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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den negativen Aspekten an.

Auf der einen Seite haben wir hier zahlreiche Zutaten für eine richtig schlechte Folge: relativ hanebüchener Plot mit "wacky" Homer-Abenteuer, derber Humor teilweise deutlich unter der Gürtellinie, rauchende Augen, Blut, Elektroschocks und simpler Slapstick. Wenn Humor hier aus Szenen kommen soll, in denen Homer z.B. seinen Kopf aus lustigen Kloschüsseln steckt, dann hat die Serie (immer noch) ein deutliches Stilproblem.

Die Überleitung mit dem Kitchen Carnival wirkt auffallend lang, obwohl sie kürzer ist, als die Überleitung letzte Woche. Das mag daran liegen, daß die heutige EABF19 von ihrer Laufzeit her auch insgesamt recht kurz geraten ist: bis zum Anfang Abspann nur 19:55 Minuten und das trotz des längeren Couchgags (man beachte hier die nette "Get Smart"-Referenz.)

Kommen wir zu den positiven Aspekten.

Auf der anderen Seite ist die Folge aber nicht so schlecht, wie man nun meinen könnte. Es sind wieder zahlreiche nette Einfälle da, z.B. Homers visuell gelungene Bärenfantasie ("Are you a care-bear?", "I´m an inten- sive care-bear"), Bibelfilme mit Gemüse ("Let my pickles go") und manch amüsante Schilder - z.B. auf der Müllkippe - und Oneliner ("Missing and presumed bald"). Die Satire bleibt einfach, es sind aber einige Ansätze zum Thema Ökosatire und Männlichkeitsparodie da.

Man sollte auch in Betracht ziehen, wie eine Folge mit dieser Grundidee in den Scully-Jahren vielleicht ausgesehen hätte: Homer hätte ohne Grund eine fixe Idee gehabt, er hätte seine Familie entweder in Jerkass-Manier ignoriert oder die Familie aus Karikaturen hätte es nicht gekümmert. Das Ganze garniert mit visuellen Gags und mit fiesem (Selbst-)Ironieschluß.

Die heutige Folge geht trotz ihrer diversen Probleme einen besseren Weg. Homers Motivation wird (wenn auch etwas ungelenk) halbwegs plausibel ge- macht, seine schräge Bärenfantasie ist durchaus einfallsreich und zeigt eine größere Charakternähe als diverse Jerkass-Aktionen in S10-S12. Die Familie hat mehr oder weniger Funktion, die visuellen Gags sind relativ zurückhaltend und die Charaktere (auch Homer) bleiben symphathisch.

In der Synchro könnte es einige Problemfälle geben, etwa Marges "Let me bear with you" und Homers Reaktion oder auch der "intensive care-bear", (care bear = Glücksbärchi, intensive care = Intensivstation.) Wie sind diese Stellen in der DV umgesetzt worden?

Fazit: im Gesamtbild irgendwie schwer zu bewerten. Der Plot hat sogar mehr Ziel und Substanz als letzte Woche, die Einfälle im Detail sind IMO bisweilen auffallend gut. Dem gegenüber steht jedoch ein relativ kindisch wirkender Inhalt und kruder Humor, der teilweise zu stark an Scully erinnert. 3 oder 4 krawallige Gags weniger wären hilfreich ge- wesen, in dieser Form nur freundliche Note 3-.



Review von Andreas Roth

"Homer und der Bär" ist wahrlich kein Meisterwerk der Staffel, griffen die Gag-Autoren diesmal doch ziemlich tief in die S12/13-Kiste. Obwohl der Plot reichlich dünn ist, gibt es den einen oder anderen positiven Ansatz sowie einige nette Szenen. Negativ hingegen die vielen reycleten Plotelemente, wie den Zuckerball (ich erinnere nur an Homers Zuckerberg), die übliche morgendliche Geschenke-Einkaufsfahrt usw.

Nette Gags ("Sprawl Mart", "Reserved for DVDs") stehen kruden Szenen und Homerquälereien (Adlersandwich, rote Augen, Blut, Elektroschocks) gegenüber - unverständlich, warum sich die Autoren immer noch auf dieses Niveau begeben, zeigen andere Folgen in diesem Umfeld doch, daß es auch deutlich besser geht.

Ansatzweise kann man auch eine Charakterisierung von Homer erkennen, und die Bären-Halluzination ist wirklich toll gemacht. Auch die satirischen Elemente wie die bewußt überzogene Darstellung des Wildschutzgebietes und der "Kill Zone" rundherum können zumindest ansatzweise überzeugen, negativ hier vor allem der Schluß, als sich Bär und Elefant prügeln. Wäre die Story noch etwas überzeugender gewesen, hätte ich vielleicht noch eine befriedigende Note zu geben, aber so ist es nicht mehr als eine 4+.



Review von Tobias J. Becker

Diese Folge hat mal wieder vieles, was eine gute Folge nicht braucht: sinnlose Huuumerquälerei diverser Art (Elektroschock, Bärenangriffe, rote Augen), eine "primitive" Handlung und andere "beliebte" S1X-Elemente, trotzdem ist sie nicht so schlecht, wie sie auf den ersten Blick vielleicht wirkt. Es gibt da einige Seitenhiebe und gelungen sind hier wieder mal Homers Fantasien im Zuckerrausch. Besonders lustig ist die Szene, als Marge Homer darauf hinweist, dass der Zucker sein Hirn zerstört. Erst scheint er ganz vernünftig Marge zuzustimmen, dann erwägt er aber, ob vielleicht doch der mit ihm sprechende Zuckerball Recht hat. Nun aber zur eigentlichen Handlung.

Die Folge spielt mit Männerbildern und parodiert diese, insbesondere die Vorstellung davon, wie mit Angst umgegangen werden soll. Ich weiß nicht, inwieweit das beabsichtigt ist, aber die Folge weist einige erstaunliche Parallelen zu "Don Quichotte" (bzw. Don Quixotte) auf. Der Titelcharakter lebt nach einem auch in seiner Zeit bereits antiquierten Männerbild und hat anachronistische Vorstellungen von Werten und Ehre. Wie Homer hält er es für nötig, sich in einer selbst gebauten "Ritterrüstung" in wagemutige, teils recht absurde "Schlachten" zu begeben. Auch er bricht zusammen mit Freunden aus seinem Dorf aus und die Szene, in der Bart darum bittet mitkommen zu dürfen, ist (stark verändert, wenn ich mich recht erinnere) aus der Vorlage übernommen. Im Verlaufe seiner Abenteuer wird Don Quichotte jedoch schmerzlich klar, wie veraltet seine Vorstellung vom Mannsein jedoch ist. Alles, auch Auffassungen von Abstraktheiten, ist vergänglich. Homer hat es da etwas einfacher, ihm fällt es leichter auch mal eine 180°-Wendung ("Oh my god, I'm gonna get killed by a bear! Well, I guess I don't have to worry any more about the dangers of smoke" -> Ersetzen einer Angstvorstellung durch eine andere) zu machen und, wenn er nicht groß darüber nachdenkt, manches Unausweichliche auch einfach zu akzeptieren. Einen anderen fiesen Hinweis auf Vergänglichkeit gibt es auch auf der Müllkippe (wie bezeichnend, dass er ausgerechnet an diesem Ort als "wahren Männern" nicht entsprechend feige dargestellt wird!), auf der es neben den Müllstapeln für Beta-Max-Kassetten und Laserdiscs auch eine reservierte Stelle für DVDs gibt, die früher oder später auch einmal überholt sein werden. Don Quichotte muss erkennen, dass er die ganze Zeit nur eine Rolle gespielt hat, allerdings schließlich auch, dass in einer veränderlichen Gesellschaft auch gar nichts anderes möglich ist. Man hat immer irgendwelche Vorstellungen, Ansichten und Überzeugungen, die in irgendeiner Beziehung zu der der Gesellschaft stehen. Man muss Entscheidungen treffen und zu diesen stehen. Wer hätte gedacht, wie sehr Homers Interpretation "Be yourself" doch ins Schwarze trifft (aber natürlich gerade nicht für "Moby Dick")! Auch er erkennt im Verlaufe der Folge, dass er in einer Welt voller Rollen lebt. In diesem Fall ist es aber der Bär, dem die Menschen die Eigenschaft "böse" zugeteilt haben, aber in Wirklichkeit ist es der Mensch selbst, der den Bären durch den Elektroschockclip böse gemacht hat. Dass Homer dies selbst erkennt, ist ein großer Pluspunkt dieser Folge, denn sonst braucht es für sowas ja immer eine Lisa! Homer hat seine Angst in der Rolle, in die man ihn gestopft hat, überwunden und nun will er dem Bären, mit dem er eine Art Freundschaft geschlossen hat, auch zur Freiheit verhelfen. Dazu muss er aber die Jäger austricksen, die unveränderlich die Menschheit vor dem Bären "beschützen" will ("the hunter has become the hunter"). Dafür geht er sogar soweit, seine Rüstung dem Bären umzuschnallen, vor dem sie ihn ja ursprünglich schützen sollte. Der Bär schafft es somit ins Wildreservat. Homers abschließendes "I like nature" klingt zwar etwas dahergesagt, ist aber trotzdem sinnig. Er akzeptiert die Gesetze der Natur (was bleibt ihm auch anderes übrig), ändern wird das aber nichts. Homer bleibt Homer, Don Quichotte bleibt Don Quichotte. Sei immer du selbst!

Note 3 (und je mehr ich sogar darüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Folge)