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Die Simpsons

Review von Sebastian Sproesser

So - los geht's. am besten, ich fang mal mit dem Anfang an ;) Die Eröffnungsszene auf der Comicausstellung war schonmal ziemlich gelungen, wenn ich mich als Fan auch bei den ständig wiederkehrenden "worst ___ ever"-T-shirts des CBG leicht verarscht vorkomme :) Homer als Hund war auch nicht wirklich schlecht, wenn auch (nach der letzten folge) wieder massiv in die unterste Schublade gegriffen wird (Stichwort klo). Homers Vorstellung von Aaktienhandel später passt aber IMO wieder zum prä-jerkass-homer. Sein späterer "Ausflug" zum Forschungszentrum hat dann auch einige Lacher (z.b. die Diätpille oder die Ratte). Aber dann beginnt das Problem der Story: Homer ist anscheinend nur deshalb dumm, weil er sich als kleiner Junge einen Buntstift in die Nase geschoben hat (bzw. ziemlich viele) und einer noch im Gehirn steckt... Abgesehen davon, dass es nicht gerade zur Kontinuität beiträgt, dass Homer nach der Entfernung plötzlich schlau ist (man erinnere sich an "Lisa the Simpson" und den Gendefekt), geht die weitere Story auch von einer cartoonigen Annahme aus und stört somit... Was dann aber daraus gemacht wurde, ist IMO nicht unbedingt schlecht. Homers Beziehung zu Lisa wird viel besser und Burns ist _endlich_ mal wieder richtig schön böse und kein dummer alter Tattergreis mehr. Das Ende kommt dann wieder ziemlich abrupt und vorhersehbar.

Die Folge hat wohl zwei Hauptprobleme: Das erste hab ich schon erwähnt (der stift im Hirn) und das zweite besteht darin, dass viel zu wenig Zeit für den Hauptplot ist. Normalerweise dauert die Eröffnungsszene 2-3 Minuten, worauf direkt der Hauptplot beginnt. Bis aber Homer in der Folge von dem Stift erfährt, bzw. davon befreit wird, dauert es geschlagene 12 Minuten. Und das ist eindeutig viel zu lang für eine folge, die 21 Minuten lang ist.

Fazit: Die Witze waren teilweise bis oft ziemlich gut, die Charakterbildung war auch nicht schlecht (Homer ausgenommen): Barney bleibt sauber, Burns ist böse,... Nur die cartoonige Annahme stört sehr und auch ist die Vorgeschichte zu lang (wie schon erwähnt). Alles in allem gebe ich deshalb eine glatte 3+ für die folge.


Review von Andreas Krösing

In der Tat eine schwierige Folge - ich hab ja bereits ein Preview dazu geschrieben, aber egal. Ich glaube, dass die damals vergebenen Note nun im Vergleich zur kompletten Staffel gesehen etwas zu gut war. Ich versuche es einfach noch einmal.

Wir haben hier also die Folge HOMR, die noch unter BABF Produktionscode steht und was erwartet man da schon großes? Folgen wie BABF17 oder BABF20 haben nochmals bewiesen, auf welche einfache Arten diese Episoden ablaufen und somit auch nicht gerade die Spitzenbewertung gekriegt. Ob HOMR auch dazu gehört sei vorerst mal dahingestellt, denn leicht mach es einem diese Folge nicht. Von einer BABF erwartete ich nicht direkt viel - erst recht nicht nachdem ich gehört habe, worum es gehen soll. Dennoch wird man von HOMR angenehm überrascht, da die Folge neben dem Staffel 11 / 12 typischem Blödsinn auch einige wirklich schöne Elemente beinhaltet.

Aber mal vor vorne. Alles in allem geht es darum, dass Homer, der sich freiwillig als Testobjekt zur Verfügung stellt herausfindet, dass ein Malstift in seinem Gehirn steckt, der für seine Dummheit verantwortlich ist. Nachdem dieser heraus operiert wird ist Homer intelligent, doch muß aufgrund diverser entstandener Probleme herausfinden, dass diese Klugheit auch nicht besser ist. Er entschließt sich schließlich, den Stift wieder hinein zu stecken...

Irgendwie gefällt mir diese Geschichte, da es schön ist Homer mal wieder etwas intelligenter zu sehen, doch eigentlich soll diese Intelligenz ja nur ein Extrem - Szenario darstellen. Diese Situationen aufzubauen versuchen Folgen der 11. Staffel, wie auch HOMR, ja sehr gerne, da sie oftmals sehr einfallslos dahin geschrieben sind und die komplette Geschichte nur so um die Situation geschrieben zu sein scheint. Tiefere Bedeutungen, Sozialkritik oder Charaktertiefe vermißt man nahezu immer während dieser Staffel. In dieser Folge stehen allerdings gegen diese Erwartungen trotzdem einige interessante Szenen, wenn auch anfangs auf extrem einfallslose Weise mit Füllszenen der ganz primitiven Art absolut zwecklos und sinnleer gefüllt wird. Die eigentliche Story beginnt erst nach sage und schreibe 10 ganzen Minuten, so lange geht es nur ANIMOTION, Animationstechniken, Zeichentrick und um eine Fülle von low- level Jokes, von denen allerdings zugegebenermaßen manche sogar amüsant sind. Dennoch fühlt man sich nicht direkt wie bei den Simpsons, sondern nur allzu oft wie in einer dieser Alltags Sitcoms. Dieses Sitcom Verhalten, aber auch die Cartoon Seite der Simpsons zeigt z.B. Dr. Hibberts Auftritt auf Stichwort, um zu erklären wie der Stift ungesehen blieb.

Womit wir allerdings auch beim Hauptplot wären. Alles in allem wurde hier unerwarteter Weise doch sehr viel des Potentials genutzt, da sogar eine gewisse Botschaft dahinter sichtbar wird. Es geht um Probleme, aber auch um schöne Momente, welche die neuen geistigen Fähigkeiten mit sich bringen. Wie reagiert die Gesellschaft auf überqualifizierte Leute, wie kommt Homer im Alltag klar, wie verändert sich das Verhältnis zu seiner Familie - alles Dinge, mit der sich diese Folge beschäftigt und von dem Standpunkt aus betrachtet machen die ersten 10 Minuten, die uns Homer quasi im genauen Gegenteil als total dumm und kindisch zeigen auch etwas Sinn. Sein Leben verändert sich total, doch wird es nicht besser für ihn. Alte Probleme vergehen, doch erscheinen damit eben neue, mit denen er noch weniger fertig wird. Letztendlich ist sogar seine finale Entscheidung nachvollziehbar aufgebaut und dank des Abschiedsbriefs sogar verständlich.

Ein für Staffel 11 / 12 schon typisches Problem ist es bekanntlich, dass die Story etwas zu kurz kommt, bzw. ungeschickt aufgebaut wird und genau das haben wir auch hier. Die Episode ist in 2 Teil - Plots geteilt, die in nahezu überhaupt keinem Zusammenhang stehen. Es wird auf eine auf Grundschulniveau liegende, einfach durchschaubare Art von der einen zur anderen Story umgeleitet und für diese Umleitung auch nur ein einziger Satz verwendet. Natürlich steuert die Story diesen Wendepunkt schon irgendwie an, doch ist er nicht besonders clever gewählt. Außerdem scheinen den Produzenten die Ideen für den Hauptplot ausgegangen zu sein, denn dieser beschränkt sich im großen und ganzen darauf, dass Homer mit der Gesellschaft nicht fertig wird, dafür aber seine Beziehung zu Lisa ungeahnte Höhen erreicht. An sich ist genau diese Sache sehr schön an der Episode, da wir mal wieder einen lieben Homer haben, der sich nicht gemein, selbstsüchtig oder sonst irgendwie böse verhält, sondern einfach nur Probleme hat und mit Gefühlen fertig werden muß, aber wäre natürlich auch hier mehr drin gewesen.

Außer dem Szenario selbst, dass Staffel typisch etwas kraß klingt, hat man sich mit abnormalen Effekten reichlich zurückgehalten - Cartoon Effekte liegen mit einem genetisch veränderten Vogel auf Staffel 4 Niveau, was - auch in Anbetracht des Produktionscodes - nahezu perfekt gewichtet ist. Ebenso die Umsetzung von Homers Handlung bleibt stets nachvollziehbar, da man diese nicht weiter übertrieben hat. Natürlich steht wieder etwas Diskontinuität im Raum, da Burns im Kraftwerk seine Einsparungen vorgenommen hat, aber da ist man ja mittlerweile weitaus schlimmeres gewöhnt. Höhepunkt der Folge ist ganz klar das Ende, das so emotional wie kein zweites mal in der ganzen Staffel inszeniert worden ist, denn eine Beziehung von Homer ist man ja schon gar nicht mehr gewöhnt. Es ist wirklich schön, Homer mal wieder auf geistig würdevoller Ebene zu sehen, auch wenn dies hier als abnormale Sache eingestuft wird - man sieht ihn standardmäßig als Idiot und wenn man ihn komplett verändern will ist er eben klug - nicht ganz der alte Homer. Trotzdem: Charakterisierung geht soweit vollkommen in Ordnung.

Ein mir immer wieder etwas seltsam auffallender Punkt ist die komplette Sache mit Homers Voice-Actor Talent. Er scheint mittlerweile ebenso gut mit der Stimme umgehen zu können, wie sein amerikanischer Sprecher Dan Castallaneta. Nebst "Fan durch den Kakao ziehen", das ja seit neuesten nicht mehr wegzudenken ist hören wir in dieser Folge ja auch massig Kritik an einem Sprecher und seinen ähnlich klingenden Stimmen, bzw. Stimmen, die nach anderen Leuten klingen. Wo die Produzenten aber schon auf die Idee mit den Stimmen gekommen sind haben sie wohl im Anschluß auch Homer diese eher unnatürliche Talente verleihen, denn er verstellt insgesamt 3 mal seine Stimme: Er macht imitiert die Trickfigur, seine Frau und seinen Jungen. Soviel Talent traut man ihm eigentlich nicht zu. Diese Sache stört zwar, ist aber nicht so schlimm, dass es für Abwertung reichen würde.

Von den Gags her ist diese Episode mehr oder weniger durchschnittlich. Die Sache mit der Toilette ist wieder mal typisches Staffel 11 Niveau und auch die Beschriftung der Messe am Anfang ist recht niveaulos. Den Einfluß und auch die Produktionszeit erkennt man auch wieder daran, dass Homer einen E-Bay Gag reißt, was für mich immer noch nicht in DIE SIMPSONS paßt. Für mich sind sie halt immer noch die Familie der frühen 90er und damals gab es eben kein Internet in jedem Haushalt. Ansonsten sind eben einige low-level Jokes drin, die aber stellenweise dennoch recht amüsant sind. Des weiteren befindet sich in dieser Folge wohl die beste Selbstironie, die je geäußert wurde, nämlich Lennys Frage, ob Homer überhaupt noch im Kraftwerk arbeite. In der Folge kann man IMO doch immer mal wieder über den Blödsinn (Homer in der Bank) lachen, den man sonst vielleicht verurteilen würde - bis auf ein paar kleine Fehlläufer doch ganz amüsant. "cartoons don't have to make sense" steht dann wieder irgendwo zwischen Selbstironie und Klassiker "Trickfilme müssen doch nicht immer 100%ig realistisch sein.". Wie man die Gags auffaßt ist eben Auslegung, aber immerhin sind nicht zu viele unanständige enthalten. Dass Homer beim Familientreffen Witze macht finde ich etwas untypisch für ihn, aber die Verantwortlichen konnten sich diese Sache wohl nicht verkneifen. Ein letztes Beispiel für low- level Humor ist eventuell noch das Gespräch von Marge und Homer, über das "Herauskommen aus dem Dreckloch".

Es gibt eigentlich nur sehr wenige störende Elemente in dieser Episode, aber diese sind dafür richtig gravierend und somit auch schlimm. Neben der mißglückten Wendung samt viel zu langem Plot, dem Homer - Problem mit Dummheit und Klugheit und der nur schlaff gefüllten Story sind es dann immer noch ein paar Kleinigkeiten, wie z.B. einer streitenden, sich Anschuldigungen machenden Familie und der Verletzung von Homers Würde. Beachtet man aber die Staffel in der man sich noch befindet und überlegt was man Homer als Versuchskaninchen alles antun könnte, muß man sagen, dass auch diese Sache in Ordnung geht. Homer steht überraschend selten als Trottel da, obwohl das Szenario ihn eigentlich genug als solchen zeichnen könnte. Kein alter Homer, aber auch kein Jerkass oder absoluter Vollidiot. Er ist zwar in einer Szene dümmer als eine Maus, doch weil diese Sache nicht weiter aufgespielt wird, kann man dezent darüber hinwegsehen.

Gibt es Gott? Ich sage "Ja" und verteidige diese Ansicht und somit ist es für mich nahezu eine Unverschämtheit, wenn von Beweisen seiner Nicht - Existenz gesprochen wird. Die Existenz von Gott alleine zu bezweifeln wäre schon genug gewesen, aber auch noch zu behaupten es gäbe einen Beweis dafür ist wirklich mehr als über das Maß hinaus. Man darf Kirche, Religion und Glauben kritisieren und das wurde in der Sendung bereits durchaus funktionierend gemacht - hier aber ist es absolut mißlungen, wenn es auch nur dezent als eine Füllszene benutzt wird. Ich werde das aufgrund der Tatsache, dass es meine subjektive Meinung ist nicht abwerten, doch ist das für mich eine indiskutable Sache, die hier für einen primitiven Gag nicht nur angetastet sondern gleich mit voller Faust begrapscht wird.

Mal die Tatsache bei Seite, dass das Szenario nicht voll ausgenutzt wurde gefällt es mir grundlegend sehr gut, da Homer mal nicht nur klug, sondern auch menschlich und zurechnungsfähig mit Gefühlen zu erleben eine wunderbare Sache ist, die leider hier nur als Mittel zur Ausführung dient - es wird sozusagen als Ausnahme angeführt. Hätte man Homer nur so klug gelassen, wäre er schon schnell genug wieder verdummt, das ist natürlich schade und eine erneute Bestätigung dafür, was wir heute für einen Homer haben. Gemeinheiten und größere Dummheiten bleiben uns aber dennoch in dieser Episode nahezu gänzlich erspart. Das Herz des klassischen Fans lacht natürlich auch, wenn Homer mal wieder zugejubelt wird, nicht weil er irgendeinen Mist macht, sondern weil er gut auftritt und etwas ausdrückt. Auch die Beziehung, die Homer und Lisa durchleben, lassen einem die alte Zeiten hochkommen. Es ist wirklich schön, wie Homer seiner Tochter mal nicht den Mund verbietet, sondern auf einer geistigen Ebene mit ihr kommuniziert. Ebenso erfolgreich wurde seine Entscheidung wieder "dumm" zu werden umgesetzt und plausibel gemacht. Den Moment der Dummheit, bis Lisa ihn umarmt würde ich nicht weiter schlimm ansehen, denn dafür ist das Ende zu schön. Seit ewig langer Zeit, in der ich neue Staffeln sehe hatte ich kein Lächeln mehr auf den Lippen, als die Credits begonnen haben den Bildschirm zu füllen, doch bei dieser Episode mit der absolut gelungenen Umarmung einschließlich Homers Kommentar (bei dem ich schon schlimmes vermutet hatte) ist das Ende absolut gelungen umgesetzt worden. Man hat am Ende der Episode kein leeres Gefühl, auch wenn die Umsetzung der Story leicht problematisch war. Ein so guter Schluß tröstet einen zumindest über eine Hälfte weniger gelungenem Ablauf hinweg.

Fazit: Besonders in Betracht auf den P - Code gesehen ist diese Folge trotz langen, sinnlosen Füllszenen recht gelungen. Sie ist nicht so sinnleer, wie andere Vergleichsfolgen und zeigt immerhin mal wieder einen einigermaßen klug und nachvollziehbar agierenden Homer. Außerdem befindet sich sogar mal wieder ein kluger und recht interessanter Satz von Lisa darin, "As intelligence goes up, happiness often goes down". Das Problem der Folge ist natürlich die schlaffe Handlung und der langsame Handlungsablauf. Trotzdem für Staffel 11 recht solide und anständige Folge, die sogar einen Hintergedanken mit sich trägt.

Letztlich muß ich noch sagen: Eine für mich wahrlich widerlich wirkende Szene ist die, in der sich der junge Homer ein ganzes Paket Stifte - Stift für Stift einzeln - in die Nase schiebt. Für das Szenario zwar im Gegensatz zur berüchtigten Augenszene wichtig, allerdings allein deshalb nicht minder scheußlich.

Die Synchronisation hat ja viel verlangt in Sachen "Stimme verstellen" und Wortspiele wie "Yahoo!", was natürlich schwer zu erreichen war. Dementsprechend seltsam ist es dann auch gelungen. So aufgesetzt wie in dieser Folge wirkte die Synchro schon lange nicht mehr und so traurig übertragen ist auch schon lange nicht mehr geworden. Der im Original zumindest akustisch geniale Teil mit Homer in der Bank ist im Deutschen total lahm, kein Wunder, noch höher kann Norbert Gastell ja auch nicht mehr sprechen. Auch der Synchronsprecher auf der Messe spricht mit gleichbleibender Stimme, traurige Leistung von unserem Tim Allen Fritz von Hardenberg. Auch einige Übersetzungen, z.B. "wir alle wollen zu unseren Familien zurück" wirken in der Synchro mißverständlich und viele andere Sätze sind weit weg vom Original. Von der Besetzung gesehen bin ich bisher etwas verwirrt, ich hörte einige unbekannte Stimmen, mal schauen, was sich da tut. Ebenfalls der Tafelgag wurde glaube ich ruiniert, das habe ich akustisch nicht so richtig mitbekommen. Man beachte bitte mal, dass Homer hier zum ersten Mal seinen neuen Standardsatz "'Cause if you don't" sagt, genaugenommen "'Cause if they weren't". Ein trauriger neuer Homer Satz, den ich trauriger Weise aber schon im Alltag gebrauche. Meine persönliche Übersetzung ist "Denn wenn nicht...", weil das einfach so universell ist wie das Original. Ivar hat dafür eine recht seltsame Variante genommen, was will man erwarten, wahrscheinlich ein neuer versauter Running Gag. Weiter läßt sich schlecht anmerken, dass "Subjekt" ein etwas komisch gewähltes Wort für das Versuchsobjekt ist und Norbert Gastell mittlerweile schon gleich hoch als Erwachsener piepst, wie er früher den jungen Homer gesprochen hat. Dann sind ein paar kleinere Schnitzer drin, z.B. der Satz mit der "Steuererklärung" und der von Skinner "Der Bulldozer macht ein Einkaufszentrum daraus", wobei es sich natürlich nicht um den Bulldozer handelt, der dies macht. Er reißt lediglich das Haus ein. Ganz schlimm ist wie ja bereits einstimmig entschlossen der deutsche Titel, der auch noch in der Sendung zitiert werden muß. Gegen Ende häufen sich nochmals die Fehler. Moe sagt etwas wie "Ich finde das ziemlich dämlich", wobei es sich anhört, als würde er meinen, er findet diese Arbeit und die Tatsache, dass Homer es will ziemlich dämlich. Dabei meint er natürlich, dass er glaubt, dass Homers Reaktion schon recht dämlich ist, er also den richtigen Weg mit dem Stift findet. Zuletzt finde ich noch den Enddialog recht traurig umgesetzt mit Sätzen wie "Wir hatten was bitte auf einer was?" und "Das ist umarmt.", verschlechtert den Schluß ganz deftig.

SCHLECHT                                 GUT

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[ ][ ][ ][ ][ ] IVARISIERUNG [ ][ ][ ][ ][ ]
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[ ][ ][ ][ ][ ]    GESAMT    [X][ ][ ][ ][ ]

PROZENT: 65 %
NOTE:    C-


Review von Chris Pfeiler

Nachdem sich CABF letzte Woche in die tiefsten Regionen des Niveaus begeben hat bekommt diese Woche die BABF-Reihe nochmal eine Chance. Prinzipiell gesehen ist die heutige BABF22 auch gar keine schlechte Folge. Prinzipiell gesehen. In der Praxis zeigt die Folge leider zu viele Schwächen die ihr hohes Potential zu einem großen Teil vergeuden oder stark abschwächen.

Fangen wir aus gutem Grund mal mit dem Negativen an.

Man muß wohl kein Berufsnörgler sein um zu erkennen das die Folge eine beachtliche Schwäche in Struktur und Erzählweise aufweist. Das Einsetzen der eigentlichen "Handlung" durch das erstmalige Erwähnen des relevanten Wortes "crayon" findet nach 11 Minuten statt - was bedeutet das bei einer 20-Minuten-Folge noch circa 9 Minuten Laufzeit übrig sind um die Charakterhandlung (die enormes Potential gehabt hätte) zu entfalten und das ist in diesem Stil nicht wirklich möglich.

Die gesamten ersten 11 Minuten der Folge werden hier benutzt für eine relativ lose Anreihung von sketchartigen Einzelszenen und Slapstick ohne echte Handlungslinie. Die Folge von letzter Woche hat den Fehler gemacht die Situation "Simpsons ohne Geld" ohne jede Erklärung zu konstruieren, die Folge dieser Woche macht das krasse Gegenteil und erklärt den Grund für Homers finanzielle Nöte im unsinnigen Übermaß und springt 11 Minuten lang von Joke zu Joke ohne zum Punkt zu kommen. Das ist keine notwendige Erklärung der Dinge sondern Verschwendung wertvoller Laufzeit.

Die Folge bezieht Teile ihrer Handlung aus dem Roman "Flowers for Algernon" aber dieses Potential wird IMO leider zu übermäßig dem grellen Humor geopfert. Weniger Humor dieser Art wäre hier weit besser gewesen. Hätte man auf Unsinn verzichtet, den Grund für Homers gesteigerten Intellekt auch nur halbwegs plausibel erklärt (z.B. mit Medikamenten wie im Roman) und dann einen Großteil der Laufzeit dafür genutzt das neue emotionale Verhältnis zwischen Homer und Lisa zu zeigen und konkret zu zeigen wie sich Homer von seiner Umgebung entfremdet und das Ganze noch mit einer Prise von dunklerem Humor und Subtilität gewürzt - schon hätte man von der Idee her einen A+ Kandidaten gehabt. Für die klassischen drei Staffeln wäre das Thema wohl etwas zu gewagt aber ich könnte mir eine herausragende S7-Folge vorstellen die es in ernsthafter Weise behandelt.

Was haben wir stattdessen: eine li-la-lustige und gleichzeitig recht leere S12-Folge die einen Großteil ihrer Zeit für lauten Humor verschwendet und versucht alles so lustig und so einfach wie nur möglich zu gestalten (man denke an das Wort "Abdummung") und die sich Homer in einer Ekelszene Stifte in den Kopf schieben läßt und dann in wenig Zeit noch versucht eine Form von Charakterhandlung mit emotionalen Elementen aufzubauen. Die modernen Autoren hatten wieder Angst vor der möglichen Ernsthaftigkeit der Handlung und haben jede Menge Unsinn reingekleistert. Die Episode mag daher zwar nicht direkt für den foll grassen Fan gemacht sein aber sie ist so gemacht das sie ihn auch nicht vergrault. Die brilliante Grundidee wird auf diese Weise IMO leider zur besseren Mittelmäßigkeit degradiert.

Die Folge ist abgehoben von jeder Realität und widerspricht auch der Kontinuität im Hinblick auf die Simpson-Gene - aber davor hatte uns ja Osmodiar schon gewarnt dessen zweiter Auftritt doch eher störend wirkt. Auf die Gefahr hin von verbalen Sahnetorten getroffen zu werden muß ich auch sagen das mir der Level an bizarren visuellen Gags für die Grundthematik zu hoch ist und der Episode hier mehr schadet als nutzt da er alle ernsteren Teile gleich ad absurdum führt. Wie ich schon sagte hätte etwas Plausibilität dem Plot geholfen. Der Humor tendiert in Teilen auch zum simplen Slapstick für die Massen (siehe z.B. Homer mit dem Animotion-Anzug auf dem Klo) und vor allem die enorme "Vorgeschichte" ist meist nicht mehr als ziellose Cartoon-Gaudi. Die Sache mit der Operation bei Moe überschreitet auch etwas die Grenze vom Bizarren zum BABF-Geschmacklosen.

Jetzt habe ich viel Negatives gesagt - was aber nicht bedeutet das die Folge wirklich schlecht ist. Es bedeutet nur das viel von ihrem Potential vergeudet. Sehen wir uns die positiven Seiten an.

Der erste Teil der Folge mag ohne viel Zusammenhang sein aber enthält im joke-in-a-row-Stil doch einige gute Elemente und Jokes wie etwa Homer am Telefon oder auch die akzeptable Selbstironie mit Carl ("Does he still work here?"). Auch weitere Szenen wie Homers Beweis das es Gott nicht gibt und Flanders Reaktion darauf enthalten satirische Elemente. Als die Ep dann endlich zum Punkt kommt sind auch Parallelen zum Roman erkennbar - die Ratte bei Homer ist Algernon - und sein Satz über die Hauptstadt von North Dakota ist eine Referenz auf "Simpson & Delilah" aus S2. Ist ja schon positiv das es sowas noch gibt. Auch Barney und sein Kaffee sind ein Element von moderner Kontinuität, die Ohren auf seinem Oberkörper sind allerdings mehr ein Element des modernen Schwachsinns.

Homers Entfremdung von der Gesellschaft wird zu seicht und oberflächlich gezeigt und setzt viel zu spät ein aber speziell die Szene als er bei dem seltsamen Film als Einziger den simplen Humor nicht erkennt gibt zumindest einen kurzen Eindruck von dem was mit der Handlung möglich gewesen wäre. Homer kann nicht mehr über dumme Dinge lachen und erkennt daher im Kino das er sich völlig von seiner normalen Umgebung entfernt hat und so nicht leben kann. Das ist der Grund für seine Angst und der Grund warum er den Weg des Feiglings wählt und zurück zu einem dummen aber glücklichen Leben will. Lisas "As intelligence goes up, happyness often goes down" ist wohl einer der besten Sätze die seit langem in einer modernen Folge gesagt wurden und eine BABF-untypische Weisheit.

Der Schluß ist wegen seiner emotionalen Aspekte als positiv zu werten auch wenn er zu aufgesetzt wirkt, was daran liegen mag das sich das neue Verhältnis zwischen Homer und Lisa in 9 Minuten wohl kaum schlüssig entwickeln konnte. Homer wählt den Weg des Egoisten aber ist sich seiner Feigheit noch bewußt, seine Dummheit (Fenster springen) wirkt aber schon wieder überzogen und für den foll grassen Fan konstruiert. Lisa hatte früher auch schon Briefe bekommen die mit weniger Worten mehr Tiefgang zeigten aber das ist lange her (ich sage nur 7F19). IMO kein perfekter Schluß ohne Makel aber für moderne Verhältnisse doch positiv.

Die Synchro überlasse ich Andi, allein den deutschen Titel sollte man schon in die Tonne treten. Ansonsten schien mir die Synchro so halbwegs okay.

Fazit: die Folge ist leider ein gutes Beispiel für verschwendetes Potential und dafür warum moderner Stil - der alles so einfach und lustig wie möglich zeigen will - oft nicht wirklich funktioniert. Versuch einer intelligenten Grundhandlung mit teilweise netten Jokes und Schmunzelmaterial die aber durch eine arg mißlungene Struktur und die Überbetonung von simplen Fun-Elementen leidet. Der Schluß ist aufgesetzt aber nett, dünne satirische Elemente sind da. Zu viel akzeptables Material um schlecht zu sein aber zu BABF um wirklich gut zu sein und für klassische Verhältnisse arg banal. Die Idee ist astrein, die Ausführung zieht die Episode aber runter bis in die bessere Mittelmäßigkeit. Note C+.

Das diese Episode den Emmy erhalten und damit auch noch gegen "Amazon Women" gewonnen hat ist schon recht seltsam, denn für eine solche Auszeichnung reicht diese Qualität sicher nicht aus. Ist ja gut und schön wenn die Simpsons noch immer gewinnen aber mit sowas erscheint mir das unfair.

Chris

P.S. Man sollte die Episode schätzen so gut es geht denn nächste Woche erwartet uns das IMO wohl schlechteste THOH aller Zeiten und auch der weitere Ausblick sieht nicht sehr gut aus.