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Die Simpsons

Review von Joachim Moeglich

Eine kopflose Episode - das darf man ruhig sagen. Erstens kopflos seitens der Autoren, denn eine Trilogie, in der die Springfielder "out of character" antreten ist nach "Ihre Lieblings-Fernsehfamilie", "Lisa rennt", "Drei unglaubliche Geschichten", "Bibelstunde, einmal anders" und "Drei uralte Geschichten" und nun wirklich nichts Innovatives mehr. (Hab ich eine vergessen?). Da wäre eine Neuauflage von 22 Geschichten im Ansatz viel interessanter. Zweitens rollen recht viele Kopfe in den Geschichten. Im ersten Teil wird die Geschichten von Heinrich, dem VIII, erzählt, der 6 Frauen köpfen ließ. Im zweiten Teil verliert Milhouse seinen Kopf. So blutrünstig und abgefahren ist diese Folge dann aber doch nicht, wie jetzt bei manchen der Eindruck entstanden sein mag. Wir haben viele schöne Momente und gute Lacher (bspw. Itchy und Scratchy als Kasperletheater, Nelson als Beethoven, Dr. Nicks Auftritt in Wien), aber auch uninspirierte Hänger und allzuviel Metaphysisches. Man will einerseits keine Jackasshomerhandlung, andererseits möchte ich nicht erst im Seminar an der Uni von promovierten Akademikern auf versteckte Referenzen aufmerksam gemacht werden.

Segment 01. Wer nicht die englische Geschichte um Heinrich den Achten, seinen Ärger mit dem Papst, den Frauen und die Teilung Englands kennt, den dürfte diese Folge ziemlich anöden und anwidern. Szenekenner dürften sich der treffsicheren Charakterisierung der vielen Opfer erfreuen (lustig Otto als Jane Seymour wegen der Frisur). Segment 02: Auch hier hat man nur Freude, wenn man Disneys Pocahontas sah und weiß, welche Rolle Lewis und Clark (Lenny und Carl) bei der Eroberung des Westens hatten. Segment 03: Sehr frei nach dem Film "Amadeus" gestaltet ist dieser Teil noch am besten verdaulich. Allerdings ist Bart zu stark überzeichnet und der Konflikt Salieri - Mozart wirkt peinlich. Lustig hingegen das Schild an Skinners Rücken und die vielen deutschen Worte. Achja, zum Schluß tauchte schon wieder die irre Katzenlady auf. Bezeichnend, daß in über 20 ULOC-Listen etwas eingepflegt werden musste. Wenigstens wurde diesmal auf Promis völlig verzichtet. Aber allzuviel aufgesetzte Referenzen, Bezüge zu Filmen dritter Wahl usw. stören dann eben wieder die Harmonie. Tatsächlich sind mittlerweile viel zu viele Köpfe und zu wenig Hände an der Serie beteiligt, ein Phänomen, das uns Deutschen mit seinen vielen Beamten und Politikern nur allzugut bekannt ist. Fazit: es gibt bessere Episoden und es gibt schlechtere Folgen. Trotz vieler schöner Momente hinterläßt die Folge keinen riesengroßen Wiedersehensfreudeeffekt, aber dennoch gibt es eine mutige 3 von mir.



Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.

Nach dem ersten Ansehen war meine Meinung über die Folge noch deutlich kritischer, waren mir doch gerade beim Humor recht starke Tendenzen in Richtung Niveaulosigkeit aufgefallen. Nach mehrmaligen Ansehen hat sich dies aber doch eher relativiert, da gewissen Krudheiten im Humor wieder einmal ein immenser Einfallsreichtum in vielen anderen Gags, Referenzen und visueller Umsetzung gegenüber steht. Und Ideen hat die Folge derart viele, daß man damit in Scully-Zeiten eine halbe Staffel gefüllt hätte.

Viele der Referenzen im geschichtlichen Bereich sind recht speziell oder setzen ein gewisses Vorwissen als hilfreich voraus (sei es über Heinrich bzw. Henry VIII, über amerikanische Geschichte oder über die Inkorrekt- heiten in der Amadeus-Verfilmung). An manchen Stellen wie etwa dem "to canonize" von Ned "Thomas Moore" Flanders stößt auch die Synchro wieder mal an ihre Grenzen (to canonize bedeutet heiligsprechen.)

Satirisch sind einige nette Anspielungen drin - gibt es einen besseren Weg, kulturellen Verfall zu zeigen, als durch Yu-Gi-Oh Price Guides in einer Bibliothek? Der Gewaltlevel ist speziell im Henry-Segment sicher etwas höher, ist in der Darstellung aber auch nicht allzu explizit nur auf den "krassen" Effekt aus. Der Schluß ist amüsant, auch hier ist es aber hilfreich, "Animal House" zu kennen. Die Rahmenhandlung bleibt im realen Bereich und verzichtet passenderweise auf Unfug.

Kommen wir zu den negativen Aspekten.

Ein Problem der Folge ist IMO ihr seltsam uneinheitlich wirkender Stil beim Humor. Auf der einen Seite nett gemachte Parodien und Zitate, auf der anderen Seite auffallend krud wirkende Gags. Was von US-Fans stark kritisiert wurde, ist gerade der (als Kritik an einer phallokratischen Gesellschaft gedachte) "Grow a penis"-Satz plus die nachfolgende Szene. Das ist arg daneben. Was mich noch mehr stört, ist aber die flatulente Oper von Bart und diverse "Fart"-Gags in deren Umfeld.

Derartige Einlagen bringen der Handlung nichts bzw. stören sogar. Und zum Thema Oper hat man in Groening-Serien schon mehr Stil gesehen. In der Synchro dürfte es einige Problemstellen geben, der deutsche Titel ist natürlich deutlich einfallsloser als das Original mit der Parodie auf die Magical Mystery Tour der Beatles.

Fazit: trotz einiger Schwächen die bisher beste Non-THOH-Segmentfolge, wenn auch mit einem etwas uneinheitlichen Stil. Die Einfälle sind oft auffallend gut, ein paar Gags aus der unteren Schublade weniger hätten aber den Gesamteindruck verbessert. Note 2-



Review von Andreas Roth

Es ist ziemlich schwierig, diese Folge gerecht zu bewerten, denn an derben Worten wurde hier nicht gerade gespart - ist das nun ein Zugeständnis an die heutige Gesellschaft oder fällt es den Autoren einfach nur schwer, ein gewisses Niveau zu halten, ohne daß die Serie "unkomisch" wird?

Die Rahmenhandlung hält sich unspektakulär im Hintergrund, was den drei Geschichten zugute kommt, die - mit Ausnahme des reichlich derben Humors - sehr schwungvoll und mit viel Phantasie erzählt werden. Gespickt mit Referenzen an die tatsächliche Geschichte, aber auch an Nacherzählungen und Verfilmungen kann man sie als gelungene Karikaturen bezeichnen, zumal die satirischen Aspekte auch nicht außer Acht gelassen wurden.

Viele dieser Gags werden dem Zuschauer allerdings nur positiv auffallen, wenn er eine gewisse Vorbildung mitbringt, sei es das Gebahren am königlichen Hof oder Mozarts ausschweifender Lebensstil. Die Springfielder agieren virtuos in ihren Rollen, denn die Charakterzuordnung ist fast ausnahmslos gut gelungen.

Wie schon erwähnt, steht und fällt der Eindruck über die Folge aber mit der Toleranz, die man den Gags jenseits der Gürtellinie entgegenbringt. Worte wie "fart" und "poo" werden überproportional oft benutzt, und die "grow a penis"-Szene dürfte nicht wenigen sauer aufstoßen. Letztere fand ich zwar durchaus recht krud, im Endeffekt aber gar nicht so schlimm. Sogar in der DV fand ich Sabine Bohlmanns verzweifelt-enttäuschtes "Es geht nicht!" wirklich gelungen.

Besonders das zweite Segment hält sich in Sachen derbe Gags ziemlich zurück, kommt aber auch reichlich unspektakulär daher, so daß nicht selten Langeweile aufkommt. In Segment eins ist es vor allem der unnötig hohe Gewaltanteil, der einen negativen Eindruck zurückläßt, und im dritten Teil könnte man die "Fart Opera" ankreiden, wobei diese jedoch gut Barts Charakter als immerzu zu Streichen aufgelegtes Schlitzohr paßt.

Da besonders die erste und die dritte Geschichte vor vielen guten Ideen nur so sprühen, kann ich einigermaßen über das Niveau diverser Gags hinwegsehen, zumal so etwas mittlerweile ja leider üblich ist, ja geradezu symptomatisch. Deshalb vergebe ich noch eine 2-.