ULOC-Logo      
ULOC-Suche

 
Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.

Die sehr schöne (und damit für S1x untypische) Plotstruktur fällt sofort auf - keine Gagreihen, keine Vergeudung von Laufzeit, keine plumpe Drei- teilung, kein störendes Füllmaterial. Der Plot entwickelt sich von der ersten Minute an logisch und charakterbezogen, die Charaktere "führen" den Plot durch aktive Beteiligung weiter und werden nicht einfach nur passiv von Gag zu Gag geschoben. Die Handlung baut auf Kontinuität auf, wirkt dabei aber weder recycelt, noch einfallslos.

Die Charakterisierung ist durchweg gelungen und ohne flache Karikaturen. Besonders Marge und Homer fallen sehr positiv auf, von Marges Naivität ("You can´t use the word sex on the internet") bis hin zu Homers alter Impulsivität und liebenswerter Dummheit. Wir sehen hier nicht den zu grellen und lauten Homer und die überzeichnet-flache Marge aus S11/S12, sondern funktionierende Charaktere, die in der Lage sind, einen Plot wirklich zu tragen. Auch Artie Ziff erscheint als interessante Figur: umgeben von Helfern und Dienern und trotzdem ein klassischer "Nerd", reich und dennoch einsam.

Auch die Animation der Episode ist auffallend gut - Kameraschwenks, Überblenden, Detailgrad und Schattierungen liegen IMO deutlich über dem oft eher statisch wirkenden Stil von S11/S12. Der war zwar immer hübsch bunt, aber dabei auch subjektiv steril. Besonders gelungen erscheint mir der 3D-Schwenk um Artie auf dem Ball (man achte auch auf den detaillierten Hintergrund) und die schöne Blende von Marge auf Homer im Bus. Wenn ein Plot derart gut funktioniert, dann stützt die qualitive Animation natürlich den positiven Eindruck - bei einem Gaghaufen wäre sie eher vergeudet.

Wir haben viel guten Humor, zum Teil gar dezenter und zugunsten der Handlung zurückgenommen. Nun kommt diese Folge zwar auch nicht ohne sexuelle Anspielungen aus, im Unterschied zur letzten Woche wird aber diesmal weniger auf pubertäre Lacher abgezielt. Die Parodie auf die Einseitigkeit der Dialoge in einer "Sex and The City"-artigen Serie ist daher z.B. durchaus gelungen. Generell sind die Anspielungen deutlich passender und wirken nicht so aufgesetzt. Gute Musik und Referenzen auf zahlreiche Filme (MASH, The Graduate, Back To The Future etc.) sind ebenfalls positiv.

Sehen wir uns die negativen Aspekte an.

Ein paar wenige Jokes wirken etwas zu deutlich auf platteren Humor aus- gerichtet und dadurch leicht deplatziert, z.B. die Szene, als Marge aus dem Auto springt oder die (an dieser Stelle eher störende) Würgeszene mit Bart und ein paar andere kleinere Sachen. Grampas Satz über Homer als Bowling-Champion (siehe S11-Schrott) wirkt nutzlos. Die Anspielung auf Lenny und Carl als schwul ist S1x-typisch. Die relativ fiese Szene mit den Ameisen stört mich weniger, die Rettung eines Familienmitglieds aus einer Gefahrensituation wird in S13 aber ein bißchen oft gemacht.

Der deutsche Titel ist akzeptabel, statt "Antrag" sollte es aber eher "Angebot" heißen. Ich hoffe, daß die Ivarisierung die Qualität der Ep nicht zu stark senkt, das hätte sie nicht verdient.

Fazit: eine gelungene Folge, die Charaktere und Handlung über den reinen Humor stellt. Jokes und Referenzen fügen sich gut in den Aufbau ein, der Ablauf ist flüssig. Ein paar kleine Kritikpunkte sind vorhanden, die lobenswerte Arbeit sollte dadurch aber nicht abgewertet werden. So sollte eine Folge aussehen, die klassische Ideen mit modernem Stil verbindet. Note A-


Review von Andreas Roth

Auch ich war von der Folge positiv überrascht, eine durchgängige und gehaltvolle Story fast gänzlich ohne grelle Überzeichnungen, wie man sie in letzter Zeit so oft erlebt hat. Man kommt nahezu ohne Verzögerung direkt zur eigentlichen Geschichte, wobei der Gag mit dem CBG durchaus zündet und gleich zu Anfang schon den ersten Lacher hervorrufen kann. Daß Homers Schnarchen geradezu erdbebenartige Auswirkungen hat, ist zwar etwas übertrieben; denen, die darunter zu leiden haben, kommt es aber häufig tatsächlich so vor. So ist es nur zu verständlich, daß Marge total übermüdet beim Frühstück so einiges "verwechselt". ;-)

Die Geschichte geht solide weiter, einzig Dr. Hibbert fällt mit der Briefkastengolf-Szene aus dem Rahmen - Schade eigentlich, da er doch gerade letzte Woche erst wieder weitgehend als der kompetente, wenn auch etwas unkonventionelle, Arzt, der er immer war, aufgetreten ist. Ausgesprochen witzig ist auch der "Frauenabend" bei Patty und Selma, wobei die Reise der E-Mail durch den alten, verbeulten Cisco-Router natürlich das Highlight ist.

An alte Zeiten wird man bei Homers Verhalten erinnert - für kein Geld der Welt würde er seine Frau hergeben. Bedenkt man die chronische Geldknappheit der Simpsons und besonders Homers übliche Geldgier, die ja erst kurz zuvor bei Dr. Hibbert mit seinem "Gegenangebot" noch einmal verdeutlicht wird, zeigt er sich hier doch erstaunlich charakterstark - viel mehr noch als Marge, die nur wenige Bedenken zu haben scheint.

Spätestens bei der Kuß-Szene auf der Reinkarnation des 70er-Jahre-Abschlußballs (Disco Stu ist endlich einmal nicht deplatziert :-) ) bemerkt Marge jedoch ihren Fehler und serviert Artie, der sich über all die Jahre leider nicht geändert hat, mit einer Ohrfeige ab. Sehr schön auch die schon oft verwendete Szene, in der Homer mit einem Blick durchs Dachfenster vor scheinbar vollendete Tatsachen gestellt wird - manche mögen vielleicht einwerfen, dies sein ein schon zu oft verwendetes Storyelement, ich sehe es jedoch eher als ein "Klassiker" an, der speziell in dieser Folge durchaus seine Berechtigung hat, da sie sich in vielerlei Hinsicht (Kameraführung, Rückblickszenen usw.) von den anderen modernen Folgen abhebt.

Homers Video-Abschied ist sehr emotional, nur die ein wenig zu lange Würgeszene stört etwas das runde Gesamtbild. Genial auch die Szene in der Bar, als Carl, nachdem Homer mit Lenny weggefahren ist, vom WC kommt und fragt "Hab' ich was verpaßt?". West Springfield gleich dreimal so groß wie Texas zu machen, ist zwar eine gezielte Übertreibung der Autoren und zugleich ein Seitenhieb auf die immerwährende Frage, in welchem Bundesstaat Springfield liegt, IMO wirkt es aber ein wenig zu cartoonig, ebenso wie die Szenen mit den Invaliden unter den Ölarbeitern (Mann mit Haken statt mit Kopf) und den brennenden Ameisen.

Die Rettungsaktion ist recht dramatisch gestaltet, ohne jedoch allzu mitreißend zu wirken - schließlich ist klar, daß keiner zu Schaden kommen wird. Etwas störend finde ich weiterhin die deutlichen Anspielungen auf Lennys Homosexualität - zwar waren Carl und er schon immer die dicksten Freunde, aber bei diesem Thema sollte man sich weiterhin auf Smithers beschränken.

Die Episode endet, wiederum geradezu klassisch, in Marge und Homers Schlafzimmer, wobei Arties Schnarchumwandler zwar etwas überzeichnet wirkt, aber dennoch einen runden Ausklang der Geschichte darstellt, zumal Arties letzer Satz "Ich beobachte Dich durch eine Kamera." noch einen zusätzlichen Überraschungseffekt bietet. Bisher definitiv die beste Episode der 13. Staffel, die in großen Teilen an vergangene Zeiten anknüpfen kann, deshalb Note 2.