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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Werfen wir also einen Blick auf Folge 8F05 "Like Father Like Clown" aus S3, US-Erstsendung am 24.10.1991, geschrieben von Jay Kogen und Wallace Wolodarsky.

Nun ist dies an der Oberfläche einerseits eine sehr gelungene Parodie auf "The Jazzsinger", was in der Folge selbst auch mit dem Zitat von Rabbi Krustofsky "Oh, if you were a musician or a jazz singer, this I could forgive..." recht hübsch unterstrichen wird. In einer aktuellen Folge würde man aber natürlich die Übererklärung kritisieren ;-).

Die Folge macht ihre Aufgabe in diesem Bereich sehr gut und reduziert die Charaktere niemals auf Karikaturen für den Zweck der Parodie. Die Figuren haben Tiefgang, Emotionen und Motivationen. Gerade auch Krusty fällt hier sehr positiv auf: einerseits ist er ein egozentrischer und wenig tugendhafter Charakter, welcher in seinem realen Leben für seine Zuschauer sicherlich kein Rollenmodell wäre. Andererseits gibt ihm die Folge auch eine gewisse Tragik und Tiefgang, die den Zuschauer mit und für den Charakter empfinden läßt.

Leider ist Krusty gerade in S1x (wie so viele andere Charaktere auch) auf seine "humoristischen" Notwendigkeiten reduziert worden, was wohl der Grund dafür ist, daß die zweite Rabbi-Krustofsky-Folge in S15 weit weniger gut funktionierte, als 8F05. Gerade im aktuellen Jean-Bereich scheint Krustys Auftreten häufig nur noch aus kruden Zitaten auf sein Privatleben voll mit Sex, Crime und Drogen zu bestehen (siehe nur als Beispiel sein "I will need a shoebox full of blow to get through this dreck" in einer kürzlichen Episode.) Aber zurück zu 8F05.

Neben diesen emotionalen Aspekten (manch Zuschauer aktueller Staffeln mag gerade den Schluß als etwas zu kitschig betrachten) hat die Folge IMO noch eine zweite Erzählebene, die sich subtil mit Religion, deren inhärenten Problemen bzw. deren Abgehobenheit von Problemen der realen Welt beschäftigt. Hierbei bekommen sowohl der strenge Judaismus, als auch das Christentum Seitenhiebe ab, das Ganze jedoch stets mit Stil und Klasse. Daß die Folge laut Capsule zwei echte Rabbis als Berater hatte, zeigt recht gut, wie damals an Themen herangegangen wurde.

Eines der Anliegen der Folge zeigt sich in folgendem Dialog:

Announcer: And our first caller is from Shelbyville Heights. Caller: Yes, hi. With all the suffering and injustice in the world,

           do you ever wonder if God really exists?
Rev. L: No. Msgr. D: [Irish accent] Not for a second. Rabbi K: Not at all. Announcer: Great, good conversation there. Our next call...

Man beachte im weiteren Zusammenhang auch das Gespräch zwischen Bart, Lisa und Reverend Lovejoy, die Tatsache, daß die unbeliebte Sendung im Radio zur "Sunday night dead time" läuft und von "Ace Religious Supply" gesponsort wird (...where they say, "If we don´t got it, it ain´t holy".) und die Notwendigkeit, die Frage nach dem Kauf eines Chryslers als ethische Frage zu formulieren, sowie weitere Szenen.

Auch der Rabbi bedient sich letztlich seiner Religion, um diese für die Rechtfertigung einer persönlichen Meinung zu verwenden, nämlich für die Ablehnung seines Sohnes. Daß die Diskussionen zwischen Bart und dem Rabbi über seine Akzeptanz eines Clown-Sohnes mit Bezügen auf Rabbi Simon ben Eliezer, Maimonides und den Schriftrollen vom Toten Meer geführt wird, ist natürlich auffallend obskur und zeigt die Distanz des schriftgelehrten Rabbi vom realen Problem.

Es mag daher bezeichnend sein, daß das überzeugendste Argument am Schluß aus einer weltlichen Quelle kommt: Entertainer Sammy Davis jr. ("the candyman") zum Thema Schicksal des jüdischen Volkes. Es hat mich früher stets ein bißchen gestört, daß der Rabbi plötzlich überzeugt ist, aber vielleicht ist eben gerade die "non-religiöse" Natur des Arguments hier der eigentliche Punkt.

Darüber hinaus hat die Episode zahlreiche wunderbare Zitate. Es ist auch eine sehr schöne Idee, diese ernstere Story auf Simpsons-Seite den Kindern Bart und Lisa zu überlassen. Ein klassisches Zitat aus der Folge dürfte dabei auch Lisas "A man who envies our family is a man who needs help" sein, daß ihre Motivationen gelungen begründet. Erwähnung verdient natürlich auch Jackie Mason als Rabbi Krustofsky und die visuelle Umsetzung der Folge. Einer der beiden "Directors" war übrigens ein talentierter junger Mann namens Brad Bird.

Fazit: IMO eine der schönsten Folgen in Staffel 3 und im Detail eben deutlich mehr, als nur eine Jazzsinger-Parodie. Eine der essentiellen Charakterfolgen des klassischen Krusty und nebenbei ein Diskurs über religiöse Argumente und Lebensweisen in der heutigen Welt. Note 1.