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Die Simpsons

Review von Sebastian Sproesser (veröffentlicht am 29.04.2001)

Ist diese Folge jetzt gut oder schlecht? Ich weiß es nicht so recht. Aber zuerst mal die grobe Story mit kleinen eingeworfenen Randbemerkungen. Eine Anmerkung vorweg: Die story ist in 3 Segmente unterteilt. Homer's Day, Lisa's Day und Bart's Day. d.h. man bekommt dieselbe Story 3-mal aus verschiedenem Blickwinkel mit:

Grob gesagt geht es darum, dass Homer seinen Daumen aus Versehen von Marge abgeschnitten bekommt (beim Kuchenschneiden - mit ekeligen Blut-Effekten auf Augenverkrustungs-Niveau) und diesen möglichst schnell wieder angenäht bekommen will. Leider kann/will Dr. Hibbert das nicht machen (wenn ich's richtig verstanden habe, weil Homer nicht ausreichend versichert ist). Dr. Nicks Praxis ist abgebrannt und Homer macht sich auf den Weg ins Shelbyville-Krankenhaus.

Das zweite Segment dreht sich um Lisa: Sie verpasst den Schulbus (es findet dort die prämierung eines Wissenschaftsprojekts statt) und ihr Rad ist nicht da. Deshalb rennt sie (ganz im Stil von Lola rennt) dorthin. Krusty (bzw. sein Affen(!)-Chauffeur) hätte sie beinahe angefahren und nimmt sie deshalb mit - leider in die falsche Schule, wo lisa sich vor einer Französischklasse blamiert (ein IMO genialer Franzosen-Gag). dann lernt sie einen netten Jungen kennen, muss aber schnell weiter, um es rechtzeitig zur Prämierung zu schaffen. Sie trifft unterwegs Marge und fährt mit ihr mit. Plötzlich geht vor ihnen ein Gullydeckel auf und Bart schaut raus. Schnitt. Anfang des dritten Teils.

Bart und Milhouse entdecken im Wald in einer Höhle Feuerwerk. Sie sprengen einiges und werden von Chief Wiggum erwischt. Um keinen Ärger zu bekommen, müssen sie Fat Tony des Feuerwerkschmuggels überführen. Fat Tony enttarnt sie und sie flüchten - ja - durch einen Gully :) Die folge endet dann damit, dass Fat Tonys Kumpan zufällig Mafia-Arzt ist und Homers Daumen wieder annäht.

Die Floge ist IMO sehr kurzweilig und wird nicht langweilig. Da sie auch von dem üblichen Simpsons-Ablauf abweicht, ist sie auch ziemlich erfrischend. störend daran ist eigentlich nur die Daumen-Geschichte... die aber massiv. Aber da das Ganze wenigstens noch halbwegs realistisch abläuft und kein purer Cartoon- gag um des Gags willen ist, sondern richtig zur Handlung beiträgt, ist das IMO verzeihbar.

Vor allem muss man den Autoren IMO sehr hoch anrechnen, dass die folge (trotz der Möglichkeiten) nicht zu sehr ins Cartoonige abdriftet und viel durch Verknüpfungen wettmacht, die zu Beginn noch nicht so klar waren. (Nur ein sehr kleines Beispiel: im zweiten Segment bemekt Lisa, dass ihr Rad fehlt und im dritten erfährt man, warum.)

Fazit: Die folge übertrifft meine Erwartung bei weitem. Ich mag sie, weil sie mal was anderes ist (im "Verwirrungsstil" wie z.B. Pulp Fiction oder auch Snatch). Deshalb gebe ich persönlich eine 2-3.



Review von Chris Pfeiler (veröffentlicht am 03.05.2001)

Wäre ich jetzt wirklich nur noch absolut voreingenommen gegenüber den neuen Simpsons und würde jede aktuelle Folge gleich automatisch als ultraschlecht ansehen (wie mir viele Leute ja gern unterstellen) dann wäre ich jetzt in einer echten Zwickmühle. Zum Glück kann ich gute Folgen aber noch immer durchaus fair von Schlechten unterscheiden - und diese spezielle Folge hier ist für die Verhältnisse oberhalb von S10 verdammt gut.

Sobald man das Konzept verstanden hat (das ja am Anfang nicht gleich ersichtlich ist) entdeckt man eine in ihrer Form zwar kuriose aber sehr gut durchdachte und strukturierte Folge mit nur wenigen und eher kleinen Schwächen. Die erste Schwäche ist natürlich die überzogene und effekthascherische (lange nicht mehr gesagt ;-)) Splatterszene mit dem Daumen, aber sie ist nicht mal so schlimm wie ich erwartet hatte und an Blut ist man ja in S12 durchaus gewöhnt, die Szene mit dem platzenden Bauch und dem Gesplatter in "Worst Episode Ever" fand ich da noch mehr daneben.

Die Nahaufnahme des zuckenden Daumes ist trotzdem genauso unnütz und Fehl am Platz wie die Slapstick-Jagd-Szenen mit SLH aber es hätte schlimmer kommen können und ein abgeschnittener Daumen blutet nunmal (von der Beschreibung her hatte ich irgendwie erwartet daß Homer total überzogen die ganze Küche mit Blut vollspritzt was ja dann doch nicht passiert) und demzufolge ist die Szene und die Fahrt zum Krankenhaus ja eigentlich eher ein Schritt zur Realität hin. In S11 hätte Homer den fehlenden Daumen vermutlich ignoriert oder er hätte versucht ihn mit Tesafilm anzukleben oder ähnlicher Unsinn.

Wenn einem die Szene die Folge nicht verdorben hat, dann erwartet einen eine ganze Reihe von durchweg gelungenen Jokes und intelligenten Film-Referenzen in einer durchweg gut strukturierten Handlung die sich deutlich vom leeren cartoonigen Einerlei und dem Gag-in-a-row-Feeling vieler anderer S11/12-Episoden unterscheidet. Nicht wirklich Homer-zentrisch (auch wenn sich letztlich alle Handlungsfäden wieder bei ihm vereinigen) und mit guten Auftritten von z.B. Dr. Nick, Rainier Wolfcastle, Cletus und Fat Tony wird die Episode eigentlich in keiner Sekunde langweilig oder verliert den Faden.

Die Charakterisierung ist für moderne Verhältnisse so ziemlich bei allen in Ordnung und nur bei Marge ist man einige Male etwas irritiert, etwa beim Autoklauen (was aber im ersten Fall Homers Idee war) oder als sie Homer einfach bei Moe sitzen läßt um Lisa zur Schule zu fahren. Da sie sich aber in einer Notsituation befindet und da wir bei Marge schon ganz andere "Extremreaktionen" gesehen haben ist ihr Verhalten durchaus akzeptabel. Barney und sein Kaffee stellen eine gute und nicht zu aufdringliche Kontinuität dar.

Neben dem Gesplatter, ein paar wenigen Jokes unter der Gürtellinie und der Affen-Nummer bei Krusty (es gibt Schlimmeres) gibt es nur noch eine echte Schwäche der Folge und das ist der Schluß denn bei einer derart gut durchdachten und in sich logischen Handlung hatte man irgendwie einen intelligenteren und nicht so erzwungenen und aprupten Schluß erwartet, aber das ist gerade noch so akzeptabel. Mr Teenys Kommentar war total unnütz und speziell im Bezug auf diese Folge wirklich unpassend (es gibt etliche unkommentierte Folgen die weit weniger Sinn haben) und man hatte das Gefühl das unbedingt noch ein gezwungener Seitenhieb auf a.t.s rein mußte und das wird langsam langweilig und war noch nie besonders lustig.

Fazit: IMHO die wohl bisher beste S12-Folge (zusammen mit "Hungry Homer" und "Jackanapes") und darüber hinaus sowieso besser als die ganze S11. Vor ihrem Vorbild "22 Shortfilms" braucht sich die Folge auf keinen Fall zu verstecken auch wenn sie an dieses Meisterwerk nicht wirklich heranreicht. Dummerweise kommt eine solche Perle gerade nach dem tiefsten Qualitätsloch in S12 und den bitteren Nachgeschmack von...würg..."Bye Bye Nerdie" und "Simpson Safari" kann sie nicht so ganz vertreiben, außerdem wird der Rest von S12 diesen hohen Standard wohl kaum halten. Trotzdem gibt einem die Folge Hoffnung auf die Zukunft und sei es nur für einen kurzen Moment vor dem nächsten Schock, daher glatte Note B.

Chris

P.S. Vielleicht habe ich es nicht mitbekommen, aber warum müßen Bart und Milhouse eigentlich nicht zur Schule so wie Lisa? Oder machen die beiden blau? Oder wird das gar nicht erklärt? Wenn das gar nicht erklärt wird, dann korrigiere ich meine Note sofort auf eine glatte Note F ;-)



Review von Andreas Krösing (erstveröffentlicht am 11.05.2001)

Eine der besseren Episoden dieser Staffel, da sie gut durchdacht ist und einen interessanten Ablauf hat. Die Folge ist, wie es der Name schon sagt, in 3 Segmente eingeteilt, die aber alle zur selben Zeit spielen und sich somit auch überlappen. Homer, Lisa und Bart werden in jedem Teil einen Tag lang begleitet. An diesem Tag passieren einige zunächst unerklärliche Dinge, die sich aber nach und nach in der Episode (in einem anderen Segment) aufklären, was der Episode einen ziemlich interessanten Stil verleiht.

Hat man erstmal die berüchtigte Szene mit dem Daumen hinter sich gebracht, die IMO ziemlich widerlich aber dennoch einigermaßen realistisch ist (auch wenn der Daumen mit einem kleinen Schnitt gleich ganz ab ist und auf dem Kuchen herumzappelt...), kann man eine recht anständige S12 Episode genießen. Die Charaktere wurden zwar nicht auf dem guten alten Niveau getroffen, aber verhalten sich einigermaßen normal. Homer ist anfangs wieder ein richtiger Trottel, was die Szene mit Lisa beim Frühstück bestätigt, aber fordert es immerhin nicht heraus verletzt zu werden, so wie er es in einigen anderen Episoden macht. Er zeigt sogar wieder einige Gefühle, auch wenn sie natürlich wieder nur von egoistischer Natur sind. Marge schlägt an einer Stelle vor, die Geschichte mit dem Daumen auf Bart zu schieben, das finde ich recht unpassend. Auch die Tatsache, dass sie ein Auto klaut, nur um Lisa in die Schule zu fahren paßt nicht wirklich zu ihr, aber an Tagen wie diesem... Die Sache mit dem bösen Martin wirkt etwas überzogen inszeniert, aber nicht unbedingt unpassend auf seinen Charakter. Eine klasse Anspielung auf Nick Rivieras Inkompetenz bietet gleich ein genialer Joke, der auf das unlogische "inflammable" anspielt, doch was Ivar daraus macht... Wahrscheinlich "brennbar heißt brennbar" oder sowas, das ist ja wieder eine englische Eigenheit, aber Angst vor dem Tag der Synchro habe ich jetzt schon.

Ganz lustig ist die Sache mit dem Roboter, der die Grammatik kontrolliert. Auch ein guter Joke ist der Teil, indem Homer den Roboter wörtlich nimmt und ihm Bier gibt. Marges Telefongespräch mit Wiggum fand ich anfangs recht seltsam, doch es ist immerhin wichtig für die Story, also geht das in Ordnung. Lustig anzusehen an dieser Episode ist der Anhalter-Versuch von Homer, der Teil in dem Barney Kaffee in Homer schüttet wirkt hingegen wieder etwas überzogen. Daneben finde ich aber eindeutig die Sache mit SLH, der Homers Daumen entführt und dann von Homer (auch etwas comichaft) verfolgt wird. Die Tatsache, dass Homer gleich im Haus der Flanders herumwüten muß, finde ich etwas fehlpositioniert. Auch die Tatsache, dass eine Höhle ohne Übergang in die Kanalisation aus einem Gullideckel herauskommt ist etwas seltsam, genauso wie eine ganze Menge im 3. Segment. Trotzdem muß es natürlich solche Zufälle geben, damit die Episode funktioniert und ich werde die Episode deshalb nicht schlechter machen, oder niedriger bewerten. Fraglich im letzten Segment bleibt aber, wieso Homer innerhalb weniger Sekunden zu seiner Familie und den Mafiatypen gefunden hat. Die letze Enttäuschung bietet wohl das Ende, das eigentlich mit Marges Kommentar vollkommen annehmbar gewesen wäre, jedoch durch den Affen unnötig sinnlos ausfiel. Schlimmere Cartooneffekte: Ein Auto fahrender Affe, der "Müllwagen", Barts Wecker Ein Schritt in die Welt der Nicht-Cartoon-Effekte bietet immerhin die Einstellung, das Barts Raketenfahrrad nicht funktioniert hat. (In S11 hätte es Bart wahrscheinlich benutzt um Superheld zu werden und auf dem Mond gegen die Käsekolonisten zu kämpfen ;-))

Meine Bewertung dieser Episode: B