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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den negativen Aspekten an.

Hierzu muß ich im Vorfeld sagen, daß ich die Folge durchaus mag. Da die Kritikpunkte auf den ersten Blick aber dennoch recht auffällig und auch bisweilen relativ störend sind, sollten sie für eine Argumentation auch zuerst genannt werden. Wir haben hier wieder einmal eine Folge, die Ian Maxtone-Graham als Autor nennt - und dieser hat unter Fans ja einen arg schlechten Ruf (und das, wie ein Blick auf seine früheren Folgen zeigt, wohl durchaus zu Recht - siehe etwa "Dude, Where´s My Ranch" in S14.)

Einer der Hauptkritikpunkte an vielen seiner Folgen ist ein auffallendes Unverständnis der Charaktere und der Kontinuität der Serie - auch in der heutigen Episode fällt dieses Problem bereits zu Anfang auf. Man bemerkt eine seltsame Aggressivität, welche sich durch die ganze Episode zieht - Bart und Lisa legen ein recht Ullman-esques Verhalten an den Tag, Marge bezeichnet ihre Kinder gar als "creeps". Was soll man davon halten?

Der Humor ist bisweilen auf relativ niedrigem Niveau, wird aber auf der anderen Seite auch niemals explizit krud. Wir haben übrigends schon zum zweiten Mal in S15 eine Reisefolge, bei der ein Grampa-Subplot kaum ge- nutzt wird. Der Schluß der Episode tendiert auch wieder recht stark hin zum Standard der "wacky situation" der Scully-Jahre. Maggie wird ihrem Ruf als übersehenem Simpson-Kind wohl mehr als gerecht.

Kommen wir zu den positiven Aspekten.

Das Überraschende ist: all die oben erwähnten Kritikpunkte treffen bei der Folge sicherlich zu, trotzdem ist sie IMO erstaunlich gut gelungen und unterhaltsam. Sie hat nämlich etwas, daß den S15-Folgen gerade in den letzten Wochen oft auffallend gefehlt hat: Dynamik und Tempo. Ein Bruch mit dem allzu sitcomigen Geplänkel war notwendig - hier ist er.

Im Bezug auf das etwas seltsam wirkende Verhalten von OFF sollte man sich hier wohl auch fragen: ist es völlig "out-of-character" nur für den reinen Gag oder zeigt es neue Facetten der Charaktere? Man achte darauf, wie Homers und Marges Frustration über die Kinder etwa durch die Szenen beim Anschauen von "Love Story" plausibler gemacht wird. Trotz der Geschwindigkeit nimmt sich die Folge merklich Zeit dafür.

Kindliches Verhalten bei Bart und Lisa an sich ist auch kein echtes Problem, zumal der Schluß trotz wackiness einen versöhnlichen Touch hat - Lisas Einsicht, den Eltern Raum zu lassen, wirkt realer, als wenn er von einer stereotypen "Mini-Erwachsenen" gekommen wäre und nur rein moralistisch wirkte. Eine der besten Szenen der Folge ist auch die gelungene Parodie auf den "Catch Me If You Can"-Vorspann, die sich im Nachhinein sogar noch als Traumsequenz herausstellt.

Der Humor ist meist gelungen, sogar auf Kontinuität wurde geachtet. Viele nette Einfälle, inklusive ein paar Seitenhiebe auf die Flug- sicherheit in den USA ("We have no boarding passes, but we have to go on that plane for reasons that are utterly insane."). Wir haben hier auffallend gute Ideen. Auch die Leistung der OV-Sprecher trägt IMO zur Qualität bei, etwas Homers resignierendes "We came all the way and now the floor is made of lava." Nett und gut platziert ist auch noch der Flanders-Gag zum Schluß.

Fazit: im Gesamtbild die beste Maxtone-Graham-Folge seit "Lisa Gets An A" aus S10. Kritikpunkte sind die Charakterisierung und ein paar schwächere Ideen (speziell auch der Grampa-Subplot) aber nach einem mehrmaligen Ansehen relativieren sich die Probleme. Pluspunkte sind die Dynamik und die unterhaltende Qualität. Viel mehr ist nicht da, aber es reicht IMO aus, um mit der Mittelmäßigkeit zu brechen. Auf die Gefahr hin, allein mit der positiven Note zu sein: Note 2-.



Review von Christian Hackl

Leider wieder witzloses Füllmaterial, 22 Minuten Langeweile mit teils schrecklicher Charakterisierung und vielen miserablen Gags. Eine der schlechtesten Staffel-15-Folgen.

Dabei sieht's anfangs noch vielversprechend aus. Streitende Kinder, die den Fernsehabend verderben und die sich nach Ruhe und Entspannung sehnenden Eltern frustrieren; eine Alltagsbanalität, die wohltuend an Handlungsgrundlagen klassischer Jahre erinnert ("Homer Alone").

Leider bekommt mit Fortlauf des Plots der Begriff "Übertreibung" eine ganz neue Dimension. Daß sich Marge über Bart und Lisa ärgert, ist verständlich, aber wie abfällig sie sich in der Folge immer wieder über ihre Kinder äußert, ist nicht normal und verletzt ihren Charakter erheblich; fast noch schlimmer als bei Homer, über den man Ähnliches schreiben könnte.

Lisa mit kindlichen Charakterzügen: schön und gut, aber es ist immer eine Gratwanderung. In dieser Folge verhält sie sich, genau wie Bart, nur noch primitiv und kindisch. Ihre Einsicht gegen Ende im Hotelzimmer kündigt sich außerdem mit riesengroßen Schritten an und ist in einen schön verständlichen, einfachen Satz Marke "Eigentlich verhalten wir uns schon schlimm, also verhalten wir uns lieber wieder brav!" gegossen, damit auch garantiert jeder einzelne Zuseher versteht, worum es geht, ohne mitdenken zu müssen.

Neben der Anti-Charakterisierung grinsen auch noch an allen Stellen Klamauk und platter Humor hervor. Die teils gezwungen wirkende ordinäre Ausdrucksweise, Opa bei Liebesabenteuern ("Dignity's on me"... was ist daraus geworden?), ein Sturz mit der Springburg den Wasserfall runter, ein Tornado, der gezielt in einem Kellergeschoß herumbohrt... entsetzlich.

Über den Plot braucht man nicht lange diskutieren. Eine Verfolgungsjagd quer durchs Land, was für ein Chaos! Sowas hätte auch in einer Scully-Folge überhaupt nicht deplaziert gewirkt.

Der Rückblick auf die Flitterwochen von Homer und Marge ist ärgerlich. Einer schwangeren Marge beim angedeuteten Erbrechen zuzuschauen, ist sowieso kein rechter Spaß (es sei denn, es handelt sich hierbei um überaus selbstkritischen Metahumor bezüglich der Qualität der Folge, was jedoch eher unwahrscheinlich ist), aber hier wird auch noch die Kontinuität durcheinandergebracht. Wie jeder weiß, bekam Homer seinen Job am selben Tag, an dem Bart geboren wurde. Wirklich merkwürdig, dieser Fehler; ist er Al Jean nicht aufgefallen oder sind ihm die diese Dinge trotz der detailverliebten Fangemeinschaft völlig egal?

Die lange Animationssequenz übertüncht einen längeren Teil der verrückten Anti-Handlung - zum Glück! Sie ist toll gemacht, richtig künstlerisch, faszinierend anzuschauen. Eine nette Schlußpointe gibt's auch, als Ned die Kreditkartenrechnung sieht. Trotzdem: schlechte Folge, in der nach Akt eins jegliches Potential im Mülleimer landet.

Note: 4+



Review von Andreas Roth

"Auf der Flucht" ist nicht ganz einfach zu bewerten, stellt die Folge einerseits doch eine recht gelungene Parodie der Idee von "Catch me if you can" (inkl. der wirklich tollen Traumsequenz) dar, andererseits wirft sie jegliche Charakterentwicklung über Bord und stellt die Hauptfiguren überaus aggressiv und vor allem in der deutschen Version auffallend vulgär dar.

Positiv zu erwähnen ist die Spritzigkeit der Geschichte, die ohne große Einleitung direkt beginnt und sich in geradezu atemberaubenden Tempo (entsprechend des gewählten Themas) weiterentwickelt, ohne daß Schlüsselszenen zu kurz kommen (beispielsweise die Familie beim gemeinsamen Anschauen des Spielfilms oder die Szenen im Flughafen).

Die Gags sind durchaus nett, zwar oft nicht sehr einfallsreich, dafür aber nur selten unter der Gürtellinie. Weniger schön ist die übertriebene Whackyness vor allem am Schluß (Hüpfburg stürzt die Niagarafälle hinunter) sowie die bereits erwähnte Charakterisierung der Personen. Vor allem Marge wirkt auffallend aggressiv und ausfallend, und auch Lisa scheint mir zu überdreht, wenngleich ihre Erkenntnis, die Eltern auch mal einen Tag alleine zu lassen, durchaus kindgerecht erscheit (allerdings kommt sie ein wenig zu plötzlich, was aber aus Laufzeitgründen verständlich ist).

An logischen Fehlern mangelt es ebenfalls nicht, so ist die Autofahrt von Grampa, Bart und Lisa nach Miami einfach unglaubwürdig, und an Maggie hat wohl auch keiner mehr gedacht (zumal die Arme gleich zu Beginn der Folge im Katzenklo gelandet ist...). Allerdings sehe ich das diesmal nicht ganz so streng wie sonst, ist diese Folge doch hauptsächlich als Spaßfolge ohne einen konkreten Bezug zum Serienumfeld anzusehen. Für sich gesehen funktioniert die Episode durchaus gut, verbucht aber deutliche Minuspunkte in Sachen Kontinuität.

Ich kann mich nicht mehr genau an die OV erinnern, aber zumindest die DV schockiert den Zuschauer mit einigen doch recht derben Ausdrücken, außerdem nervt der abwechselnd deutsche und englische Gesang ungemein. Dies kann man der Folge natürlich nicht anlasten, deshalb belasse ich es bei der Erwähnung. Als nette Spaßfolge zwischendrin durchaus akzeptabel, als ernsthafte Folge natürlich auf keinen Fall, deshalb vergebe ich diesmal eine 3+.