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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Die Folge ist irgendwie schwierig zu bewerten. Einerseits war sie weit besser als man rein von der seltsamen Handlungsbeschreibung her vermuten könnte aber andererseits war sie auch nicht wirklich überragend gut und einige Dinge störten.

Fangen wir mit dem Negativen an: die Folge beginnt bereits in einem Niveau-Loch (Homer und Bart durchwühlen Müllcontainer) und kommt auch nie wieder ganz raus. Nach einer typisch jerkig-dummen Aktion flüchtet sich Homer zu Moe, wo mal wieder Carl und Lenny (???) sitzen, die offenbar genau wie Homer keinen Job mehr zu haben scheinen. Der ganze nun beginnende Hauptplot mit Barney wirkt IMHO auch etwas arg konstruiert, vor allem ist absolut unklar wie Moe darauf kommt Barney einen Gutschein für Hubschrauberflugstunden zu schenken. Von der Handlung her werden natürlich Erinnerungen an Folgen wie "Mr Plow" und "Duffless" wach, deren Qualität hier aber mal wieder bei weitem nicht erreicht wird (schon gar nicht die A-Noten "Duffless")

Die Cartoon-Effekte sind zwar auch diesmal weniger störend, aber einiges an Blödsinn und Ungereimtheiten fällt trotzdem auf, z.B. die Autotür an Barneys Hand oder die Wohnung über Moe´s Bar oder die Play-Doh-Fabrik. Besonderer Negativpunkt für Homer der sich bei Moe mal wieder für alle (auch alle Zuschauer) freiwillig zum totalen Idioten macht. Homer´s Satz bei dem AA-Meeting "I can sink way lower" ist hoffentlich kein Versprechen für die Zukunft. Der Schrank der bis oben hin vollgestopft war mit Gegenständen aus alten Folgen war auch nicht gerade ein Triumph der subtilen Kontinuität sondern eher Holzhammer.

Zum Positiven: Es hätte weit schlimmer sein können als es wirklich war. Die Charakterisierung war in Ordnung, die Cartoon-Effekte waren wie gesagt nicht übermäßig störend und einige der Jokes haben recht gut funktioniert und man konnte darüber lachen. Die Strukturierung des Plots war okay und über S11-Standard und wir hatten sogar einen Bart/Lisa?-Team-Subplot der sich am Ende mit dem Hauptplot zusammengefunden hat und sogar ein eigenes recht gutes Ende hatte (Babyfotos). Homer zeigt in der Folge wenigstens etwas Charaktertiefe - wenn auch im Slapstick-Stil - und hilft Barney am Ende quasi uneigennützig. Die ruhigere Szene auf der Parkbank bringt auch den Hauptplot zu einem guten Abschluß und gute Schlüße sind eine Rarität in S11.

Es war übrigends die erste Episode die von Dan Castellaneta geschrieben wurde und für ein Erstlingswerk war es auf jeden Fall besser als manches was "erfahrene" Autoren wie etwa Al Jean in dieser Staffel schon abgeliefert haben. Die Hubschrauber-Szenen sahen mir teilweise doch sehr stark nach Computeranimation aus, obwohl es bis vor kurzem noch hieß daß alle Simpsons-Folgen weiterhin komplett handgezeichnet werden. Ob der Schritt zum Computer nun positiv oder negativ ist weiß ich nicht so ganz, das Flair der klassischen handgezeichneten 3D-Schwenks geht aber verloren. Barney ist ab nun auf jeden Fall kein Alkoholiker mehr, sondern nur noch Kaffee-Trinker (und wieder geht eine Ära bei den Simpsons zu Ende *g*)

Die Synchro war auf jeden Fall besser als letzte Woche, aber das ist nicht besonders schwer. Ein paar verpeilte Sachen waren aber drin, "you´re upsetting me" heißt z.B. nicht "Sie widern mich an". Ich hatte erwartet das die "mit dem Billardtisch getrieben" ("made sweet love to your pool table") Sache irgendwie für das deutsche "Kinderprogramm" entschärft werden würde, aber sie wurde gesagt. Ob derartig derber Stuff wirklich notwendig ist, ist wieder die andere Frage.

Fazit: keine besonders überragende Folge, aber in S11 klar eine der Besseren. Einige überzogene Action-Einlagen und teilweise plumper Humor stehen einer recht guten Folgenstrukturierung und teilweise gelungenen Jokes gegenüber. Ähnlich wie beim Tod von Maude Flanders wird auch hier ein sehr wichtiges Ereignis (Barney hört auf zu trinken) mit etwas zuviel Oberflächlichkeit behandelt. Mitdenken mußte man bei der Folge auf jeden Fall nicht besonders viel und im Vergleich zu älteren Anti-Alkohol-Folgen wie "Duffless" schneidet sie schwächer ab. Trotzdem war sie unterhaltsam und in Teilen durchaus lustig, daher gebe ich die gute Note C+.