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Die Simpsons

Review zur Episode 7G13 "Tauschgeschäfte und Spione" aus der ersten Staffel der Simpsons

Dieses Review ist ein verspätetes Geburtstagsgeschenk an Chris. Als ich gratulierte, erinnerte er mich daran, daß ich zu dieser Episode ein Review versprochen hatte. Nun denn. Da es schon recht lange her ist, daß ich diese Folge sah, schaute ich sie mir im Vorfeld dieses Textes zweimal an. Zuerst im Original, dann in der Synchro von Siegfried Rabe. Rabes Arbeit verdient Lob und Anerkennung. Die Stimmung kommt rüber, viele Gags zünden auch im Deutschen, selbst die Lippensynchronität ist vorbildlich. Auch die Probleme der verschiedenen gesprochenen Sprachen ("Albanisch", Französisch, Englisch (bzw. Deutsch) mit französischen, "albanischen" Dialekt wurde gut hinbekommen. Wobei das Französisch im Original eine gelinde Zumutung ist, offenbar konnte man sich damals noch keine Muttersprachler für die Rolle von Cesar, Neffe Huguolin und dem französischen Polizisten leisten. Nur zwei kleine Freiheiten fielen mir auf. So wurde im Vorspann "garlic gum" mit "Knoblauch Gummi" statt "Knoblauchkaugummi" übersetzt und aus Skinners Erklärung, wo Albanien liegt wurde aus "on the Adrian Sea" ein "im südlichen Europa". Diese Freiheiten gehen aber ebenso in Ordnung wie die Übersetzung von Skinners Spitznamen "Spanky" in "kleiner Racker".

"Tauschgeschäfte und Spione" ist vom P-Code her die letzte produzierte Folge der ersten Staffel und das merkt man auch, denn in vielen Details zeigt sie schon mehr Professionalität und Reife als mancher Vorgänger. Sie deutet in die Richtung, in die die Serie in Staffel 2 zu neuen Welten und großen Erfolgen hinstrebt. Ich mag daher diese Episode ganz besonders.

Im Original heißt die Folge "The Crepes of Wrath", welch ein genialer Titel! Sowas vermißt man heute schmerzlich. Der Titel ist einen Referenz auf das Buch aus dem Jahr 1939 (und den ein Jahr später erschienenen Film) "The Grapes of Wrath" (dt.: Früchte des Zorns). Nun bedeutet Grapes aber eher Weintrauben und Weintrauben spielen in der Episode eine tragende Rolle. Die Benutzung von Crepes statt Grapes im Titel stellt den Bezug zu Frankreich her. Somit ist der Originaltitel deutlich feingeistiger als das schnöde "Tauschgeschäfte und Spione", das schon wieder zuviel von der Handlung verrät.

Die Handlung setzt damit ein, daß Bart aus der Schule kommt und sein Zeug irgendwo fallen läßt. Homer (mittlerweile schlimm, wie deutlich im Deutschen von Elisabeth Volkmann "Huhmer" gesagt wird) stürzt die Treppe herunter und verletzt sich am Rücken. Schön getroffen ist der leidende Ausdruck, nachdem sich Maggie neben ihm schlafen legte. Da ist des Zuschauers Herz gerührt. Bart findet nun beim aufgezwungenen Aufräumen seines Zimmers einen Feuerwerkskörper. Als er diesen in der Schule im Abwassersystem der Toilettenanlagen zündet, wird Skinners Mutter Agnes völlig durchnäßt. Damit ist das Maß voll. Direktor Skinner hat mit Barts Eltern eine Unterredung (köstlich, wie sein Gesicht durch den Türspion verzerrt ist). Es wird nun ein Schüleraustausch beschlossen. Bart soll für drei Monate nach Frankreich und im Gegenzug nehmen die Simpsons den albanischen Austauschschüler Adil Hoxha auf.

Schön, wie hier auf ein Land eingegangen wird, daß man damals, die Folge ist von 1990, sicher in den USA so gut kannte, wie irgendeine zentralafrikanische Diktatur, nämlich überhaupt nicht. Daher auch Homers Irrtum, der denkt Albaner sind Albinos. Aber auch hierzulande waren bis in die frühen 1990er Jahre von Albanien nur, wenn überhaupt, Mutter Theresa, Silberzwiebeln und Karl Mays "Durch das Land der Skipetaren" bekannt. Albanien hatte sich ja nach Einschlagen des chinesischen Wegs komplett abgeschottet. Der 1985 verstorbene Diktator Enver Hoxha, ist der Namenspatron von Adil. Erst nach Enver Hoxhas Tod kam das Land langsam aus jahrzehntelanger Isolierung. heraus. Hierzulande verbindet man selbst heutzutage mit Albanien noch eher Negatives. Nettes Detail am Rande. Das albanische Flugzeug (mit albanischem Doppeladler) mit der Flugnummer 02 ist eine Propellermaschine. Bart fliegt nach Paris selbstverständlich mit einer vierstrahligen Düsenmaschine. Witzig ist, daß in der deutschen Fassung dem Zuschauer Paris - France mit Paris - Frankreich untertitelt wird. Vielen Dank, dieser Herausforderung wären aber beinahe alle Zuschauer auch so gewachsen gewesen. Aber in Futurama untertitelte der seelige Ivar ja auch "Happy Birthday Fry" mit "Alles Gute zum Geburtstag Fry", insofern wollen wir mal nicht so sein. Übrigens war damals Gegenstand der Diskussion, daß Springfield auf einmal einen Flughafen habe, wo es doch noch einige Folgen vorher geheißen hatte, daß Springfield keinen Flughafen habe. Mittlerweile ist der Flughafen aber etabliert, man denke nur an Folgen wie "Angst vorm Fliegen" oder "Die Simpsons fahren nach...".

Ab jetzt teilt sich der Plot. Zum einen sieht man Adil, wie er das Herz Homers erobert, um Daten über das Atomkraftwerk sammeln zu können, zum anderen Barts schweres Schicksal in Frankreich. Ein schönes Detail am Rande ist Barts Motorradfahrt mit Huguolin zum Chateau. Auf ihrer Reise durch Frankreich fahren sie nämlich durch vier berühmte Gemälde. Es sind:

- das 1899 gemalte Bild, die "Brücke in Monets Garten mit weißen Seerosen" von Claude Monet (1840-1926) - das 1890 von Vincent van Gogh gemalte Bild "Weizenfeld mit Raben" - "Der Traum" von Henri Julien-Félix Rousseau (1844-1910) und schließlich - "Frühstück" (1863) von Edouard Manet (1832-1883)

Näheres findet man auf ULOC unter http://www.uloc.de/cgi-bin/wiki.pl?Informationen/Referenzen_Zu_Beruehmten_Gemaelden

Die ganze Fahrt dauert nur einige Sekunden und ist dennoch mit viel Liebe gestaltet worden und ohne Holzhammerhinweise. Dafür liebe ich die Simpsons. Nun späht also Adil in Springfield das AKW aus. Dieses ist eindeutig der unbedeutendere Plot. Hier fällt nur auf, wie unbeholfen die Schule mit dem kleinen Albaner umgeht und daß Marge unter dem Fehlen ihres Sohnes leidet und größtmögliche Distanz zu Adil hält, wohingegen Homer sich gedankenlos Adil ergibt. Lisa wird als typisches zweites Kind dargestellt, die sich den Eltern fügt und mit Adil sogar Frieden schließt. Witzig ist, daß Adil sich die Hände reibt und "Excellent" sagt, genauso, wie es sonst Mr. Burns, der Besitzer des AKW sonst immer macht.

Der Frankreich-Plot hingegen ist genial gestrickt. Bart wird aller Sachen beraubt, selbst seine rote Glücksmütze (die in späteren Folgen noch öfter vorkommt) bekommt der Esel aufgesetzt. Die Franzosen essen Wurst und trinken Wein und Bart bekommt nur Wasser und Rüben. Nicht einmal auf Stroh darf er schlafen, das ist für Maurice, den Esel. Besonders wirksam ist die Szene, bei der Bart im flackernden Kerzenschein Marges Brief liest. Schöne Details aus dem Brief sind, daß Lisa eine gute Schülerin ist und Maggie bald ihr erstes Wort sprechen wird. Nun, daß hat ja dann doch länger gedauert. Bart muß nicht nur Wasser schleppen, sondern auch Trauben ernten und sie mit den Füßen auspressen. Er hat nur allerschäbigste Sachen an, ist permanent barfuß und seine Füße sind vom Wein schon durchfärbt. Cesar und Huguolin fangen nun an, den Wein mit Frostschutzmittel zu strecken. 1985 war der Glykolskandal durch die Weltpresse gegangen. Österreichische Weinbauern hatten ihre Weine mit Glykol versetzt. Dummerweise hatten rheinhessische Weinbauern ihre Erzeugnisse mit österreichischem Wein vermischt und so auch ihre Erzeugnisse vergällt. Millionen von Flaschen wurden vom Markt genommen und der österreichische Weinhandel kam zum Erliegen. Seitdem ist Wein aus Österreich der bestkontrollierte Wein der Welt. Die Simpsons-Macher beziehen sich also 100% auf diesen Skandal.

Bart soll nun Frotzschutzmittel aus der Stadt holen. In einer tollen Szene erklärt Bart nun einem Polizisten, was ihm widerfuhr. Zuerst redet er nur englisch, was der Polizist natürlich nicht verstehen kann. Resigniert geht Bart durch den strömenden Regen und schilt sich für seine Dummheit und Faulheit, daß er es nicht schaffte, während seines Aufenthalts die Sprache zu erlernen. Doch dann geschieht das Wunder, er fängt auf einmal an, französisch zu sprechen. Eine rührende Szene, an die ich mich gerne erinnere, ist sie doch eine der seltenen Szenen, in denen Bart sein Innerstes zeigt und als kleiner, verletzlicher Junge dargestellt wird.

Witzig ist dann gleich wieder, daß der Polizist nur entsetzt über das Frostschutzmittel ist und Barts schlimmes Schicksal als unwesentlich abtut. Nun ist die Welt wieder in Ordnung. Bart bekommt eine Auszeichnung (man kann es in "Newsweeque" nachlesen) und reist als Held nach Hause. Dort hat man den albanischen Spion (Tarnname: Spatz) gegen einen eigenen Spion ausgetauscht und die Familie feiert ein Wiedersehen mit Bart.

Im Kreise der Familie endet die Folge mit Barts Feststellung, daß Homer ein Idiot sei, da er keinen Weinkorken kenne. In den USA ist es durchaus unüblich, Weine zu verkorken, dort dominiert der Schraubverschluß.

Fazit: liebenswerte Folge mit einem schönen, durchdachten Plot, mit viel Detailliebe und deutlich weniger Schwächen als so einige Vorgängerfolgen. Ich erinnere mich gerne an sie, war sie doch die zweite Simpsons-Folge, die ich je sah. Als erste sah ich die Babysitterfolge. Das war noch zu Premiere-Zeiten. Mein Gott, wie die Zeit verging... Note: 1

Anmerkungen, Kommentare und Ergänzungen, noch besser aber eigene Reviews zu Simpsons-Folgen sind jederzeit gerne gesehen

Jo