ULOC-Logo      
ULOC-Suche

 
Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Nach der recht starken ersten Hälfte der Staffel kommen wir momentan irgendwie nicht aus dem S15-Durchhänger raus. Das wird sich aber bis zum Ende der Staffel noch ändern.

Fangen wir mit den negativen Aspekten an.

Die heutige FABF12 zeigt eines der Hauptprobleme (gerade der zweiten Hälfte) von S15 besonders deutlich: die zu starke Sitcom-Tendenz bei Handlungen und Charakteren. Der Plot ist dezent amüsant, gleichzeitig aber auch seltsam comedy-generisch und unambitioniert. Die Charaktere sind dezent unterhaltsam, gleichzeitig bleiben aber ihre Motivationen und Emotionen wenig nachvollziehbar und wirken konstruiert.

War die Edna/Seymour-Handlung in der recht gelungenen "Special Edna" in S14 noch eine gute Mischung aus Humor, Charakterhandlung (inklusive der kleinen Emanzipation Seymours von seiner Mutter) und satirischen Seiten- hieben, so bleibt in der heutigen Folge nur recht wenig davon übrig. Es ist wohl noch immer so, daß viele OFF-Autoren größere Veränderungen gern vermeiden und lieber auf einen Status Quo in der Serie setzen. Auch dies hätte sich IMO aber mit mehr Stil erreichen lassen.

Das zeigt sich auffallend auch beim Marge/Homer-Subplot, der merklich unmotiviert auf das inzwischen zu abgenutzte Ehekrise-Schema zugreift, dem Thema absolut nichts neues hinzufügen kann und daher fast genauso punktlos endet, wie er begonnen hat. Humor entsteht in der Folge eher durch sketchartige Situationen (siehe Skinner im Catwoman-Kostüm) und weniger - wie es passender gewesen wäre - durch eine amüsante und vor allem komplexere Charakterisierung.

Sehen wir uns die positiven Aspekte an.

Die Stärke der Folge liegt ihrer Art entsprechend im direkten Humor, hier kann sie auch durchaus einige Punkte machen. Seymour und seine alten "Freunde" bei Moe (inklusive betrunkenem Barney - aber ob das positiv ist, sei mal dahingestellt), der Damenabend bei Marge, das Ständchen für Edna, ein paar nettere CBG-Szenen etc. Wir haben auch einige Verweise auf klassische Episoden (z.B. "Bart´s right. I am a Wiener" oder Lisas Tanz auf Homers Schuhen - vgl. "Black Widower".)

Der Gastauftritt eines bekannten Comiczeichners, der u.A. mitverant- wortlich für die Entwicklung der besten Animationsserie aller Zeiten war (ich spreche natürlich von "Futurama") ist ebenfalls amüsant.

Fazit: eine teilweise zwar recht unterhaltsame Folge, der aber der zündende OFF-Funke IMO fast völlig fehlt. Im Endeffekt daher nicht mehr als 20 Minuten hübsch gelbe Comedy - man hätte sich für einen Abschluß (?) der ganzen Edna/Seymour-Storylinie besseres gewünscht. Andererseits - wo nicht viel ist, kann man nicht viel falschmachen. Geradliniges Mittelmaß ohne wirkliche Tendenz, daher Note 3.



Review von Andreas Roth

"Hochzeit auf klingonisch" hat zwar einigen der besseren IVAR-Titel (den hat er garantiert von der Vorschlagsliste auf [NeSp] abgeguckt :-P ), kann aber leider nicht an das tolle "Lehrerin des Jahres" anknüpfen. Ganz besonders in der DV, aber auch in der OV, kommt einfach keine rechte Stimmung auf, obwohl verschiedene Szenen durchaus emotional sind und den Zuschauer entsprechend mitreißen sollten, was zumindest teilweise sicher am mittlerweile doch arg abgenutzten Thema "Ehekrise" liegt, welches bei den Simpsons schon reichlich oft durchexerziert wurde.

Zwar kann die Folge mit durchaus guten Einfällen (Damen-Junggesellenparty, Ständchen vor Ednas Wohnung, klingonische Hochzeit) und einer ausgefallenen Story aufwarten, letztendlich wirkt sie jedoch reichlich ungelenk und oberflächlich. Auch der Humor ist nur ansatzweise vorhanden, die Gags zünden nur selten und lassen den Zuschauer höchstens ein wenig schmunzeln.

Die Charakterisierung der Personen ist hingegen weitgehend gelungen, wobei mir Barneys "Alkohol-Rückfall" ein wenig zu plötzlich kommt - die Szene ist zwar durchaus witzig, aber hier hätte man um des Gags willen eine kleine Story aufbauen können. Auch der Status Quo in Sachen Hochzeit von Seymour und Edna schadet der Folge eher, denn "Lehrerin des Jahres" war unter anderem gerade so gut, weil es mal ein wenig aus der Kontinuität ausgebrochen ist - nach 16 Jahren hat es die Serie einfach nicht verdient, immer noch ganz am Anfang ohne jegliche Entwicklung zu stehen. Hier haben es sich die Autoren definitiv zu einfach gemacht, vor allem, da man auf eine mögliche Hochzeit der beiden so lange hingearbeitet hat.

Zwar ist es schön, mal wieder den ganz normalen Alltag in Springfield erleben zu dürfen, aber die allzu flache und teilweise Comic-artige Handlung trüben den Eindruck ein wenig. Gut sind vor allem die Szenen mit dem CBG sowie die bereits weiter oben erwähnten Einfälle. Ekelszenen und dergleichen tauchen glücklicherweise nicht auf, und bis auf wenige Ausnahmen (Homer schnitzt eine Batterie im Bett) ist die Episode frei von "Whacky"-Humor, deshalb erteile ich diesmal eine glatte 3.



Review von Christian Hackl

Na wenn das nach all den faden Fertiggerichten der letzten Wochen keine schöne Abwechslung ist! Eine saubere, unterhaltsame Folge mit vielen guten Eigenschaften.

Am Anfang passiert etwas Verblüffendes. Die *allererste* Szene hat mit der Handlung zu tun! Eine wahre Seltenheit. Kein langatmiger erster Akt, der unnötig Zeit mit irgendwelchen Billiggags verschwendet. Kompliment.

Die besten Szenen bieten auch schon der Junggesellenparties von Skinner und Edna. So stelle ich mir guten Humor vor, der nicht vom Plot ablenkt: Duffman, Chief Wiggum, die Kinder bei Opa, Homer, der das Geheimnis Marge verrät, ohne zu merken, daß er noch mit Skinner spricht - und der betrunkene Barney. Er ist wieder voll da. Herrlich! Möge dieser sympathischste stereotype Trunkenbold in der Fernsehgeschichte noch Generationen von Fans zum Lachen bringen.

Ein Grund dafür, daß der Humor in der Folge gar nicht störend wirkt, mag sein, daß man wenig von Versuchen merkt, ihn zu erklären. Nach Ottos kurzem Monolog rechnet man z.B. schon beinahe mit einer Zusatzbemerkung wie "Meine Drogen wirken", aber zum Glück hat man sich derartiges gespart.

Ein weiterer Grund ist, daß der Humor doch in den Hintergrund der Handlung tritt. Skinner und Edna haben schon immer ein schönes Pärchen abgegeben, und deshalb schaffen sie es auf eine irgendeine Weise auch, Mitgefühl beim Zuseher zu erzeugen. (Ganz anders als bei Apu und Manjula.) Die beiden sind auch richtig charakterisiert. Skinner gibt eine erbärmliche Figur ab, aber auch keine allzu erbärmliche. Daß er kalte Füße bekommt, ist glaubwürdig, und daß Edna ihm zuvorkommt und wegläuft, finde ich realistisch.

Die Simpsons sind ganz nett in die Beziehungskrise eingebaut. Bart hält sich zurück (als lammfrommer, braver Verkuppler und Lehrerliebling ist er sowieso daneben), Homer liefert in vielen Szenen den Comedy-Ausgleich, ohne gleich zum Pausenclown zu verkommen (zumindest über weite Strecken), und Marge zeigt soviel Würde, Ernst und Emotion wie schon lange nicht. Natürlich paßt es auch zu Homer, daß er die Zeichen der sich anbahnenden Eheprobleme erst gar nicht erkennt; ein klassisches Thema.

Schade, daß man die Souffleurszene vor Ednas Balkon nicht etwas subtiler gestalten konnte. Es wäre interessant gewesen, Homer und Marge unbewußt über Skinner und Edna streiten zu sehen. Statt dessen springt Homer plötzlich aus dem Gebüsch hervor. Na ja.

Der letzte Akt kann ganz und gar nicht überzeugen. Daß Edna sich aus lauter Frust den nächstbesten Mann angelt und dabei an den Comic Book Guy gerät, kann man noch schlucken, aber das Ende mit der Science-Fiction-Convention nicht mehr. Sicher, man hat schon cartoonhaftere Szenen bei den Simpsons gesehen, aber eine Klingonischhochzeit mit Skinner im Catwoman-Kostüm muß wirklich nicht sein.

Schade drum. Wenn man hier an der richtigen Stelle gekürzt hätte, hätte man auch die Schlußszene mit Homer und Marge etwas dezenter und gefühlvoller aufbereiten können. Wieso lassen die Autoren zu, daß Homer eine ganze Schulband in den Wandschrank stopft? Was hat dieser Unfug in so einer Szene verloren? Die Idee, daß Homer Marge quasi noch einmal heiratet, ist zudem direkt aus "A Milhouse Divided" gestohlen und wurde in der Staffel-8-Folge viel besser umgesetzt.

Ein paar Anmerkungen: der Groening-Metawitz wirkt überraschend ungezwungen, der Metawitz mit Homers verlorenem Ehering ist sogar richtig raffiniert. Laut Ivar hat der Comic Book Guy an einem "Online-Phantasiespiel" teilgenommen. Dürfte im Original wohl ein "online fantasy roleplaying game" gewesen sein.

Note: 2-