ULOC-Logo      
ULOC-Suche

 
Die Simpsons

Review von Andreas Krösing (veröffentlicht am 29.06.2001)

Praiseland bildet sozusagen die Fortsetzung zu „Alone Again“ und ist wie auch schon Teil 1 mit Vorsicht zu genießen. Wenn man Maude mag ist diese Folge die reinste Qual, da die Flanders – Rachel Sache fortgesetzt wird, wenn man „Alone Again“ mochte, dann wird man wohl auch diese Episode mögen. Wie aber auch schon der Vorgänger ist diese Episode ein wahrer Problemfall und wie immer werde ich erklären wieso.

# Am 8. Tag schuf er den Vergnügungspark #
An dieser Episode fällt zunächst ein mal der unübliche Anfang auf, denn die Episode beginnt auf einer kirchlichen Veranstaltung, mit Musik und Verkaufsständen. Dieser Anfang dient aber nur dazu, um ein paar Gags abzuleiern, Zeit zu stopfen und die eine der 2 Handlungslinien in Gang zu bringen. Flanders trifft nämlich Rachel wieder und bietet ihr, nicht zuletzt dank Homers Mitwirkung, an bei ihm zu schlafen, da sie kein Hotelzimmer hat. Bei Flanders im Haus sieht es allerdings aus wie auf einer Gedenkstätte, denn überall steht etwas von Maude herum, sogar eine Galerie voller Bilder im Flur. Auch im Schlafzimmer sieht es so aus, Ned hat sogar die Schlafkuhle von Maude versiegelt. Er will auf der Couch schlafen und Rachel in seinem Bett übernachten lassen und so verabschiedet er sich für die Nacht von ihr, und zwar mit den Worten „Good night, Maude, ähm, Maude, ähm, Rachel. Ähm, Maude!“. In der Nacht treibt ihn seine Sehnsucht nach Maude dann weiter und er beginnt Rachel die Haare zu schneiden, sodass sie die selbe Frisur hat wie – Maude. Danach geht Rachel und am nächsten Tag erzählt Ned den Simpsons von seinem Problem. Diese versprechen sein Haus etwas aufzuräumen, da er überall nur an seine Frau erinnert wird. Bart und Homer schmeißen also Neds gesamte Vergangenheit in so eine Kleinholz Maschine, die alles in winzig kleine Fetzen reist. Als Ned wieder nach Hause kommt ist er etwas schockiert, wie gut die Simpsons „aufgeräumt“ haben und als er sie gerade verabschieden will findet er ein letztes Stück, das Homers Tortur überlebt hat: Ein Zeichenblock von Maude. Dort entdeckt er nach einigem Herumblättern eine Skizze von einem Vergnügungspark, den Maude scheinbar vor ihrem Tod geplant hatte und beschließt nach Todds Vorschlag diesen zu bauen. Die Simpsons helfen ihm dabei und nur wenige Tage nachdem Ned das Gelände eines früheren Parks für seine Zwecke gekauft hat ist sein Werk vollbracht: Praiseland. Nach großem Andrang verschwinden die Besucher allerdings genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind, da ein christlicher Vergnügungspark mit all seinen Geboten und Verboten, sowie „Achterbahnen“ in denen einem Bibelfiguren etwas vorlesen natürlich nicht gerade Publikumsrenner sind. Als also alle gehen nimmt Ned eines seiner Souvenire – eine Maude Maske – und entschuldigt sich bei ihr. Da ihn die Maske „so ansieht“ wirft er sie auf den Boden und sie landet vor einer Maude Statue, von der sie dann langsam nach oben schwebt. Die Menschen haben dieses Wunder auch bemerkt und kehren in den Park zurück. Rektor Skinner bemerkt am eigenen Leib, dass man Visionen bekommt, wenn man sich zu Füßen der Statue legt und Homer macht prompt eine Attraktion daraus, für die er 10$ fordert. Ned ist erst nicht willig, doch als Marge ihm den Vorschlag unterbreitet, das Geld dem Waisenhaus zu spenden stimmt er zu. Nach einigen Visionen aber bemerkt Homer, dass das Gas des Grills nicht funktioniert und Ned stellt fest, dass die Leitung ein Leck hat – und zwar genau unter der Statue, an der Stelle wo man die Visionen bekommt. Das Gas ist also der Auslöser. Ned will dem Treiben ein Ende setzen, doch die Blicke der Waisenkinder bringen ihn zum Schweigen. Als aber die Kinder eine Kerze neben dem Gas anzünden und Homer und Ned die Kinder zur Sicherheit zu Boden werfen ist es aus. Die Gasexplosion wurde verhindert, doch die Menschen sind schockiert über das Verhalten gegenüber den Kindern und verlassen den Park. Schließlich muß Ned den Park schließen und trifft Rachel wieder. Diese kommt erneut mit zu Ned und er entschließt sich, endlich über den Tod seiner Frau hinwegzukommen und glättet die Schlafkuhle von Maude. Nach einem unsinnigen Homer Kommentar endet diese Episode. Soweit die Zusammenfassung, für all die, die diese Folge noch nicht kennen.

# Who Is Who In Springfield #
Wir werden zwar generell in neueren Folgen mit fatalen Fehlcharakterisierungen gequält, allerdings ist diese Folge mal wieder ein Meilenstein in diesem Gebiet. Ein selten dämlicher Homer, der mit Flanders total debil über ein Himmel und Hölle Spiel kommuniziert, alles Gesprochene nach labert, um es Flanders und Rachel während der Konversation mitzuteilen, oder sich mal wieder in die Liebesbeziehungen anderer Menschen einmischt. Außerdem ist er wieder der totale Idiot, in Szenen, in denen er mit einem riesigen Eis gegen eine Stromleitung rennt, oder schlicht und einfach wahnsinnig und kindisch idiotisch lachend davon rennt. Ein wahres Anzeichen für seine nur mit einem bösen J - Wort beschreibliche Gemeinheit und Gefühllosigkeit ist sein respektloses und gefühlskaltes Vernichten von Flanders Erinnerungen, die ihm offensichtlich viel bedeuten. Eine fehlcharakterisierte Marge kennen wir schon lange, auch wenn ihr Charakter nicht unbedingt so verändert, sondern vielmehr nur falsch ausgelegt wurde, als sie über Flanders lacht (man vergleiche „Der Wettkampf“ und Flanders Brief „Ich liebe Sie!“). Ein wirkliches Problem steckt aber in Ned Flanders, der sich im Laufe der Jahre sowieso etwas stark entwickelt hat. Nehmen wir mal Flanders in „Es weihnachtet schwer“, wo er nur den spießigen Nachbarn, der reicher und besser dran ist, als Homer, damit aber nicht weiter protzt. Schon dort ist es ein wahrer Familienkerl (vgl. Rodd Szene), aber eben noch nicht der diddly prächtige Christ, der er einmal geworden ist. Trotzdem widersprechen sich diese beiden Charakterisierungen nicht, sondern ergänzen Flanders vielmehr in so weithin, dass wir ihn alle gemocht haben und seine Handlung nachvollziehbar wurde. Dann änderte sich allerdings alles nach einem Ausflug nach LA$ VEGA$. Flanders litt schließlich am immer wachsenden schlechten Einfluß seines Nachbarns und beging seine erste Dummheit. Glücklicherweise endete sie im Chaos, was Flanders zunächst einmal wieder zurückwies. Trotzdem war die Hemmschwelle gebrochen und man konnte völlig neue Dinge mit Flanders anstellen, so dass er langsam vorbei an christlichen Ausreden für unchristliche Taten hin zu einem Witwer, der kaum wahre Trauer in Anbetracht auf seine dahingeschiedene Frau zeigte. Trotz Referenzen auf Maudes Schicksal an einigen Stellen, bemerkte man nie irgendeine wirkliche Änderung im Leben Flanders, bis er in dieser Folge plötzlich schlagartig zurück in die Vergangenheit gedrückt wird und ein wahrer Fanatiker seiner Frau geworden ist, was wiederum auch falsch ist, da er genau der Typ ist, der an das paradisische Leben im Einklang mit Gott und der Welt nach dem Tod glaubt. Hier aber lebt er in einer Galerie voller Maude Gesichter, was zwar immerhin zeigt, dass er nicht gefühlskalt ist, aber – Symbol hin oder her – absolut blödsinnig und übertrieben ist. Es ist nicht sein Typ so etwas zu tun und es ist ebenso nicht sein Typ nachts mit der Schere an jemandem zu vergreifen, nur um eine Maude Kopie zu erzeugen. Er liebt nun Maude und er liebt Rachel, aber scheinbar will man uns nur eine Maude Kopie vorsetzen, wer weiß, bald kaufen sie noch Maggie Roswell zurück, um Rachel zu sprechen... Neds absoluten Wahnsinn kann man einfach nicht nachvollziehen und selbst die kleinen Details, die nur als Witze geplant waren lassen einem den Geschmack der Episode vergehen. Warum muß er Rachel denn unbedingt Maude nennen, wenn er schließlich den Raum verläßt? Gut, es kontrastiert stark den Schluß der Episode, aber wieso muß das denn sein? Nein, die ganze Ned Charakterisierung geht mir gehörig gegen den Strich. Das einzige, was uns diese Hardcore – Charakteristik bringt ist wohl ein einigermaßen nachvollziehbarer Hintergrund, warum Ned so an Mama Flanders Willen harrt, denn sein Verhalten wird daraus immerhin ein bißchen verständlich, wenn natürlich trotzdem nicht charaktertreu. Ja, man bekommt tatsächlich den Anschein, dass die Produzenten sich dahinter verstecken wollen und durch ihre Art der Symbolik ein Motiv suchen. Leider erfolglos, denn ich glaube sogar der Gelegenheitszuschauer wird das als sehr merkwürdig abtun. Immerhin haben wir einen CBG in Topform und annehmbare Nebencharaktere, wie Chief Wiggum und Agnes Skinner, auch wenn sie heute scheinbar alle auf dem Witz Trip sind, denn wieso sollte Moe ein Wortspiel machen und es dann erklären, oder Chief Wiggum absichtlich alle erheitern?

# MEEP – MEEP sagt der Roadrunner #
An Comic Effekten bietet uns diese Episode auch einiges, denn sei es Homer, der mit einen abnormal großen Eis an eine Stromleitung läuft, Frink, der aus einer Kuh Eis gewinnt und danach noch getreten wird, oder Hibbert, der seine Behandlungsmethoden nun denen seines Kollegen Dr. Nick angepaßt zu haben scheint offenbart diese Episode wieder haufenweise Unsinn, auf den man selbstverständlich wieder komplett verzichten könnte. Auch völlig unrealistische Tatsachen werden dem hilflosen Zuschauer vorgesetzt, so ist es heute mal ganz natürlich, dass 7 Leute einen Vergnügungspark aufbauen und betreuen, für diese Zeit von der Arbeit bzw. Schule freigestellt sind und mal eben ein bißchen Gas auf alle Gemüter gleich wirkt und eine Maske 3 m hoch schweben lässt. Natürlich... Übrigens ist es ganz logisch, dass Homer mal am Fenster hängt und mal unterm Bett des Nachbarn liegt, wenn ihr das nicht alle ab und zu mal macht, dann stimmt mit euch was nicht...

# Ha, ha... #
Wirklich gelacht habe ich bei dieser Episode nie, auch wenn einige komische Stellen und ein nettes Wortspiel vorkommen. Letzteres wird uns in der Übersetzung aber wohl vorenthalten, da es auf „faith – face“, also Glaube und Gesicht anspielt. Recht gelungen finde ich das, denn es ist im Dialog zwischen Ned und Nelson. Schmunzler befinden sich auch an einigen Stellen, wie zum Beispiel unser Quimby, der überraschend gut charakterisiert wurde und seine Standart Ansprache hält, oder eine Achterbahn, in denen aus der Bibel gelesen wird. Ebenso gut gelungen finde ich Lisas Kommentar „We’re the neighbours and we don’t think“, sowie den tollen Dialog zwischen Flanders und dem Besitzer und die Vision des CBGs. Auch Barts Idee Todds Zahn für Hexerei zu benutzen ist nett und die Entdeckung unser Marge, dass manche Fetischisten 3 paar Schuhe besitzen. Flanders Anfrage bei der Gasfirma, wie giftig, denn ihr Gas sei, finde ich allerdings schmerzhaft und sollte eigentlich noch oben bei der Fehlcharakterisierung aufgeführt sein. Gut, viele werden auch das lustig finden, bzw. sich von den Fehlcharakterisierungen nicht vom Humor abbringen lassen, aber wahren Fans wird jeglicher Spaß an dieser Folge recht zunichte gemacht.

# Vor hundert Jahren sah die Welt noch anders aus... unsere Kontinuität #
Dieses mal bis zum Schluß aufgehoben habe ich mir den Kommentar zu Kontinuität, da das prinzipiell erst mal diskutiert werden müßte. Wir haben also einen Bruch in der OFF Kontinuität in Staffel 11, der uns eine wichtige Nebenrolle klaut und wir haben die trotzdem erfolgende Weiterführung der Sendung. Also, was ist dann Kontinuität? Sieht man alles, was von den goldenen Jahren abweicht als Schlag an, so wird man absolut keine Freude an dieser Episode haben, schaut man allerdings mal nach den guten Zeichen, so sieht man, dass die Autoren aus ihren vergangenen Sünden immerhin noch etwas machen. Es scheint mir so zu sein, als hätte mit S11 eine neue Ära begonnen, die uns etwas mehr in die Welt der Comics, aber auch mehr in eine neue Fortsetzung der alten Gegebenheiten und anderen Figuren mit anderen Verhaltensmustern geführt hat. So betrachtet geht es sogar bergauf mit unserer Serie, da man das von vielen kritisierte, voreilig abbrechende Rachel – Ned Szenario noch einmal aufgegriffen hat. Na gut, man hat keine riesige Story daraus gemacht, aber sonderlich ergiebig ist das ja auch nicht, also lieber am Rande praktizieren. Ich zumindest finde es nett, dass man seine Taten immerhin noch weiterführt und nicht das Chaos stehen lässt. Um an Chris Hausmetapher zu erinnern, vergleiche ich das mal damit, dass man versucht die eingestürzten Wände wieder neu aufzubauen. Sie werden nie mehr die Pracht von früher haben, aber eventuell eines Tages wieder stehen.

# Ein letztes Problem... #
Ein letztes Problem sind für mich noch gewisse Elemente in der Story, so sind mir die Wendungen zu offensichtlich subtil ausgeführt und die Geschichtsstränge zu schlecht vereint. Rachel nur als Rahmen für die Handlung zu nehmen ist recht enttäuschend, davon hätte ich beinahe mehr erwartet. Die Waisenkinder so plötzlich herzuziehen ist für mich ein klares Anzeichen dafür, dass der Autor überhaupt kein Konzept im Kopf hatte, sondern plötzlich die Idee hatte und sie in einem einzelnen Satz erklärte. Auch die komplette Idee mit dem Wunder erscheint mir etwas aufgebauscht und künstlich und vor allem stören mich die 2 Visionen, auch wenn eine recht genial ist. Trotzdem sind sie selbstverständlich nur als Zeitfüller vorhanden, genauso wie der Anfang, der wie der klassische Mittelteil strukturiert ist abläuft. Ich finde die Sache mit dem Vergnügungspark hätte wesentlich besser aussehen können, aber mit solchen Parks haben unsere Simpsons leider noch nie viel Erfolg gehabt. Die Erklärung mit dem Gas finde ich sehr unbefriedigend und vor allem ist mir die Folge viel zu leer, was die Story betrifft. Auch das Ende erscheint mir als zwanghaft herbei geleitet und zu konstruiert.

# Wir wollen nicht ertrinken, unser Boot könnte vielleicht sinken... #
Was wir also insgesamt haben ist ein unter durchschnittliche Episode mit Anzeichen von Kontinuität, wenn auch dieser Art, die nicht jedem gefällt. Neben grausamer Charakterisierung und mieser Story bleibt uns dieses mal nicht mal anständiger Humor und genau das ist es, was es mir so unheimlich schwer macht eine anständige und faire Bewertung zu finden. Die Idee alleine ist nicht viel wert und somit gebe ich dieser Episode ein D-, auch wenn ich hier stark zu F+ neige. Trotzdem brauchen wir Steigerungen und somit empfinde ich die Einstufung in „unteren Durchschnitt“ als gerecht, wenn die Episode nicht sogar gut damit wegkommt. Wieder mal kein Glanzstück in der Staffel 12 Kollektion, aber immerhin mit ein paar wenigen Lichtblicken was die Kontinuität betrifft.

(c) 2001 Andreas Krösing