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Die Simpsons

Review von Joachim Moeglich

Das ist nunmehr mein drittes Review nach den beiden Folgen "5F09" Trash Of The Titans" (dt.: "Die sich im Dreck wälzen") und 3F15 "A Fish Called Selma" (dt.: "Selma heiratet Hollywoodstar"). Nun also wieder eine Folge aus der Staffel 7. Ich trage mich schon seit einigen Jahren mit der Idee, ein Review zu dieser Folge zu schreiben, habe aber aus Zeitgründen und Faulheit und Vergeßlichkeit das immer wieder auf die lange Bank geschoben. Den besonderen Reiz der Folge macht die Unmenge schöner Musikreferenzen aus, auf die ich auch den Schwerpunkt lege. Trotz aller Recherchen wird die Zusammenstellung aber unvollständig oder gar fehlerbehaftet sein; Ergänzungen und Verbesserungen sind somit sehr willkommen. Nebenbei bemerkt ist die Auswahl der Titel und Referenzen ein Indiz für die hervorragenden Leistungen der Autoren und Ideenlieferanten vergangener Tage. Doch genug der Vorrede, fangen wir an: Durch die ganze Folge zieht sich wie ein roter Faden die Ausrichtung auf Rock'N Roll. So hat man schon im Couchgag ein scharfes Gitarrenriff und die Folge endet mit einem rockig unterlegten Abspann.

Ottos Traum von der Auszeichnung zum besten Busfahrer des Bezirks ist ein furioser Eröffnungsgag der geschickt und glaubwürdig zum Thema überleitet. Wegen des Ausfalls des Schulbusses müssen Fahrgemeinschaften gebildet werden. Gleich auf der ersten Autofahrt zur Schule erklärt Homer seinen fünf Passagieren, wie man "Jive" richtig ausspricht. (langgezogen). Dieses "Ji-ve" ist die erste Referenz auf ein Musikstück. Es ist der gleichnamige Hit der Bee Gees, die bald danach anfingen, mit hoher Fistelstimme zu kreischen (was in dieser Folge nochmals später durch Leo Sayer perfektioniert wird). Auf dem Erfolgsalbum "Saturday Night Fever", dem Soundtrack zu DEM Tanzfilm der 70er mit John Travolta und Olivia Newton-John ist der Titel "Jive" auch vertreten. Die Kinder sind von Homers Erklärungen eher genervt und wollen lieber Radio hören. Das entpuppt sich als Fehler, hat Homer doch den Sender: "KFSL -- Fossil 103. Classic hits from Abba to Zeppelin, comma, Led" eingeschaltet. Abba war eine der erfolgreichsten Bands der 70er Jahre, wer mehr wissen möchte sei an http://de.wikipedia.org/wiki/ABBA verwiesen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Led_Zeppelin , wenn es um Led Zeppelin geht). Eigentlich sagt man des Reimes wegen lieber "Abba bis Zappa", aber Frank Zappa ist schließlich keine Band. Auf diesem Oldiesender nun läuft das Lied "Shining On" von Grand Funk Railroad. Diese Band wurde von den Autoren mit Bedacht gewählt, klingt sie doch für jüngere Ohren, egal in welcher ihrer zahlreichen Aufnahmen, immer schon in den ersten Takten zum Abschalten. So machen sich auch bei den fünf Kindern der Fahrtgemeinschaft (Janey Hagstrom, Nelson Muntz, Milhouse van Houten, Lisa und Bart) sofort durch ablehnende Reaktionen bemerkbar. Lisas sonst eher zurückhaltende Freundin Janey deutet gar die obzöne Geste des Finger-in-den-Hals-Steckens an. Nelson zwingt Milhouse dazu, Homer zu sagen, daß er den Sender wechseln solle. Und der schüchterne Milhouse kommt der Aufforderung auch sofort nach. Doch Homer läßt sich nicht beeindrucken, sondern nervt die Kinder noch um so mehr, indem er sie belehrend nach den Mitgliedern dieser Band befragt. Doch niemand kennt den virtuosen Texter und Sänger Mark Farner, den Bassisten Mel Schacher und auch niemanden ist das kompetente Trommelwerk Don Brewers ein Begriff. Zum vierten Mitglied der Band, dem Keyboarder Craig Frost kommt Homer gar nicht mehr, da das Auto vor der Schule steht und die Kinder es fluchtartig verlassen. Da hilft auch der nachgerufene Hinweis auf die Schulbibliothek zum Recherchieren über Grand Funk Railroad nichts. Am nächsten Morgen erklingen wieder echte Rock-Dinosaurier aus den frühen 70ern: die Gruppe Mountain beschreit zu schweren Riffs die "Mississippi Queen". Homer zeigt sich wieder als Einziger begeistert und kommt auch noch auf die Idee, den Kindern zu erklären, wie Grand Funk Railroad dem Alan Parsons Project (was er für ein Hovercraft hält) über Jefferson Airplane und Jefferson Starship kreative Schübe gab. Hier wird Wahrheit und Spinnerei gemischt. Jefferson Airplan ist älter als Grand Funk Railroad. Die Band benannte sich 1974 in das unverfänglichere Jefferson Starship um. (Airplane war der Slangausdruck für eine Drogenzigarette, die mittels durchgesteckten Streichholzes bis ans Ende geraucht werden konnte). 1984 wurde das "Jefferson" weggelassen. Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an den Hit von Starship: "we built this city of rock'n roll". Das Alan Parsons Project steht dieser Musikrichtung fern und wird irrtümlich von Homer benannt. Als Bart genervt sehr deutlich seinem Vater klarmacht, daß er mit seinen Rockdinosauriern keinen Blumentopf auf einer "Part-ey" mehr gewinnen kann, beschließt Homer, sich um die aktuelle Musik zu kümmern. Dazu geht er in den Plattenladen: "suicide notes - formerly good vibrations". Der Titel "Good Vibrations" wurde im Jahre 1966 von den Beach Boys eingespielt und belegte wochenlang den ersten Platz in diversen Hitparaden. Er war lange Zeit einer der am interessantesten instrumentierten und aufwendigst produzierten Titel. Die Produktionskosten überschritten die $50.000-Marke, eine Sensation in der damaligen Zeit. Neben Orgel, Schlagzeug, Klavier, zwei Kontrabässen, Gitarren, Cembalo und einem Cello kamen noch Synthesizer und mehrstimmige Chöre zum Einsatz. Besonders erwähnenswert ist aber das sehr seltene Instrument, die Ätherwellengeige (auch nach dem Erfinder Theremin genannt). Das Theremin wurde 1919 in der Sowjetunion erfunden und ist das erste elektronische Instrument der Welt. Jean Michel Jarre, der bekannte französiche Elektronikmusiker und Großshowkünstler und Sohn Maurice Jarres, des Filmkomponisten (u.a. Dr. Schiwago, Laurence von Arabien, Shogun) spielte es zu Ehren zur 850-Jahr-Feier Moskaus Anfang September 1997 vor knapp 1. Mio. Zuschauern.

Aber ich schweife ab, zurück zu Homer und seinem Besuch im Plattengeschäft. Homer erwähnt noch einmal, daß er sich an die "Good Vibrations" erinnert und fragt den Verkäufer nach der Gruppe "Bread". Bread hatte ein paar kleine Hits in den frühen 70ern und dürfte jüngeren Menschen völlig unbekannt sein. Auch hier haben die Autoren gut recherchiert. Homer ist erstaunt, daß Bread in der Oldi-Wühlkiste liegt und findet dort alle seine Stars. Stellvertretend wird die erste, gleichnamige Schallplatte der Band "Styx" mit dem charakteristischen Schriftzug gezeigt. Styx besteht seit den 60er Jahren und gibt bis heute Konzerte. Das alte Lied "boat on the river" sollte jedem im Ohr liegen, ihr interessantes Stück "Mr. Roboto" in keiner guten Sammlung fehlen. Styx benannte sich übrigens nach dem Fluß aus der griechischen Sage, der das Reich der Lebenden von dem der Toten trennt. Der Dichter Homer beschreibt ihn in seiner Odyssee, unser Homer weiß so etwas bestimmt nicht. Unser Homer kennt auch nicht die Bands "Sonic Youth(sind zum Schluß der Folge als Gäste dabei)" und die "Nine Inch Nails", deren Plakate im Laden ausgehängt sind. Zu den beiden Bands brauche ich wohl nichts zu sagen, sie sollten den Lesern ein Begriff sein. Irrtümlicherweise hält Homer auch die Ankündigung für das "Hullabalooza" 1996 für eine Band. Die Folge wurde im Mai 1996 in den USofA uraufgeführt, die Zeiteinordnung stimmt also. Richtig hieß das Festival "Lollapalooza". Der Originaltitel der Folge ist auch eine direkte Anspielung auf dieses Festival, daß von 1990 bis 1997 stattfand. Homer ist das Festival völlig unbekannt, er denkt, daß das "Us Festival" von 1982 von Steve Wozniack und Steve Jobs (beide Apple Computer) organisiert, das größte Festival aller Zeiten war. Das wiederum kennt der Verkäufer nicht, zur Überzeichnung der Szene ist ihm nicht einmal der Edelrechnerhersteller Apple ein Begriff. Homer verläßt nun verdrossen den Laden und erinnert sich an seine Jugend. Herrlich gezeichnet wird die Zeit der mittleren 70er Jahre, als Homer auf der High School ist. Zu den Klängen des richtig rockigen Instrumentals "Frankenstein" von der Edgar Winter Group wird gezeigt, wie man einen Kleinbus in ein Liebeslager verwandelt. Man achte auch auf die Kommentare der Leute (Platten-Quadrosound und Wasserbett)und die Kotelettenfrisuren. Homer muß draußen bleiben, sehr interessant dargestellt durch die zuckende Lichtsequenzen. Aber er nimmt es nicht krumm, genau wie die gemeine Bemerkung einer Mitschülerin, als er am Wasserspender ist. Die Szene wechselt ins Kinderzimmer (man beachte das Friedenszeichen ander Tür) von Homer. Dort regt sich Abraham Simpsons über Barney und Homers Zeitverschwendung auf. Beide singen vor dem Spiegel den seltsamen Hit von Leo Sayer "You Make Me Feel Like Dancing". Leo hatte sich 1975 einen Namen mit dem außergewöhnlichen Titel "the show must go on" gemacht und war auch in der Muppet Show ein interessanter Gast. Dort sang er neben den bereits genannten Titeln auch seinen Coverhit "When I Need You". "You Make Me Feel Like Dancing" erschien 1977, also müssen Homer und Barney ca. 17 gewesen sein, da Homer IIRC Jahrgang 1960 ist. Schön ist die nun folgende Blende, die aus Homers Jugend mit der Phrase "we're gonna keep on rockin' forever...forever...forever" ins Schlafzimmer zurückblendet und einen niedergeschlagenen Homer in der Jetztzeit zeigt. Marge ist ihm keine große Hilfe, da sie ihrem Gemahl an dieser Stelle gesteht, daß Musik nicht so ihre Sache ist. Homer zitiert dafür aus dem Lied von Kiss - Rock And Roll All Nite die Textzeilen: "I usta rock and roll all night, and party everyday". Kiss wählten die Produzenten dieser Folge sicher nicht wegen ihrer skandalträchtigen Auftritte (grell überschminkt und stilisierte SS-Runen), sondern eher, weil Kiss zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung der Folge ihren ersten Auftritt nach 17jähriger Pause haben sollten. Diesem Fakt wurde in den US-Medien viel Raum gewidmet. Marge rät Homer, Lisa und Bart in seine Pläne, die neue Musik kennenzulernen, einzubeziehen. Gesagt - getan: Barts frevelhafte Gebete (er möchte, wenn Homer nicht wie die letzten Tage nervt, diverse Kirchen errichten) sind überflüssig, Milhouse wird trotz Deodorants stehengelassen und Homer fährt mit seinen beiden älteren Kindern, in die Hauptstadt zum Festival, nicht ohne zuvor das Echtheitssiegel geprüft zu haben. Lisa hat nun Gelegenheit zu spitzen Bemerkungen (es ist wie Woodstock nur mit massenhafter Reklame und vielen Ordnungskräften; die Generation X respektiert und toleriert alle Menschen). Letztere Bemerkung bereut sie sicher sofort, ist doch nun eine Freak-Show zu sehen. Diese Art "Unterhaltung" ist in Deutschland seit vielen Jahren ausgestorben, erfreut sich aber in den USA durchaus noch einiger Beliebtheit. Der Mann, der sich Nägel ins Gesicht schlägt, kündigt nun die erste Band an: Cypress Hill. Die drei Bandmitglieder DJ Muggs, B-Real und Sen Dog eröffnen die große Riege der Gaststars in dieser Folge. Da aber alle vitale Beiträge leisten, durchaus selbstkritisch zur Sache gehen und ja auch noch völlig homogen in die Handlung passen (bis auf Sonic Youth), ist das Übermaß an Gaststars hier eher Segen als Fluch. Cypress Hill spielt "Throw your hands in the air". Ihr viertes Bandmitglied, der Schlagzeuger im Hintergrund, ist nicht mit erwähnt. Tatsächlich traten Cypress Hill 1992 und 1994 beim Lollapalooza auf. Während des Liedes wird schon das erste Mal die hohe Affinität der Band zu Cannabis-Produkten aufgezeigt, Bart fragt Lisa, wonach es riecht und sie erwidert: "Wie Ottos Jacke". Otto Man, der Busfahrer, ist bekannt für seinen Drogenkonsum. Homer benimmt sich völlig falsch, er kauft sich einen jamaikanischen Hut, einen sinnlosen Anstrecker (too cool for this world) und versucht, Kontakt zur selbstmordgefährdeten, seitengeschorenen, gepiercten Jugend zu finden. Doch wird er nur für einen Drogenfahnder gehalten. Mittlerweile treten mit den Smashing Pumpkins (1994 beim echten Lollapalooza) die nächsten Gaststars auf. Sie bieten ihren Hit "Zero" dar. Lustig anzuschauen sind die deprimierten Teenager, wie sie mit trauriger Miene "tanzen". Barts Kommentar dazu ist sehr treffend: "Eh, making teenagers depressed is like shooting fish in a barrel.". Nun folgt die Szene, die die Handlung in eine neue Richtung treibt und aus dem passiven Versager Homer den Freakshhow-Helden macht. Homer bekommt aus Versehen ein aufblasbares Schwein in den Bauch gerammt und übersteht diesen Unfall unbeschadet. Deshalb wird er auf der Stelle weg in die Freakshow integriert. Das Schwein stammt aus der Pink-Floyd-Show "The Wall", bei der es zum Schluß immer fliegengelassen wird. Pink Floyd hatte 1977 auch ein Erfolgsalbum "Animals", dessen erstes, drittes und fünftes Lied dem Schwein gewidmet ist. Über das Fehlauslösen des Flugschweines ist vor allem der nächste Gaststar stinksauer; Peter Frampton, der es Pink Floyd billig abluchste. Homer setzt seinen Willen Marge gegenüber durch und nimmt als "fetter Mann mit dem eisernen Magen" an der Tournee teil. Besonders krass kommt hier die Verletzung der menschlichen Würde zum Ausdruck durch das Erzeugen des Trommelwirbels mit einer 30$-Elektroorgel, das lieblose Hereinschieben der Kanone und das Abfeuern der Kanonenkugel. Aber durch seine aktive Teilnahme am Festival hat Homer Gelegenheit, die Stars der Tour persönlich kennenzulernen. Lustig ist die Vorstellung vom Sänger der Smashing Pumpkins: Billy: Billy Corgan, Smashing Pumpkins Homer: Homer Simpson, smiling politely. Ergibt zwar exakt keinen Sinn, ist aber lustig anzuhören und anzuschauen. Lustig sind auch Homers folgende Sätze, die in meinen aktiven Sprachgebrauch Eingang gefunden haben: "You know, my kids think you're the greatest. And thanks to your gloomy music, they've finally stopped dreaming of a future I can't possibly provide." Homer wird nun voll in die Showtruppe integriert. Er berichtet in einem Brief seinem Sohn über die Tournee und man sieht einige Szenen von Auftritten und wie er Selbstsicheheit gewinnt. Die Szene mit dem Surfen auf Bratpfannen hinter dem Bus ist in der Syndication herausgeschnitten, eine der wenigen Ausnahmen, bei der mich Schnitte nicht maßlos stören, nur halt vom Prinzip her. Bedeutungsschwer ist auch der Satz, mit dem Homer Peter Frampton ankündigt: "Thank you! And remember, don't trust anyone over 30! And now, Peter Frampton!" Sowohl Homer ist deutlich über 30 und Peter Frampton war damals 46. Nun hat Homer die Gelegenheit, mit den übrigen Smashing Pumpkins zu reden: dem Schlagzeuger James Iha, dem Bassist en Jimmy Chamberlin und der Bassistin D'arcy Wretzky. Beim Biertrinken macht sich Homers Magen bemerkbar und der Freakshow-Direktor schickt ihn (wieder sehr menschenverachtend, aber lustig umgesetzt) zu einem Tierarzt. Dieser betreut immer noch Rover, den Hund von Jimi Hendrix, der Legende vom Woodstockfestival, der 1970 verstarb. Das ist zwar sehr unrealistisch (der Hund müßte mindestens 27 sein), stellt aber den Bezug zum Festival der Festivals her. Im weiteren Verlauf der Folge wird Homers Konflikt fein herausgearbeitet: auf der einen Seite ist er der echte Held seines Sohnes, der ihm diesmal nicht auf den Hinterkopf böse Sprüche schreibt und er lebt für den Rock'N Roll, "weil er cool ist", weil er bevorzugt eingelassen wird und weil überall Plakate von ihm hängen; auf der anderen Seite hat ihm der Tierarzt deutlich gemacht, daß eine weitere Kanonenkugel seinen Tod zur Folge hätte. Dieser Konflikt wächst sich aus, zumal das Festival nun ausgerechnet nach Springfield kommt. Vor dem großen Finale kommen noch mal die Gaststars zum Zuge, Cypress Hill wird wieder mit Drogen in Zusammenhang gebracht ("Come on people, somebody ordered the London Symphony Orchestra... possibly while high. Cypress Hill, i'm looking in your direction"). Ein Glück, daß das London Symphony Orchestra mit Cypress Hill nur ein paar Sekunden mit der Interpretation von "Insane In The Brain" zu hören und zu sehen ist, denn ansonsten hätte ich mich beim ersten Anschauen darüber kaputtgelacht. Sicher hatten an dieser Stelle auch die 3 Cypress-Hill-Leute einen Mordsspaß. Nun kommt Peter Framptons Auftritt mit seinem größten Hit "Do You Feel Like We Do". Berühmt wurde das Lied vor allem durch die "sprechende Gitarre". Auch Ottos kaputte Schuhe sprechen nun mit ihm, wiederum sind sicher Drogen im Spiel. Die Sätze von Ottos Schuhen "don't worry, we won't hurt you. we only want to have some fun." stammen aus dem Lied 1999 von Prince, der damals einfach nur Prince hieß und nicht "the Artist" oder "das komische Ding ;-)". Peters Gastrolle kommt nun richtig zu tragen, er hat einige tolle Sätze zu sagen und macht das auch prima. Typisch und gut herausgearbeitet ist an dieser Stelle auch Peter Framptons Leben in der zweiten Reihe nach seinem Karriereknick vor knapp einem Vierteljahrhundert. Und nun naht für Homer, "der für alles steht, was Rock'N Roll ausmacht, bis auf die Musik" die große Stunde. Er muß sich für sein Leben als Freier Rebell oder als verantwortlicher Familienvater entscheiden. Dabei fällt das Zitat aus dem gleichnamigen Lied von der damaligen Kultband Blue Oyster Cult "Don't fear the reaper". Homer entscheidet sich für seine Familie und löst damit unterschiedlichste Reaktionen aus. Die meisten sind verärgert und desilluioniert. Hier melden sich übrigens auch Kim Gordon, Thursten Moore, Lee Ranaldo und Steve Shelley mit je einem Satz zu Wort. Alle gehören zur Gruppe Sonic Youth, die im Jahre 1995 beim richtigen Lollapalooza dabei waren. Interessanterweise wird auf einen Musikbeitrag der Band verzichtet. Die Smashing Pumpkins (die sich 2000 auflösten) beschäftigen sich durchs Homers Verzicht aufs "Coolsein" auf einmal mit etwas anderen Gedanken, nämlich mit Pelzmänteln und begehbaren, temperierten Zigarrenschränken. Damit neigt sich eine recht untypische, aber liebenswerte Folge mit viel schöner und interessanter Musik dem Ende zu.

Auf der Heimfahrt erwähnt Homer im Auto, es sei, wie es im Lied heiße: "hip to be square". Damit bezieht er sich auf den gleichnamigen Hit aus dem Jahre 1986 von der Gruppe Huey Lewis and The News, die allen Fans von "Zurück in die Zukunft" ein Begriff sein sollten. Die Folge endet mit einer müßigen Diskussion ums Coolsein. "Homerpalooza" ist selbst in Staffel 7 eine herausragende Folge, fast alle Lieder sind sorgfältig und liebevoll ausgewählt, die Gags zünden alle und trotz des fremden Terrains hat man den geliebten, simpsonstypischen Flair. Die Sprecher sind motiviert und man merkt häufig, daß es bei der Synchro lustig zugegangen sein muß. 3F21 als Maßstab auf heutige Folgen angelegt würde nach Staffel 9 nur 3-5 passieren lassen. Von mir erhält die Folge eine glatte 1.

Jo