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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.

Ein Problem vieler S1x-Folgen war die Charakterisierung von Marge, die oft entweder blass-farblos oder grell überzogen dargestellt war und so zur flachen Selbstkarikatur wurde. Der heutigen Folge gelingt die Dar- stellung von Marge bedeutend besser und der Charakter bleibt trotz der hier vielleicht etwas übertriebenen Naivität durchweg sympathisch.

Die Ideen für Haupt- und Subplot sind nicht neu, werden hier aber mit nettem Einfallsreichtum und Elan (auch im Bezug auf Animation und die Sprecher) ausgeführt. Amüsante Schilder ("Boris Car-Loft") und Ideen, vor allem auch viele Homerismen ("I didn´t lie, I was writing fiction with my mouth"). Die Folge bleibt FABF-typisch auf recht realem Grund, passende Ausnahme ist der surreale Einblick in Lisas Gedankenwelt.

Die Szenenwechsel zwischen Realität und Marges Romanhandlung sind gut gemacht und ergänzen sich ("Nantucket is an island?"). Der Schluß mag nicht neu sein, ist aber ebenfalls nett gelungen - neben Marge bleibt so auch Homer durchweg sympathisch. Satirisch sind einige gute Ideen da, z.B. zum Thema allgemeines Desinteresse an Büchern in der Gesell- schaft ("I´m gonna go up to the 4th floor, where the books are.").

Kommen wir zu den negativen Aspekten.

Trotz gelungener Ausführung hat jener Hauptplot über Marges neue Selbst- verwirklichung (und eine kleine Krise mit Homer) und ein eher ironischer Subplot über Homers aktuell neuen Job ein übliches Problem: the Simpsons already did it. Wirklich neues Material ist nach 14 Staffeln rar. Einige wenige Gags wirken mißlungen, etwa die Morphium/Elektroschock-Szene und der deplatziert wirkende Pupillen-Gag. Das Auftauchen von Marvin Monroe mit schwacher Ausrede wurde als Veräppelung der Fans kritisiert.

Diese kleineren Probleme sind aber IMO alle relativ harmlos. Ich habe eher den Eindruck, daß die Folge in der Synchro recht stark verlieren wird, da viele Teile des Humors dialogbasiert sind.

Fazit: gelungene Folge mit vielen Einfällen und mit merklichem Elan bei Sprechern, Humor und Animation. Diese Qualitäten helfen über den leich- ten Mangel an frischer Grundidee und wenige Ausrutscher hinweg. Note 1-



Review von Christian Heller

Als vor Urzeiten von der Folge geschwärmt habe, habe ich mich in #simpsons.de doch tatsächlich dazu belabern lassen, die zu ziehen und anzugucken, und siehe da, mich prächtig amüsiert. Ich mochte mein Bild von der Serie nicht weiter kaputtmachen, als es durch meine geringen Ausflüge in die jüngeren Staffeln ganz zu Anfang der Qualitätseinbußen bereits geschah, aber dieses kleine Hineinwagen machte sich durchaus bezahlt.

Favoriten: Lisas "I'm gonna go up to the third floor where the books are" und Barts "assistant professorship"-Verarsche der PhDs (überhaupt liebe ich es ja immer, wenn Bart oder Homer plötzlich ungeahnte bildungsbürgerliche Qualitäten auffahren, man denke auch an das gute alte "I'm familiar with the works of Pablo Neruda" oder Homers Wissen über iranische Innenpolitik; lieber out-of-character-Klugheit als out-of-character-Doofheit); Homers "Hehe, injured hippies"; dann die ganze vorzügliche Creative-Writing-Parodie bei Marge; der Thomas-Pynchon-Gastauftritt; Dr. Marvin Monroes sehr beiläufige Begründung seiner langen Abwesenheit; und natürlich "I was writing fiction with my mouth".

Punkteabzug gibt's für Homers Spritzen-Aktion, Homers Pupillenwanderungen und außerdem, und das wird jetzt weh tun, das ziemlich aufgesetzte Versöhnlichkeitsende. Natürlich schön, dass da wieder etwas mehr emotionale Substanz den Figuren zugeschrieben wird, aber aus der Handlung selbst ließ sich eigentlich keine nennenswerte narrative Entwicklung ableiten, die zu Homers finalem Akt der Reife (Kniefall vor Flanders, wie besserer Ehemann sein) führt. Machte auf mich den Eindruck eines gewollt (den Fans zeigen dass man die Figuren wieder etwas würdevoller anfässt) aber nicht gekonnt (narrativ aus der Episode selbst heraus gar nicht motiviert, lediglich über das allgemeine Serienwissen, dass Homer Marge liebt).

Lohnt sich der Rest der Staffel auch? Also wenn die alle so wie die Folge sind ...



Review von Andreas Roth

Vorweg gesagt: Diese Folge gehört zu jenen, bei denen die Synchro vieles kaputt macht, und zwar weniger durch falsche Übersetzungen, sondern vielmehr durch eine allgemeine Lustlosigkeit bei den Sprechern - im direkten Vergleich kommt die DV auffallend langweilig und emotionslos daher.

Der Auftakt der Folge läßt Schlimmes befürchten, was sich zum Glück nicht bewahrheitet und bei genauerer Betrachtung sogar sinnvoll ist, um Marges Groll gegen Homer zu verstehen. Trotzdem ist es nicht besonders schön, einen "whacky" Homer im Blindflug durch die Stadt fahren zu sehen und die leider viel zu häufig vorkommenden Drogen- und Elektroschock-Szenen vorgesetzt zu bekommen.

Zwar kommt immer wieder das Gefühl auf, beileibe keine neue Story zu sehen - Eheprobleme kennen die Simpsons ja schon von Anfang an - ist die Geschichte um Marge als Hobbyautorin gut gelungen und auch überzeugend dargestellt. Marges Charakterisierung zeigt viele althergebrachte Qualitäten, und die fiktiven Szenen aus dem Roman sind sehr schön anzuschauen, wobei vor allem die Verwebung von Realität und Fiktion (Nantucket Island, Moab's) für Heiterkeit sorgen.

Weniger glücklich war die Nebenhandlung um Homers Krankenwagen, und auch der Auftritt von Dr. Marvin Monroe hätte man sich sparen können. Glücklicherweise sind die entsprechenden Szenen eher kurz und stören nicht weiter. Nett hingegen sind die zahlreichen Seitenhiebe auf die heutige Gesellschaft in Sachen Bücher, witzig z. B. die Vermutungen von Bart und Lisa, in welcher Form Homer vom Inhalt des Romans erfahren könnte.

Der Blick in Lisas Gehirn war einer der besten Gags seit langem, und die überraschende Auflösung ist ebenfalls als sehr positiv zu nennen. Die Handlung ist durchaus schwungvoll, und die Dialoge (zumindest in der OV) durchweg gelungen. Das Ende hat wie üblich einen leichten "back to normal"-Touch, der hier aber doch recht angenehm ausfällt. Note 2.