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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Hier das Review zur heutigen Episode DABF05 "Jaws Wired Shut". Es mag überraschen, aber mir gefällt diese Folge. Sie hat diverse Qualitäten, die man in S1x nur selten finden kann.

Sehen wir uns daher zuerst die positiven Aspekte an.

Kein "lustiger" neuer Job für Homer, kein Protest für Lisa oder Marge, kein substanzloses Recyceln von altbekanntem Material - die Idee der Folge ist IMO auffallend innovativ und frisch.

Gutes Timing, die Folge kommt nach relativ kurzer Zeit zum Punkt. Der Plot ergibt sich logisch und nicht nur als Gagreihe. Recht netter Humor ("We´re here, we´re queer, get used to it." "You say this every year, we are used to it.") mit leider etwas zu starker Tendenz zum sexuellen Bereich. Was mir besonders gefällt, ist die Tatsache, daß die Folge auf mehreren Erzählebenen funktionieren kann.

Nachdem Homers Kiefer verdrahtet ist, macht die Folge eine für S1x-Ver- hältnisse unerwartete Wandlung durch. Sie füllt ihre restliche Laufzeit nicht einfach mit Slapstick über Homers "lustige" Situation, sondern wendet sich mehr der Charakterebene (und der subtilen Meta-Ebene) zu. Der neue Homer thematisiert in diesem Fall eine positive Abkehr vom - durch Fans kritisierten - lauten Homer in aktuellen Staffeln, nicht jedoch ohne umkehrenden "ironic twist" später in der Folge.

Homers Erkenntnis von der Wichtigkeit des Zuhörens wird in einer Reihe schöner Szenen gezeigt, etwa als Bart sich darüber beschwert, zu einem Klassenclown geworden zu sein ("And it sickens me"). Das Ganze ist ein interessanter Weggang von der eindimensionalen Charakterisierung, die während S11/S12 das Potential der Serie extrem eingeschränkt hatte. DABF05 nimmt sich für diese Szenen durchaus Zeit und zeigt den neuen Homer mit verschiedenen Familienmitgliedern - auch das ein positiver Unterschied zu den hastigen Gagreihen anderer moderner Folgen.

Was wollen uns die Autoren nun mit dieser Folge sagen? Man bekommt den Eindruck, daß es auf einer Meta-Ebene um Homers Funktion in der Serie geht und daher auch um die Notwendigkeit von mehr Geschwindigkeit und schnellen Abenteuern in Homers Leben. Homer ist der Charakter, der als "life wire" der Serie funktioniert (funktionieren muß) wie Marge am Ende erkennt. Es geht der Folge über diese Aussage hinaus aber auch darum, zu zeigen, daß Homer Balance braucht. Wird in der Folge also nur Kritik an kritischen Fans geübt oder werden eigene Autorenfehler eingestanden?

Weder der polternde und laute Homer aus den ersten Minuten, noch der zu langweilige Homer aus der späteren Folge ist in Ordnung - Homer braucht Balance. So ist er am Schluß zwar wieder zurück in seinem alten "Ich", tritt aber gleichzeitig auch für Marge und die Familie ein. Die Popeye- Parodie ist sicherlich bizarr, als surrealer (Stil)bruch stellt sie aber auch Homers Rückkehr zum aktiveren "Ich" dar. Außerdem ist die Parodie einfallsreich, in der DV entgeht einem natürlich Dans astreine Popeye- Darstellung "I need some fuel for me mule, some gas for me ass..."

Sehen wir uns die negativen Aspekte an.

Was deutlicher auffällt, ist eine Tendenz zum sexuellen Humor. Kann man die Soccer Mummy und ihren "boner" noch als satirischen Seitenhieb auf diverse Filme sehen, so erscheint späteres Material wie "orgasmville" etc. bald als ziemlich einseitige Orientierung zum zotigen Humor. Durch den stabilen Plot hätte die Folge zumindest auf einige derartige Jokes verzichten können, darunter auch auf das "Outing" von Patty als schwul. Marges Verhalten am Schluß könnte als out-of-character gesehen werden, andererseits hat sie bereits in Folgen wie 2F21 ihr Interesse an Gefahr ausgelebt.

Der englische Titel ist eine nette Referenz, der deutsche Titel ist mal wieder typisch uninspiriert.

Fazit: eine moderne und schnelle Folge, aber eine die gut funktioniert. Koherente Handlung, Charakterbezug und surrealer Schluß mit Funktion. Die Folge liegt mit ihrem Einfallsreichtum klar über dem Mittelmaß, wegen diverser Plattheiten im Humor mit negativer Tendenz. Note B-


Review von Andreas Roth

"Sein Kiefer ist verdrahtet" ist wieder einmal eine der Folgen, bei der einiges an Potential verschenkt wurde, denn die Geschichte mit Homer, der einmal gezwungenermaßen nur zuhören kann und dadurch ein viel angenehmerer Mensch wird, ist wirklich erfrischend. Leider wird dies durch etliche Gags unter der Gürtellinie 'versaut' (ist das nur in der Synchro so oder auch in der OV?).

Die Story kommt überraschend schnell in Gang, und da auch die Schwulenparade einige nette Szenen zu bieten hatte, kommt so gut wie keine Langeweile auf. Homer führt sich im Kino zwar ziemlich unmöglich auf, jedoch kommt dadurch der Kontrast zu seinem späteren Verhalten besonders gut zum Tragen. Negativ fallen die üblichen Drogen-Anspielungen auf (Selbstmord-Stuhl, Steak-durch-die-Nase-saugen).

Es ist schön, mal wieder das alltägliche Leben der Simpsons zu sehen (Lisa ärgert sich über ihre Klassenkameraden, Bart fürchtet, zum Klassenclown abgestempelt zu werden usw.), und die ruhigen Töne verleihen der Episode eine warme, herzliche Atmosphäre, wie man es in letzter Zeit nur selten erlebt hat. Man sollte Homer öfter mal einen Maulkorb verpassen, er wird dadurch richtig erträglich. ;-)

Hibbert scheint wieder zu seiner früheren Kompetenz zurückgefunden zu haben, nachdem er in S11/12 leider arg in Richtung Dr. Nick gerutscht ist. Die Erwähnung von Lovejoys Brustimplantaten war jedoch mehr als daneben. Auch die anderen Nebencharaktere verhalten sich rollengerecht. Lenny und Carl scheinen in letzter Zeit fast in jeder Folge aufzutauchen, aber diesmal paßt dies sogar sehr gut, sind sie doch Homers beste Freunde und helfen ihm, über die schwierige Zeit hinwegzukommen.

Die diversen Anspielungen, z. B. auf die typischen Talkshows, und auch die Popeye-Referenz waren recht nett, wenngleich letzteres doch ein wenig zu deutlich dargestellt wurde und so übertrieben cartoonig wirkte. Auch die reichlich vorhandenen sexuellen Anspielungen lassen die Folge nicht gerade in einem guten Licht erscheinen. Etwas unglaubwürdig ist außerdem Marges Teilnahme am Crash-Derby; zwar versteht man ihre innere Unruhe, aber ihr spontaner Entschluß, mitten in der Nacht zur Crash-Arena zu fahren, ist doch eher ein typischer Charakterzug von Homer.

Vergleicht man die Folge mit der anschließend gesendeten Episode von "Family Guy", welche teilweise durchaus eine ähnliche Thematik anspricht, merkt man leider, wie sehr sich "Die Simpsons" zu einer bunten Cartoonwelt hin gewandelt hat, deren Geschichten zwar mitunter durchaus sehr reizvoll sein können, jedoch längst nicht mehr so in die Tiefe gehen wie früher. Deshalb vergebe ich trotz dem recht positiven Eindruck nur eine 3-, vor allem auf Grund der zahlreichen Vulgaritäten - Schade. :-(


Kommentar von Michael Gruhl

Mhhh. Schwer zu beurteilen die Folge. Erstmal zum negativen: Allein schon, dass sich Homer erst den Kiefer brechen muss, um seinen Kindern zuzuhören, zeigt einem wieder einmal deutlich, wie sehr das Niveau im Vergleich zu den ersten Staffeln gesunken ist. Von den üblichen Sex- und Drogenjokes will ich mal gar nicht sprechen. Marges Teilnahme an dem Demolition Derby fand ich auch ziemlich unglaubwürdig. Auf der anderen Seite ein paar nette Gags, eine coole Popeye-Parodie und eine nette Story, in der einem die Charaktere endlich mal wieder etwas menschlicher vorkommen. Nicht schlecht für S1x, mehr aber auch nicht.