die Simpsons besuchen eine Messe"-Vorgeplänkel), aber dann geht sie plötzlich ganz neue Wege.

Homer als mysteriöser Tortenmann, als Rächer der Entrechteten, und dazu mehr Batman-Parodien auf einen Haufen als je zuvor in einer Folge. Klingt nach scullyhaftem, kindischen Schwachsinn - ist es aber wider Erwarten überhaupt nicht. Grund dafür ist, daß die Charakterisierung großartig ist. Alle drei Hauptfiguren verhalten sich so, wie es sich gehört:

Homer ist gutmütig, ein bißchen langsam im Denken, impulsiv und mit Feuereifer bei der Sache, als es darum geht, Lisa zu verteidigen. So haben wir ihn kennen und lieben gelernt! Bravo!

Lisa ist überwiegend kindlich. Ihre Reaktion auf die Beschimpfungen des Texaners und Homers Racheaktion ist zwar etwas übertrieben (erst soviel Heulerei, dann ein unpassend kindisches Gekicher), aber spätestens dann, als sie am Schluß die Geheimidentität des Superhelden mühelos aufdeckt und ihn flehentlich darum bittet, die Tortenmaske an den Nagel zu hängen, ist sie wieder zu hundert Prozent charaktertreu dargestellt.

Auch bei Mr. Burns, dem dritten im Bunde, ist jede Spur Scullyscher Charakterverwischung verschwunden. Keine Senilität und Gutmütigkeit mehr - dieser Monty verkauft die Kleidung seiner Angestellten, will dem Dalai Lama eins auswischen und wirft Homer ins hauseigene Gefängnis - so soll es auch sein. Bloß die Peitschenszene ist ein bißchen übertrieben. Was soll's, Schwamm drüber.

So starke Hauptcharaktere, da tritt all der Unsinn mit der Tortenmanngeschichte und der oft allzu direkten Superheldenparodie in den Hintergrund.

Ein paar völlig unnötige Szenen gibt es dennoch. Der fliegende Dalai Lama etwa, aber noch viel mehr der völlig verpatzte Gastauftritt von Nichelle "Uhura" Nichols, der so angegossen in die "Hallo, ich bin (Name des Stars)"-Schablone paßt, daß man beinahe meint, es wäre eine Parodie auf mißglückte Starerscheinungen in der Serie.

Marges Charakterisierung ist leider auch nicht ganz in Ordnung. In den Schlafzimmerszenen verhält sie sich normal, doch dafür grenzen viele ihrer sonstigen Sager an Idiotie. Sie fragt sich nach der Rettung vor der Menschenmenge, warum sie nicht zetrampelt wurde (sehr intelligent), und faselt nach dem Tortenmann-Kuß über Getränkemischungen. Na ja. Zum Glück ist sie in dieser Folge keine sonderlich wichtige Figur.

Das Fazit fällt positiv aus. Ich bin überzeugt, daß so eine Grundidee noch vor drei Staffeln im heillosen Schwachsinn, in Chaos, Ziellosigkeit und Witzlosigkeit geendet hätte. Jetzt ist das Ergebnis jedoch eine Folge, in der ich ein paarmal aufrichtig lachen mußte und mir kein einziges Mal ächzend an die Stirn schlug. Sogar die Schlußpointe ist noch recht komisch. So kann man auch einen Homer im Tortenmannkostüm verkraften und gewisse Schwächen in der Kunst der subtilen Parodie verzeihen.

Was die Ivar-Version betrifft: die ist nicht berühmt, wie immer. Dafür hat es sich unser aller Lieblingssynchronregisseur offenbar zum Ziel gesetzt, der grassierenden Englischschwäche im deutschsprachigen Raum den Garaus zu machen, indem er dezent ein paar Vokabeln hier und da einstreut. Kekse sind out, es leben Cookies.

Note: 2-