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Die Simpsons

Review von Andreas Roth

Vom Thema her bietet "Die Verurteilten" solide Standardkost, zwar ohne besondere Höhepunkte, dafür auch nur wenige Kritikpunkte. An einigen Stellen merkt man zwar, in welchem Staffelumfeld sich die Folge bewegt (Homer im Kaufhaus, Kampf um die Atemluft im Partyzelt), aber sie bietet auch durchaus emotionale Momente sowie einige tolle Gags und Parodien.

Im ersten Akt wird ein klein wenig Laufzeit verschwendet, die am Schluß fehlt, aber zum Glück beschränkt man sich diesmal auf eine Geschichte, die dann auch von vorne bis hinten durcherzählt wird. Vor allem Bart wird gut charakterisiert als der Lausebengel, der er schon immer war, und auch wenn man viele Storyelemente in der einen oder anderen Form schon früher gesehen hat, wirkt die Geschichte dennoch nicht konstruiert.

Wie eingangs schon erwähnt, gefallen mir die Szenen mit Homer im Kaufhaus eher weniger, und auch der Part mit Marge kann nicht so ganz überzeugen, dafür ist die Matrix-Parodie recht gut gelungen. Der beste Gag war eindeutig die Aufschrift auf Wiggums Polizeimarke, aber auch Cletus' Schnitzereien sowie die Szenen im Gefängnishof sind gut gelungen.

Die Charaktere sind schön ausgearbeitet, vor allem natürlich Bart, aber auch Gina und der Gefängnisleiter haben ihre Momente (bis auf die letzte Szene, da hätte ich mir gewünscht, daß er sich tatsächlich zu den Simpsons an den Tisch setzt). Marge ist ein wenig übertrieben emotional dargestellt, und Homer teilweise allzu begriffsstutzig, was aber insgesamt kaum ins Gewicht fällt. Auch die Polizisten sorgen für viele Lacher, ohne aus der Rolle zu fallen.

Positiv zu nennen ist auch die Atmosphäre sowie die Animation, hier haben die Produzenten gute Arbeit geleistet, was Blickwinkel, Beleuchtung, Farben und auch die Musik angeht. Die DV nervt natürlich mal wieder mit fortwährendem Vogelgezwitscher (will IVAR uns damit überzeugen, daß die Szenen wirklich draußen spielen? *augenroll* ), zum Glück nehme ich das mittlerweile kaum noch wahr.

Insgesamt betrachtet eine durchaus stimmige Folge, in der nur wenige Elemente wirklich stören, eine zwar nicht allzu außergewöhnliche, aber gut erzählte Story und diverse wirklich witzige Szenen - Note 2.



Review von Christian Hackl

Wieder einmal Mittelmaß an allen Ecken und Enden. Es kommen keine katastrophalen Schnitzer vor, aber die Folge hat auch gar nichts, weswegen man sie sich gern noch einmal anschauen würde.

Positiv anrechnen muß man ihr, daß sie schnell zum eigentlichen Thema kommt und kaum Zeit mit der Vorgeschichte verschwendet, da man Barts Streich sowieso zur Haupthandlung dazurechnen kann. Überhaupt ist es schön, Bart wieder einmal einen Streich verüben zu sehen, auch wenn es schon seltsam ist, wie die ganze Situation zustandekommt. Springfields Bürger sind vielleicht nicht die Hellsten, aber daß sie auf solchen Schwachsinn hereinfallen, ist mir zu weit hergeholt.

Ich hätte mir einen etwas realistischeren Verurteilungsgrund gewünscht, denn schon die Vorstellung, Bart ins Jugendgefängnis zu stecken, ist im Vergleich zu Bart-Bestrafungen in früheren Simpsons-Jahren ziemlich radikal. Abgesehen davon ist die Idee in Ordnung. Schade, daß keine rechte Stimmung aufkommen mag. Sicher, Bart wird bei der Einweisung richtigerweise traurig und frustriert dargestellt, und die Begleitmusik bei den Gefängnisszenen ist auch gut, aber dann wird man wieder mit allerlei übertriebenen, überflüssigen Witzen wie der ach so lustigen Fotoaktion des Rutschenschlägers und Krustys boshafter Gefangenenauslacherei belästigt. Mittelprächtige Inszenierung. Die satirischen und gesellschaftskritischen Möglichkeiten des Schauplatzes Jugendgefängnis werden kaum aufgegriffen.

Schöner gemacht ist die Reaktion der Familie auf Barts Verurteilung. Marges Tränen wirken nicht einmal gekünstelt. Beachtlich! Mit der emotionalen Stärke von Klassikern wie "Home Sweet Home-Diddily-Dum-Doodily" können solche Szenen dagegen natürlich nicht mithalten. Homers kurzfristigen Wärterjob kann man als alles in allem gelungenen Witz durchgehen lassen.

Was soll man über Gina schreiben? Ein Charakter, der genauso mittelmäßig ist wie die ganze Folge. Zwischen ihr und Bart fehlt jegliche Chemie, und ihre Stimmungsschwankungen sind schwer nachzuvollziehen. Die Flucht aus dem Gefängnis ist erstens sehr konstruiert (warum um alles in der Welt werden den Gefangenen beim Tanzen Handschellen angelegt?), und zweitens bringt sie viel zu viel Action in eine Folge, die statt dessen charakter- und gefühlszentriert angelegt sollte.

Es stellt sich schließlich heraus, daß Gina deshalb eine gewalttätige Verbrecherin ist, weil sie keine Familie hat. Na, wenn das kein abgelutschtes Klischee ist, was dann? Es kommt, wie's kommen muß, und Bart schafft es irgendwie, ihr Herz zu erwärmen, woraufhin sie sich für ihn opfert. Mitfühlen kann man mit den beiden ohnehin nicht, also nimmt man's einfach zur Kenntnis.

Das Ende mit dem Familienessen in der Gefängniszelle kann man wahlweise als schmalzig, kitschig, verrückt oder unlogisch empfinden.

"Wandering Juvie" ist ein gutes Beispiel dafür, wie destruktiv aufgesetzter Humor sein kann. Wenn man ca. 90% aller Gags gestrichen hätte, wäre die Geschichte viel besser: Homers Rolltreppen-Mißgeschick, die Verwechslung der Kabine mit einer Toilette, die "Nutten"-Kollektion (?), der Hautvergrößerer, Marges unsagbar dumme Frage nach der Familie der Hautmilbe, Moe und Willie im Zelt, der seltsame "Abtausch" mit Ralph, Chief Wiggum und der Bär, Snakes Buch und seine anschließende Anmerkung... alles komplett überflüssig. Warum die Fans absichtlich durch Auftritte von allseits beliebten Charakteren wie Lindsey Neagle, Richterin Harm und dem Yes Guy geärgert werden, wissen wohl nur die Autoren selbst.

Note: C



Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den negativen Aspekten an.

Obwohl ich FABF11 im Gesamtbild deutlich besser finde, als die Folge von letzter Woche, ist sie nicht ohne Probleme.

Barts Charakterisierung ist zwar recht interessant, wirkt aber teilweise etwas zu sprunghaft - siehe etwa seinen Wechsel vom klassischen bad boy hin zum (dezent) übertrieben Weinerlichen. Die Erwähnung eines angeblich riesigen Archivs mit Barts kriminellen Taten stört in diesem Kontext IMO ebenfalls auffallend. Die Charakterisierung von Gina bleibt leider etwas flach und speziell zum Schluß hin zu stark an Klischeemuster gebunden.

Das vorhandene Potential einer Kritik am US-Jugendstrafvollzug und der mangelhaften Resozialisierung wird zumeist nur seicht gestreift, etwa in den Szenen mit den "billigen" Berufen beim Career-Day. Es wäre wohl hilfreich gewesen, wenn sich der Plot stärker auf ein Thema beschränkt hätte - entweder satirische Kritik am Strafvollzug oder Charakterthema auf der Flucht. Für beide Themen (und für Füllgags am Anfang) reichen 20 Minuten einfach nicht aus, um sie durchweg mit Substanz zu füllen.

Kommen wir zu den positiven Aspekten.

Neben manchen Problemen (und ein paar eher mißlungenen Gags) kann die Folge aber durchaus mit guten Ideen aufwarten. Satirisch gelungen ist z.B. der geschnittene I&S im Gefängnis ("Freedom!", "Lordship!"), der das Gewaltproblem der Kinder schlicht durch ein erzwungenes Entfernen jeglicher Gewalt lösen will - im Kontext zur täglichen Gewalt auf dem Gefängnishof ein völlig unsinniges Unterfangen. In Details greift die Folge ihr Potential hier doch teilweise auf.

Es ist immer gut, wenn sich eine OFF-Folge nicht vor einem ernsthaften Thema "fürchtet" und die Balance zum Humor halbwegs funktioniert. Auf der humoristischen Seite macht die Folge auch durchaus Pluspunkte: ein paar gute Gags am Anfang (abzüglich Homer und die Rolltreppe), der I&S, der Career Day, Homers neuer Job ("I believe children are the future - unless we stop them now.", "Welcome aboard.") und mehr. Der Schluß war nett gedacht, wirkt aber erneut etwas zu klischeehaft.

Die Animation ist mal wieder auffallend gelungen, was erneut auf Lauren McMullen? als Director verweist. Gute Sprecherleistungen und "Gaststars", die normale Figuren sprechen, sind ebenfalls positiv. Wie hat Ivar den öfter auftauchenden Begriff "cooties" übersetzt? Hat er den Metagag mit Ginas Bart-Beschimpfung "Family Guy" passend nicht übersetzt?

Fazit: erneut eine gute Grundidee, der es aber leider etwas an Substanz und stabiler Charakterisierung mangelt. Dennoch viele Ansätze und Ideen, hätte ich Worte wie "teilweise" und "halbwegs" im Review nicht benutzen müssen, wären wir durchaus noch einen Notengrad besser. Note 3+.

Chris

P.S. Der deutsche Titel ist diesmal auffallend einfallsreich - wenn man bedenkt, daß es ja z.B. auch "Bart als Hochzeitsschwindler" oder "Homer als Gefängniswärter" oder auch "Hochzeitskrawall - Bart verhaftet" hätte sein können ;-).