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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den negativen Aspekten an.

Was soll man von einer Folge mit DABF-Code und einem derartigen Thema erwarten? Vielleicht Satire zum Thema Oberflächlichkeit, Rollenverhal- ten, Schönheitsidealen oder gar eine ernsthafte kritische Betrachtung der Unsinnigkeit und der Risiken von derartigen Operationen? Im Grunde genommen versucht die Folge sogar diese Themen alle anzuschneiden, das aber eben nur so kurz und locker-leicht wie möglich.

Eine Vielzahl der Jokes wirkt auffallend kindisch oder uninspiriert. Das bezieht sich sich nicht nur auf dämlich-visuelle Gags zum Brust- thema (z.B. Marges Versuche, den Schrank zu öffnen) sondern auch auf Material wie etwa den Präsidenten-Slapstick im Stooges-Stil. Das ist doch mal "gekonnte" Politsatire. Meh. Für Freezeframe-Gags hält die Kamera nun freundlich an, um uns den Zwischenboden zu zeigen.

Gerade im Mittelteil fällt die Substanzlosigkeit des Hauptplots auf, da sich die Handlung hier zu oft einfach nur auf die Vorteile bezieht, die Marge durch ihren neuen Vorbau erfährt. Gerade von Lisa hätte man zu dem "sexistischen Thema" mehr kritische Kommentare und nicht nur ein paar lockere Einzelphrasen erwartet. Marges "Don´t hate me for this, Lisa" am Schluß wirkt somit relativ schwach und fast ohne Bezug.

Der Subplot befasst sich wieder einmal mit plumper Mediensatire - wie letzte Woche im 1. Akt und wie nächste Woche wieder. Es sind sogar ein paar nette Ansätze zum Thema TV-Imitation erkennbar, aber da eben auch nur wieder Ansätze. Die Batman-Parodie hat ihr Hauptproblem darin, daß sie kaum wie eine Parodie wirkt, die 60er-Serie war ja tatsächlich so.

Sehen wir uns die positiven Aspekte an.

Wie oben erwähnt, versucht die Folge im Hauptplot natürlich auch auf diverse Themen satirisch einzugehen. Wir sehen Oberflächlichkeit der Gesellschaft in scheinbar positiver (Marge wird bevorzugt behandelt) und auch in negativer Art (Marge wird zum Sexualobjekt degradiert.) Wir sehen Rollenverhaltenskritik, als Marge als eben solches Objekt benutzt wird, um Hausfrauenartikel zu verkaufen. Auch die Szene, als Marge wegen Schmerzen die Rückenstütze benötigt, tangiert Kritik.

Die beiden Handlungslinien laufen am Ende zusammen, wenn auch auf arg holprige Weise. Ein paar Jokes sind amüsant, allerdings oft auf recht einfallslose Weise (z.B. die überzogene Batman-Sprache oder Drederick Tatums Werbung für "butt-ugly shoes".) Einige nette visuelle Einfälle und eine akzeptable Charakterisierung helfen auch noch etwas.

Der deutsche Titel wird seinen Zweck erfüllen. Gibt es was zur Synchro zu sagen? Spezielle Problemfälle sind mir in der OV nicht aufgefallen, vielleicht die blumige Batman-Sprache mit Wortspielen.

Fazit: eine Folge, die es wieder nicht wirklich schafft, das durchaus vorhandene Potential ihres Themas zu nutzen und sich zu stark auf die leicht-lockere "dicke Titten so lustig"-Schiene beschränkt. Satire ist vorhanden, aber relativ seicht und punktlos. Im Gesamtbild aber nicht so schlimm, wie es hätte sein können. Unteres Mittelmaß, Note C-.

Chris



Review von Andreas Roth

"Large Marge" ist eine Episode, bei der ich nicht so recht weiß, ob ich sie gut oder schlecht finden soll. Einerseits wird die Geschichte um die Brustvergrößerung nicht allzu übertrieben dargestellt und rutscht auch nicht auf ein plumpes "Sex-Show"-Niveau ab, andererseits kann sie auch nicht richtig begeistern und plätschert mehr oder weniger lustlos vor sich hin.

Doch fangen wir von vorne an. Der Einstiegsgag mit dem History Channel ist gut gemacht und zeigt Homer und Lisa fast so, wie man es von klassischen Folgen gewohnt ist: Homer als der leicht naive, mediengläubige Durchschnittsamerikaner, und Lisa als gewitzte Tochter, die ihren Vater mit einer Wette austrickst. Der Plot um die Obdachlosenheime bietet einige gelungene ("I am Homo.") und weniger gelungene Gags (tolpatschige Präsidenten), und auch wenn Marges von Manjula eingeredete Erkenntnis, sie sei zu dick, so ziemlich das klassischste Klischee bei jeglichen Eheproblemen ist, ist der Aufhänger für die Story doch recht logisch. Einzig ihre übertriebene Naivität beim Anblick von Homers "Flirtversuchen" fällt störend auf.

Bei der Operation verwechselte Patienten kennen wir ebenfalls zu Genüge, und so kommt es, daß Marge plötzlich mit zwei "dicken Dingern" geschlagen ist, die ihr zunächst alles andere als recht sind. Die folgenden Szenen mit den diversen Schwierigkeiten, die sich durch die ungewohnte Situation ergeben, sind sehr schön dargestellt - sowohl Marge als auch Maggie tun einem richtig leid. Die anschließenden Szenen im Restaurant usw. gehen jedoch leider wieder arg ins klischeehafte über und bieten auch nur müde Gags, so daß recht schnell Langeweile aufkommt. Zwar sollten sie wohl den allgemeinen Schönheitswahn parodieren, jedoch wird alles viel zu oberflächlich und ohne jegliche Subtilität dargestellt. Sehr störend fällt die Spritze in Marges Hals auf - Erinnerungen an S12/13 mit ihren reichlichen Drogenreferenzen werden wach.

Die Nebenhandlung um Bart, Milhouse und Krusty bietet ebenso wenig Grund zur Erheiterung, zwar ist die Batman-Referenz am Anfang ganz witzig, der Rest jedoch reichlich vorhersehbar und wenig ansprechend. Anstatt der in S12/13 üblichen Blutfontänen hat man sich nun offenbar auf Kotz-Szenen versteift, auch wenn die aktuelle durchaus funktioniert.

Ebenfalls eher unkreativ ist die Auflösung der Folge, die zwar ein Wiedersehen mit Stampy sowie den reichlich inkompetenten Polizisten von Springfield bringt, aber Marges "Boob Job" paßt einfach nicht in das Konzept (auch wenn man als Zuschauer nicht viel davon sieht und Marge es nur macht, um ihre Familie zu retten). Daß Stampy's "Einschlafwort" ausgerechnet Krustys Ausruf des Erstaunens ob des Anblicks von Marges Oberweite gleicht, wirkt ebenfalls sehr konstruiert.

Wie üblich kehrt man danach sehr schnell zur gewohnten Normalität zurück, und wiederum stellt sich die Frage nach der Moral der Geschichte, die reichlich schal herüberkommt. Stellenweise vermag die Episode durchaus zu überzeugen (besonders Marges Besorgnis kurz nach der Operation), aber sie gleitet allzu häufig in eine klassische Klischeehaltung ab, die die nötige Differenzierung und Subtilität vermissen läßt.

Note: [3]