ULOC-Logo      
ULOC-Suche

 
Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Ich denke AABF08 ist eine der typischen Meh-Episoden in den aktuellen Staffeln.

Sie ist nicht gut genug um irgendwie aufzufallen, sie ist aber auch nicht schlecht genug um irgendwie besonders aufzufallen. Die Folge hat keine echte Handlung oder einen Inhalt der länger im Gedächtnis bleibt sondern rutscht auf breiter Basis (fast) in eine zu typische Allerwelts-Sitcom ab in der man die Simpsons und die Springfieldianer durch fast jede Sitcom-Familie ersetzen könnte. Für eine normale Serie wäre das noch akzeptabel, für die Simpsons ist es doch eine blasse Vorstellung - speziell wenn man bedenkt das mit Tom Martin, George Meyer, Brian Scully und Mike Scully gleich vier Autoren an der Folge "gearbeitet" haben. Schwaches Ergebnis.

Der sitcom-typische "Moderne Simpsons"-Effekt der Episode zeigt sich in verschiedenen Beispielen, zum Beispiel in der Sorte von Humor die leider typisch für vieles aus der Scully-Zeit ist (Wally zur Busfahrerin: "I´m sorry, the guys made kind of a mess in your bathroom." "What bathroom?") oder auch durch eine Vielzahl kurioser visueller Gags wie etwa Rev. Lovejoy der seine Kleidung verliert als ihm jemand den Kragen klaut, das überdrehte Chaos inklusive Ziege im Bus oder gar Rupert Murdoch der mit ein paar Rauchbomben seine Schläger erscheinen läßt (sein "Silence" ist trotzdem irgendwie lustig.)

Das Problem ist hier wohl einfach das die Simpsons keine Serie über einen Haufen Chaoten ist die sich am Bildschirm als flache und "ultralustige" Comedy-Clowns versuchen und sehr schnell in ein wildes Laufen und Rumstolpern durch kuriose "Abenteuer" geraten. Das kann am richtigen Platz und in der richtigen Serie amüsant sein aber bei den Simpsons ist es eher befremdlich. IMO natürlich.

Viele der Jokes scheinen zudem nach einem zu deutlichen und festen Schema einfach der Reihe nach abgespult zu werden und speziell als die Truppe dann beim Super Bowl ankommt verliert die Folge beinahe jeglichen Inhalt und jeglichen Anspruch als Simpsons-Folge zu gelten. Die "Anti-Helden" rund um Homer stolpern nur noch von einer Seite des Bildschirms zur anderen und wursteln sich durch einige eher minder lustige Comedy-Einlagen bis sie am Schluß bei den Spielern in der Kabine landen und dort nochmal etwas Blödsinn machen. Wenig Handlung mit noch weniger Inhalt. Der sogenannte Sub-Plot mit Marge und Lisa die Eier anmalen und beim schon lange toten Vincent Price anrufen um wegen fehlender Beine nachzufragen ist kurz und ziellos und von sinnloser Bizarrität.

Am Schluß der Folge kommt dann nochmal eine Ladung schräger Selbstironie die man wohl gerade noch so durchgehen lassen kann (es gibt Schlimmeres) aber die auch ein Vorzeichen der kommenden Dinge in S11 ist. Die beiden Football-Sprecher John Madden und Pat Summerall (die in Deutschland eh keiner kennt) übernehmen gleich noch die Rolle der Nörgelfans und geben ihren Kommentar zur Folge ab "What a way to treat the loyal fans, who put up with so much nonsense from this franchise" als auch gleich nochmals Vincent Price ohne jeden Sinn mit einem Bus auftaucht was frech mit "That doesn't make a lick of sense" kommentiert wird. Vincent ruckelt mit dem Bus aus dem Bild, Ende der Folge. Bizarr ist nicht immer gut - vor allem wenn die Handlung davor bei weitem zu dünn war um ein bizarres Ende zu tragen wodurch das Ende recht dämlich erscheinen kann.

Trotzdem mal zum Positiven: die Folge mag als Gesamtkonzept eher weniger funktionieren aber hat in Einzeljokes durchaus gute Momente. Speziell der Anfang der Folge mit dem Schulausflug und der netten Überleitung mit Homers Gutscheinen hin zum Treffen mit Wally Kogen (der Name wurde aus Jay Kogen und Wallace Wollodarsky gebildet - zwei von mir sehr geschätzte Autoren) und letzlich hin zur Fahrt zum Super Bowl ist eigentlich strukturell recht gut gelungen und hier erkennt man noch gar nicht das die Folge im zweiten und dritten Akt relativ stark an Qualität und Struktur verlieren wird.

Die Nummer als Homer, Wally und Moe hinter dem Krug über den Super Bowl sprechen ist gute Satire da man bei der Produktion ja noch nicht wußte wer denn ins Endspiel kommt und wer dann Präsident ist (Anspielung auf Lewinsky-Affäre - ebenso wie die Szene als Clinton Homer im Stadion anruft und Al Gore im Hintergrund schon die Vorhänge abmißt weil er hofft bald selbst Präsident zu sein. Nicht mehr ganz aktuell aber damals gute Satire.) Viele der Jokes in der langen festen Joke-Reihe fallen eher flach und zünden nicht aber ein paar nette Schmunzler tauchen auf.

Fazit: eine vor allem in der zweiten Hälfte zu sitcomige und zu vergessenswürdige Episode die speziell für die Simpsons arg unpassend wirkt. Rudimentärer Subplot und Fan-Veräppeln mit sehr schrägem Schluß plus eine etwas zu hohe Anzahl visueller Gags und eine gewisse Leere weisen deutlich nach S11. Kleinere gute satirische Elemente und nette Jokes heben das Niveau noch ein bißchen an und trotz des teilweise obskuren Humors und des Schlußes hat die Folge noch etwas Kontakt zur Realität. Man kann an der Folge IMO für 20 Minuten durchaus etwas Spaß haben aber es bleibt nix übrig wenn die Folge zu Ende ist. Wegen einiger Lacher und besserer Teile Note C-.