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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Es geht also wieder los mit "neuen" Folgen auf P7. Am Anfang von S14 sehen wir erstmal einige DABF-Nachzügler, wie die heutige DABF20.

Fangen wir mit den negativen Aspekten an:

Wenn man die Kurzbeschreibung der Folge "Bart und Lisa zusammen in der gleichen Klasse" liest, dann klingt das nach einer Episode mit einigem Potential. Leider wird dieses Potential in DABF20 aber kaum genutzt.

Nach einer recycelt wirkenden Vorgeschichte mit uninspirierter und oft arg plumper in-your-face-Satire über Fernsehkonsum (inklusive diverser mißlungener Jokes) kommt die Folge zur Handlung und verändert dazu den klassischen Status Quo der Serie - Bart und Lisa landen beide in der dritten Klasse und ein vorhersehbarer Geschwisterkonflikt entsteht.

Nun hätte man diesen Konflikt sicherlich für einen schulbezogenen Plot direkt in Springfield nutzen können - es fällt aber auf, daß gerade die Integration und der Konflikt in der Klasse nur kurz angeschnitten wird und sich die Handlung auffallend deutlich zu einem Aufhänger für einen eher bescheiden "lustigen" Schulausflug reduziert. Spätestens ab jetzt zeigt sich IMO das ganze Dilemma der Folge.

Man hat den Eindruck, als konnten die Autoren nicht mehr viel mit der ursprünglichen Idee anfangen. War der Geschwisterkonflikt zwischen Ba- rt und Lisa in den klassischen Jahren oft subtilerer Art, so ist diese Folge hier stark von physischer "Gewalt" geprägt, was in der Szene als Lisa Bart mit ihrer Kette würgt, besonders deutlich wird. Der Ausflug bringt uns ansonsten nur seichte Jokes und merkliches Recycling. Nun sind Charaktere aus älteren Folgen an sich kein Problem, die Auftritte sollten aber nicht punktlos wirken. War Mary Bailey in S2 z.B. noch Teil einer brillanten Politsatire, so ist sie hier nur eine Randfigur in einem IMO lausigen Joke.

Was auffällt - Bart und Lisa sind gerade noch mitten in Capital City und als sie nur einen Hügel herunterrollen plötzlich mitten in der Wildnis. Cartoons müssen zwar nicht 100% realistisch sein, diese Szene zeigt aber deutlich wie lieblos einige Teile der Folge "zusammengekleistert" sind. Die Versöhnungsszene von Bart und Lisa soll wohl emotional wirken, durch den uneinheitlichen Stil wirkt sie aber eher S1x-künstlich.

Sehen wir uns die positiven Aspekte an.

Wir haben neben den mißlungenen Jokes auch ein paar bessere Einfälle. Die Satire (nennen wir es mal so) über Fernsehkonsum hat trotz ihrer Plumpheit ein paar flache Schmunzler wie etwa den Clock Channel oder auch die japanische Friends-Version als Persiflage auf die Adaption von westlichen Verhaltensmustern dort ("Can´t be more Japanese.")

Der Schulausflug hat auch nettere Momente (Konföderiertenflagge oder der Field-Trip-Memorial-Wall in Springfield) aber hier fällt nun doch etwas viel Material flach. Eine Filmreferenz auf "Blair Witch" ist ja nett, aber muß die Referenz sofort erklärt werden? Der Hillbillie-Auf- tritt wirkt unmotiviert, aber der Schluß klappt als Schluß halbwegs.

Der deutsche Titel dürfte einer der Besseren dieses Jahres sein. Die Synchro dürfte ein paar schwierige Stellen haben, etwa Begriffe wie "Bart-Mangled Banner" und anderes. Vielleicht kann da ja jemand, der das Original und die deutsche Fassung kennt, was dazu sagen.

Fazit: recht schwierig zu bewerten - sehr viel altbekanntes Material und flache Satire, Potential das kaum genutzt wird, mißlungene Jokes im Kotz&Durchfall-Bereich. Auf der anderen Seite auch ein paar nette Einfälle und der Versuch einer Charakterhandlung mit Bezügen auf div. ältere Folgen. Das Problem der Folge ist wohl, daß sie im Gesamtbild einfach schrecklich uninspiriert wirkt. Sehr freundliche Note C.

Chris

P.S. Die Qualität wird später in der Staffel deutlich besser.



Review von Andreas Roth

Vorweg gesagt: Die Schulfolgen haben mir bisher fast immer sehr gut gefallen, also war ich auch auf diese gespannt, und das Thema "Bart und Lisa in einer Klasse" versprach ja auch einiges Potential. Das Ergebnis ist als recht mittelmäßig zu betrachten.

Doch fangen wir von vorne an. Den Couchgag fand ich sehr gelungen, parodiert er doch die zahlreichen Agenten- und Superschurkenfilme, die zu ihrem "Allerheiligsten" nur durch zahlreiche aufeinanderfolgende Türen mit raffinierten Sicherheitsmechanismen gelangen. Leider folgt der erste Dämpfer sogleich, denn pulsierende Beulen am Hals und kotzende Moderatoren wecken unangenehme Erinnerungen an die vorangegangenen Staffeln. :-( Das eigentliche Thema der Folge wird jedoch erfreulich schnell eingeführt und ist auch durchaus realistisch dargestellt. Interessant dabei ist, daß der "ewige Verlierer" Homer beim Pferdewetten diesmal Glück hat und der Familie so die heißersehnte Satellitenschüssel finanzieren kann.

Daß Homer und Bart in den folgenden Tagen auf dem Sofa "festkleben" und Bart dadurch seine schulischen Verpflichtungen nicht erfüllt, war auch schon in früheren Episoden Thema, funktioniert jedoch auch hier recht gut. Schön anzusehen waren die Kampfroboter im Futurama-Style und natürlich auch Benders Auftritt in Barts Halluzinationssequenz. Auch wenn sie in ihrer Bizarrheit nicht an frühere Surrealitäten heranreicht, kann sie doch überzeugen.

Maßlos geärgert habe ich mich über Skinners Synchronstimme - wie kann IVAR nur nach mehr als 10 Jahren einer Figur, die schon zahllose Auftritte hatte, eine neue Stimme verpassen? Ok, es mag vielleicht personelle Probleme gegeben haben, aber warum hat man nicht wenigstens einen ähnlich klingenden Sprecher genommen? :-( Eigentlich war meine Stimmung an dieser Stelle total versaut, aber dafür kann die Folge ja nichts. Also weiter im Text...

Bart und Lisas Rivalitäten wirken recht überzeugend und erinnern an frühere Zeiten, wenngleich sie teilweise etwas brutal ausfallen. Witzig auch die Stelle, wie er Lisa erklärt, wie er zu seiner guten Note gekommen ist - natürlich nicht, weil er den Stoff durch die Wiederholung mittlerweile gelernt hätte, sondern weil die Antworten jedes Jahr die gleichen sind und er die richtige Reihenfolge für die Kreuzchen wußte. Ein weiterer IVAR-Minuspunkt ist in diesem Zusammenhang der Merkspruch für Kanadas Bundesstaaten, der unkreativerweise nicht übersetzt wurde - früher ging so etwas doch auch?!

Die neue Lehrerin bleibt etwas flach charakterisiert, aber als Onetime-Charakter kann man das noch akzeptieren, zumal sie ähnlich einfältig agiert wie ihre Kolleginnen ("Ein Hoch auf das Partnersystem!"). Lustigster Moment der Folge war für mich das "Käfer-Knuffen" im Bus, als er an einem VW-Händler vorbeifuhr - das ist der typische Simpsonshumor, der auch hervorragend in diese Folge paßt.

Die Szenen in Capital City kommen leider ein wenig zu kurz, obwohl sie einige interessante Momente wie ein Wiedersehen mit der Capital City-Knalltüte, Mary Bailey sowie der ewigen Frage, in welchem Staat Springfield liegt, bieten. Barts Buchstabenvertausch-Streich ist ebenfalls ein Klassiker, den man in den ersten Staffeln häufig miterleben durfte. Die Anspielung auf "Blair Witch Project" ist ganz nett, wirkt aber ein wenig deplatziert, denn ich glaube kaum, daß sich Bart und Lisa in einem Wald verlaufen können, der direkt neben dem Kapitol liegt. Warum sind sie nicht einfach wieder den Abhang hinaufgeklettert und haben dort um Hilfe gebeten?

So wirkt auch die anschließende Rettung nicht sehr überzeugend und wurde wohl nur eingebaut, um noch einmal ein paar "komische Hinterwäldler mit lustigem Auto" zu zeigen. Der Schluß ist auch typisch S1x; eine aufgesetzte "Moral von der Geschicht'", ausgesprochen von Skinner sowie das übliche "back to normal" innerhalb von wenigen Sekunden.

Insgesamt bietet die Folge einige schöne Szenen, Referenzen an frühere Folgen sowie den einen oder anderen Gag, wirkliche Faszination kann aber nicht aufkommen. Die Geschichte plätschert mehr oder weniger dahin und wird am Ende viel zu hastig aufgelöst.

Note: [3+]