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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Hier also mal ein...äh...kurzes Wunschreview zu 8F07 "Saturdays of Thunder".

Ich habe diese Folge gewählt, weil ich sie eigentlich für keine der wirklich herausragenden S3-Folgen halte und weil ich doch ein paar kleinere Schwächen sehe (was in klassischen Staffeln ja selten vorkommt.) Ich denke die Folge funktioniert im satirischen und humoristischen Detail besser als im Gesamtkonzept.

Sehen wir uns mal die negativeren Aspekte an.

Es war vielleicht keine besonders gute Idee, die Folge direkt nach "Lisa´s Pony" zu zeigen (es wurde aber bei der Erstaustrahlung in den USA genauso gemacht) da die Themen der beiden Episoden auf der einen Seite doch etwas zu ähnlich wirken, während es auf der anderen Seite auch qualitative Unterschiede gibt. In beiden Folgen geht es um Homers Fähigkeiten als Vater und um die Vernachlässigung eines seiner Kinder, im Gesamtbild schneidet "Lisa´s Pony" IMO besser ab.

Generell könnte ich jetzt subjektiv sagen, das Folgen mit "Lisa" im Titel sowieso alle besser sind, aber ich denke, das es bei Homer-Lisa-Folgen auch eine objektive Basis dafür gibt. Bei allen astreinen Folgen über Homer und Lisa (vgl. 7F19, 8F12, 3F03 etc.) entsteht der Inhalt und der Aufhänger der Story aus der starken charakterlichen und intellektuellen Unterschiedlichkeit und aus dem ständig präsenten Entfremdungskonflikt zwischen Vater und Tochter.

Bei Episoden über Homer und Bart fehlt nun dieser Konflikt, es fehlt damit auch ein gewisser Aufhänger und die emotionalere Komponente wirkt von Anfang an flacher und konstruierter. Bart und Homer sind sich ohnehin sehr ähnlich (siehe z.B. Anfang von 7F06) und daher haben die Konflikte zwischen beiden nicht das tiefere Potential wie zwischen Homer und Lisa (bzw. zwischen Bart und Lisa).

Der Ablauf von 8F07 erscheint mir erstaunlich flach und ich kann nicht mal genau sagen, woran das nun im Detail liegt. Es mag zum Teil sicher an den oben erwähnten Dingen liegen und daran, das die emotionale Konfliktkomponente bei Homer und Bart nicht die Tragweite (und Handlungsfähigkeit) hat wie bei Homer und Lisa. Es mag auch an Detailgründen der Struktur liegen, die Folge versucht ihren Mangel an Substanz etwas mit (sehr guten satirischen) Füllszenen wie Spiffy und McBain zu füllen und macht auch einige "Plotkurven", die Folge ist nicht so zielgerichtet wie etwa 8F05 oder 8F06.

Kommen wir zu den positiveren Aspekten.

Worin die Folge sehr gut funktioniert, sind Jokes und Satire im Detail. Die Werbung für "Spiffy" ist auf der einen Seite Parodie über Werbesendungen, auf der anderen Seite aber auch ein Seitenhieb darauf, wie die Amerikaner mit ihrem kulturellen Erbe umgehen - gezeigt durch den Grabstein von Edgar Allan Poe ("One of our best writers." - "Yes, but unfortunately, a century of neglect has turn this tombstone into a depressing eyesore.") Der McBain-Film ist eine der besten Actionparodien überhaupt und die ganze Sache mit dem "National Fatherhood Institute" ist interessante Satire und gesellschaftlicher Seitenhieb.

Homer versucht, ein guter Vater für Bart zu sein, geht aber im Grunde in der ganzen Folge weit an den "Richtlinien" vorbei und das ist am Schluß vielleicht sein Erfolgsgeheimnis. Er ist inkompetent, er läßt Bart mit Werkzeug hantieren, macht selbst jede Menge Unsinn, setzt durch das Bart ohne Schutzhelm starten darf (was im Vergleich zu klassischen sicherheitsbewußten Sitcom-Vätern radikal wirkt) und trotzdem ist es am Ende so, das Homer als Vater erfolgreich ist und das Bart seine Anwesenheit braucht.

Das liegt IMO daran, das beide "gleich" sind (deutlich in der Spottszene gegen Nelson) und das sie gar kein "Fatherhood Institute" und keine obskuren Cosby-Bücher brauchen. Der unerwartete Joke, das das Vorbild von Bart - Ronny Beck - auch nur ein kleiner Junge ist, tendiert vermutlich in jene Richtung, das Barts anderes Vorbild - Homer - auch nur ein "großes Kind" ist. Der Schluß mit dem hübsch satirisch überzogenen Institut und der "mission control" ist sehr gut gemacht und soll in dieser Form wohl die schräge Elternberatung in Amerika parodieren, die oftmals durch übertechnisierte Konzepte an den Problemwurzeln vorbei geht.

Auf der einen Seite haben wir die familiäre Integrität zwischen Bart und Homer mit der klassischen emotionalen Komponente (soweit das bei Bart/Homer? möglich ist) und auf der anderen Seite haben wir eine satirisch überzeichnete Realität. Die Folge tendiert in ihren Jokes wohl teilweise auch mehr zum deutlicheren und weniger dezenten Sarkasmus als in S2, wir haben z.B. einen Genickbruch beim Football, eine Hai-Attacke beim "Underwater Fathering" und Martin in Flammen. Hier sehen wir die ersten Schritte hin zum stärkeren Sarkasmus späterer Staffeln (es sollte mal zum Problem werden.)

Die deutsche Synchro schien mir in Ordnung zu sein, sogar besser als manch andere Arbeiten von Rabe in S3, lediglich bei Homers "reverse psychology" kam mir die Betonung etwas unklar vor. Damals konnte man aber Sandra Schwittau und Nobby sogar noch einigermaßen erträglich zuhören, das Original ist dank Dan und Nancy Cartwright um Längen besser.

Fazit: eine gute Folge, die aber meiner Ansicht nach im satirischen Detail besser funktioniert als im Gesamtkonzept. Viele nette Jokes, gute Satire, viele gute Parodien (Lethal Weapon, Ben Hur etc.) aber irgendwie ein Plotablauf, der nicht so ganz in Schwung kommt. Verglichen mit heutigem Müll eine astreine Folge, verglichen mit S3-Niveau aber IMO kein Spitzenplatz.

© Chris Pfeiler