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Die Simpsons

Review von Andreas Roth

"Homer auf Irrwegen" ist eine über weite Strecken sehr überzeugende Folge, leidet aber vor allem durch den allzu hastig inszenierten Schluß. Die Geschichte ist gut durchdacht und bietet viele witzige Szenen und Anspielungen. Die Eingangssequenz hat zwar nur wenig mit der eigentlichen Geschichte zu tun, ist aber durchaus nett gemacht und teilt auch einige selbstironische Seitenhiebe aus, z. B. Lennys Kommentar, daß Homer überhaupt nicht mehr bei seiner Arbeitsstelle erscheinen würde. Auch andere Details wie die "Mr. Plow"-Jacke und das "Pinpals"-Hemd im Kleiderschrank fallen positiv auf, genauso wie auch die Rückblenden zu überzeugen wissen und viel von dem alten Charme der Serie zeigen.

Das klassische Thema "Ehekrise" wirkt zwar im direkten Vergleich deutlich flacher inszeniert, vermag den Zuschauer aber durchaus emotional zu berühren. Interessant ist auch Homers Sinneswandel in Sachen Homosexualität, was aber wohl mit seiner aktuellen Situation als vermeintlich nie wirklich geliebter Ehemann zu erklären ist. Sozialkritische Aspekte sind diesmal kaum zu bemerken, was aber auch für die Folge spricht, stellt sie Homosexuelle zwar als "etwas seltsame Typen" dar, die letztendlich aber Menschen wie Du und ich sind. Der Gastauftritt von "Weird Al" wirkt etwas arg konstruiert, wie man es von vielen neueren Folgen kennt, stört zum Glück aber auch nicht besonders, so daß man darüber hinwegsehen kann.

Die Gags funktionieren weitgehend und bieten etliche witzige Szenen, nur ganz selten bemerkt man den Hau-drauf-Humor von S1x (z. B. Moe, der Homer im letzten Akt "abfüllt" und ihn ins Krankenhaus karrt). Wie bereits eingangs erwähnt, erfolgt die Auflösung viel zu schnell - zwar wissen wir, daß Marge ihrem Ehemann immer verzeihen kann, egal was er auch angestellt hat, aber von den Szenen beim geplanten Versöhnungsessen bis zum Krankenhausaufenthalt vergehen (zumindest für den Zuschauern) nur wenige Sekunden. Vermutlich wäre es besser gewesen, zugunsten einiger vertiefender Szenen auf den Schlußgag mit Hibbert zu verzichten.

Insgesamt betrachtet eine durchgehend recht gelungene Folge, die nur zum Ende hin etwas nachläßt: Note 2.



Review von Chris Pfeiler

Das Thema Ehekonflikt zwischen Homer und Marge ist sicherlich nicht neu, wird hier aber auffallend einfallsreich und unterhaltsam umgesetzt, ohne dabei Plot oder Charaktere zu vernachlässigen. Die Mischung zwischen den klassischen Stilelementen und frischen Ideen ist hier meist gelungen und wirkt daher weit weniger uneinheitlich als z.B. bei "Bart of War". Guter Humor, gute Plotstruktur und Timing ohne Füllmaterial und Gagreihen. Der Gastauftritt von Weird Al ist amüsant und erfüllt eine Funktion im Plot.

Satirisch ist die Folge zwar nicht so ambitioniert, wie die beiden von letzter Woche, dafür ist sie aber im Ablauf stimmiger. Überhaupt sollte man EABF12 wohl eher als leichtere (aber nicht flache) Folge betrachten und weniger als eine konkrete Sozialsatire wie "Homer´s Phobia" aus S8. Die Folge driftet trotz einiger Anspielungen nicht in plumpen Unfug ab, das wäre bei dem Thema in den Scully-Jahren sicher anders gewesen.

Kommen wir zu den negativen Aspekten.

Wie leider in vielen aktuellen Episoden üblich, lässt auch EABF12 zum Schluß hin leicht nach, die letzten Minuten wirken zu holprig. Gerade auch wegen der realistischeren Art der Folge zuvor wirkt die Hibbert- Auflösung IMO etwas zu weit hergeholt. Mir fehlt am Schluß auch etwas die logische Verbindung zwischen Marges verärgertem Abgang vorher und ihrem "I love you, Homey"-Auftritt im Krankenhaus.

Fazit: gute und charakterbezogene Folge mit vielen netten Einfällen, stimmigem Ablauf und einer technisch gelungenen Umsetzung. Ein paar Jokes klappen nicht ganz und gerade der Schluß wirkt wieder einmal etwas zu konstruiert. Gerade auch deswegen sage ich "nur" Note B+.