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Die Simpsons

Review von Andreas Krösing (veröffentlicht am 24.06.2001)

Eine typische, mittelmäßige Staffel 12 Episode, die im THOH Stil aufgebaut ist. Ich finde sie eher schlecht, aber trotzdem ist sie nicht die aller schlechteste. Warum in Staffel 12 die Couch Gags ausgehen kann ich auch nicht verraten, aber warum mir die Episode eher weniger gefällt versuche ich hier darzulegen.

Ja ist denn heut schon Halloween?
Ob nun Bible Stories oder Tall Tales, ich mag diese THOH übliche Teilhandlung nicht, da sie ein Schritt Richtung Alltags Cartoon ist. Nehmen wir mal z.B. Warner Cartoons: Episoden sind in mehrere Geschichten aufgeteilt, die zusammenhanglos aufeinanderfolgen. Diese Art der Erzählung ist in diesen Serien zwar durchaus angebracht, bei den Simpsons allerdings nur störend, da es nie so gedacht war. Ich sehe die Unterteilung in verschiedene Geschichten innerhalb einer Episode sogar als weiten Schritt in die falsche Richtung an, da früher oder später alles hinter einer simplen Erzählung stehen kann und deshalb keine Kontinuität mehr benötigt wird. Dem Zuschauer könnte man schon jetzt in Staffel 13 weitere Unterteilungen vorsetzen, die man einfach „Tall Tales 2“ oder so nennen könnte. Vielleicht ändert man den Namen oder stellt eine andere Rahmenhandlung auf, aber früher oder später werden wir, wenn es so weitergeht eine Kurzgeschichten – Folge nach der anderen vorgesetzt bekommen.

Wenn Simpsons reisen...
Für alle die diese Folge noch nicht kennen und sich von der Spoiler Warnung nicht abschrecken ließen: Die Episode steht hinter der einfachen Geschichte, dass die Simpsons – wie Marge es ebenfalls korrekt feststellt – mal wieder in einem Gewinnspiel gewonnen haben und nun verreisen. Die Folge beginnt am Flughafen und nach einer kurzen werbeähnlichen Sequenz, in welcher der Zielort des Urlaubs angepriesen wird, bittet man die Simpsons bzw. ihr Familienoberhaupt Homer eine 5$ Flughafensteuer zu bezahlen. Homer aber weigert sich und schon im nächsten Moment rennt er mitsamt Familie einem Zug hinterher und springt schließlich in einen Güterwaggon, da er offensichtlich mit seiner „I’m not going to pay that tax“ Strategie keinen Erfolg hatte. Im Waggon lernen die Simpsons dann einen „hobo“ (einen Penner) kennen, der nachdem alle Mißverständnisse mit Erstechen geklärt worden sind mit seinen „Tall Tales“ Erzählungen beginnt. In denen werden Homer, Lisa und Bart jeweils in eine Geschichte versetzt, die dann im Simpsons und verrücktem Penner Stil erzählt wird. Homer in einer (mir unbekannten) Riesengeschichte, Lisa in einer Referenz auf Johnny Appleseed und Bart in einer Tom Sawyer Anspielung. Zwischen den Geschichten kehrt man immer kurz zur Rahmenhandlung zurück und leitet an ein paar Gags vorbei zur nächsten Story über. Die Rahmenhandlung besteht aber größtenteils aus einfachen Feststellungen von Lisa, welche die wechselnde Größe vom Riese Homer kritisiert, einem Selbstgespräch des Penners oder eine Aufforderung ihn als Bezahlung zu waschen, was Homer dann auch tut. Nach der dritten Geschichte haben die Simpsons ihr Ziel erreicht und der Penner möchte seine Belohnung, nämlich nochmals eine ergiebige Wäsche von Homer. Damit wird nachdem man nochmal den schönen, muskulösen Körper des Penners erwähnt hat ausgeblendet.

Auf der schwäbischen Eisenbahn...
Obwohl einem alt gebackenen Simpsons Fan der stellenweise recht hohe Blödsinn dieser Episode nicht besonders gefällt, habe ich sie mir jetzt schon recht oft angesehen - vielleicht aber auch nur um noch etwas zu entdecken, denn irgendwas fehlt diese Folge einfach. Man hat zwar viel zu Lachen, aber einige Wunden hinterläßt diese Folge schon. Obwohl man trotz allem mit einem erheiterten Ausdruck im Gesicht den Real Player schließt stimmt hier etwas nicht. Schon der Aufhänger für die Zugfahrt stört mich, da Homer der Flughafenangestellten mit der Faust droht die Steuer nicht zu bezahlen. Unser alter, leicht kindischer Homer hätte das nie gemacht, zu erwarten wäre es gewesen, dass er sich einfach nicht durchsetzen kann. Vermutlich hat man diese Lösung aber aus Zeitproblemen genommen, da man ja möglichst schnell zur Rahmenhandlung kommen mußte. Ich finde das eigentlich sogar besser, als den Zuschauer vor vollendete Tatsachen zu stellen, also kann man das so akzeptieren. Auch die Werbung für den Urlaubsort (trotz Anspielung) und die „neue“ Art unserer Familie die Probleme zu lösen – auf die illegale Art – gefallen mir nicht. Das Marge sich nicht einmischt, sondern willenlos ihrem Angeheirateten folgt ist ja nichts neues mehr. Ein paar wirklich nette Lacher bieten aber die bereits oben erwähnten Gags in der Rahmenhandlung, sowie ein erstklassiges Selbstgespräch mit anschließendem Kuß einer unsichtbaren Geliebten (mit der er im Geiste auch das Gespräch führte). Der Penner ist ein richtig schöner Wahnsinniger mit einem sarkastischen Humor. Wirklich störend in der Rahmenhandlung ist aber eine weitere Staffel 12 Geschmacklosigkeit: Der Penner zieht sich aus und holt einen Schwamm hervor um sich dann von Homer waschen zu lassen – ist zwar nicht Spitzenreiter der Geschmacklosigkeiten, aber meiner Meinung nach einen Kick zu viel. Traurig finde ich auch, dass Marge keine Geschichte bekommen hat, obwohl sich bei ihr die „Piratenbraut“ so gut angeboten hätte. Homers Segment ist nämlich eindeutig zu lang und auch der Bart Teil endet irgendwie zweimal, denn man erwartet einmal das Ende und es wird dann doch nochmal weitergemacht. Die Abschließung der Rahmenhandlung gefällt mir zwar nicht, ist aber damit immerhin einigermaßen annehmbar beendet, denn es hätte weit schlimmer kommen können. Zwar wird Homer mal wieder abschließend erniedrigt, aber immerhin ist der Zug nicht explodiert und Homer dann nackt und brennend über den Bahnhof gerannt...

Ein großer Depp namens Homer
Die erste Geschichte des Riesen Homer ist meiner Meinung nach die schlechteste, die man erst mal hinter sich bringen muß. Vielleicht mag ich sie nicht, weil ich wieder mal nicht das Original kenne, aber bis auf ein kleines Schmunzeln hier und da ist nix herauszuholen. Vielleicht aber auch, weil Homer hier mal wieder richtig in seinem neuen Ich als Gehirn amputiertem Vollidiot aufgehen kann. Das Herausziehen von Homer aus der Stadt ist irgendwie ganz nett und die Entstehung der Gebiete durch die Taten von Homer und seinem Begleiter „Babe“ finde ich amüsant, aber sonst ist es nur eine Geschichte von einer Wanderung zu Marge und zurück zur Stadt, wo Homer noch mal gequält werden kann. Dann endet sie nach viel zu viel unbenötigtem Schwachsinn auch noch so plötzlich und bleibt dazu noch so unausgeführt in den einzelnen Geschehnissen. Die Geschmacklosigkeit, von den verschluckten Willie und Lenny, die einen unappetitlichen Ausgang aus Homers Magen gefunden haben hätte außerdem auch nicht sein müssen. Am Homer Teil kann ich absolut nix positives Entdecken, da Homer sowieso nicht mehr der alte ist und daher auch hier nicht besser handelt und behandelt wird als sonst in neuen Folgen. Hier hätte ich lieber ein intelligentes Marge Segment gesehen, auch wenn ich befürchte, dass dieses voller sexuellen Anspielungen gewesen wäre. Schlechtester Teil dieser Episode, aber danach geht es immerhin bergauf.

Johnny, ähm... Conny
Sonderlich intelligent ist zwar auch das 2 Segment, in dem Lisa ein weiblicher Johnny Appleseed mit dem Vornamen Conny ist nicht, aber zum einen sehen wir endlich mal wieder unsere Lisa in Aktion und zum anderen ist sie wirklich sehr, sehr amüsant. Die Ausrottung der Büffel wird von Conny befürchtet und vorhergesagt, aber der wahrscheinlich Hauptverantwortliche Homer lässt sich davon nicht stören und Lisa wird schließlich zurückgelassen, als sie sich weigert bei ihrer Familie zu bleiben, wenn die nicht von Büffeln auf Äpfel umsteigt. Danach hapert es bei dieser Folge aber wohl an Zeitmangel, denn die eigentliche Haupthandlung wird nur vom Penner erzählt. Anschließend sehen wir noch die finale Ausrottung der Büffel und die Rückkehr von Conny, die alle mit ihren Äpfeln rettet und das war’s auch schon. Da wäre sicherlich mehr Potential herauszuholen gewesen, aber trotzdem sehe ich diesen Teil der Folge am liebsten. Gute Witze sind unter anderem ein nach Conny rufender Baum, der sich dann doch als sterbender Hans Maulwurf entpuppt und ein im Glauben, dass es Büffel Hoden sind Äpfel essender Homer, der diese nachdem er erfährt was es wirklich ist ausspuckt. Nicht lustig und/oder sinnvoll ist die Tötung der beiden letzten verbleibenden Büffel von Homer und die Handlung von Moe, der scheinbar sehr daran interessiert ist Homer zu verspeisen. Alles in allem mag ich unsere Springfielder aber in den Rollen und vor allem in dieser Zeit. Amüsantes, wenn auch zu kurz und wie schon Teil 1 unausgeführt bleibendes Segment, dass meiner Meinung nach trotzdem das beste dieser Episode ist.

Wenn Mississippi heiratet, heißt sie dann Mrs. Issippi? Das Bart Segment, in dem er in die Rolle des Tom Sawyer und Nelson in die seines Kumpels schlüpft ist vermutlich das intelligenteste, wenn auch stellenweise etwas Sinn und Handlung verlierende der ganzen Folge. Ich gestehe hier jetzt öffentlich, dass ich das Ende nicht unbedingt begreife und auch nicht unbedingt mag, da man erwartet dass es auf dem Dampfer endet. Danach aber gehen die Schießerei, der Untergang auf den Meeresgrund und die Beendung des Teils aber einfach über das Maß hinaus. Zwar ist dieser Teil der Folge mit einem Wildwasserbahn artigen Fluß ohnehin der comichafteste von allen, aber trotz kleinen Ansätzen zu einer Gag Rallye sehr interessant anzusehen. Die Vergangenheit wurde sehr intelligent zu Gags herangezogen, wie z.B. dem 99c Laden für die ganz reichen Leute und dem so versaut perversem Beinbild auf der Wasserbahn. Auch die Stelle mit dem keine Aufmerksamkeit erregendem Dr. Hibbert ist spitze. Im Großen und Ganzen wohl das kompletteste Segment der ganzen Folge, auch wenn es durch die Hetzjagd und die bereits beschriebenen Effekte etwas cartoonig wirkt.

Darf es ein bißchen mehr sein?
Was wir unter dem Strich haben sind 3 zu kurze Episoden, die unterschiedlich gut gelungen sind. An der Bewertung der einzelnen Teile und damit schließlich auch der Gesamtwertung scheiden sich wahrscheinlich die Geister, aber aufgrund einer trotz Schwächen durchaus funktionierenden Rahmenhandlung, 2 netten Segmenten, 2 unausgeführt bleibenden Segmenten und einem etwas mieseren unvollendeten und mit Blödsinn gefüllten Homer Teils, der dieses Mal aber zum Glück vom Rest der Folge differenziert alleine steht und damit nicht so störend ist würde ich dieser Episode ein C- geben. Solides Staffel Mittelmaß, auch wenn sie weiter unten steht. Es war ein interessanter Versuch, den man entweder mag oder nicht mag. Mir persönlich gefällt zwar die Erzählform nicht, aber eine D Wertung scheidet für mich aus. Solange diese Episoden nicht alltäglich werden und sie nicht zu abgedreht ausfallen kann man sie ertragen. Trotzdem ist diese Episodenart ein Hochseilakt im Sturm, also ist Vorsicht geboten, die nach meinen Befürchtungen nicht vorhanden ist.

Segmente
Homer – D-
Lisa – B-
Bart – C+

(c) 2001 Andreas Krösing