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Die Simpsons

Review von Andreas Krösing

CABF05 ist ein absolutes Musterbeispiel dafür, wie unglaublich leer eine Folge sein kann, hätte ich mir keine Notizen gemacht wüßte ich jetzt nicht, was ich schreiben soll, aber auch mit Notizen ist es schwer, da fast gar nichts zusammengekommen ist. Diese Folge hat eine dermaßen lahme, und daher öde Handlung, dass dem Zuschauer danach gar nicht bewußt ist, was er in den letzten 22 Minuten gemacht hat, man hat nicht wirklich das Gefühl eine Folge gesehen zu haben. Während man andere Folgen noch Wochen danach zitieren oder zumindest nacherzählen kann vergißt man bei CABF05 schon Minuten danach, worum es eigentlich ging.

Aber genau, worum ging es eigentlich? Bevor ich es wieder vergesse mal lieber zu Papier damit: Marge lernt einen Häftling kennen, der wie ihr scheint künstlerisches Talent hat und beschließt dies zu fördern. Schließlich zieht er bei ihr ein und sie beschafft ihm einen Job in der Schule. Währenddessen macht Homer in der Garage eine Klinik auf und heilt alle mit seiner Mülltonne. Gegen Ende stellt sich heraus, dass der Häftling doch böse ist, weil er seinen Streit mit Skinner auf böse Weise austrägt und Homers Klinik wird sabotiert.

Was soll ich groß sagen, die Folge war glorreich leer. Mir gefällt nicht, wie die Story hinkt und scheinbar alle Beteiligten mit sich zieht und mir gefällt nicht, wie der Subplot gesetzt ist. Eine Episode, die sich mit Marges Idealen und ihrem Glauben beschäftigt sollte etwas mehr Charaktertiefe bieten, doch anstatt dessen haben wir ein paar absolut flache Charaktere, die nicht nach mehr als einfachen Cartoon Figuren wirken. Ebenso cartoonig sind eine Vielzahl der Gags, alles wirkt so unecht und unrealistisch und auch einer dieser uralten langweiligen Kleinkinder Gags aus Tom & Jerry und Co. ist mit drin: das zugeklappte Bett, in dem jemand eingeklemmt wird. Alleine dieser bescheuerte Gag kann den kritischen Zuschauer schon aufregen, das ist wieder mal so richtiger Blödsinn, der uns da vorgesetzt wird. Noch nie hatte die Familie solch ein Bett, es hat keinen Sinn und keinen Zweck, aber ist da um blöd bzw. für die „foll grassen“ Fans lustig zu sein.

Dem ganzen setzt das triefende Blut nochmals einen drauf, auch wenn es sich nur um Saft handelt. Dennoch mieser S11 Stil. Die ganze Folge läuft dermaßen ungeordnet und chaotisch ab, man fühlt sich wirklich nicht mehr wie in Springfield, ich kann nicht sagen wieso, aber alleine der Ablauf schreit schon danach wie schlecht diese Folge ist. Dieser ganze chaotische und cartoonige Teil am Anfang bis zum Rodeo, der S11 Stil im Gefängnis, die seltsamen Figuren und, und, und... alles scheint an dieser Episode zu stören.

Die Gags sind allesamt dermaßen lasch, dass sie meistens nicht einmal für ein Grinsen ausreichen, gerade mal der Witz mit der Lüge von Jack und der Tafelgag (blickt aber eh keiner mehr) lassen den Zuschauer schmunzeln. Vielleicht ist auch noch der Wächter im Gefängnis komisch (auch wenn er ein typischer Neustaffel Charakter ist), aber das war’s dann wirklich an Humor. Ansonsten bloß hohler, leerer Mist. Wenn es keine Gag - Folge ist, was ist es denn dann für eine? Keine Botschaft, keine Satire, keine Moral, keine Gags, eigentlich gar nichts. Pokey Mom versucht eine Charakterfolge zu sein, versagt darin allerdings auf voller Ebene, auch wenn die Staffel in diesem Bezug noch schlimmeres zu bieten hat.

Von der „Familie“ ist absolut nichts zu spüren, auch die Tatsache, dass Homer gar nicht merkte, dass Jack bei ihm wohnt zeigt, dass die Familie nichts mehr miteinander zu tun hat, richtig unglaubwürdig ist alles geworden.

Die Kontinuität von Marges Talent ist eine nette Idee und auch sonst klingt die Story vielversprechend, aber leider passiert eben nichts wirkliches. Es ist weder das extreme Szenario, noch eine erfolgreiche Parodie oder sonst etwas. Nichts, einfach nichts.

Der Subplot mit Homer ist dermaßen lasch und vertritt weiterhin alle Vorurteile gegenüber neuer Staffeln, die es so gibt, zum Beispiel die des „arbeitslosen“ Homers. Die Garage, wenn man das schon hört... Homer macht dies in der Garage, Homer macht das in der Garage, Homer ist „Benjamin Blümchen als...“ und nicht mehr.

Der Gag mit dem Eis ist seltsam und bescheuert und der ganze Schluß gerät komplett außer Kontrolle und zieht die ohnehin schon schlechte Folge noch weiter nach unten. Der Enddialog mit Wiggum und Jack ist die Krönung der miesen Folge, er weist ebenfalls nochmals auf diese komische „Wir sehen nur einen Teil einer leeren Geschichte“ Sache hin. Es kommt einem vor, als würde man eine Sendung im Stile von „Big Brother“ ansehen, man hängt ständig an den Figuren, aber nichts passiert.

In diesem Sinne kann ich nicht mehr sagen, ich habe mich auch so schon soweit wiederholt. Die Episode ist lahm, die Charaktere flach, die Botschaft nicht vorhanden und die Gags öde, also was haben wir unterm Strich? Leere und unansehnliche Folge, die sofort wieder vergessen ist, aber auch keine schlechte Erinnerungen die bleiben. Einmal ansehen, um sie gesehen zu haben wird jedem reichen, keinesfalls Material für eine Folge zum immer wieder ansehen.

Wieso alle Titel von Ivar keine richtigen deutschen Worte sind, zumindest keine, die Microsoft Word als solche anerkennt, weiß ich auch nicht. Egal. Auf jeden Fall bleibt zur Synchronisation zu sagen, dass ich telefoniert habe und morgen alles nach reiche.

SCHLECHT                                 GUT

[ ][X][X][X][X]  GESCHICHTE  [ ][ ][ ][ ][ ]
[ ][X][X][X][X]   STRUKTUR   [ ][ ][ ][ ][ ]

[ ][ ][ ][ ][ ]     IDEE     [X][X][X][ ][ ]
[ ][ ][X][X][X] INSZENIERUNG [ ][ ][ ][ ][ ]

[ ][ ][X][X][X]   THEMATIK   [ ][ ][ ][ ][ ]
[ ][ ][ ][X][X]  CHARAKTERE  [ ][ ][ ][ ][ ]
[ ][ ][ ][X][X]     GAGS     [ ][ ][ ][ ][ ]

[ ][ ][ ][ ][ ] IVARISIERUNG [ ][ ][ ][ ][ ]
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[ ][ ][X][X][X]    GESAMT    [ ][ ][ ][ ][ ]

PROZENT: 30 %
NOTE:    D-


Review von Chris Pfeiler

Und wieder ist es Zeit für S12 - jetzt zum Glück nur noch einmal pro Woche neue Folgen.

Ich denke heute haben wir eine Folge die für beide Gruppen von Fans eher enttäuschend ist - dem Fan moderner Folgen ist sie viel zu langsam und unwitzig und dem Fan klassischer Folgen bietet sie einfach keinen echten Tiefgang oder Handlung sondern bleibt sitcomig oberflächlich mit dem typisch unfertigen Schluß. Aber mal der Reihe nach...

Fangen wir gleich mit dem Negativen an.

Die Handlung hat IMO sehr starke Mängel bezüglich Motivation und Dynamik und plänkelt deshalb ohne konkretes Ziel auf recht spaßlosem Sitcom-Niveau vor sich hin. Die Charaktere bewegen sich einfach nur unmotiviert von Dialog zu Dialog und es ist nicht wirklich erkennbar das sich das ganze dynamisch als Storyline entwickelt. Die Handlung läuft auf einer viel zu flachen Linie ab und endet abrupt und ohne echte Auflösung (zum alten Thema "Schluß" später mehr).

Im Gegensatz zu klassischen Folgen bei denen oftmals der komplexere Hintergrund einen Mangel an Humor entschuldigt hat haben wir hier auch keinen echten Hintergrund. Die Botschaft der Folge ist völlig unklar und Jack Crowley selbst bleibt als Charakter viel zu flach um irgendwie glaubwürdig zu wirken. Was will uns die Folge denn sagen? Ex-Sträflinge bleiben immer stereotype Kriminelle? Vom Ursprung der US-Gesellschaft und den Vorurteilen den Spiegel vorzuhalten ist diese blasse Nummer meilenweit entfernt. Der Humor ist IMO auch nicht wirklich zurückgenommen um der Handlung den Vorzug zu geben sondern die meisten der simplen Jokes funktionieren schlicht und einfach nicht.

Da so ziemlich alle der Jokes flach fallen und nicht funktionieren kann man nicht mal von joke-in-a-row sprechen, heute trifft vielleicht eher talk-in-a-row zu. Ob leicht cartooniger Slapstick (Homer beim Rodeo) oder recht einfallslose Sitcom-Sprüchlein ("There´s no air in space" - "There´s air in space museum") oder Material das auch nach wiederholter Anwendung nicht witzig wird wie z.B. die Sache mit dem Sundae-Eisbecher - die Jokes zünden nicht und plänkeln genau wie die Story auf wenig ansprechendem Niveau dahin. Mit dem sprühenden Witz und der Tiefgründigkeit klassischer Stories und Jokes hat diese sitcomige Nullnummer nicht mehr viel zu tun.

Der Schluß ist natürlich wie üblich ein weiterer Kritikpunkt und es ist im Grunde gar kein Schluß zu erkennen. Die Handlung endet so ziellos und motivationslos wie sie 20 Minuten lang war ohne auch nur die Spur einer Auflösung oder Botschaft zu haben. Jack hat Marge angelogen. Marge ist sauer. Jack und Chief Wiggum lassen ein paar banale und sinnlose Sprüche ab. End of Story. Wenn dann der Abspann läuft fragt man sich doch ernsthaft um was es eigentlich ging und warum die Handlung jetzt auf einmal zu Ende ist, oder? Der Schluß zeigt hier aber weder Absicht noch irgendwelche fiese Selbstironie - der Schluß zeigt einfach nur (und ich sage es jetzt hart) Unfähigkeit der Autoren.

Wenden wir uns noch kurz dem Homer-Subplot zu und rekapitulieren mal die Handlung: Homer fällt über eine Tonne und wird von seinem Rückenleiden geheilt worauf er mal eben eine eigene Klinik in seiner Garage eröffnet in der er andere Leute über die Wundertonne schubst. Die Sache geht nur so lange gut bis ein paar limbotanzende Chiropraktiker vorbeikommen und Homers Wundertonne mit Wirbelsäulen zu Klump schlagen. End of Story. In den früheren Staffeln hätte man bei sowas wohl abgeschaltet aber in S12 ist die Nummer ja fast noch harmlos wobei hier kurioserweise sogar noch eine dünne Satire zum Thema überbezahlte Chiropraktiker zu finden ist. Die Sache ist aber wohl so speziell und so vom Sinn abgehoben das es auch nicht wirklich witzig ist.

Was gibt es Positives zu sagen?

Die Handlung beginnt mal wieder mit dem üblichen Schema das aber dann zumindest als Auslöser für einen Hauptplot und einen Subplot dient und ein Subplot ist was seltenes in modernen Staffeln. Der Homer-Subplot wird sogar mit dem Ende von Homers "Klinik" noch halbwegs abgeschlossen (die Referenz auf China Town ist ganz nett) während einen der Marge-Hauptplot wie gesagt völlig im Regen stehen läßt. Von ein paar negativen Beispielen (wie etwa der dummen "Blut"-Szene am Anfang) abgesehen ist die heutige Folge für S12-Verhältnisse sogar noch halbwegs realistisch und verzichtet auf gröbere Geschmacklosigkeiten Marke Pandabär.

Die Charakterisierung ist akzeptabel und Marge bekommt wenigstens etwas Tiefe und geht ein Stück weg von ihrem modernen Image der schrillen Cartoon-Mom - für eine wirkliche Charakterentfaltung wie in den klassischen Jahren ist die Story aber bei weitem zu dünn und Marges Stereotypisierung als einfältiges Hausfrauchen zu überdeutlich. Es wird zwar nicht grell ausgeflippt aber ein bißchen mehr Tempo hätte speziell Marge nicht geschadet denn sie agiert in Teilen der Folge sehr müde und lustlos und Julie Kavners Leistung ist in der OV auch auffallend schwach und desinteressiert.

Die Sache mit Jack und seinen Gemälden sollte vielleicht noch etwas künstlerischen und intelligenten Anspruch zeigen aber da sich hinter dem flachen Charakter am Schluß doch nicht mehr verbirgt als ein wütender und platter Krimineller verliert die Gemälde-Anspielung fast jeden Sinn. Ach ja, falls sich jemand über den bandagierten Sideshow Bob und über Marges Satz das Bob versprochen hat Bart bald mal zu besuchen wundert - P7 zeigt die Folgen natürlich in der falschen Reihenfolge und CABF05 von heute kam im US-Fernsehen einige Zeit vor CABF10 von letzter Woche.

Fazit: eine müde und unmotivierte Sitcom-Handlung in der ein Großteil der Jokes einfach flach fällt und nicht funktioniert. Die Charaktere und selbst die Sprecher agieren müde und der Schluß ist mal wieder kaum als solcher zu erkennen, die Folge endet ohne Auflösung und erkennbare Botschaft. Die Folge ist nicht allzu grell, überdreht, geschmacklos oder völlig surreal - die Folge ist einfach nur lahmes Geplänkel. Der flach reale Umgang mit den Charakteren rettet die Episode noch vor der ganz schlechten Note, vielleicht ist sie auch nur zu bedeutungslos um wirklich schlecht zu sein. Note D+.