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Die Simpsons

Review von Andreas Roth

Meine Bewertung von "Strong Arms of the Ma" fällt sehr zweigeteilt aus, denn bis zur Werbepause hat mir die Folge gut gefallen, nach dem Werbeblock sahen wir hingegen die wohl schlechteste Marge-Charakterisierung aller Zeiten. Zwar wird der Auftakt der Folge mit allerlei Material bestritten, was wir in irgendeiner Form schon einmal gesehen haben (Eye on Springfield, "Garagen"-Flohmarkt,...), jedoch fließen alle Elemente logisch in die Geschichte ein und wirken daher keineswegs langweilig. Auch die Gags sind witzig gemacht, besonders die "Tetris"-Parodie sorgt für Aufheiterung. Weniger gelungen ist hingegen die Szene mit dem überfahrenen Briefträger, die überdeutliche "Twin Peaks"-Referenz läßt einiges an Subtilität vermissen.

Marges Trauma wird gut dargestellt, und auch wenn sie ansonsten alles andere als ängstlich ist (sie war immerhin u. a. auch schon Polizistin), ist es durchaus glaubwürdig, daß sie nach dem Überfall entsprechend traumatisiert ist. Geradezu symbolisch ist in diesem Zusammenhang der Diebstahl ihrer Perlenkette - einem Accessoir, daß sie ansonsten praktisch nie ablegt. Mit dem Verlust schwindet auch ihr ganzer Mut und ihre Stärke. Erst das Hanteltraining läßt die Angst verschwinden und bringt die alte Marge wieder zum Vorschein, die es sogar allen anderen zeigt und den Verbrecher ganz alleine dingfest macht.

Eigentlich hätte die Episode an dieser Stelle enden können, aber die Autoren wollten uns ja "die starken Arme von Marge" zeigen, und so rutscht die Geschichte leider in eine extrem klischeebehaftete Handlung ab und macht Marge schließlich zu einer rasenden Furie - völlig unglaubwürdig und reichlich geschmacklos, vor allem nach den eher leisen Tönen der ersten beiden Akte. Auch die Jokes werden immer kruder und lassen deutlich das S1x-Niveau durchblicken, was man beim ersten Teil erfreulicherweise fast gar nicht bemerkt hat.

Umso unlogischer erscheint in diesem Zusammenhang auch der Schluß, der wieder einmal in einer typischen "back to normal"-Szene endet. Schon zu oft war es ausgerechnet Homers Hundeblick, der seine Frau wieder zur Vernunft gebracht hat. Die Aussage, daß das Problem (die überhöhte Steroidkonzentration) mit einem Glas Wasser zu beseitigen wäre, setzt dem ganzen schließlich die Krone auf.

Insgesamt betrachtet erlebt der Zuschauer eine anfangs durchaus mitreißende Handlung, wenngleich man etwas die gewohnte Subtilität früherer Zeiten vermißt. Leider wird die Geschichte derart plump und gewalttätig zu Ende gebracht, daß einem geradezu die Tränen kommen können. Deshalb vergebe ich diesmal nicht mehr als eine 4+; der erste Teil hätte durchaus eine 2 verdient.



Review von Chris Pfeiler

Heute haben wir leider einen Tiefpunkt der EABF-Reihe. Charakterisierung ist bei neuen Marge-Folgen immer ein Problem, was hier auch wieder recht deutlich wird. Sehen wir uns die negativen Aspekte an.

Der Auftakt ist eine Mischung aus Recycling und Gagreihe mit einem sehr deutlichen Füllmaterial-Touch. Der Überfall und die Thematisierung von Marges Angst ist im Ansatz natürlich interessanter, krankt aber an einer seltsamen Hastigkeit und mißglückten Charakterisierung. War Marge nicht bereits Polizistin und hat sich völlig anders verhalten? Warum wird von Marges Zusammenbruch im Auto (dem relevanten Teil) derart hastig wieder weggeblendet? Nicht lustich genug?

Der ernsthafte und interessante Teil der Handlung steht somit schon auf extrem wackligen Füßen. Zahlreiche mißlungene Jokes und Übererklärungen fallen weiterhin negativ auf. Der überfahrene Postbote ist eine Referenz auf die "Last Man on Earth"-Episode von Twilight Zone. Um das so richtig schön deutlich zu machen, steht es auf der Zeitschrift und wir hören die Titelmusik. Subtilität wäre unlustig. There was no cane in Citizen Kane.

Der dritte Akt der Folge hätte zahlreiche Möglichkeiten für Satire zu Themen wie Bodybuilding, Steroid-Mißbrauch oder auch Bruch mit Rollen- verhalten gehabt. Alle diese Aspekte tauchen hier aber bestenfalls als Alibi-Funktionen auf, stattdessen gibt es fast nur Klischee-Bilder und Unfug. Die "Satire" zum Thema Steroide und Aggressivität ist plump und krawallig, ihr einziger Punkt scheint Gewalt zu sein. Speziell die Auf- lösung wirkt mit ihrer gekünstelten "back-to-femininity"-Emotion recht hastig und konstruiert, "everything back to normal" weil die Sendezeit vorbei ist und nicht viel mehr.

Kommen wir dennoch zu den positiven Aspekten.

Warum nicht die schlechteste Noten für die Folge? Auf der einen Seite hat der Handlungsaufbau gewisse Qualitäten. Die Steroid-Handlung wird mit der Angst-Handlung aufgebaut, speziell im Mittelteil hat die Folge einige interessante Ansätze. Die Darstellung von Marges Angst, als sie das Haus verlassen will oder die Kellerszenen sind interessant, und in dieser Form ernsthafter, als man von neuen Folgen erwartet.

Auch im letzten Teil der Folge gibt es einige nette Grundideen, selbst die sehr obskure Bettszene ist als Darstellung eines radikalen Rollen- bruchs erkennbar. Man hat durchaus den Eindruck, daß die Folge Aussage haben will, was aber wegen Krudheit und Krawall kaum funktioniert.

Fazit: eine mißlungene Marge-Folge, die am Anfang gute Ansätze zeigt, speziell im letzten Teil aber schlicht schrecklich ist. Eine Aussage wird bestenfalls oberflächlich gestreift, der Schluß wirkt künstlich. Wegen positiver Momente und kurzen Einblicken in das Potential nicht komplett schlecht, aber nah dran. Note D (im Deutschen Note 4-).

Chris