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Die Simpsons

Review von Markus Dressler

Ich fühlte mich nicht enttäuscht, wie bei einigen 11.-Staffel-Folgen, aber war auch nicht richtig begeistert, da ich unmittelbar vor der Folge noch [CABF01] "Lisa the Treehugger" gesehen habe (eine wirklich gute und lustige sowie characterbezogene Folge mit einer kritikübenden Botschaft - Note B).

Obwohl dies eine Homer-bezogene Folge war und somit die Gefahr des "Jerkasses" Homer bestand, wird der Zuschauer in dieser Hinsicht relativ verschont. Zwar spielt Homer den Affen, doch tut er es nachvollziehbar im Rahmen der Story (nämlich für Geld von Mr. Burns) und nicht aus einer kindischen Laune der Storyschreiber heraus. Obwohl es einige gute Witze und Sprüche gab (die Erstausgabe von Spiderman beim CBG!), war der Mittelteil der Folge (Homer und Burns machen diverse Streiche) doch eher lahm und hatte einige Längen. Den Anfang dagegen fand ich sehr gelungen ("Happy first A, Bart" mit Krone und Medaille) und war auch nicht zu slapstick-maßig übertrieben, wie manch andere Anfangssequenzen. Man kannte es ja schon immer von Homer, daß er (schreiend) davonrennt, wenn sich eine Situation nicht gerade zu seinem Vorteil entwickelt... ;-) Auch gegen Ende gibt es einige lustige Szenen, z.B. als Homers Thanksgiving-Parade-Wagen von Mr. Burns Piratenschiff geentert wird. Positiv ist noch zu sagen, daß diese Folge auch wieder eine moralische Thematik und somit eine Aussage hatte, nämlich, wie weit man gehen kann und darf, wenn man seine Würde gegen Geld verkauft, wenn man dies dringend nötig hat.

Auch C.M. Burns hatte mal wieder einen größeren Auftritt. Leider ist er noch nicht wieder der kapitalistische, skrupellose alte Knochen, wie wir ihn von 1990-97 kannten, er wirkt doch etwas hilflos/senil und teilweise auch viel zu fröhlich, aber immerhin hat er wieder Spaß daran, wenn andere Leute leiden und ist am Ende wieder richtig böse! ("happy Fishmas"!) :-] (Die Lenny/Carl?-Szene war aber ziemlich nervig, warum denn immer noch dieses Lenny-Getue, ihn darf man bewerfen, Carl aber nicht??) Positiv ist die Kontinuität auch im Detail zu bewerten: Smithers & Malibu Stacy und auch Krababbel als sexgeiles Stück (Barts Kommentar dazu war SUPER!) kennt man.

Alles in allem eine (auf die ganze Serie bezogen) durchschnittliche Folge mit ein paar guten Lachern (nicht ganz so viel wie in der Folge davor). Deshalb gibts als Note ein C. Man mag da ein Plus oder Minus dransetzen, wenn man will.

Wenn die 12. Staffel so weitergeht, dann freu ich mich ziemlich. Bis auf "A Tale of Two Springfields" war eigentlich noch keine wirklich schlechte Folge auf S11-Durchschnittsniveau dabei. Weiter so!


Review von Andreas Krösing

Homer Vs. Dignity, ein Titel der schon viel Mißtrauen verursacht, da man sofort vermutet, dass es mehr oder minder nur darum geht, dass Homer sich zum Trottel macht. Und die Befürchtung wird wahr. Die Simpsons stecken in Geldproblemen und Homer bekommt von Mr. Burns, der sich während Smithers Abwesenheit amüsieren will, Geld dafür sich für ihn zum Idioten zu machen, oder andere erniedrigende Dummheiten anzustellen. Schließlich findet Lisa heraus, wie er das Geld kommt und bringt ihn auf die Idee, es für wohltätige Zwecke auszugeben. Zum Dank darf er den Weihnachtsmann auf einer Parade spielen, doch auch dort erscheint wieder Mr. Burns, der ihn anstiftet für viel Geld mit Fischabfällen auf die Zuschauer zu werfen. Schließlich aber entscheidet sich Homer richtig und behält seine Würde.

Und, was meinen die Leser, wie klingt der Inhalt? Ich habe ernsthafte Probleme hier fair zu werten. Zum einen haben wir wie erwartet quasi über die ganze Folge hinweg Thematik aufbauende Füllszenen, eigentlich manchmal nicht mehr als eine Kette von Gags, die aneinander gereiht wurden. Zum anderen existiert auch eine gewisse Botschaft, ein gewisser Hintergrund und sogar ein etwas tieferer Sinn. Das alte Problem der armen Familie kennen wir ja bereits seit der 1. Staffel und hier wird es erstmals in dieser Form aufgegriffen. Leider erfolgt dieser Aufgriff extrem absurd und übertrieben - Stichwort Rücksitze - aber immerhin steht eine gewisse Idee dahinter, die durchaus Potential hat. Trauriger Weise wurde aber kaum etwas dieses Potentials genutzt, denn man tendierte erneut dazu eine von Gags durchzogene Folge mit vielen Dummheiten zu drehen, wobei es zugegebenermaßen speziell bei dieser Folge verständlich ist, dass Homer solche Dummheiten begehen muß. Es ist eben essentiell für die Story. Dennoch mag ich eine Story, die sich mit dem "neuen Homer" in seiner seltsamen Cartoon - Welt beschäftigt und ihn als absoluten Trottel zeigt nicht, vor allem nicht in dieser Art. Es ist ein schwieriges Thema, doch wirkt die Umsetzung im ganzen gesehen einfach zu schal. Es passiert nicht wirklich etwas, obwohl doch etwas zu passieren scheint und allzu oft ist die enorme Einfallslosigkeit im Hauptteil zu bemerken, die natürlich auch in den zahlreichen Füllszenen negativ auffällt.

Was für mich zusätzlich noch extrem verwirrend ist, ist der Ablauf. Die Story kommt in unerwartet hoher Geschwindigkeit und über eine annehmbare Vorgeschichte zum Thema und schlafft darin dann ebenso unerwartet schnell ab. Es wird der Hauptteil erreicht, dieser wird gefüllt wo's nur geht und es wird beendet. Dann steht das Ende aus heiterem Himmel unter einer Moral und es ist Schluß. Ich mag derartige moralische Elemente zwar, doch wirkt hier alles stark konstruiert und aufgesetzt. Es scheint als hätte man das einfach als Ende gebraucht und eben deshalb genommen. Immerhin ist diese Möglichkeit natürlich besser als irgendwelche Musik Schlüsse, ein Abschluß mit Selbstkritik oder Enden, in denen Homer angeschossen oder sonst irgendwie gequält wird, aber wirklich geschickt ist das selbstverständlich nicht.

Wenn man ein ernstes Szenario in eine dermaßen ausschweifende Gag Story voller Surrealismus steckt tauchen eben zwanghaft irgendwelche Probleme auf. Außerdem stört mich in der Folge speziell der neue Stil, denn es erscheinen zahlreiche neue Figuren, die alle typisch cartoonig sind und erst in späteren Staffeln eingeführt wurden, was nochmals ganz klar die aktuelle Staffel und ihre Vorgänger widerspiegelt, die so einigen Blödsinn aufgebaut haben. Hier scheint man nun diesen ganzen Mist aufgesammelt zu haben und dezent verteilt über die Folge eingebaut zu haben. Auch die kriminellen Simpsons sind wieder da, plus einem Witz, der schon so oft in allen existierenden Cartoons der Welt, von "Familie Feuerstein" bis zu "Bugs Bunny" benutzt wurde, einem Witz nach dem Motto "Jetzt helft in der Küche!". Nur dass die Simpsons eben singen und nicht spülen müssen.

Zusätzlich steht Homers ganze Tätigkeit nur allzu oft unter einem riesigen Wahn von Geschmacklosigkeiten, wie einem Stinktier, dass ihn bespritzt, seinem Ausflug in Windeln, oder Sex (!) mit einem Panda. Die Nummer mit der Kreuzung aus Hamster und Eidechse ist bloß der Anfang für haufenweise solcher Szenen, die den hilflosen Zuschauer in dieser Folge erwarten. Homer wird zum absoluten Idiot und verliert während seinen dümmlichen Aktionen sogar noch das letzte bißchen Würde, das ihm noch geblieben ist. Auch zeigt sich hier nur allzu oft der Satz, den die Produzenten mittlerweile scheinbar zum Privileg gemacht haben "more pain - more fun". Im Bezug auf Homer ist das leider für Fans der alten Staffeln genauso viel Schmerz wie für ihn - unseren armen alten Homer so leiden zu sehen ist für mich immer noch von Mal zu Mal grausamer. Homer der Idiot, eine Sache, die immer und immer mehr Überhand nimmt und nun sogar schon zum einzigen Sinn einer ganzen Folge wurde. Das ist die Entwicklung.

Neben diesem Trottel steht der senile alte Burns, der eine Glaswand für ein "force field" hält, mit Süßigkeitsautomaten spricht und wie ein kleines Kind um Homer herum tanzt und mit Geld um sich wirft. Wo ist der alte, fiese Monty, der gemeine, rücksichtslose Egoist, der eine ganze Stadt unterdrücken konnte? Wo ist der größenwahnsinnige Verdunkler der Sonne, der skrupellos genug war einem Baby den Lutscher zu stehlen? Das einzige was von diesem Kerl noch übrig ist, ist eine lausige Karikatur eines alten, klapprigen Mannes der dermaßen absurde geistige Tiefen erreicht hat, dass er scheinbar nicht einmal mehr seinen eigenen Handlungen folgen kann und - ähnlich wie Homer - nicht die Spur einer Ahnung hat, was um ihn herum geschieht. Scheinbar ist es neuerdings extrem komisch, zu sehen wie sich die Menschen in Springfield in andauernder geistiger Umnachtung befinden und sogar mit Friedhof - Humor, der allerdings nicht mal Ansätze zum lustig sein hat um sich werfen. Traurig aber wahr: Man gewöhnt sich sogar langsam daran, der Zittereffekt beim Sehen wird von Folge zu Folge geringer. Mittlerweile heißt es ja sogar, "Nur ein weiterer mißlungener Gag.".

Die Entwicklung zeigt zu einem großen Teil traurige Ausmaßen, doch muß dazu erwähnt werden, dass diese Folge im gewissen Sinne sogar noch ein Besserung darstellt. Trotz extrem viel Gag steht schon irgendwie etwas hinter dem ganzen Schwachsinn, doch vor lauter Cartoon und Comic Inhalt ist dieser Teil, der früher mal einen Großteil der Simpsons ausgemacht hat schlicht und einfach kaum mehr zu erkennen. So oft stöhne ich unabsichtlich beim Ansehen der neuen Folgen laut in bibbernder Stimme ein "Ohhhhh" aus, weil die Witze und Handlungen teilweise so schmerzhaft sind. Bitte nicht erschrecken, aber diese Folge ist noch nicht mal die schlechteste. Zumindest im Vergleich betrachtet.

Positiv bemerken kann man den reibungslosen Ablauf, der trotz soviel Füllszenen nicht unerträglich langsam abläuft. Da wenigstens schnell zum Punkt gekommen wird und nicht unnötiger Stuß vorneweg erzählt wird kann man die Folge zumindest ein Mal gut ansehen, der Durchschnittszuschauer beschwert sich hier sicher nicht. Nein, ganz im Gegenteil, diese Folge ist irgendwie auch schon eine Werbung für den neuen Mist, eine Suggestion nach dem Motto "Seht her wie witzig das ist! Eine ganze Folge voll mit Homers Dummheiten!". Der "foll grass" Fan kommt auf seine Kosten, von dem Standpunkt aus betrachtet wohl A - Material. Diesem wird hier allerdings sogar etwas vermittelt, dass so primitiv angestellt wird, dass sogar er es verstehen muß. Darüber werden sie aber natürlich mit zahlreichen "foll grass" Elementen, den cartoonig agierenden Figuren und Witzen wie in Burns Händen schmelzendes Gemüse oder scheußlich gemeiner Augengags hinweg getröstet. Aus anspruchsvollem Grund betrachtet ergibt dieses Machwerk somit leider nicht viel mehr als eine durchschnittliche Folge der 11. Staffel (obwohl das schon CABF ist). Außer der aufgesetzten Schlußmoral leider doch nicht mehr als reiner Blödsinn.

Hin und wieder kann man aber sogar lachen, z.B. trotz allem Gehalt von Blödsinn im Augenblick in dem Homer mit den Kreditkarten wirft. Es ist komisch, es macht Spaß die Szene zu sehen. Und trotzdem ist es low-level Niveau. Aber in dem Maße wäre es erträglich. Auch über den CBG kann ich, trotz aufs Korn nehmen der Fans in hohem Maße lachen, irgendwie ist das trotz der Gemeinheit die genaugenommen darüber steht eine köstliche Sache. Sogar auf beiden Sprachen. Der Schlaganfall - Mann und das Kent Brockman Gespräch am Ende sind 2 weitere gelungene Witze, die einem die Folge ein bißchen versüßen könnten, auch wenn zuerst genannter natürlich ein Beispiel für die Cartoon Charaktere ist.

Über die Problematik hinweg getäuscht wird allerdings nie, man gab sich scheinbar absolut keine Mühe die Probleme zu verbergen, sondern stellt sie sozusagen sogar aus. Neuartige Witze wie "die Erwachsenen reden." oder die Sache mit den Abfällen einschließlich der Qualen von Lenny sind hier Hauptpunkt der Tagesordnung. Soviel Schwachsinn, kaum ein Charakter, der noch Bezug zur Realität hat, sonderbare Handlungen, Gemeinheiten und Ekelszenen sind ebenso vertreten, wie üble Cartoon Szenen (Flucht aus dem Restaurant) oder sinnlose Elemente in der Story.

Manchmal geschehen einfach so irgendwelche Dinge, die eigentlich keinen Zweck haben. Burns, natürlich auch lächelnd, ein absolut unpassender Charakterzug, schickt Homer ins Gehege des Panda, scheinbar nur um ihn im Kostüm tanzen zu sehen und auch sonst gibt es einfach mysteriöse Stellen im Ablauf und viele billige Witze, die nicht wirklich funktionieren. Das einzig gelungene an dieser Folge ist der Schluß, der nicht mit dem absolut schlimmsten endet, sondern die Würde nochmals rettet und damit auch die Folge vor dem F rettet.

Wer absolut stumpfsinnige Akteure einschließlich einem Homer, der zu dumm für einen einzigen einfachen Satz ist in einer Gag Rallye voller Schwachsinn und Ekeleffekten sehen will ist bei dieser Folge richtig. Jeder, der hingegen nicht, wie auch im Titel, Probleme mit seiner Würde haben möchte sollte sich von dieser Folge lieber fernhalten. Einzig und allein die Tatsache, dass gegen Ende noch ein kleiner Wendepunkt hinzukommt und Homer sich richtig entscheidet rettet diese Folge vor dem F.

Zur Synchronisation kann man sagen, dass es dieses Mal wieder gar nicht so leicht war. Es existierten zahlreiche Wortspiele und anderer schwierig zu übertragender Gags, die wie auch erwartet eher schal übertragen worden sind. Wie immer sehr viele frei übersetzte Stellen und dieses Mal auch wieder ein paar echt traurige Übersetzungen. Die Stelle, als Bart von seiner Note berichtet und erzählt wie es dazu kam scheint falsch zu sein und der Gesang verliert durch die Neuaufnahme auch jeglichen Charme. Mir tun die Sprecher leid, ganz besonders Norbert Gastell, der doch gar nicht so gerne singt, weil er weiß, dass er es nicht kann. Dafür schlägt er sich aber immer noch ganz gut. Das "force field" wurde zum "Schutzschild", statt zum "Kraftfeld" und der Block Carl verliert auch vieles an Originalcharme. Der Satz des CBG funktioniert so im Deutschen nicht und der "gay" Witz verliert eben wie erwartet und wie nicht anders möglich den eigentlichen Witz. Beim Musical stimmen die Untertitel nicht, der Gag "separat" ging flöten und wurde durch stumpfsinnige "liebenswert" Untertitel ersetzt. Auch der Satz des Zuschauers wurde komplett umgekehrt, im Original meint er gerade, dass er nicht verstehen kann, warum das besser als ein Film sein soll. Und Ivar hat es getan, er hat tatsächlich 2 Rollen innerhalb von 5 Sekunden gesprochen, leider aber beides Mal mit der Frink Stimme, obwohl seine Stimme durchaus mehr Potential hat. Schade. Letzten Endes fällt noch der Satz von Monty "Monty say, Monkey do" lahm aus, der klingt im Original irgendwie cool.

Außerdem erinnere mich an einen anderen Tafelgag im Original, etwas wie "Ich bin nicht der 6. Beatle".

SCHLECHT                                 GUT

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[ ][X][X][X][X]  CHARAKTERE  [ ][ ][ ][ ][ ]
[ ][ ][ ][ ][X]     GAGS     [ ][ ][ ][ ][ ]

[ ][ ][X][X][X] IVARISIERUNG [ ][ ][ ][ ][ ]
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[ ][ ][X][X][X]    GESAMT    [ ][ ][ ][ ][ ]

PROZENT: 33 %
NOTE:    D-


Review von Chris Pfeiler

Nachdem die CABF-Reihe letzte Woche mit "Treehugger" noch einen halbwegs positiven Eindruck hinterlassen hat wird diese Woche gleich wieder eine negative Folge nachgesetzt damit niemand auf die Idee kommt das sich S12 gut entwickeln könnte. Die heutige CABF04 serviert uns eine enorme Ladung an Low-Level-Humor, Geschmacklosigkeiten und verschwendetem Potential und begeht einige kapitale Fehler die sich auch durch positive Aspekte nicht mehr ausbügeln lassen.

Fangen wir heute mal mit den negativen Elementen an.

Wir haben in der Folge wohl den offensichtlichsten und am wenigsten subtilen Gebrauch von derben sexuellen Anspielungen wie etwa "Crossbreeding" zwischen Tieren, Seymour und Edna die es auf Martins Tisch treiben (expliziter als in der Besenkammer) und - wohl am übelsten - Homer der von einem Pandabären vergewaltigt wird. Übles Material. Wer hätte noch vor 3 oder 4 Jahren geglaubt das derartige Szenen jemals in der Serie vorkommen werden? Die Folge zieht einen sehr großen Teil ihres angeblichen Humors aus abartiger, dummer und geschmackloser Homer-Demütigung die sich natürlich wieder an eine junge Zielgruppe und foll grasse Slapstick-Fans wendet. Mit Szenen wie der bösartigen Windel-Szene oder der symptomatischen Weiter-Quälerei mit den Stinktieren erreicht die Episode an manchen Stellen fast einen neuen Tiefpunkt für Homers Würde (und nicht nur für ihn.)

Es geht nämlich noch weiter: nicht nur Homer wird sehr stark zum Prügelknaben und zum Werkzeug derbsten Slapsticks degradiert, auch Monty Burns fällt dem modernen Stil zum Opfer. Der klassische Charakter eines bösartigen und machthungrigen Kapitalisten (den wir z.B. in 7F01 sehen) ist ja schon lange tot und ausgelöscht und CABF04 ist hier fast noch schlimmer als "Mansion Family". Monty ist eine grelle und flache Selbstkarrikatur geworden, senil und abartig und oft nur noch ein Werkzeug für seltsamen Humor und Low-Level-Jokes. Er streitet sich mit Automaten, hält eine Glassscheibe für eine Art Kraftfeld und hat jede charakterliche Tiefe verloren. Die Autoren hatten wohl erwartet das sein Verhalten und seine Ignoranz von Homers Würde als "böse" erscheinen aber IMO erscheint es einfach nur als lächerlicher seniler Irrsinn. Was ist nur aus dir geworden, Monty Burns :-(.

Der dritte Kapitelfehler der Episode ist wohl die konstruierte Ausgangssituation der Handlung. Die Simpsons haben kein Geld mehr ihr Essen zu bezahlen? Homer muß selbst die Autositze für Benzin verkaufen (und verdirbt auch das noch in seiner Dummheit)? Warum? Wieso? Cartoons müssen ja nicht unbedingt immer Sinn ergeben aber seit wann sind die Simpsons eine Familie von Pennern ohne Geld? Die Simpsons waren immer eine typisch amerikanische Mittelklasse-Familie und das war Teil der Satire. Jetzt den sozialen Status nur für einen simplen "lustigen" Aufhänger zu ändern ist IMO zu konstruiert (Autorenschwäche) und stellt die ganze Situation auf wacklige Beine. Die Sache wäre ja noch verständlich wenn Homer seinen Job verloren hätte aber wir sehen ihn auch noch im Kraftwerk (seltene Sache in modernen Staffeln). Die weitere Struktur der Handlung ist zwar akzeptabel, wirkt aber durch den zu konstruierten Ansatz trotzdem gezwungen und unpassend.

Es gibt natürlich noch weitere typische moderne Fehler in der Folge, z.B. den grassen Augenhumor mit Lenny oder auch die nicht witzige Sorte von Humor die angeblich entstehen soll wenn jemand völlig out-of-character reagiert (hier z.B. Montys Reaktion als Homer den Pudding auf Carl wirft). Der ganze mißglückte Humor der Folge wendet sich an eine junge neue Zielgruppe und verzichtet daher fast völlig auf Intelligenz, Subtilität und Tiefgang und wälzt sich lieber im eigenen Dreck (um es mal dramatisch auszudrücken).

Die Sache mit Smithers und dem Malibu-Stacy-Musical wirkt trotz des Ansatzes von Kontinuität aufgesetzt und als billiges Füllmaterial-Konstrukt um Smithers aus dem Weg zu schaffen damit er nicht ganz so apathisch rumstehen muß wie z.B. bei "Mansion Family". Ein weiteres (viertes) Opfer der Charakter-Degradierung ist schließlich auch Moe der mit Sätzen wie "You ain´t going nowhere, cutie" bei der Vergewaltigung immer mehr in die Rolle eines Perversen geschrieben wird. Bei all den verzerrten Charakteren ist es eigentlich sehr verwunderlich das ausgerechnet der geschundene und gedemütigte Homer wenigstens als Charakter fast noch am besten wegkommt.

Kommen wir damit mal zum Positiven (das vorhanden aber nicht einfach zu finden ist.)

Homer wird von den Autoren in großen Teilen der Episode zum Prügelknaben degradiert, daher ist es um so erstaunlicher das gerade *seine* Charakter-Integrität eigentlich stabiler und klassischer ist als in den meisten anderen modernen Folgen.

Homer ist nicht böse. Er ist nicht der Täter sondern das Opfer. Homer nimmt die Erniedrigungen auf sich weil er Geld braucht um seine Familie zu versorgen. Er sorgt sich hier mehr um das Wohl seiner Familie als um sein eigenes Wohl. Er ist daher nicht der abartige bösartige egoistische Jerkass aus so vielen anderen modernen Folgen und ich wage es fast zu sagen das wir in manchen Szenen zum ersten Mal seit langem wieder den "echten Homer" sehen. Speziell die ruhigere Szene auf der Bank im Zoo zeigt IMO gutes Character-Handling für Lisa und Homer - der hier und in manchen Teilen der Folge sogar zu halbwegs logischen Dialogen fähig ist.

In vielen anderen S11/12-Folgen kümmert man sich nicht mehr viel um die Demütigungen für Homer da er diese Behandlung durch sein zu bösartiges und debil-charakterloses Verhalten meistens sogar verdient hat (man nehme nur "Two Springfields" als Beispiel) aber in der heutigen Folge erscheint er selbst als Opfer und man tendiert fast dazu Mitleid mit ihm zu haben, da er dünne Emotion zeigt und sich der Falschheit seines Tuns sogar bewußt ist. Als er sogar 1.000.000 $ ablehnt und das nur weil Santa nicht böse sein kann erscheint er mehr wie der klassische Homer und nicht wie der Egoist und charakterlose Pausenclown in vielen anderen neuen Folgen. Homer lernt am Schluß eine Lektion und das ist etwas das man heute nicht alle Tage sieht. Positiver Aspekt der Folge.

Der zu konstruierte Aufhänger schadet der Struktur die aber ansonsten flüssiger ist als üblich. Es ist eine feste Handlung hinter den Jokes erkennbar, die Jokes selbst gehen aber zum Großteil relativ daneben und sind nur sehr selten minder lustig. Die ernstere Botschaft darüber wie Leute ihre Würde gegen Geld eintauschen ist dünn erkennbar aber durch die Übertreibung der Erniedrigung und durch geschmacklosen Humor sehr stark gestört. In der Praxis versagt der positive Ansatz daher zu stark, hauptsächlich durch eine Sorte von Humor der mit der Serie nicht mehr viel zu tun hat. Die Tatsache das die Folge für moderne Verhältnisse doch ziemlich realitätsnah ist und auf total grell überzogenen Cartoon-Unsinn Marke "Bizarro World" eher verzichtet hilft da wenig.

Die Synchro überlasse ich Andi, das Review ist heute sowieso schon zu lang.

Fazit: im Prinzip ein klassischer Ansatz mit akzeptabler Homer-Charakterisierung und einer Lektion über den Wert der Würde, in der Praxis aber ziemlich ruiniert durch Low-Level-Humor mit derben sexuellen Anspielungen und überzogener Quälerei. Monty Burns wird als Charakter erneut total degradiert und was mit Homer gemacht wird ist unterste Schublade. Zu "foll grass" um gut zu sein aber zuviel Inhalt um richtig schlecht zu sein. Trotz aller positiven Aspekten reicht es hier aber nur noch für eine unterdurchschnittliche Wertung aus, lediglich eine leichte positive Tendenz sollte man vermerken: Note D+

Chris

P.S. Ist interessant das die Episode heute mit einer der allerschlechtesten S10 verglichen werden kann, "Maximum Homerdrive". Bei dem Vergleich schneidet wohl sogar CABF04 noch besser ab.