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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Sehen wir uns also mal 9F16 "The Front" an, die einzige Folge, die P7 aus seltsamen Gründen bisher noch nie im Vorabendprogramm gezeigt hat, sondern immer erst später. Ich gehe mal davon aus, das jeder hier die Ep trotzdem kennt (obwohl ich sie schon lange nicht mehr auf Deutsch gesehen habe.)

Ironie und Metahumor waren ja oft Bestandteil von Episoden und wurden für nette Jokes verwendet, bei 9F16 ist diese Form von Humor aber nicht nur ein Bestandteil der Handlung, sondern der einzige Bestandteil der (Haupt)handlung, so daß die Episode großflächig etwas zu stark an einen überlangen und zur Episode gedehnten Metajoke erinnert und zuwenig an echten Ablauf.

Wir haben sehr viele gut ausgedachte Ideen aus dem Bereich der Animationsparodie und Ironie - der lahme I&S ohne jeglichen Inhalt, Barts erstauntes "Cartoons have writers?", das Swartzwelder-Buch, die visuelle und surreale Ironie mit dem ständig gleichen Hintergrund, die zahlreichen Autoren (Mike Reiss, Al Jean, Sam Simon, Jon Vitti und andere) und sogar MG selbst bei der Preisverleihung. Das ist alles gut und schön - nur eine wirkliche Handlung ist hier fast nicht vorhanden, die Folge springt an recht losem Faden von Einzel(meta)joke zu Einzeljoke, ohne das ein festes Ziel erkennbar ist.

Die Haupthandlung tritt im Grunde auf der Stelle und wechselt nur zwischen Ironie, I&S-Einlagen und Szenen von Grampa, der keine Ahnung hat, um was es eigentlich geht. Die Folge hat faktisch kein Ziel, ihre einzige Substanz und Richtung ist es, das Cartoonbusiness an sich zu persiflieren. Das macht sie denn auch, aber vielleicht etwas zu laut und zu einseitig - was eben daran liegt, das diese Selbstironie nicht subtil im Hintergrund des Plots liegt (wie sonst), sondern der Plot selbst ist.

Am Ende gewinnt Grampa den Preis für "seine" Skripte und kann (nachdem er I&S zum ersten Mal sieht) allen seine Abscheu über die ganze Cartoonindustrie sagen. Schluß. Ende. Dieser Schluß kann eigentlich nur entstehen, weil die Handlung selbst plötzlich in eine endlich feste Richtung drängt, weil der "Gewinn" als ein plotinternes Ereignis die recht inaktiven Charaktere in diese Situation zieht. Das Konstrukt wirkt etwas plump und abrupt, aber bei der Richtungslosigkeit innerhalb der Ep war es eigentlich gar nicht anders möglich, die Folge zu Ende zu bringen. Konkrete Charakterinitiative hätte nichts gebracht, da keine Richtung für eine Initiative zu erkennen war.

Der Subplot mit Homer und der "High School Reunion" ist ganz unterhaltsam, läuft aber (und das ist selten in S4) völlig am Hauptplot vorbei und macht etwas den Eindruck sitcomigen Füllmaterials. Es ist auch die Folge, in der Artie Ziff Homer zum ersten Mal Geld für eine Nacht mit Marge bietet. Die besten Nonmeta-Lacher der Folge gehen auf jeden Fall auf Homer, wie etwa die Donut-Szene beim Chemie-Unterricht und Homers verzweifeltes "This is not happening" und anderes.

Die ganze ausgelutschte Situation bei I&S erinnert einen leider auch etwas an moderne OFF-Folgen und S1x, womit die Autoren damals bestimmt nicht gerechnet haben (und was sie auch heute nicht zugeben würden.) Der völlig lahme I&S mit Barts "They´re building to something" und mit grober Schlußmessage "Don´t use Drugs" hat irgendetwas von der Sinnlosigkeit und Leere von modernen Folgen und ihren plumpen Satiren/Botschaften? mit Alibifunktion, auch bei S1x-Folgen hat man ab und zu noch die Hoffnung, das sie zu irgendetwas führen könnten. Roger Myers Jr. und sein "If I puked in a fountain pen and mailed it to the monkey house, I´d get better scripts" ist ja ohnehin *der* Satz über neue Folgen, vielleicht zusammen mit Sideshow Bobs McGyver?-Zitat aus 8F20 ;-).

Warum P7 die Folge nicht im normalen Programm zeigt, ist mir nicht ersichtlich, zumal alle "bösen" Folgen wie "Cape Feare" oder THOH IX nun schon um 18/19:00 Uhr gelaufen sind. Ich kann bei 9F16 eigentlich nichts besonders übles entdecken, lediglich der dritte I&S "Screams from a Mall" ist mit der Häutung vielleicht etwas über dem normalen Level.

Fazit: eine etwas substanz- und ziellose Folge, deren Hauptinhalt aus Metahumor und Selbstironie besteht. Trotzdem viele recht nette Jokes und gute Ironie und Persiflage des Cartoonbusiness. Eine Episode für den kurzen Lacher, aber IMO nicht von Bestand, ein leichtes Kuriosum für sich und mit etwas plumpem und abruptem Ende. Der Flanders-Short ganz am Schluß ist kultig. Note B-.

© Chris Pfeiler