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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den negativen Aspekten an.

Die ersten 5 Minuten sind ziemlich sinnbefreit und mehr eine Anhäufung von bizarren Cartoon-Gags und greller Selbstironie. Wir sehen hier auch wieder gut, wie sich die Serie selbst um die Fähigkeit zum satirischen Kommentar bringt, wenn sie allzu realitätsfremd wird. Gen-verändertes Gemüse ist ein Thema für Satire, die selbstkauende Kartoffel ist aber viel zu bizarr, um als kritischer Kommentar zu funktionieren. Weitere Probleme wie flache Charakterisierung und Slapstick sind auch wieder da.

Der beste Teil der Folge liegt im mittleren Bereich. Hier wird zumindest versucht, das Drogenthema mit einer gewissen Unklarheit bei der Aussage zu behandeln, zum Teil auch durch gewollte Übertreibung. Auf der anderen Seite wirkt die Unklarheit aber oft zu plump und ist wie üblich weit weg von den subtilen Qualitäten der großen Jahre. Interessante Ansätze gehen zwischen jeder Menge Fülljokes oft unter, alles bleibt locker-lustig und oberflächlich. Schade um das Potential.

Mein größter Kritikpunkt an der Folge ist aber der Schluß. Die Handlung scheint im letzten Drittel in die Richtung zu laufen, daß Homer vor die Wahl gestellt wird, ob er sein letztes Marihuana rauchen soll, um Mr. Burns zufrieden zu stellen oder nicht. Nette Idee, die dem seichten Plot durchaus noch einen interessanten Aspekt hätte geben können. Was aber passiert dann? Gar nichts. Smithers raucht den Stoff, aber auch diese "lustige" Szene wird völlig punktlos beendet.

Was haben die letzten 2 - 3 Minuten mit der vorherigen Handlung zu tun? Gar nichts. Man hat den Eindruck, als hätten die Autoren am schlüssig- sten Punkt des Plots schlicht und einfach das Interesse daran verloren und eine plumpe und dämliche Bernie-Parodie rangeklatscht, nur um die Sendezeit zu füllen und den OV-Titel zu rechtfertigen. Der Schluß ist in dieser Form IMO totaler Schrott.

Sehen wir uns die positiven Aspekte an.

Die Wirkung von medizinischem Marihuana wird absichtlich übertrieben gezeigt. Szenen, wie jene, als Homer "dank" Marihuana sofort befördert wird und später dann arg heruntergekommen und mit falsch geknöpftem Hemd auf der Bühne steht und seine medizinischen Drogen lobt, gehen natürlich in deutlich satirische Richtung. Auch die Szene in Moes Bar, als über Carls Alkohol-Vergiftung nur laut gelacht wird (und damit die Akzeptanz der "Harmlosigkeit" von Alkohol thematisiert wird) zählt zu den besseren Einfällen der Folge.

In solchen Momenten sehen wir vielleicht das Potential, das die Handlung gehabt hätte, wenn sie nicht unter einer Ladung von Oberflächlichkeit und Fülljokes begraben wäre und wenn sie gar einen echten Schluß gehabt hätte. Andere nette Jokes, wie etwa Dr. Hibberts Begründung, wann Drogen illegal sind ("Only if you enjoy it") oder die Ironie, daß Homer selbst die Anti-Drogen-Petition, gegen die er protestiert, als letzter unter- schrieben hat, kann man ebenfalls leicht positiv zählen.

Zum deutschen Titel erübrigt sich jeder Kommentar. Manche Jokes dürften auch recht schwer bis gar nicht übersetzbar sein, z.B. Moes "crowbar".

Fazit: eine Folge mit einer durchaus interessanten Grundidee, die ihr Potential aber (wie üblich) vergeudet. Ein paar recht gute Ansätze und Einfälle werden mit zuviel Unfug gefüllt, besonders der völlig deplat- zierte und punktlose Schluß ist IMO auffallend mißlungen. Man hat den Eindruck, als hätten wieder einmal zuviele Autoren den Brei verdorben. Ordentlich gemacht hätte die Idee ganz vorne dabei sein können, in der Umsetzung aber nicht mal mehr Mittelmaß. Gerade noch Note D+.