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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.

Sehen wir uns heute also die erste echte FABF-Folge an, der Fortschritt ist im Vergleich zu den letzten beiden Wochen deutlich zu erkennen. Der Anfang hat zwar wie üblich nichts mit der späteren Handlung zu tun (der Metagag mit dem "Complete Guide" wirkt auch eher dick aufgetragen), die Folge kommt aber zumindest nach etwas über 5 Minuten zum Punkt. Das ist für heutigen Stil relativ zügig, zumal die Folge auch wieder länger ist, als letzte Woche (Laufzeit bis Anfang Abspann 20:32 Minuten).

Die Folge zeigt einen unverkrampften Umgang mit dem Judentum, teilweise mit der Tendenz zu gewagterem Humor - man beachte etwa Rainier Wolfcast- les "We have much to discuss" als Antwort auf Krustys Selbstbezeichnung als "plain old anti-Semite". Desweiteren viele gute Schildergags ("Where the Chosen get chosen") und Oneliner, sowie mehr Dialoghumor. Sowohl der I&S als auch Homers Lincoln-Fantasie sind durchaus klassisch. Recht viel Potential läßt sich im Detail finden.

Der Homer-Subplot zeigt gute Ansätze von Mediensatire - die US-Zuschauer sind total begeistert von belanglosem Gerede, schalten aber bei Inhalten in den Aussagen sofort um. Nett sind auch Krustys Ideen für Realityshows ("I move in with a poor family and laugh at them.") Dan Castellaneta hat für seine zahlreichen Rollen in der Episode den Emmy bekommen, übrigends den einzigen für OFF dieses Jahr. Mr. T beim Lesen aus der Thora ist der wohl amüsanteste Promiauftritt in letzter Zeit.

Kommen wir zu den negativen Aspekten.

Ein Problem der Folge ist IMO das fast völlige Ignorieren des Konflikt- potentials von Krustys kultureller Unkenntnis vs jüdischer Wurzeln. War Rabbi Hyman Krustofsky in S3s 8F05 eine wichtige Figur, ist er hier oft nicht viel mehr, als ein Statist mit wenigen Sätzen (Jackie Mason wirkt daher auch weit weniger engagiert beim Sprechen.) Der Konflikt zwischen Krustys "showmanship" und seiner Kultur ist dann im Grunde auch auf ein Kopfschütteln des Rabbis bei der "Action-Bar-Mitzvah" reduziert. Gerade im Bereich Tiefgang hätte sich hier weit mehr machen lassen.

Ein zweites Problem ist das Laufzeitproblem. Für die Einleitung gehen zwar "nur" etwa 5 Minuten verloren, trotzdem hat keine der Plotlinien im Endeffekt wirklich genug Laufzeit. Die Krusty- und Homer-Plotfäden laufen mehr oder weniger unabhängig aneinander vorbei, am Ende kommen irgendwie beide etwas zu kurz - bei Krusty im Bezug auf Tiefgang, bei Homer im Bezug auf mediensatirisches Potential.

Fazit: gute Folge mit vielen netten Einfällen. Der Humor ist meistens lobenswert, bisweilen drückt sich die Folge aber IMO zu locker-leicht um die ernsteren Möglichkeiten des Themas herum. Note 2.



Review von Andreas Roth

Sicherlich kommt diese Folge nicht an Meisterwerke wie "Der Vater eines Clowns" heran, aber sie bietet ebenfalls eine Geschichte auf hohem Niveau, die leider stellenweise etwas zu kurz kommt und vor allem am Ende viel zu abgehackt erscheint. Die Pro7-Ausstrahlung unterstrich das sogar noch, indem sie Mr. T geradezu in seinem letzten Atemzug abwürgte und ihre übliche Vorschau-Ansage einblendet, ohne auch nur eine einzige Credit-Texttafel zu zeigen. Der Zuschauer wird hier geradezu aus der Episode katapultiert.

Der erste Akt wird leider wie so häufig sehr in die Länge gezogen und hat kaum etwas mit der eigentlichen Geschichte zu tun, hier verschenkt man eindeutig Laufzeit, die zum Ende hin wichtig gewesen wäre. Davon abgesehen sind die Szenen aber sehr spaßig (Maggie im Bad, "Hunde-Rotlichtviertel"), nur der Gag mit dem Serienguide wirkt etwas zu aufgesetzt. Meta-Humor ist schön und gut, aber bitte nicht so plakativ!

Die Geschichte um Krustys Bar Mitzvah ist recht glaubwürdig, leider kommt Rabbi Krustofsky viel zu kurz - die wenigen Szenen, in denen man ihn zusammen mit seinem Sohn sieht, hätten zugunsten der stellenweise doch etwas merkwürdigen Live-Show ruhig noch ausgedehnt werden können. Die Nebenhandlung mit Homers Fernsehshow zeigt interessante satirische Ansätze, wirkt bisweilen aber doch etwas flach.

Die Gags sind überwiegend gelungen, witzig vor allem wie schon erwähnt die Szenen im ersten Akt, und auch Dinge wie das "Fox-Hauptquartier" riefen bei mir den einen oder anderen Lacher hervor. Auch der Gastauftritt von Mr. T ist nicht so schlimm wie die reinen Placement-Auftritte, wie sie sonst so oft vorkommen, da er wenigstens ansatzweise in die Handlung mit einbezogen wird.

Nervende Stellen gibt es kaum, und die Personen verhalten sich weitgehend ihrem Charakter entsprechend. Die Story kann zwar vor allem zum Ende hin nicht völlig überzeugen, aber es bleibt ein überwiegend positiver Eindruck zurück: Note 2-.



Review von Joerg 'FTF' Starke

An sich eigentlich eine sehr schöne Folge, die allerdings durch einige Zwischenstellen deutlich an Gesamteindruck verliert.

Die Einleitung war gewohnt klassich, dauerte allerdings ein wenig zu lang. Der Gag mit dem Complete-Guide war ziemlich gut, auch wenn ich eher CBG mit so einem Heft erwartet hätte, bei Lisa wirkte es deplatziert.

Der Judenkonflikt aus 8F05 wird noch einmal aufgegriffen, aber nicht wirklich gut umgesetzt. Hier wäre eine Auseinandersetzung mit Hymans eingegrabenen Vorbehalten gegen die Unterhaltungskultur, sehr schön darzustellen gewesen, wenn man die mögliche Zeit genutzt hätte.

Man hätte mehr Potential gehabt, wenn man Homers Sendung nicht in die Folge aufgenommen hätte. Eine eigene Folge für diesen Plot wäre allerdings auch nicht wirklich empfehlenswert, da gerade das Fernsehen mit seinen aktuellen Ausläufern in der letzten Zeit wahrhaft häufig zu sehen gewesen war. Die Sendung an sich zeigt genau den Wandel, den das Fernsehen im Moment vollzieht: Von der seriösen Information zur reinen Unterhaltung ohne Anspruch auf Relevanz.

Gute Gags durchzogen die Folge, trotzdem hat sie mir irgendwie unbeschreiblich nicht gefallen, daher nur eine magere Wertung von 08 Punkten.



Review von Tobias J. Becker

Diese Folge stellt für sich allein gesehen einen gar nicht mal so schlechten Wurf da. Wir haben zwei funktionierende, gut mit einander verbundene Handlungsstränge. Als Fortsetzung zu "Der Vater eines Clowns" aus der dritten Staffel enttäuscht die Folge jedoch eher. Die TV-Kommerzialisierung der Religion ist eine gute Idee und wird auch durch recht schräge Elemente wie den aus der Thora vorlesenden, absichtlich deplatziert wirkenden Mr. T gut umgesetzt, aber es fehlt irgendwie "die andere Seite". Diese andere Seite hätte eigentlich Rabbi Hymam Krustofsky sein müssen, der hier jedoch über die Funktion des Stichwortgebers kaum hinauskommt. Man hätte zum Beispiel zeigen können, dass zwischen den von der Masse bevorzugten Medien wie Fernsehen & Radio und der Religion kein Widerspruch liegen muss, wie man aufgrund Krustys schriller Bar-Mitzvah-Show vermuten konnte. Rabbi Krustofsky wirkte damals selbst noch in einer - ernsten - Radiosendung mit, hier kein Wort mehr davon. Hätte man nicht so lange mit der Einleitung gebraucht (die fünfminütige Welpengeschichte hat mit der eigentlichen Folge mal wieder nichts zu zun), hätte man für so etwas mehr Zeit gehabt.

Fast schon interessanter ist hier zur Abwechslung mal der Homer-Strang. Er nimmt zwar zum wiederholtsten Male einen neuen Job an, diesmal finde ich die Idee jedoch überaus gelungen. Für eine ernste Talkshow scheint er die ungeeignetste Person zu sein, aber nach anfänglicher Themalosigkeit beginnt er sich über ganz alltägliche Ärgernisse auszulassen. Da diese auch für andere nachvollziehbar sind, gewinnt seine Sendung auf einmal schnell an Popularität. An diesem Punkt rät ihm Lisa, jetzt da er Einfluss hat, auch gehaltvolle Themen anzusprechen. Dies tut er nach anfänglicher Skepsis auch und er macht sich schließlich wirklich angesichts weltweiter Probleme Sorgen, aber die Zuschauer interessiert das nicht mehr, die Sendung wird schließlich abgesetzt. Nett ist auch, dass Homer seine Gesprächspartner aus dem Freundeskreis rekrutiert, aber sobald einer mehr Geld verlangt, wird er abgesägt und zunächst gegen einen anderen Freund, dann gegen jemand x-beliebigen, aber gefügigen ("Diso Stu! knows his place!") ausgetauscht. Am unschönsten fand ich noch, dass Homer anfangs stolz auf seine Dummheit und Ekelhaftigkeit ist, vielleicht sollte das den Effekt seiner Besorgnis später verstärken. Ich fand es nicht gut. Genauso mag ich auch in der Einleitung das Auftauchen des ultimativen Serienguides nicht...

Fazit: Eine Folge, die als Fortsetzung etwas zu wünschen übrig lässt, insbesondere im Aufgreifen der damaligen Problematik, aber als Mediensatire trotzdem noch funktioniert. Note 2-