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Die Simpsons

Review von Andreas Krösing

Staffel 9 weicht ja generell schon sehr stark von den vorigen Staffeln ab, allerdings ist diese Episode wieder mal ein besonderer Problemfall. Im folgenden werde ich versuchen die für OFF ungewöhnlichen Elemente aufzuzählen und die Problematik der Folge darzulegen.

Worum geht es?

Der Aufbau der Folge ist vielleicht etwas irritierend, da der Anfang auf nichts herausläuft, sondern einfach als Hinterbild für die Opening- Credits und für ein paar kleine Augenblicke des Lächelns sorgt. Erst nachdem die Kinder in der Schule sitzen (natürlich kein bißchen müde) geht die Folge wirklich richtig los.

Generell störend an der Folge, finde ich den zu S11 hinführenden Ablaufstil, der 2 Geschichten in einer vereint, wobei die eine ganz offensichtlich nur als Zeitraffer in der Folge, d.h. um die Haupthandlung ein bißchen in die Zukunft zu bringen, da ist und die andere den Charme eines Cartoons im Sinne von "Dennis the Menace" hat. Außerdem scheint das Homer Segment ebenso da zu sein, um die Folge auf 22 Minuten zu bringen.

Man hat den Eindruck, die Kinder wurden von den Autoren in das "Gestrandet" - Szenario geworfen, um zu sehen was passiert und wie man eine Folge daraus macht. Diese Vermutung wird mit dem Ende ja dann sogar bestätigt. Man bekommt ganz klar vorgesetzt: "Hier ist uns nichts mehr eingefallen. Ciao!" Diese _Art_ eine Folge zu Ende zu bringen wäre in dieser Folge zwar noch annehmbar gewesen, jedoch nur wenn man es sinnvoll gemacht hätte - man braucht nicht immer den Gag. Um nicht dieses leere Gefühl beim Zuschauer zu hinterlassen, hätte man auch einfach den Satz weglassen können und nach dem Prinzip eines Cartoons agieren: Am Anfang der nächsten Episode (hier in Deutschland sogar Staffel) ist alles wieder normal. Die Eltern hätten ihre Kinder schließlich irgendwann vermißt und Otto wäre ja auch noch da. Hätte man das nicht erwähnt, bzw. nicht in den blöden "Moe" Witz verpackt, wäre das Ende in Ordnung gegangen. Fakt ist aber, dass man dem Zuschauer etwas vorliest und hofft, dass er darüber lacht und nicht merkt, dass er eigentlich nur verarscht worden ist. Scheinbar ist den Autoren das auch bei einem Großteil der Zuschauer gelungen und man hat erkannt, dass man auch mal eine "wacky" Story bringen kann. Daraus entwickelten sich dann auf kurz oder lang wohl solche Probleme wie Godzilla, Jockey - Elfen und ganz offensichtlich die immer wiederkehrende Art Folgen so zu beenden. Auch der Ablauf der Folge ist schon sehr S11 mäßig, ich erinnere mal an das "Bart und Lisa jagen den Luftballon" Segment in einer S11 Folge. Ein grundlegendes Problem dieser Folge ist aber auch der Effekt, den sie beinhaltet. Die Episode wirkt so, als wäre sie an Kleinkinder gerichtet, die dabei etwas lernen sollten. Als Lernserie waren die Simpsons aber leider nie gedacht, sondern als sozialkritische Unterhaltungssendung. Von Gesellschaftskritik ist aber nicht viel zu sehen. Gut, man zeigt, wie Menschen in Extremsituationen reagieren, wie Anarchie zum Chaos führt und eventuell sogar noch, dass ehrliche Kleinunternehmer gegen große Firmen im Konkurrenzkampf nicht bestehen können, aber all dies nur, wenn man wirklich sehr zuversichtlich auf die Folge blickt und zwanghaft danach sucht. Wie bereits erwähnt sieht das ganze mehr nach einer Lektion aus, die lehrreich auf kleine Kinder zugeht. Das wiederum ist auch schon ein Anzeichen auf das Heruntersetzen der Zielgruppe. Andererseits ist die Folge kein absolut comichaftes, kunterbuntes Lustspiel, sondern hat immerhin noch einen Sinn und diese lehrreichen Elemente - das ist ja immerhin noch besser als die Gagrallyes voller Comiceffekte in aktuellen Staffeln. Man kann auch durchaus seine Freude an den lustigen Stellen der Folge haben, jedoch ist zu viel Schatten da, der den Spaß bremst.

Eine Insel mit 2 Bergen

Das Inselszenario hat IMO sehr gute Ansätze, weil das Gruppenverhalten der Menschen in solchen Situationen und die Gesetzlosigkeit zu Aufruhr führen. Die Kinder zeigen dem Zuschauer auch, dass man in der Gemeinschaft etwas zusammenbringt, wenn man zusammenhält, bauen dies aber irgendwie falsch aus. Besonders stören in dieser Episode auch die Fehlcharakterisierungen von Martin und Lisa, die anscheinend Barts schwachsinnige Idee, wie die Könige zu leben und von Affenbutlern verwöhnt zu werden, unterstützen. Lisa fragt sogar interessiert, was die von Bart nicht eingeteilten Personen machen sollen, was widerspiegelt, dass sie interessiert und zuversichtlich ist, was die Idee angeht. Das gleiche betrifft Martin. Bei ihm scheint es sogar so, als ob man ihn des weilen mit Ralph verwechselt hätte. Mal ehrlich, wäre er nicht derjenige, der auf der Insel das Wort ergreift und in höchst geschwollener Sprache verkündet, was zu tun ist - vielleicht die bittere Realität erwähnt und dann von Nelson unterbrochen wird. Danach könnte man auch zur wirklichen Lösung zurückkehren, dass Bart seine Idee vorträgt. Davon ist aber nichts zu sehen, nein, Martin und Lisa scheinen in der streitenden Menge zu sein und Lisa schiebt sogar die Schuld von sich, als sie darauf angesprochen wird, verantwortlich zu sein. Martins Tanzeinlage ist ganz speziell, das was ich eher von Ralph erwarten würde und außerdem: Was hat eigentlich Barts Klasse schon wieder mit Lisas Klasse zu tun? Würde Bart freiwillig in eine AG oder etwas ähnliches gehen? Würde Nelson es machen? Bart und Nelson fallen in dieser Folge sowieso ganz weit aus ihrer Rolle, da sie den zuversichtlichen Anführer spielen. Nelson fällt später aber wieder zu seinem wirklichen Ich und Bart zeigt sogar wieder ein bißchen Herz gegenüber seiner Schwester, wie man es lange nicht gesehen hat. Alles in allem läuft die Geschichte auf der Insel nachvollziehbar ab und kommt in richtiger Geschwindigkeit zum Höhepunkt. Mit der finalen Lösung am Lagerfeuer, als Lisa den Schlamm schlecken muß kann ich mich aber schlicht und einfach nicht abfinden.

Billy Boy

Der Homer - Plot in der Folge wird aber wirklich etwas seltsam, auch wenn der CBG darin zur Bestform auflaufen kann. Generell finde ich Homers Idee aber selbst für seine Verhältnisse zu kindisch - einfach eine Firma aufmachen ohne überhaupt zu wissen wieso... Gut, er imitiert nur Flanders, aber scheint doch mal wieder ein so großer Idiot zu sein, dass er ihn eigentlich gar nicht versteht. Das Gespräch mit seinen intelligenten Einwürfen unterstreichen diese Empfindung. Dann steckt in der ganzen Firma auch ein Problem: Wie kann Homer ohne PC und Kenntnisse (vgl. Der behinderte Homer) sein Bild und seine Firma ins Internet bringen? Was verkauft er eigentlich? Na gut, es ist ja beabsichtigt, dass er nichts verkauft, aber kann er so blöd sein? Und wie kann Bill Gates innerhalb eines Wochenendes darauf aufmerksam werden? Wären es mehrere Tage, wäre man ja schon besorgt um die Kinder. Da steckt ein Bug drin. Warum ist Marge außerdem sowieso nicht besorgt um ihre Kinder, wäre sie nicht der Typ, der jede Stunde einen Anruf will?

Das größte Problem ist aber IMO der Besuch von Bill Gates. Na gut, es ist ein klein bißchen was dran, dass uns vermittelt, dass Firmenpolitik hart für den kleinen Mann ist, aber mußte man das so verdammt schwachsinnig darstellen? Nein, dem Bill Gates Besuch kann ich nichts positives abnehmen, er wirkt außerdem sehr gezwungen, um zumindest eine der 2 Geschichten noch zu Ende zu bringen.

Trotzdem ist auch das Homer Segment stellenweise gut, wie z.B. beim erstklassigen Besuch des CBGs und seinen PC Ansprüchen, sowie seinem "I'm a busy man." Ausspruch beim Surfen.

Worüber lachen Sie denn?

Mal von der Story abgesehen enthält diese Folge aber einige recht gelungene Gags, die vermutlich so manchen Standard - Zuschauer zufriedenstellen und von der eher schlechten Story und dem Ablauf ablenken.

Der rückwärts sinkende Bus, der diese piepsende Geräusche, wie beim Rückwärtsfahren abgibt, der CBG, der sich vor seinem PC als "beschäftigter Mann" in Bestform zeigt oder Homer mit seinem PC-Jargon verwirrt oder der Käfig, in dem Milhouse gefangen ist und den er schließlich einfach wegwirft sind einige IMO sehr gelungene Witze. Außerdem findet sich in dieser Folge wieder mal ein ausgezeichneter "Falsch gedacht!" - Gag, als Nelson die Brillengläser zum Feuer machen benutzt. Humoristisch kann man gegen diese Folge nichts sagen, denn es befinden sich keine Comiceffekte (der Bus vielleicht ein bißchen, okay) oder Übertreibungen in ihr.

Schlechte Gags sind IMO die Gefangennahme (und Versklavung!) von Otto (soll glaube ich komisch sein) und wie bereits erwähnt die geistige Degradierung von Martin zu einen Ralph, der einfach anfängt zu tanzen. Barts Konfusion bei der Erkennung und Verabschiedung seiner Mitschüler ist auch mehr schlecht als recht.

Wer braucht schon Kontinuität?

Wenn es zwischen den Episoden mal nicht 100%ig stimmt meckert keiner (ja, nicht einmal Chris [tm] ;-)), allerdings sollte man in einer einzigen Episode nicht 20 oder mehr Charaktere in die Verdammung schicken ohne an die Zukunft und die dann zwanghaft zerstörte Kontinuität, um zum Alltag zurückzukehren, zu denken. Hatte man zumindest die Kinder noch im blöden "Moe" Satz gerettet, so ist immerhin Otto noch irgendwo in Vietnam ein Sklave. Genau diese Kontinuität ist es, was diese Episode im Gesamteindruck um 1 ganze Note nach unten drückt, denn irgend jemand hat vergessen, wofür er hier das Skript schreibt.

Folge als Diskussionsgrundlage?

Mal abgesehen davon, dass man ein Review zur Folge schreiben kann und über alle möglichen existierenden Probleme diskutieren kann, bildet das Szenario der Folge die (IMO unpassende) Diskussionsgrundlage von Sinn und Zweck der Gesetze sowie dem funktionierenden Gemeinschaftsleben. Mein Geschichtslehrer zum Beispiel hatte mal ein ähnliches Szenario (in einer Diskussion über Recht und Ordnung, bzw. Wichtigkeit der Existenz von Gesetzen) erschaffen, um uns die Botschaft zu vermitteln, dass es ohne diese Gesetze nicht geht. Diese Thematik ist zwar für eine Geschichte Diskussion in Ordnung, allerdings für eine Simpsons Folge relativ unangebracht. Wie bereits erwähnt ist das ganze ja kein Lehrfilm, sondern Satire. Gibt keine Abwertung, ist aber ein Punkt, den man erwähnen sollte. Selbstverständlich wäre ein Lehrsendung besser, als ein Gagrallye à la S11, aber OFF im eigentlichen Sinne nicht.

Hat jemand einen Ivar gebaut?

Zu guter letzt gibt es noch die Synchronisation. Da es noch kein Capsule gibt, mußte ich mir das eben einfach im Original merken, also ist vielleicht noch ein viel größerer Fehler drin, den ich jetzt übersehen habe, aber es ist ja schließlich ein Review und kein BART.

Im Großen und Ganzen scheint Ivar hier gar nicht so viel ruiniert zu haben, er hat sogar "fluchen" richtig übersetzt (na gut, es hieß auch im Original nicht "swear" sondern "curse"). In der Synchronisation verloren gegangen, bzw. nicht so gut wie im Original kommend ist z.B. der "fictional character Noah" und Nelsons "two-eye", nachdem er Milhouse die Brille wegnahm. Auch Lisas "Run a - way!", das sich dem Rythmus des Ausrufes der anderen Kinder angepaßt hatte kam auf Deutsch nicht so gut rüber. Schade ist auch Homers "Can I have some money now?" das mit "Bitte bezahlen Sie erst mal!" übersetzt wurde. Aus "nerd" wurde dieses Mal "Computer - Verrückter" Das laß ich mal unkommentiert stehen. Den letzten Satz hat der deutsche Sprecher falsch betont.

Überraschend gut getroffen wurde der CBG mit seinem PC Gefasel, auch wenn ich mir jetzt nicht die Mühe mache, alles auf wortwörtliche Übereinstimmung zu überprüfen mache.

Alles in allem...

Alles in allem eine mittelmäßige Folge, die den Zuschauer aufgrund des Endes und den 2 Story Abläufen mit einem recht leeren Gefühl zurücklassen. Trotzdem sind einige gelungene Stellen vorhanden und amüsieren kann man sich auch beim Ansehen. In Anbetracht auf die Staffel gebe ich der Folge ein C-, weil sie nicht ganz schlecht ist. In einer späteren Staffel wäre sie wohl etwas besser weggekommen, in Staffel S<5 hätte sie ohne weiteres eine ganze Note schlechter bekommen. Für ein Saisonfinale aufgrund des Endes eher ungeeignet, aber sie lief ja auch eh nur in Deutschland als letzte S9 Folge. S11 weisend, aber nicht sinnlos und überdreht, also keine schlechte Folge. Sie entfremdet sich zwar von der Grundidee der Simpsons, ist aber trotzdem noch des Titels THE SIMPSONS würdig.

(c) 2001 Andreas Krösing