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Die Simpsons

Review von Andreas Krösing (veröffentlicht am 25.06.2001)

Obwohl mein Ersteindruck recht gut war, stufe ich diese Episode nach ausführlicher Betrachtung nun doch als schlechter ausfallende für die Staffel ein, da sie durchaus größere Probleme aufweist, als andere Folgen, die ich als mittelmäßige einstufe. Was genau mir an der Folge nicht gefällt, was mir gefällt und wo sich die Problematik verbirgt versuche ich nun zu erläutern.

# Was geht? #
Die Folge erinnert vom Aufbau her an die goldenen Jahre, in denen die Serie noch in Ordnung war, denn es gibt keine 2 Geschichtslinien, die nebeneinander ablaufen und von denen eine nur zum Stopfen da ist, sondern es wird konsequent die wirkliche Story durchgezogen. Diese ist zwar etwas schwach, aber immerhin läuft sie bis fast zum Ende ganz nett ab. Die Handlung selbst ist schnell erklärt: Nachdem Homer durch einen Sportunfall nicht mehr zur Arbeit kann und sich zu Hause langweilt, stellt er eines Abends, als er gerade auf Rodd und Todd aufpaßt fest, dass ihm die Arbeit mit Kindern gefällt und realisiert Flanders Vorschlag eine Kindertagesstätte zu eröffnen. Beim Betreiben dieser Kindesstätte vergißt er allerdings ganz und gar seine eigenen 2 Kinder - und Maggie. Auch nachdem seine Verletzung geheilt ist gibt er seine Kinder nicht auf und führt sein neues Unternehmen konsequent weiter, so dass er sich schließlich nur noch um andere Kinder kümmert. Bart und Lisa fühlen sich dadurch stark vernachlässigt und alle Versuche ihren Vater wieder auf sich aufmerksam zu machen scheitern. Als Homer schließlich zum „Good Guy“ nominiert, da er sich so fürsorglich verhält sehen Bart und Lisa aber ihre Chance der Welt den „wahren“ Homer zu zeigen und schneiden in das Filmmaterial, welches Homer als Freund der Kinder zeigt ein paar Archivaufnahmen der Familie ein, die das Gegenteil beweisen. Die Eltern der Kinder sind schockiert und wollen ihre Kinder von Homer fernhalten, doch dieser flieht mitsamt den Kindern und wird schließlich gefaßt. Natürlich ohne Konsequenz zurück zu Hause erkennt Homer, warum seine Kinder so gehandelt haben und verspricht sich nun wieder um sie zu kümmern. Als wäre das kein gutes Ende gewesen setzt man mal wieder zu viel darauf und lässt Homer noch das Gedeck der Filmleute niedermachen, um damit auf den Abspann überzuleiten.

# Als würden Sie je wiederkommen... #
Nachdem etliche Episoden immer wieder mit den selben, bzw. ähnlichen Einleitungen zur Story beginnen, ist es überraschend mal wieder eine andere Alternative vorgesetzt zu bekommen, die zwar wirklich gelungen und amüsant ist, aber schlicht und einfach zu langsam auf die Hauptgeschichte hinführt. Streng genommen beginnt die wahre Handlung erst nach ganzen 10 Minuten Einleitung, auch wenn diese wirklich schnell vergehen. Der ganze Teil im Sportzentrum ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen, auch wenn mir einige Dinge im Bezug auf Homer nicht gefallen und der Teil des Berliner – Mauer - Hüpfers auch nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Von der Charakterisierung her betrachtet wurde Homer in seiner kindlichen Art ganz gut getroffen, auch wenn er mir hier schon zu viel „Macht’s gut, ihr Trottel!“ Charme zeigt. Seine erneute Frage an Skinner degradiert ihn aber wieder sofort zurück zum Idioten, der sich nicht sicher ist, ob er in seiner kranken, psychotischen Traumwelt lebt, oder sich in der Realität befindet. Ein ausgezeichneter Witz ist der Carl Gag, einschließlich seines genialen Siegesgetues. Warum Homer sich wieder verletzen muß ist mir auch ein Rätsel, aber irgendwie muß man ja zur Hauptstory kommen und wie ja bekannt sein sollte finden es die Autoren und Produzenten unglaublich komisch Homer zu verletzen und zu demütigen.

# Na gut, es ist wohl zu spät #
Leider zeigt schon der 1. Teil die tiefen Narben, welche von S11 hinterlassen worden sind und so kommen wir wohl an Gummischuhen, die an Coyote Carl erinnern, der versucht damit den Roadrunner zu fangen und einem psychotischen Rainier Wolfcastle Verhalten, das auf eine sinnlos kindliche Lenny Reaktion folgt nicht vorbei. Dafür wird uns eine relativ nette Kontinuität geboten, denn sowohl Willies Schottenrock, der sich dezent hebt, als auch die Feststellung, das man schon so oft eine Operation hatte sind recht nette, wenn auch dezente Anspielungen auf vergangene Zeiten. Das man auch versucht den Schaden von S11 weiterzuführen und Apu mit seinen Kindern zeigt sehe ich auch eher positiv an, da man dazu steht und sich immerhin nur die sinnvollen Änderungen herausholen kann und damit vielleicht noch mal eines Tages netten Stoff für eine Folge bekommt.

# Ein Bär! – Mmm... Beeren... #
Nachdem Homer also genug gequält wurde geht es im Krankenhaus weiter, wo die Episode ziemlich absurd wird und stark im S11 Stil abläuft. Es schmerzt zuzusehen, wie Homer von Dr. Hibbert mit Morphium voll gepumpt wird und sich nochmals mit scheußlichem Sound den Fuß vertritt, nachdem ein Bär im Raum ist. Dies sollte den Anschein erwecken, dass Homer nur schreit das sich da ein Bär befindet um zu fliehen, was eigentlich nette Kontinuität gewesen wäre, doch dann durch den kompletten Cartoon Unsinn mit einem Witz, den man jede Woche bei Bugs Bunny und Co. sehen kann, zerstört wurde. Seine Traumerzählung mit Jetson finde ich auch nicht sonderlich komisch, sondern stellt wieder nur einen weiteren Fülleffekt in der Folge dar. Dann gibt es da noch Homers Schicksal, durch seine Krankheit bedingt nur auf der Couch zu sitzen. Auch wenn es in gewisser Weise auch bei kritischer Betrachtung noch lustig ist, wie schockiert Homer über sein durch die Krankheit verursachtes Schicksal ist, so hätte es mit einem freiwillig Sport treibenden Homer schon vollkommen gereicht. Das er aber seinen Charakter nur für diesen jämmerlichen, wenn auch funktionierenden Gag opfert finde ich enttäuschend. Auch die Tatsache, dass er Hibbert 2x fragt um zu verstehen, was los ist lässt das Fan Herz schmerzen.

# Homer, bist du das? #
In dieser Episode haben wir einen sehr komischen Homer, der irgendwo im Raum zwischen S12 und S2 Homer schwebt und das ganze noch mit unserem S11 Homer zu kombinieren weiß, doch dabei ist nicht so was besonderes herausgekommen. Zeigt er sich beim Sport treiben eher als fremder, neuer Homer, so kommt mir der fürsorgliche Homer schon sehr bekannt vor, was aber leider keine gute Nachricht ist. Bedauerlicherweise ist diese Sache nämlich so gedacht, dass Homer seinen wahren Charakter verbirgt, was bedeutet, dass die Verantwortlichen den debilen Wahnsinnigen namens Homer als neuen Standart ansehen und mich nach dieser Deutung so ziemlich alles meiner Hoffnung auf Besserung in der nächsten Saison aufgeben lassen. Diese Vermutung bestätigt auch Barney, der kommt um Mutter Marge zu fragen, ob ihr auf geistigem Niveau 10jähriger Homer zum Spielen herauskommen darf. Was ich von der Reaktion unserer Marge halte brauche ich wohl nicht näher zu erklären. Auch Homers psychisch absolut kranker Versuch mit den Haustieren, kombiniert mit dem – mir geht das Vokabular für wahnsinnig aus - irren Gesichtsausdruck, geben meiner aufgestellten These recht, dass Homer so sehr in seinem neuen Charakter aufgeht und - sofern nicht einer von uns die Produzenten ablöst - nie wieder der alte sein wird. Trotzdem mag ich Homer, wenn er sich um die Kinder kümmert, auch wenn er eher wie einer von ihnen wirkt, als wie ein ernst zu nehmender Erwachsener. Trotzdem wird er und sein Verhalten glaubwürdig dargestellt und lässt auch die Reaktion der Kinde nicht ungeklärt stehen. Es ist schon irgendwie eine Beziehungsfolge, die trotz allem Gag und eventueller Problematik im Story Aufbau einigermaßen funktioniert.

# Bart und Lisa #
Bart und Lisa und ihre Probleme, die Homer ihnen macht treten etwas zu spät auf, als ob sie nur noch zum Ende mit Homers Ausrasten führen sollten. Trotzdem wird durch die simple Szene auf dem Schulhof effektiv geklärt, wieso sie ihren Vater zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Ihr diabolisches Gelächter erinnert mich an Elfen - Wesen und wurde von mir deshalb bei Anschauen dezent ignoriert. Was mich aber am Bart und Lisa Problem stört ist irgendwie, das mir hier ein bißchen die Moral dahinter fehlt, da alles in allem doch die Aussage vertritt, das man fies und hinterhältig zum Ziel kommt. Gut, diese Moral hatte ich in „Das Bus“ kritisiert, aber man muß eben einen Mittelweg finden. Von Sozialkritik ist ebenfalls in der gesamten Episode nicht ansatzweise etwas zu finden, alles, woraus man kritische Aussagen treffen können hätte wurde zu simplen Witzen benutzt. Es wäre durchaus Platz für verschiedene Verhaltensmuster von Kindern und das Fehlverhalten der Erwachsenen da gewesen und man hätte sogar die selbe Story auf etwas dezenterem Niveau problemlos durchziehen können und eine B – Bewertung herausgebracht, wenn man schlicht und einfach etwas mehr Tiefgang in die Geschichte gebracht hätte und den Schwerpunkt der Darstellung in der Folge auf den Hauptteil gelegt hätte.

# Zwischen 2 Rauten fällt mir gerade nix ein, aber es geht um die Witze #
Mal von Standpunkt des „foll grass“ Fans betrachtet ist die Episode eigentlich auch weniger interessant, da eben trotz allem einfach die dazu erforderlichen Elemente fehlen – und das ist auch gut so. Trotzdem ist wie bereits erwähnt auch keine Sozialkritik zu entdecken, also was haben wir dann? Die Antwort ist, wir haben eine dieser typischen, an die Gelegenheitszuschauer, die fast alle Folgen kennen und am liebsten Huumer mögen, gerichtete Episode, die zwar keinen Tiefgang bietet, aber durch meiner Meinung nach durchaus gelungenen Humor über die fehlende Story hinweg tröstet. Diese stehen zwar hier und da einfach so im Saal, sind aber trotzdem stellenweise recht genial. Flanders „christliches“ Konzert, die spitzen Anspielung auf Hand Maulwurf oder die Show mit Bill Cosby sind echt spitze. Ebenfalls eine nette Wahrung der Kontinuität bieten Krustys Probleme mit den Zuschauern und die Maggie Erwähnung. Man sieht, dass die Verantwortlichen noch nicht alles vergasen, was einmal wichtig war, aber dennoch schon zuviel.

# Ich schau rein nach South Park #
Ich kann mir nicht helfen, aber Homers Selbstgespräch bei der Anweisung beim Basketball erinnert mich zwanghaft an Eric Cartman, der ein Selbstgespräch führt – als ob Dan ihn imitiert, denn Stimme und Betonung treffen fast 100%ig genau das Original. Wo wir gerade das Thema anschneiden, ist auch zu erwähnen, dass man auch in dieser Episode nicht von Widerlichkeiten verschont wird – ein ausreichender Ekeleffekt bietet Homers Wunden Ausdehnung über Ralphs Hand. Dieser steht völlig unbegründet im Raum und spricht zumindest noch ein bißchen den „foll grass“ Fan an.

# Schon wieder? #
Wieso muß Homer wie Helden in Kinderserien, wie z.B. Grisu, dem kleinen Drachen in so vielen Episoden einen anderen Beruf haben? Homer ist Sicherheitsinspektor in Sektor 7G und das soll auch so bleiben. Niemand kann so oft etwas anderes machen und niemand sollte so etwas in einer ernst gemeinten Zeichentrick Serie machen können. Wieso muß Homer GOTT mit der Faust drohen? Das ist wohl das schlimmste Anzeichen für unseren bösen Homer überhaupt. Alles in allem unterstreicht das auch bald die ganze Aussage der Serie, denn wie lange wird es noch dauern, bis Homer uns am Ende der Folge mit der Faust droht, sie zu mögen? Wieso müssen wir ständig sprechende Affen haben, der einzige der hier einen Affen hat ist unser geschätzter Produzent und vielleicht der Chef Ivar, aber sonst wohl niemand. Wieso mischt sich Marge eigentlich nicht ein, sondern lässt Homer immer mehr seinen Rausch der Dummheit ausleben und wieso lässt sie sich immer mehr von ihm kontrollieren? Warum müssen eigentlich entweder wirkliche Tode unserer Charaktere oder ganz knapp verfehlte Tode in beinahe jeder neuen Episode irgendwo im Vordergrund stehen? Wir sind 9 Jahre lang mit unserer Serie einigermaßen ausgekommen, wieso muß man das Konzept da noch ändern? Und zu guter letzt, wieso muß eigentlich der arme Fan, der zu Hause am PC sitzt immer und immer wieder über den zwar doch recht beliebten CBG verarscht werden und zum nörgelnden AOL User gemacht werden? Es ist einmal lustig, aber anstatt dumme neue Running Gags einzufügen, sollte man lieber die alten wahren. Eine solch große Anzahl an verfehlten Mustern kann selbst durch gut funktionierende Gags nicht ausgemerzt werden und darum funktioniert auch diese Episode in meinen Augen nicht.

# Die Vollendung #
So weit man die Episode immer noch trotz allen doch eher im Hintergrund wirkenden Problemen noch ansehen könnte wird sie am Ende zerstört, denn mit dem Augenblick, in dem uns der „wahre“ Homer, der böse, egoistische Vollidiot mit den psychotischen Problemen wieder heimsucht schlägt beinahe schon S11 würdiges Niveau ein und damit vollkommen über die Strenge. Homer rastet wieder mal aus und entführt die Kinder – und das nur um möglichst schnell die Episode zu Ende zu bringen, denn durch den ganzen Teil, der mit Einführung und Hinführung verschwendet wurde bleibt ja keine Zeit mehr. Also mal schnell eines der neuen Standart - Muster – das verrückt werden und ausrasten – anwenden und alles ist perfekt in winzig kleine Schächtelchen verpackt. Völlig ohne wahrscheinliche Folgen wird dann sogar noch ein annehmbares Ende dem „Fan“ angepaßt und nach beinahe schon alltäglicher Dummheitsglorifizierung von unserem Homer das Chaos beendet.

# Ich habe fertig #
Lassen wir mal die Fernsehteam Stelle, an der es zwar auch etwas zu kritisieren gäbe – wie Homers Behandlung von Bart und das miese Benehmen der Aufnahmecrew, sowie dem Buffet Müll – weg, dann haben wir eine Episode, die sich überraschend erfolgreich hinter ihrem Humor versteckt, jedoch meilenweite inhaltliche Schwächen aufweist und bis auf ein paar traurige Erkenntnisse, was unseren Homer angeht einen ziemlich schlechten Eindruck entstehen lässt, wenn man sich mal damit beschäftigt. Bei mir hat diese Episode auf jeden Fall beim Verfassen dieses Reviews ein komplett anderes Gefühl ihr gegenüber erschaffen: Hielt ich sie anfangs für heiteren Durchschnitt, sehe ich in ihr nun sogar eine der schlechteren der ganzen Staffel. In Anbetracht auf S11 und teilweise komplett storylosen Ablauf einer Episode gebe ich ihr auch aufgrund des annehmbaren Quatsch Faktors ein D. Und ich denke, dass diese Bewertung fair ist und ich nachvollziehbar gemacht habe, wieso das so sein muß. Eine Folge, die wieder mal versucht den Durchschnittsfan ganz seriös zum Schweigen zu bringen und damit leider auch noch Erfolg hat.

(c) 2001 Andreas Krösing