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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler (veröffentlicht am 07.08.2001)

Wie ich beim Review zu 4F01 schon sagte mangelt es in S8 wieder stärker an Episoden die wirklich etwas zu sagen haben bzw. die politisch/sozialkritische Inhalte vermitteln. 4F01 war eine Ausnahme da sie sich auf einem subtileren Level ernsthaft mit sozialen Fragen beschäftigt hatte und auch 4F11 ist wieder über dem oft zu parodistischen Staffel-Niveau da sie sich zwar humoristisch aber doch tiefergehend und im Endeffekt ernsthaft mit der Thematik der Homosexualität und den Vorurteilen gegenüber Homosexuellen beschäftigt wobei auch die stereotypen Szenen im Stahlwerk ein Mittel sind all diese Vorurteile in satirischer Weise zu zeigen.

Bereits der geniale Originaltitel "Homer´s Phobia" ist ein Wortspiel mit dem Begriff "Homophobia" - also der irrationalen Angst vor Homosexuellen die sich in der Folge ja deutlich in Homers Verhalten wiederspiegelt. Homer hatte keine Probleme mit John bis er (nach einer etwas arg langen Leitung) dessen Veranlagung versteht und in seinem Denkschema sofort und automatisch als etwas "krankes" und absolut "unnatürliches" klassifiziert und damit die Rolle des klassischen und schwulenfeindlichen Amerikaners übernimmt und der Gesellschaft mal wieder den Spiegel vorhält (der US-Gesellschaft den satirischen Spiegel vorhalten war mal eine der wahren Größen der Simpsons vor dem Abstieg zum belanglosen Slapstick für Kinder.)

Homer wird quasi zur intoleranten und bösartigen Anti-Figur der Episode, was von zahlreichen Fans in der Capsule auch kritisiert wurde. Dabei wurde aber IMO übersehen das Homer hier nicht Täter sondern Opfer der intoleranten Gesellschaft und seiner Erziehung und natürlich auch wieder des Gruppenzwangs (vergleichbar mit Nelson in 4F01) wird als ihn Moe und Barney immer weiter in eine Spirale der Intoleranz und zu einem unsinnigen "Männlichkeitsritual" (Töten macht einen zum Mann) drängen was Homer in seinem Denkschema nur bestätigt - er hatte ja bereits das Rauchen als echten "Beweis" für Männlichkeit gesehen. Das ist nicht sein Fehler sondern der der Gesellschaft.

Die Tatsache das Homer von den Rentieren verletzt und gequält wird kann man als Entwicklung hin zur sinnlosen Homer-Quälerei der neuen Staffeln deuten aber hier sehe ich die Sache eher so das er durch den "Schmerz" und seine Rettung eine Lektion lernt (nämlich jene das ihm ein Schwuler das Leben rettet während sich seine "männlichen" Barkumpane feige verstecken, das also der Schwule ein besserer Mensch ist als seine normalen Freunde.) Außerdem enthält die Rentier-Szene mit dem Moment als Homer Bart hochhält und sich selbst für ihn opfert noch einmal das Grundkonzept der Folge in Symbolik: Homer will Bart um jeden Preis schützen - um nichts anderes geht es.

Homer ist nicht bösartig und schwulenfeindlich sondern er mißversteht die Dinge und versucht Bart vor etwas gesellschaftlich "schlechtem" zu retten bis er am Ende seine etwas schmerzhafte Lektion lernt. Bart selbst bleibt bis zum Schluß der Folge völlig kindlich und unschuldig und unwissend was in der letzten Szene mit einem Moment der Erkenntnis nochmal genial deutlich gemacht wird.

Das eine Folge mit einem derart radikalen Inhalt nicht unumstritten ist ist klar, in der Capsule ist zwischen A und F jede Note vertreten (ich empfehle die Kritiken zu lesen) und auch das Skript wurde von den Fox-Zensoren wohl recht stark kritisiert und es wurde umfassende Zensur verlangt aber Fox konnte dann wohl auf wenige Schnitt-Szenen runtergehandelt werden. Was ich in der Folge immer etwas kurios finde ist der Fakt das Marge sehr direkt mit Homer über Johns Homosexualität spricht während Lisa im Raum anwesend ist. In 3F22 hatte Marge Lisas "Gore Vidal"-Zitat noch sehr eifrig abgewiegelt um ihre Tochter vor sowas zu "schützen".

Ich kenne die Folge im Original noch nicht, kann also nix dazu sagen wie John Waters die Rolle spricht, im Deutschen hört man ja mal wieder (wie üblich) Ivar selbst. Eine Folge die ich im Original kenne ist "Simpson and Delilah" wo ja Harvey Fierstein Homers Assistenten Karl (nicht Carl) spricht der ja auch homosexuell war und Harvey hat natürlich eine saucoole Stimme. Die Folge ist sowieso mit Sicherheit im Original weit besser (alle sind es) und eine Anspielung die klar verloren geht ist jene als Homer Bart fragt wo er das Shirt her hat und Bart antwortet "I dunno. Came out of the closet".

Fazit: wieder eine der wenigen herausragenden S8-Folgen die echten Inhalt haben und sich nicht dem flachen Mainstream "Veräppeln wir Film/Serie?" anschließen. Subtile Szenen und Symbolcharakter ist noch vorhanden und das Verhalten der Charaktere hält der US-Gesellschaft den Spiegel vor. Homer ist nicht böse als Anti-Charakter sondern er will Bart schützen, ist aber selbst ein Opfer der eigenen Gesellschaft. Eine durchaus gelungene Folge mit einigen ganz kleinen Schwächen, daher A-.

Und jetzt: Everybody dance now.... (warum hatten wir den Song nicht beim Treffen *g*)