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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Sehen wir uns die positiven Aspekte an.

Wir haben einen deutlichen Bruch mit den typischen S1x-Mustern: kein Standardplot, keine grobe Dreiteilung, keine Laufzeitvergeudung, keine bizarren visuellen Gags und Realitätsfremde (von der Tatsache, daß eine 8-jährige für eine College-Studentin gehalten wird, mal abgesehen). Wir haben stattdessen einen relativ klassischen Plotaufbau mit Haupt- und Subplot, mit gelungenem satirischem Humor, oft dezenter im Detail und vor allem mit sehr viel Charakterpotential.

Von Lugash über "Mao" Krusty ("Lazyness is counter-revolutionary") bis hin zur Uni von Springfield als intellektuellem Utopia, über die wunder- bar animierte Pinsky-Lesung im Cafe Kafka, über "US Out of Everywhere"- Aufkleber bis hin zu der 2001-Referenz am Schluß und noch vieles mehr: inspiriert gestalteter und echter OFF-Humor mit viel Bezug zu Handlung und Charakteren.

Was interessant ist (und sehr selten in S1x) ist die ergänzende Funktion von Haupt- und Subplot. Es geht hier in beiden Plotlinien um Isolation. Während sich Lisa geistig von ihrer Altersgruppe abzutrennen versucht, wird Bart physisch durch die "bubble" von seiner Umwelt getrennt, was ihn in seinem Fall aber nur noch populärer macht. Durch die Ähnlichkeit wird am Ende ein Bezug zwischen Bart und Lisa hergestellt und die Plots ergänzen sich flüssig zu einer gemeinsamen Auflösung.

Die Animation ist qualitativ herausragend, man achte nur nur auf die zahlreichen Schattierungen, die detaillierte Gestaltung von Hinter- gründen, die flüssigen Bewegungen und 3D-Kameraschwenks, ja sogar auf die funkelnden Sterne über dem Haus. Vor allem die Szene im Cafe ist sehr gelungen. Es hat den Anschein, als ob das höhere Budget hier für ein besseres Skript benutzt wurde, in einer üblichen S1x-Folge wäre es vergeudet gewesen. Die Produzenten scheinen das bemerkt zu haben.

Sehen wir uns die negativen Aspekte an.

Ich habe eigentlich nur zwei Kritikpunkte an der Folge. Ein paar Einzel- jokes wirken in der Handlung etwas zu deplatziert und weniger gelungen, z.B. die Szene, als das Gewehr vom Baum fällt und Homer in den Hintern schießt. Da ist eine doch typische S1x-Szene ohne Relevanz für die Hand- lung und wohl nur vorhanden, um Slapstick einzubauen. Es stört aber auch nicht grob die Handlung.

Der zweite Kritikpunkt ist für mich ein bißchen der Schluß. Es erscheint mir fast etwas unpassend und zu konform für Lisa, sich mit einem derart bart-esquen Auftritt wieder der Masse in der Grundschule anpassen zu wollen. Die ganze College-Sache geht relativ abrupt zu Ende und Lisa ist da sehr schnell wieder bereit, ihre alte Rolle zu spielen. Das muß wohl auch so sein, da es ja ihre eigentliche Identität ist, trotzdem habe ich irgendwie das Gefühl, als hätte es eine elegantere Lösung geben können. An Folgen wie "4 Ft 2" reicht der Schluß jedenfalls nicht heran.

Ich hoffe, daß die Synchro einigermaßen funktioniert. Ein paar Stellen dürften schwer zu übersetzen sein, z.B. die Gedicht-Lesung. In der OV haben wir natürlich eine sehr gute Sprecherleistung von Yeardley Smith und auch von Dan Castellaneta, der hier recht viele Rollen hat. Gerade bei Folgen mit dieser Qualität empfehle ich natürlich wie üblich die OV.

Fazit: eine herausragende Folge, sowohl im Bezug auf Handlung, als auch im Bezug auf Animation. Charakterbezogen, intelligent, gut geschrieben - die Unterschiede zum heute üblichen Stil sind sehr deutlich. Nur einige wenige Jokes und der Schluß fallen leicht negativ auf. Note A-.


Review von Andreas Roth

Ich bin von der Folge wirklich positiv überrascht, nach all den mittelmäßigen bis grottenschlechten Episoden der letzten Wochen lief diesmal wieder einer der wenigen Lichtblicke der 13. Staffel (der andere war bisher "Half Decent Proposal"). Untypisch für S1x beginnt die Folge in vertrauter Umgebung, der Grundschule von Springfield. Lisas schlechte Leistungen in Sport sind der Aufhänger für die Geschichte, die sie mit zwei Studentinnen der Universität zusammenbringt - einem Ort, der Lisas Intellekt endlich gerecht wird.

Man merkt deutlich, daß sich die Produzenten, ähnlich wie bei "Half Decent Proposal", deutlich mehr Mühe gegeben haben, denn nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch die Animationen sind um Klassen besser, vor allem bei der Lesung im Café, aber z. B. auch die Abschlußsequenz mit Lisa in der Plastikkugel, wie sie sich zur Musik aus "2001" auf Skinners Torte stürzt. In dieser Szene wurden bei mir Erinnerungen an Lisas Traumsequenz aus "Last Exit To Springfield" wach, die sie für einen kurzen Moment ebenfalls "innerhalb" einer solchen Blase zeigt.

Einen negativen Beigeschmack erhält die Episode leider (wieder einmal) durch einen völlig verblödeten Homer. Kann er bei der Szene, als Lisa nach Hause gebracht wird, noch teilweise als für Lisa äußerst peinliche Situation verstanden werden, ist die Sequenz mit dem vom Baum fallenden Gewehr einfach nur deplatziert.

Beim ersten Anblick von Barts Plastikisolationskugel fürchtete ich schon Schlimmes, zum Glück bewahrheitete sich dies nur zu einem geringen Teil (auch hier wieder u. a. Homer, der Wasser für Barts "Bad" in die Kugel spritzt). Stattdessen wurde seine Isolation, die ihn anders als vermutet nicht zum Außenseiter macht, sondern eher zusätzliche Beliebtheit vermittelt, recht gut in Szene gesetzt. Da sich auch die Geschichte um Lisa um das Thema "Isolation" dreht, die - zumindest für eine Zeit lang - aufgehoben wird, macht die Folge noch reizvoller, vor allem, da beide am Schluß zusammen agieren und so das Beste aus ihrer ganz speziellen Situation machen.

Die Gags sind teilweise S1x-typisch krude, aber nicht ganz so schlimm wie sonst; unschöne Szenen sieht man nur selten (wie die erwähnte mit dem Gewehr). Dem gegenüber stehen zwei gut ausgearbeitete Geschichten nahezu ohne Füllmaterial, die am Ende sogar vereint werden - wunderbar! Die schönen Animationen tragen ebenfalls ihren Teil zur Atmosphäre bei - Note 2+.


Review von Jörg Starke

Ein schöner Gesamteindruck, jedoch teilweise zerstört durch Einschübe der negativen Eigenschaften von S1x.

Der Anfang an sich zeigt sich vielversprechend mit einer Referenz auf Lisas schlechte Sportleistungen aus [2F05]. Generell ist das ja in dieser Staffel häufig, daß derartige Sachen als Aufhänger für einen Plot genommen werden. So auch dieses Mal. Um dann zur Hauptgeschichte(n) zu kommen, wird dieser natürlich alsbald wieder fallengelassen, nicht ohne aber ein paar gute Gags zu hinterlassen --> Pluspunkt. Bleibt nur die Frage, warum Lisa mit einem Mal eine andere Sportlehrerin hat.

Ebenfalls ein genialer Einfall der Autoren war, die gängige Praxis, das Sportler die "normalen" Fächer nicht bestehen, wegen ihrer Leistungen im Football o.ä. aber durchkommen müssen, einmal umzudrehen, sahen wir so doch den grandiosen Einfall der Sportschule, auch wenn der Lehrer etwas lustlos gesprochen wurde.

Die Fortführung zeigt ein interessantes Potential: Lisa auf einer höheren Schule. Klar kann ihr Charakter auf so einer Schule nur aufbauen und sich wohl fühlen, denn wie Ralph schon sagte "Morgen lernen wir fünf minus 3" (oder so ähnlich), sicherlich ein Kleinkram für Lisa (und generell für die zweite Klasse), sehnt sie sich doch nach einer Förderung, wie wir es bereits in der Folge mit der Privatschule (aus der aktuellen Staffel) sehen konnten.

Auch ihre Akzeptanz als College-Studentin wird positiv dargestellt, warum sie aber während ihrer eigentlichen Schulzeit zum College fährt, bleibt ein Rätsel (gerade Lisa als Superschülerin sollte sich das nicht leisten können).

Bart hingegen hat seine Probleme mit der Isolation, gesteckt in einer Blase aufgrund einer verordneten Quarantäne. Ich weiß ja nicht direkt, wie so etwas in Amerika läuft, aber eine Blase als Quarantäne ist im Prinzip doch nutzlos, da er auch atmen muß, wobei durch jene Löcher dann die Keime austreten können. Eine Zweckentfremdung nur zum Sinne des Humors. Und obwohl sich dadurch elegante Parallelen zu Lisas Plot ergeben, sehe ich diesen Einfall doch als Zuwiderhandlung des Prinzips der Sinnhaftigkeit. Und wenngleich auch "Trickfilme [...] nicht unbedingt realistisch sein" müssen, so hat die Idee doch sehr viele unpraktische Nebeneigenschaften.

Und auch in dieser Folge zeigt sich deutlich ein Hervorstechen des unflätigen Humors, unter anderem bei Homers Lied ("Und ich uriniere in den Küchenausguß"), dem Vollbad in der Blase oder der Gewehrszene. Auch Ralphs Einlage war nicht ganz sauber, obschon es bereits früher Referenzen darauf gab ("Du behältst die Gummihose an, bis Du es gelernt hat."), war es niemals in einer derart direkten und ekelhaften Form dargestellt worden. Und das war auch gut so.

Die Rückkehr zur Normalität, diesmal mal wieder ein wenig überzogen dargestellt, mit der Szene im College-Saal. Lisas Eingliederungsversuche in den Grundschulalltag fand ich etwas an den Haaren herbeigezogen, schließlich war sie auch früher nie sonderlich integriert. Genauso überzogen war auch die Reaktion der Mitschüler auf ihren Ausflug. Barts "Rettung" schließlich schlug dem Faß die Krone ins Gesicht, ich hielt diese Einlage für völlig Lisa-untypisch. Positiv hingegen war der Rückbezug auf den Anfang der Folge und die Musik während des Sprungs. War also die Idee nicht sonderlich, so war die Durchführung sichtlich genial.

Bleibt schließlich nur eine Frage unbeantwortet: Warum stand sein Todesdatum auf der Plakette?