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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Fangen wir wieder mit den negativen Aspekten an.

Diese Folge ist ein klares Beispiel für eine zu plumpe Dreiteilung der Handlung in diversen DABF-Folgen. Zuerst für ein paar kurze Minuten die Umweltstory, dann die Familienhandlung und schließlich (ca. 6 -7 Minuten vor Folgenschluß) something completely different - die Rückkehr der Las- Vegas-"Damen" aus AABF06. Der ganze Ablauf ist garniert mit jeder Menge Füllmaterial, teilweise extrem bösartigem Humor und typischen visuellen S1x-Elementen. Diese Folge erweckt fast nie den Eindruck einer echten Handlung (schon gar nicht den einer vielschichten Handlung) sondern ist meist simple Gaganreihung.

Strukturell würde ich die Folge daher als Desaster bezeichnen - kein Vergleich zum flüssigen Ablauf mit Sub- und Hauptplot in klassischen Jahren. Der erste Teil der Ep hat zwar Ansätze von politischer Satire, ist aber im Endeffekt nicht mehr als eine Reihe von visuellen Einzel- gags Marke Gelbes Chaos. Im zweiten Teil finden wir mitten in der Folge eine Art Pseudo-Höhepunkt mit kewler Action, wie man ihn selbst in S1x zumindest am Schluß einer Ep platzieren sollte. Weil aber noch Zeit ist, wird eben ein dritter Akt nachgesetzt - so einfach geht das heutzutage.

Die "ernste" Emotionshandlung fällt in ihren paar Restminuten IMO flach und vermittelt bestenfalls ein Gefühl von plastic emotion. Wenn die Auf- lösung der Krise darin besteht, daß Homer mit einer Hundehütte auf dem Kopf slapstickig durch den Garten poltert, so ist das symptomatisch für die Abflachung von Serie und Charakteren. Auch der Schluß mit Gruppen- gelächter über Grampas Senilität ist arg böse, passt aber zum generellen Unterton der Folge.

Viele Jokes sind zu überdreht, haben einen deutlichen S11-Touch und sprechen mich nicht an. Homers Geschrei ist hier weit störender als in "The Blunder Years". Dort war es wenigstens handlungsaufbauend, hier ist es nur "lustiges" Füllmaterial in einer Sketchreihe. Szenen wie die Blinky-Fische und Homer zeigen IMO deutlich, daß man klassische Jokes zu weit über ihre Grenzen dehnt, nur um sie hip und frisch für aktuelles Publikum zu machen. Man sollte in diesen Fällen immer noch einen deutlichen Unterschied zwischen satirischer Überzeichnung und simpler cartooniger Realitätsfremde machen.

Gibt es positive Aspekte?

Ein paar der Jokes sind wohl ganz nett, z.B. die Szenen im Republican Headquarter oder Homer, der den Berater für einen Engel hält und ein paar andere Ideen, die einen kurzen Schmunzler wert sind. Platte Jokes wie "Edna Krappaboly" und jede Menge S1x-Unfug sprechen mich aber nun gar nicht an. Das größte Problem der Folge sind IMO nicht die Jokes an sich, sondern der Mangel an Struktur. Es ist ein Haufen von Witzen ohne echtes Ziel und ich will die Simpsons nicht als Reihe von Sketchen oder semi-autarken Einzelakten sehen, sondern mit echter Handlung.

Der deutsche Titel ist Schrott, er befindet sich in S13 damit aber in guter Gesellschaft.

Fazit: eine auffallend ziellose Folge mit grober Dreiteilung und ohne viel echte Handlung. Ein paar Schmunzler an diversen Stellen, die guten Ideen wirken aber vergeudet, die Emotion ist künstlich. Im Endeffekt ein konstruiertes Mainstream-Produkt und nutzlos. Note D


Review von Andreas Roth

Nach dem recht positiven Start der 13. Staffel letzte Woche ist die heutige Folge definitiv wieder ein Schritt zurück: Zu uneinheitlich im Aufbau, die Gags zum Teil wirklich mies und eine ziemlich an den Haaren herbeigezogene Story.

Wie immer hat der Folgenauftakt fast nichts mit der anschließenden Geschichte zu tun, und so sind die Gags rund um die Umweltverschmutzung und den sauren Regen unterstes Niveau, allein Willies "Singing in the Rain" (nicht aber die Verätzungsszene) rief bei mir einen kleinen Schmunzler hervor. Burns war zwar endlich wieder der diabolische Bösewicht, konnte aber nur kurz glänzen. Homers Schreikrampf war absolut unmöglich; zwar wissen wir, daß er ohne Fernsehen nicht leben kann ("No TV and no beer makes Homer crazy"), aber wie schon bei Willy sind die Szenen im sauren Regen entwürdigend.

Der Seitenhieb aufs Merchandising (verschiedene Monopoly-Ausgaben) war recht gelungen, die anschließende "Familienkrawall"-Szenen jedoch viel zu übertrieben. Daß Homer den Sozialarbeiter die ganze Zeit als Engel ansieht, nervt ebenfalls gewaltig. Familientherapien haben wir nun ja schon öfters bei den Simpsons gesehen, aber diese war mit Abstand die am schlechtesten umgesetzte - zu sehr auf grellbunte Cartoon-Action ausgerichtet.

Nach der erfolgreichen Meisterung der Therapie (die Folge hätte an dieser Stelle eigentlich zu Ende sein können) startet der zweite Teil der Episode, der so gut wie nichts mit Teil 1 zu tun hat - stattdessen wird eine alte Folge wieder aufgegriffen. Zwar gab es ein teilweise recht gutes Gag-Potential (Marge hört, wie Homer ein Sandwich gemacht bekommt; Austricksen der Las Vegas-Ladies), was über die schwache Story jedoch nicht hinwegtrösten kann. Auch Abe wird hier recht übel mitgespielt, wenn man den Gagfaktor einmal außer acht läßt.

Wie schon so oft verschenken die Produzenten sehr viel von dem Potential, das in der Story hätte stecken können. Zwar sind die Gags teilweise durchaus gelungen, dies ist aber eindeutig zu wenig für eine gehaltvolle Folge. Die völlig konfuse, zweigeteilte Story trägt ihr übriges dazu bei.


Review von Tobias J. Becker

Ach Herr je, das war die Folge mit der übelsten Zwei- bis Dreiteilung, die ich bislang erlebt habe. Man hatte das Gefühl, das die Autoren mehrere Ideen, die sie schon längere Zeit umsetzen wollten, zusammenmixten, weil sie allein nicht genug Material für eine ganze Folge hergaben oder die Autoren das Potential (soweit vorhanden) nicht nutzten. Der erste Teil setzt leider mal will auf das Quälen der Charaktere, hier v.a. durch den sauren Regen bzw. läuft darauf hinaus. Nervig ist dabei auch Homers Schreierei. Insgesamt wirkt der erste Teil äußerst irreal und überdreht sinnlos (v.a. die Szene mit Quimby). Running Gags wie der dreiäuigige Fisch werden maßlos überspannt, so dass ihnen ihre ganze Klasse genommen wird. Lediglich die Republikaner-Runde zu Beginn der Folge hat mir einigermaßen gefallen. Fvr xrueg abpu rvazny va äuayvpure Orfrgmhat va RNOS09 "Ze Fcevgm Tbrf gb Jnfuvatgba" jvrqre. Dass der Staat ins Familienleben eingreift, ist nicht gerade neu und bestimmt auch nicht besser umgesetzt als in der brillianten 3F01 "Home Sweet Homediddly-Dum-Doodily" (DF: "Bei Simpsons stimmt was nicht"). Immerhin löst die Familie das "Problem" am Ende des zweiten Teils wie früher auf ihre ganz eigene, von der Gesellschaft bzw. in diesem Fall vom Sozialarbeiter Gabriel nicht erwartete Art, wenn ich aber sehe, wie die Familie inzwischen miteinander umgeht, bin ich langsam doch geneigt zu sagen, dass sie wirklich dysfunctional ist. Die Figuren sind absolut überzeichnet und keine Charaktere mehr, sondern nur sehr extreme Typen. Weder stehen sie noch für ideologische Standpunkte (da die Folgen zu oberflächlich bleiben), noch bieten sie mehr eine Identifkationsmöglichkeit. Ich kann es langsam nicht mehr sagen, aber diese Phänomene scheinen durch eine krampfhafte – und meist schlechte – Imitation von Serien im Stile von Family Guy herzurühren. Wie auch immer, im Grunde könnte von der Handlungsentwicklung her die Folge hier enden. Tut sie aber nicht. Denn fast völlig zusammenhangslos rasen die Simpsons förmlich in den dritten Teil, der wie es in der Serie nur selten vorkommt die Handlung einer zurückliegenden Folge wieder aufnimmt. Es tut sich ein weiteres Problem auf, dass – man muss es sagen – auf bitterböse, ja geschmacklose Art gelöst wird. Das muss man sich mal vorstellen: Marge setzt Homer vor dir Tür als sie von seiner Hochzeit mit dem Las Vegas – Girl Amber erfährt und weigert sich, mit ihm zu reden. Dann aber scheint sie sofort bereit zu sein, bei dem Plan mitzumachen, sie an den aufgrund seines Alters hilflosen Abes weiter zu verheiraten, damit Homer von der Unterhaltspflicht loskommt. Etwas netter dagegen ist die Art, wie die Flanders die neue "Mutter" Ginger davonjagen. In der Gänze ist die Folge eine unstimmige Zusammenmischung mehrerer Storyideen, die zwar teilweise schon ein ähnliches Thema haben, aber doch dilettantisch verbunden und krud ausgeführt sind. Note 4-

Bei der Synchronisation gilt wieder das die derzeitige zweischneidige Standardbewertung. Während die Dialoge wieder äußerst seltsam, teilweise auch völlig sinnlos sind, ist die Stimmbesetzung recht erfreulich. Es haben (bis auf Bob Dole) alle Charaktere die gleichen Stimmen wie zuvor. Nicht nur, dass Amber, Ginger und der Las Vegas – Priester die gleichen Stimmen wie in "Wir fahr'n... nach Las Vegas" haben, auch für den Texaner hat Ivar wieder Hartmut Neugebauer besetzt, obwohl der gar nicht zur Ivars engeren Sprecherkreis gehört. Damit sind zum Glück alle Sprecher aus S12 auch in dieser Staffel dabei und auf unnötige Sprecherwechsel wird verzichtet. Naja, fast. Fat Tony wurde in "Aus dunklen Zeiten" wieder von Manfred Erdmann gesprochen, nachdem Ivar jetzt längere Zeit Dirk Galuba genommen hat. Der war zwar gewöhnungsbedürftig, hatte aber immerhin mehr Ähnlichkeit mit dem einzig wahren Fat Tony-Sprecher aus der drts-Synchro ;-) Hoffentlich besetzt Ivar ihn nicht überhaupt nicht mehr, denn er sprach die letzten Male auch Drederick Tatum und passte sehr gut. Ginger und Richterin Constance Harm werden wieder von Inge Solbrig gesprochen, für Amber hat Ivar Mara Winzer zurückgeholt, Bob Dole hat er dem besser passenden Willi Röbke gegeben. Er selbst spricht wieder den Las Vegas – Priester, diesmal allerdings mit tuntig-schwuchteliger Stimme, weil er ansonsten exakt wie Reverend Lovejoy geklungen hätte. (Die Hochzeitsszene, die auf Video zu sehen ist, kommt übrigens in "Viva Ned Flanders" gar nicht vor, ja sie steht sogar mit ihr im Widerspruch: Während sich hier nach des Priesters "Sie dürfen ihre Bräute jetzt küssen" Homer und Ned gegenseitig küssen, haben sie damals Amber und Ginger geküsst und der Priester ist IIRC nach Homers Frage "Welche Braut?" weggelaufen.) Sämtliche Gesangseinlagen wurden wieder synchronisiert, wobei man sich bei dem "Singing in the Rain" fragen muss, ob das nun wirklich nötig war, da Text englisch gelassen wurde. Thomas Rauscher macht das zwar gar nicht schlecht, aber, nun, er ist nicht Dan Castellaneta.

Und nun noch die nervige, aber unvermeidliche Sprecherliste:

DABF01 / 276. / 276.
Deutscher Titel: "Familienkrawall – Maggie verhaftet"
Original-Titel: "Brawl in the Family"

US: So, 06.01.2002
D1: Sa, 22.03.2003

Sofa-Gag:
Im Wohnzimmer steht auf dem Sofa eine Hecke. Ein Arbeiter mit
einer Heckenschere kommt und schneidet in die Hecke die
Simpsons. Nach getaner Arbeit wischt er sich den Schweiß von
der Stirn.

Synchronsprecher:
Off-Sprecher             Butz Combrinck
C.M. Burns               Reinhard Brock           (OV: Harry Shearer)
Senator Thurmant         Horst Raspe
Ralph Nader              (Michael Rüth?)
Krusty                   Hans-Rainer Müller       (OV: Dan Castellaneta)
Dracula                  Peter Musäus             (OV: Dan Castellaneta)
Der Texaner              Hartmut Neugebauer       (OV: Dan Castellaneta)
Bob Dole                 Willi Röbke              (OV: Harry Shearer)
                           [ZULETZT Ivar Combrinck]
Kent Brockman            Donald Arthur            (OV: Harry Shearer)
Naturschutz-Hippie       Kai Taschner
Homer Simpson            Norbert Gastell          (OV: Dan Castellaneta)
Waldarbeiter             (Peter Musäus)
Nelson Muntz             Wolfgang Schatz          (OV: Nancy Cartwright)
Springfielder (u.a. Professsor John Frink)
                         (Ivar Combrinck u.a.)
Rektor Seymor Skinner    Fred Klaus               (OV: Harry Shearer)
[Willy [Gesang]          [synchronisiert]]
Willy                    Thomas Rauscher          (OV: Dan Castellaneta)
Marge Simpson            Elisabeth Volkmann       (OV: Julie Kavner)
TV-Kuppelshow-Moderator  Butz Combrinck
Moe Szyslak              Bernd Simon              (OV: Hank Azaria)
Kuppelshow-Kandidatin    Shandra Schadt
Lisa Simpson             Sabine Bohlmann          (OV: Yeardley Smith)
Bart Simpson             Sandra Schwittau         (OV: Nancy Cartwright)
Chief Clancy Wiggum      Thomas Rau               (OV: Hank Azaria)
Verdächtige              (Ulf-Jürgen Wagner u.a.)
                         (Peter Musäus u.a.)
Johannson                (Ulf-Jürgen Wagner)
Lou                      Ulf-Jürgen Wagner        (OV: Hank Azaria)
Verhandlungsrob. Brenda  Manuela Renard
Eddie                    Peter Musäus             (OV: Harry Shearer))
Gabriel, Sozialarbeiter  Fritz von Hardenberg
Ralph Wiggum             (Beate Pfeiffer)         (OV: Nancy Cartwright))
Milhouse Van Houten      Michaela Amler           (OV: Pamela Hayden)
[Gesang der Simpsons     [synchronisiert]]
Amber                    Mara Winzer [wie zuvor!] (OV: Pamela Hayden)
Reverend in Kapelle      Ivar Combrinck [wie zuv.](OV: Harry Shearer [?])
Ned Flanders             Ulrich Frank             (OV: Harry Shearer)
Ginger                   Inge Solbrig [wie zuvor!](OV: Tress MacNeille)
Richterin Constance Harm Inge Solbrig             (OV: Jane Kaczmarek)
[Gesang der Flanders     [synchronisiert]]
Todd Flanders            Natascha Geisler         (OV: Nancy Cartwright)
Rod Flanders             Shandra Schadt           (OV: Pamela Hayden)
Lenny                    Ulf-Jürgen Wagner        (OV: Harry Shearer)
Carl Carlson             Peter Musäus             (OV: Hank Azaria)
Abe Simpson              Horst Raspe              (OV: Dan Castellaneta)
Reverend Timothy Lovejoy Ivar Combrinck           (OV: Harry Shearer)


Review von Marc Weinreich

Okay, betrachten wir uns diese drei Folgen. Der Anfang mit der Beratung war vielversprechend, aber leider wurde man enttäuscht. Die ganze Sache mit dem sauren Regen war bäh-pfui. Willies Gesang war jedoch sehr erheiternd. Aber auch nur der Gesang. Die Hinführung zur Familientherapie war nur noch witzlos.

Note: 02 (5)

Nun denkt man "Gut, die viel zu lange Einführung haben wir hinter uns, jetzt kommt die eigentliche Handlung" aber von wegen. Zwar war das hier dargebotene besser als der Anfang, aber viel zu schnell runtergerasselt.

Note: 07 (3-)

Und dann kommt die eigentliche Handlung. Diese war dann IMHO sogar recht gutund hätte es durchaus verdient, die gesamte Folge auszumachen, aber leider dachten die Autoren anders. Daher:

Note: 09 (3+)

Zusammen macht das 18 : 3 = 6, womit auch schon die Gesamtnote hätten. Ziehen wir noch einen Punkt für den unmöglichsten Titel ab, an den ich mich zur Zeit erinnern kann und wir sind bei 5 Punkten