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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Heute ein Review zur ersten gesendeten DABF, "She of Little Faith".

Drehen wir die Betrachtung um und fangen diesmal mit den negativen Aspekten an, es ist interessanter für die Notenbegründung.

Die Folge hat mal wieder das übliche Problem - Laufzeitvergeudung. Nun ist eine Hinführung an eine Haupthandlung über verschiedene Ereignisse an sich kein Problem, wenn hier aber erneut knapp 10 Minuten vergehen, bis es zum ersten Mal überhaupt erkennbar wird, daß es in der Folge um Lisa geht, dann haben wir einen deutlichen Strukturmangel. Der Restplot leidet unter diesem Mangel an echter Laufzeit, die Konflikthandlung für Lisa wird zugunsten von Füllmaterial oberflächlicher.

Die Umsetzung ist IMO nicht besonders innovativ, die Aussage zum Thema Toleranz hatten wir z.B. bereits in recht ähnlicher Form in 3F03 "Lisa The Vegetarian", selbst einzelne Jokes wie die Rauchbombe sind bekannt. Die Religionssatire der Folge ist sehr seicht (verglichen mit Klassikern dieser Thematik wie "Homer The Heretic" oder "Bart Sells His Soul"), die zu einseitige Moral wirkt eher plump und Lisas Charakterisierung relativ unleidlich und stereotyp auf Rumnörgeln ausgelegt. Für all das ist IMO wieder der Mangel an genügend Laufzeit mitverantwortlich - eine komplexe und damit subtile Satire mit Charakterentwicklung braucht mehr Zeit als nur die zweite Hälfte einer Folge.

Anstatt das Thema ernsthaft zu hinterfragen oder gar Lisas Gründe für die Suche nach einem neuen Glauben deutlicher zu zeigen, holpern wir ziemlich hastig voran - die Kirche wird zum Werbepalast, Lisa schreit etwas unleidlich herum, sucht kurz, findet so zum Buddhismus und ein Filmstar erzählt uns etwas von Toleranz und verlangt nach einem freien Tibet. Und wieder einmal haben wir eine Lektion gelernt. Meh. Moral und Wert durch Hinterfragung ist etwas feines und denkanregend, Moral durch einen gar lustigen Prominenten ist eher untypisch plump für die Serie - zumal (im Unterschied zu 3F03) ja nicht mal ein stimmiger Aufbau hinter der ganzen Sache steht. Daß Lisas Charakter weitaus vielschichtiger ist und so viel mehr Potential hätte wird in der Folge vernachlässigt.

Kommen wir zu den positiven Aspekten. Warum hat die Folge trotz ihrer Mängel doch gute Ansätze in die richtige Richtung?

Wenn man sich die beiden Scully-Weihnachtsfolgen aus den letzten Jahren ansieht, dann ging es dort um überdrehten Fun mit Killerspielzeug, arg krudem Slapstick, visuellen Gagreihen, Charakteren, die sich in Kamele verwandeln, sexuellem Humor mit ball sacks und slapping willies und Vorgeschichten (wie dem Zirkusbesuch in "Sense of Snow") die gleich absolut gar nichts mit der späteren Handlung zu tun hatten. So gesehen schneidet DABF02 mit ihrem doch dezenteren/klassischeren Humor, ihrer realeren Handlung und der erkennbaren Absicht von Satire und Charakter- entwicklung positiver ab. Lisas neuer Glaube wird in S13 allerdings nicht mehr weiter erwähnt.

Von der billigen 50s-TV-Serie über Montys Auftritt vor der Kirche über Neds "My satan sense is tingling" bis hin zu Lenny und Carl als Pseudo- Buddhisten ("Who want short shorts") und Milhouse und Ralph als Ersatz- pony hat die Folge viele nette Momente und Jokes zu bieten. Es ist kein übermäßig brillantes Material, aber nett geschriebene Ideen ohne dumpfe oder krude Einlagen. Ein paar hübsch ironische Elemente (wie z.B. das blinkende Amish-Werbeschild) sind ebenfalls positiv zu vermerken. Der Schluß kommt leicht abrupt, aber er funktioniert als Schluß halbwegs.

Weiß jemand, worauf sich der Titel "She of Little Faith" bezieht?

Fazit: als DABF ein doch deutlich positiver Stilbruch mit S11/S12, gleichzeitig aber auch wenig innovativ. Kein kruder und cartooniger Unfug, etwas simplere Satire und nette Ideen, man hätte aus dem Plot trotzdem deutlich mehr machen können als 10 Minuten Vorgeschichte und 10 Minuten Lisa-Konflikt mit eher seichtem Gefühl und zuviel in-your- face-Moral. Kein Vergleich zu klassischen Folgen mit Religionsthematik, für S13 kann man aber mit etwas Freundlichkeit zur Note C+ greifen.

Es ist jetzt das letzte C+ von mir für ein Weile. Ab nächste Woche gibt es andere Noten, leider nicht unbedingt bessere Noten. Es wird aber noch eine IMO deutlich bessere Lisa-Folge in S13 geben.


Review von Andreas Roth

Vorweg gesagt: Es geht aufwärts. :-) Die heutige Folge war IMO eine deutliche Abkehr vom S12-Müll, Blut- und Ekelszenen blieben uns erspart, ebenso auch andere dämliche Running-"Gags" wie der mit den Drogen und Beruhigungsmitteln. Jedoch wurde auch diesmal deutlich Potential verschenkt, und man stolpert doch etwas unbeholfen durch die Geschichte. Ist diese Folge eigentlich die übliche Weihnachtsepisoden? Weihnachtsstimmung will nämlich nicht recht aufkommen, da der Zeitsprung doch etwas plözlich kommt - am Anfang ist draußen noch alles grün, und auf einmal liegt Schnee.

Die übliche "Krankheit" der modernen Folgen, die eigentliche Handlung erst viel zu spät einsetzen zu lassen, wirkt sich auch diesmal negativ auf die Episode aus, und so wirkt Lisas Suche nach einem neuen Glauben doch etwas hektisch und ist deshalb nicht gerade überzeugend. In "Lisa als Vegetarierin" z. B. wird ihr Gewissenskonflikt um Längen besser inszeniert. Immerhin führt der mißglückte Raketenstart zur "Modernisierung" der Kirche und ist somit Auslöser für Lisas Glaubenssuche - ein sinnloser Sprung à la "Bart gräbt ein Loch" bleibt uns somit erspart.

Im weiteren Verlauf der Folge verstand man es, recht viele Referenzen an frühere Folgen einzubauen, geradezu klassisch wird Lisas Glaubenssuche mit vorbeischwebenden Logos und Werbeschildern vor einem schwarzen Hintergrund in Szene gesetzt. Die Gags sind ebenfalls durchaus gelungen, wenngleich sie natürlich nicht an die Klassiker heranreichen. Auch die Personen verhalten sich weitgehend charaktertypisch, negativ fällt hier vor allem die Bart-Quälerei am Eßtisch seitens von Homer auf. Etwas uneinheitlich präsentiert sich Lisa, die IMO etwas zu stark zwischen Kind (Pony unterm Weihnachtsbaum) und "besserwisserischen jungen Erwachsenen" hin- und herwechselt.

Lenny und Carl als Buddhisten kann ich mir sogar recht gut vorstellen (man denke an die Mitgliedschaft bei den Steinmetzen ;-), allerdings waren sie, soweit ich mich erinnere, vorher auch Christen. Der Gaststar wurde leider auch diesmal wieder mit der Holzhammer-Methode präsentiert, also nur des Auftritts bei den Simpsons willen - schade. :-(
Ebenfalls mißlungen: Lisa läuft von zu Hause weg und die Eltern machen sich sorgen. Hier hat man doch zu sehr von "Bart bleibt hart" u. a. abgekupfert, so daß die anschließende Wiedervereinigungsszene zwar schön anzuschauen ist, aber trotzdem zu blaß wirkt. Wie eingangs schon angesprochen, ist dies wohl hauptsächlich auf die unruhige und zu spät einsetzende Haupthandlung zurückzuführen.

Insgesamt hat mir die Folge durchaus gefallen, überdurchschnittlich war sie jedoch nicht. Vor allem die nur halbherzige Umsetzung der Geschichte trübt das Gesamtbild, denn die Thematik ist durchaus glaubwürdig und angemessen für eine Lisa-Folge. Bisher jedoch die beste Folge der Staffel, und so vergebe ich diesmal eine 2-.