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Die Simpsons

Review von Andreas Krösing

Was passiert, wenn Gott seine Koffer packt und Springfield verläßt? Diese Folge gibt die Antwort auf diese Frage und stellt das ganze zwar deutlich im neuen Stil, jedoch auf durch und durch funktionierende Weise dar. Schnell beginnt die ganze Stadt einem äußerst unchristlichen Lebensstil nachzugehen und schnell bricht eine nahezu allumfassende Gotteslästerung auszubrechen. Schließlich erzürnt Gott und mit den Einwohnern Springfields scheint es zu Ende zu gehen. Oder war es doch nur die logische Konsequenz ihrer Taten, zu der sie es ganz alleine getrieben haben?

Bei der Darstellung dieses Themas geht die Folge teilweise etwas plump vor, doch typische Probleme neuer Folgen kann ich trotz allem nicht erkennen. Die Geschichte selbst ist relativ einheitlich aufgebaut und Homers Gebete, samt seines kumpelhaften Umgangstons mit Gott, bargen den einen oder anderen guten Lacher in sich. Lustig präsentiert war die Folge im Allgemeinen, denn fast jeder der Witze war einigermaßen vernünftig, einigermaßen im Bereich des guten Niveaus angesiedelt und basierte nicht nur auf einer körperlichen Verletzung oder einer sexuellen Anspielung. Die Folge kam ohne Ekelszenen und pseudolustigen Elementen aus und ergab in sich Sinn.

Natürlich muß eine religionskritische Folge die Realität ein wenig anders auslegen, doch in diesem Kontext und in diesen geringen Ausmaßen, die man bei dieser Folge angewandt hat, ist das absolut akzeptabel. Das eigentliche Problem dieser Episode ist es wohl eher, dass zum Thema Religion schon wahre Geniestreiche produziert worden sind und sie es demnach äußerst schwer hat, daran anzuknüpfen. Im Gegensatz zu anderen Folgen gab es keine direkten, provokativen Aussagen über Religion oder den Glauben, doch wurde ebenfalls kein simpler Abklatsch einer anderen Folge erstellt.

Während die meisten anderen Folgen über Religion sich einer Hinterfragung des Sinns von Religion beziehungsweise einer Kritik an der Religion widmeten, geht diese Folge umgekehrt vor. Zunächst entdeckt Homer, dass der gläubige Flanders ein besseres Leben führt und mehr Glück hat als er. Dann versucht er es auch, doch übertreibt und betet für alles. Im ersten Schritt zeigt die Folge also, dass es für Homer funktioniert, alles zu bekommen, bis er größenwahnsinnig wird und es ausnutzt. Dann ergibt sich jedoch das Problem, dass Homer, seines Zeichens vertreten durch Gott, gegen die Kirche klagt und auch noch gewinnt und schließlich zum Herr über die Kirche wird. Und genau an dieser Stelle der Folge vergißt er auch Gott wieder, er hat was er will und führt ein Leben voller Partys und Tabulosigkeit. Er treibt dies so weit, dass er die ganze Stadt in seinen Einfluß zieht und schließlich zur finalen Katastrophe führt.

Gerade hierbei erkenne ich eine nette Aussage und eine durchaus beabsichtige Kritik am Menschenleben. Der übertriebene Lebensstil, Homers nicht enden wollende Orgien des Betens und schließlich die gesamte Stadt stellen ein Problem dar, dass überspitzt, doch treffend kritisiert wird, nämlich die Tendenz zum Grenzenlosen, den Hang zur Übertreibung. Homer hört nicht auf, bis er alles hat und haut dann auf den Putz und die Einwohner Springfields eifern im gedankenlos nach. Homer deklariert all dies zwar noch als Religion, doch verliert bei dem ausgelassenen Leben jeden Bezug zu Werten, Anstand und Moralvorstellungen.

Selbst der etwas erzwungen wirkende Schluß bietet meiner Meinung nach mehr als er auf den ersten Blick zeigt, denn so aufgesetzt Lisas logische Erklärung merken mag, kann sie doch stimmen und führt in jedem Fall zu einer interessanten Schlußfrage für den Zuschauer. War es Gottes Zorn, der die Katastrophe provoziert hat oder waren es doch nur die logischen Konsequenzen des hemmungslosen Menschenlebens? Tiefergehend gefragt, würde eine Rückkehr zum religiösen Leben nur Gott beruhigen oder würde er die Menschen wieder zurück zu Wertvorstellungen, Anstand und einem Leben, in dem Grenzen gesetzt sind, führen? Das ist meiner Meinung nach eine spannende Schlußfrage.

Problematisch an der Folge ist meiner Meinung nach sehr wenig, sie präsentiert sich deutlich im neuen Stil, bleibt dabei jedoch im mehr als nur erträglichen Maß. Trotz eines schon so oft gesehenen Familienausflugs zu Beginn, wird keine Laufzeit verschwendet, sondern direkt auf die Problematik hingeführt, um die sich die Folge dreht. Gerade zu Beginn der Folge gibt es einige etwas mißlungene Szenen, diese schwarze Basketball Spielerin empfinde ich als störend und auch Moe wurde viel zu verzweifelt, wenn auch dennoch amüsant, dargestellt. Das Gerichtsvideo war etwas deplaziert und auch die bildliche Darstellung Gottes sehe ich nur ungern, doch wie bereits erwähnt dominierten eindeutig die positiven Szenen und diese wenigen, negativ anzusehenden Kleinigkeiten fallen nicht weiter ins Gewicht.

Die Folge kombiniert einen gelungenen Humor mit einem schön anzusehenden Stil und einer interessanten Thematik und weiß dadurch für mich persönlich mehr zu überzeugen als etliche anderer neuer Folgen, die ähnliches versucht haben. So können Folgen im neuen Stil mich überzeugen und solche Folgen sehe ich durchaus gerne an.

Fazit und Benotung: Eine interessante, spannende, gut präsentierte Geschichte mit einer gut zusammenhängenden und einheitlichen Struktur ist dank einer frischen, nicht kopierten oder geklauten Idee, einer gelungenen Inszenierung mit netten Bildern und ganz hübschen Vergleichen, eines netten Themas mit gelungenen Charakteren und wirklich sehr guten und im anständigen Bereich angesiedelten Gags für mich persönlich 11 Punkte wert.