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Die Simpsons

Review von Tobias J. Becker

Ich bin über diese Folge recht zwiegespalten, sie ist irgendwie wieder eine Aneinanderreihung von ein paar Ideen die man hatte, teilweise mal wieder höchst meta-haft und selbstsatirisch.

Zum zweiten Mal hintereinander beginnt eine Folge mit einem Kinobesuch, und zwar diesmal in dem Science-Fiction-Film "Galactic Wars" von Randall Curtis, der bislang immer für Qualität bekannt vor. Sein neuestes Werk stellt sich jedoch als absolut langeweiliger und lächerlicher Schinken heraus, in der vor allem die Figur des von ihm selbst gesprochenen Jam-Jams nervt. Wütend formulieren die Simpsons(-Kinder) einen Brief an Randall Curtis, der jedoch nur mit einer Standard-Antwort ("Danke für Ihr Interessse...") beantwortet wird. Deshalb beschließen die Simpsons, Randall Curtis in seinem Anwesen zu besuchen und tragen ihm ihre Kritik noch einmal vor. Er sieht die Fehler ein, und beschließt, die besser ausgearbeiteten Handlungen seiner Filme wie früher wieder auf Charaktertiefe basieren zu lassen. Nun, bis dahin ist die Figur des Randall Curtis offensichtlich eine Parodie einerseits von "Star Wars" - Schaffer George Lucas, aber andererseits auch auf Matt Groening als Repräsentant der Simpsons-Produzenten mit starken Seitenhieben gegen sich selbst. Zugleich werden die Forderungen der "alten" Fans nach Charakter- und Handlungskomplexität aber wieder aufs Korn genommen, außerdem gibt es Anspielung auf "Handlungs"elemente aus für nicht existent erklärten Zeiten, wenn Bart z.B. den Plan fast, nur aus Wut heraus ein Loch im Wohnzimmer zu graben...

Das könnte an sich nun der Hauptplot der Folge sein. Ist es aber nicht. In der Nebenhandlung besuchen Marge und Homer nämlich anders als ihre Kinder nicht Randall Curtis' Studios, sondern tun etwas für die kulturelle Bildung - sie kosten diverse Weine, nach denen Marge langsam, aber sicher süchtig wird. Zurück in Springfield kann Moe ihr nicht wirklich dienlich sein, weshalb diese mit ihrem Homer-Schatz das in der Nähe stattfindende Oktoberfest besucht, was Marge sehr genießt. Sowohl das Zusammensein mit Homer, als auch das Trinken. Am Ende des Tags sind beide blau; unvernünftig wie er ist, baut Homer sofort einen Unfall. Als die Polizei kommt, stellt er es aber so da, als wäre Marge gefahren. Hackedicht wie sie war, kann sie später nicht ausschließen, dass das stimmt. Auf Anraten von Barney besucht sie das "Quitters Rehab"-Center und nimmt daran mit mäßigem Erfolg teil. Sie erkennt schließlich, dass Homer der ware Säufer in der Familie ist und sie immer nur dabei war und mittrank, weil sie die gemeinsame Zeit mit Homer genoss. Etwas zögerlich verspricht er ihr, sich beim Trinken zurückzuhalten, seiner Frau zu liebe. Ende

So haben wir nun zwei Plots in einer Folge, die zwar miteinander verbunden sind, aber sonst eigentlich kaum etwas miteinander zu tun haben. Beide sind etwas dünn, dafür allerdings mit vielen witzigen Einfällen versehen, z.B. zieht Homer mehrmals eine Bibel hervor, die ihm bei seinen so oft Problemen geholfen habe - nun, in ihr verbirgt sich eine Whiskey-Flasche... Auch die Stelle, als Homer bemerkt, dass er einen Unfall gebaut hast, ist klasse. Um seine Aufmerksamkeit zu vergrößern, öffnet er eine Dosa Cola, deren Inhalt zu seinem Erstaunen komplett an die Decke spritzt - das Auto liegt da bereits auf dem Dach. Die Anspielungen auf die neue "Star Wars" - Trilogie sind auch köstlich und die Seitenhiebe gegen S1X-Fehler sehr gewagt. Ich konnte an einigen Stellen richtig gut lachen, aber... irgendwie etwas merkwürdig und eindeutig zwei Plots zusammengelegt...



Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den negativen Aspekten an.

Mit der heutigen FABF10 sehen wir leider bereits den zweiten Beitrag zum Durchhänger von S15. Von der Idee her nicht uninteressant, hat die Folge deutliche Probleme im Bereich Aufbau, Charakterisierung und Inhalt.

Genau wie letzte Woche beginnt die Handlung wieder mit einer überlangen und eigenständigen Vorgeschichte, die sogar den Kinobesuch kopiert. War dieser in der vorherigen Folge aber noch relativ amüsant, erscheint die eher verspätete Star-Wars-Parodie hier recht einfallslos. Eine überzogen wirkende Reise, ein paar Seitenhiebe auf George Lucas, Meta-Scherzchen, und eine arg lose Verbindung zum Hauptplot - alles auf Laufzeit-Kosten.

Im Hauptplot selbst gibt es mehrere Probleme. Wer Jerkass Homer in S15 sehen will, der wird in dieser Folge recht deutlich fündig (und sicher mehr, als in vielen anderen FABF). Sein Verhalten wird auch durch die übertrieben häufige Verwendung von Gags wie seinem penetranten Gesinge oder der "Bibel" nicht wirklich sympathischer. Einige wichtige Aspekte einer Satire zum Thema Alkoholkonsum (wie z.B. Gruppendynamik) werden bestenfalls am Rande gestreift und bleiben seicht.

Die "Moral" zum Schluß wirkt schlicht ungelenk, die Emotionen allzu künstlich. Marges Problem klärt sich quasi in Sekunden dahingehend, daß sie nur trinkt, um etwas gemeinsam mit Homer zu tun. Das hätte unter Umständen noch halbwegs geklappt, hätte die Folge Sympathien für Homer geweckt - aber nach 20 Minuten obskurem Benehmen, seinem auffallend hohlen Pseudo-Versprechen und einem eher deplatzierten Schlußgag funktioniert auch das nicht wirklich.

Kommen wir zu den positiven Aspekten.

Die Idee an sich ist nicht uninteressant und hätte (wie so oft in aktuellen Staffeln) einfach nur eine bessere Bearbeitung verdient. Es sind einige kritische Ansätze da (z.B Gruppenverhalten) und der grundsätzliche Plot hatte sicher mehr Ambitionen als das Ergebnis. Die amüsanten Stellen der Folge finden sich hauptsächlich im eher direkten Humor, z.B. in der visuellen Umsetzung von Marges "Kater" oder in Duffmans "This Reich will last a thousand beers".

Fazit: im Gesamtbild eine Folge, die leider auffallende Mängel in den Bereichen Aufbau und Charakterisierung hat. Gerade der Schluß wirkt seltsam ungelenk und hastig. Trotz einger netter Einzelgags eine der schwächsten Folgen der Staffel, Note 4+.



Review von Andreas Roth

Dies ist eine weitere Folge der Reihe "Nette Idee, Ausführung mißlungen", und zwar diesmal besonders gründlich. Kann der Auftakt noch mit ein paar netten Seitenhieben auf das Filmbusiness aufwarten (nebenbei bemerkt: hatten wir das nicht erst letzte Woche?), verliert sich die Epsiode zunehmend in platten, charakterverzerrenden Darstellungen von Marge und Homer. Die wohl angedachte Botschaft "Don't drink and drive" und Konsorten wird mit der übelsten Holzhammer-Methode herübergebracht und läßt jegliches Feingefühl vermissen.

Sind Bart und Lisas Reaktionen noch einigermaßen gelungen, führt sich Homer in bester Jerkass-Manier auf, und die sonst so bedachte und zurückhaltende Marge läßt jeden Anstand vermissen. Kann man letzteres noch als abschreckendes Beispiel und somit als Botschaft an die Zuschauer verstehen, ist die Auflösung - Marge möchte nur mehr Zeit mit Homer verbringen - umso unbefriedigender. "Back-to-normal"-Enden sind wir ja mittlerweile gewöhnt, aber dieser Gesinnungswandel binnen weniger Sekunden ist einfach unglaubwürdig und führt jegliche Glaubhaftigkeit des zuvor dargestellten Gesprächs in der Selbsthilfegruppe ad absurdum.

Eine wenige gelungene Szenen wie die Inszenierung von Marges "Kater" oder Bart und Lisas Minenspiel können die Episode leider nicht retten, gehen sie in der überzogenen und stumpfsinnigen Darstellung völlig unter. Das Thema an sich ist gut und sollte auch einmal verarbeitet werden, aber bitte mit etwas mehr Feinsinn und einer weniger überhasteten Auflösung. Eine der schwächsten Folgen der Staffel, und somit auch nicht mehr als eine 4-.



Review von Christian Hackl

Schreck laß nach. Der böse Zwillingsbruder von Duffless? Bei so einem deutschen Titel [1] hätte man sich's eigentlich denken können.

Die Folge leidet wieder einmal am Standardproblem: zu langer Anfang, der mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun hat und ihr die Zeit wegnimmt, die sie zur gesunden Entwicklung bräuchte. Die Star-Wars-Parodie ist gut (wenn auch reichlich spät), ein paar witzige Szenen können sich sehen lassen (Otto im leeren Kinosaal, die Veräppelung der Freaks mit ihren Lichtschwertern). Aber zu welchem Preis?

Noch dazu beginnt dadurch ein völlig unnötiger Nebenplot, der aufhört, bevor er richtig anfängt. Erst dann widmet man sich dem eigentlichen Thema. Sehr schwach strukturiert. Die verlorene Zeit muß ab diesem Zeitpunkt nämlich rasch aufgeholt werden. Die Trinkgeschwindigkeit steigt in Sekundenschnelle von 0 auf 100. Erst verhalten sich Homer und Marge noch ganz normal, ein paar Momente später hat sie der Alkohol schon fest im Griff und bringt sie dazu, sich vor dem Zuseher allerlei Peinlichkeiten hinzugeben. Und es wird nicht einmal der Versuch unternommen, diese plötzliche Wandlung zu erklären, die vor allem Marges Charakter unsanft durchbeutelt. Man beachte hier den krassen Gegensatz zum angesprochenen Staffel-4-Klassiker! Die Eltern sind plötzlich Weinsäufer geworden. Warum, das weiß keiner. Ist einfach so. Keine Fragen, bitte.

Der Humor ist nur streckenweise gut. Krustys Auftritt etwa, weil er überraschend kommt und daher umso wirkungsvoller ist. Zwei Sequenzen stechen durch tolle Animationen ins Auge: das Cola am Autodach und Marges Kater; letztere ist auch akustisch großartig inszeniert.

Leider ist die Handlung mit Marges würdelosen Saufauftritten noch nicht am Tiefpunkt angelangt. Al Jean wird oft dafür gelobt, daß er die Figuren sympathischer gemacht hat (auch von mir), aber manchmal kommen einem doch beinahe leise Zweifel daran, ob er dies auch wirklich verdient hat. Homer baut betrunken einen Unfall (den er und Marge wundersamerweise ohne einen Kratzer überstehen) und schiebt der armen Marge - seiner eigenen Frau! - die Schuld in die Schuhe. Furchtbar. Zum Vergessen.

Der Rest der Folge ist schnell zusammengefaßt. Marge fühlt sich schuldig, Homer kommt langsam, aber sicher drauf, was er angerichtet hat (was die Untat nach dem Unfall nur teilweise entschuldigen kann), Norbert Gastell wird zum Singen gezwungen (in einer Szene, in der man auf einen solchen Gag sowieso schon verzichten könnte), und dann kommt's zum Finale im Therapiezentrum.

Und dieses Finale ist auch sehr merkwürdig dargestellt. "Ich hasse meinen Mann!" - "Vielleicht bist du nicht wegen des Alkohols mit ihm trinken gegangen, sondern seinetwegen." - "Du hast recht, ich liebe meinen Mann!" Viel besser ist der Dialog in der offiziellen Version leider auch nicht geschrieben. Wer soll so abgehackte, wild umherspringende Gefühle noch nachvollziehen können?

Wenn man die Schlußszene bitterböse zynisch betrachten wollte, könnte man sagen: In Staffel vier radelten Marge und Homer dem Sonnenuntergang entgegen, in Staffel fünfzehn muß die Folge ausklingen, indem Homer wie ein kleiner Junge heult, weil er gerade nichts zu trinken parat hat, obwohl er gerade versprochen hat, den Alkoholgenuß einzuschränken. So eng sehe ich's aber auch nicht. Der vorangehende Dialog zwischen Homer und Marge ist nämlich trotz all dem zuvor gesehenen Unfug und den Charakterisierungsproblemen auf eine gewisse Weise rührend und schön. Wenn man das nur von der ganzen Episode behaupten könnte...

Note: C-

[1] "Marge im Suff"