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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Hier wieder ein kleines Review zu einem OFF-Klassiker. Da ich mal wieder was Nettes über eine Folge schreiben will, hab ich mir selbst eine Episode aus meiner Favoritenliste ausgewählt, nämlich die IMO geniale 2F32 "Round Springfield" aus S6.

Die Folge hat erstaunlicherweise einen ziemlich schlechten Ruf und wurde oft als zu ernst und nicht lustig genug kritisiert, ist aber meiner Meinung nach mit dieser Einschätzung relativ falsch bewertet und unterbewertet. Ein Großteil von S5 und Teile von S6 waren in einem übermäßig seichten Stil gehalten und die Charaktere dienten hauptsächlich als Mittel für hastige und mit Gags überladene Handlungen ohne echten Tiefgang. S7 sollte eine andere Richtung beschreiten und Folgen wie 2F32 sind bereits in S6 die Vorboten dieser positiven Entwicklung. Wozu in den ersten Staffeln Charaktere tiefgängig definieren, wenn sie dann nur noch für "lustige Gaudi" benutzt werden?

2F32 war eine recht wichtige Folge, die die Serie nach S5 wieder mehr zurück zu ihren Wurzeln brachte (ohne moderne Einflüße zu ignorieren) und die in ihrer Handlung eine durchaus passende Synthese aus S2-Ernsthaftigkeit und S6-Gaglastigkeit einging. Die Folge ist nicht übermäßig lustig und das ist auch gut so, die Autoren fangen zum Ende von S6 hin endlich wieder an, sich nicht vor ihrer eigenen Ernsthaftigkeit zu fürchten und auch wieder düstere Seiten in die Episoden zu bringen. Es geht in der Folge schließlich um den Tod von BGM und der Humorfaktor ist daher bis zu einem passendem Maß zurückgenommen, aber durchaus in dezenterer Art vorhanden.

Die Episode ist charakterlastig und in Teilen sehr emotional und damit in gewisser Hinsicht würdiger Nachfolger von 7G06 "Moaning Lisa". Ging es damals noch darum, das Lisa BGM ihr Leid über die Unterdrückung ihres kreativen Geistes klagen konnte, so kann sie sich nun zumindest beim Konzert in der Schule entfalten - aber als sie es BGM erzählen will, ist dieser tot. Das ist düster. Es ist düster, aber das Thema Tod wird in richtiger Form behandelt und wirkt nicht platt oder zynisch, die Balance zwischen der dunkleren emotionalen Seite und dem Humor ist genau richtig getroffen und das ist in S6 ein eher seltener Fall (Folgen wie "And Maggie Makes Three" hatten die Balance nicht.)

Es gibt in der Folge auch einige gelungene stilistische Elemente, der humoristische Subplot mit Bart und dem Metallring in den Krusty-Flocken etwa ist ein wichtiges Element, das aktiv zum Hauptplot beiträgt und nicht nur als Füllmaterial und Szenenreihe nebenher läuft. Weil Bart ins Krankenhaus muß, trifft Lisa am Anfang BGM wieder und dadurch, das Lisa die einzige ist, die Bart geglaubt und im Subplot zu ihm gehalten hat, hilft ihr Bart am Schluß mit dem "Sax on the Beach"-Album und hilft damit auch, den Hauptplot abzuschließen. Das ist aktives Zusammenspiel von Plotelementen.

Durch seine Aktion wächst Bart auch charakterlich über sich hinaus (er kauft Lisa das Album "cause it´ll make you happier than me") so daß die Folge nicht nur emotionalen Tiefgang für Lisa, sondern auch für Bart hat. Das sehr wichtige Element der familiären Integrität in einer satirischen Welt ist am Schluß damit auch gegeben. Sehr schön. Die emotional tiefe Situation zwischen Bart und Lisa wird sich im Übrigen in der (noch besseren) 3F02 "Bart Sells his Soul" wiederholen, nur umgekehrt. 2F32 hat darüber hinaus noch viele weitere wichtige klassische Elemente und auch einiges an Humor (Abe und der Tod) und sehr schöner Satire (KJAZZ mit 152 Zuhörern.)

Der Schluß ist natürlich recht krass cartoonig, aber irgendwie stört er mich nicht, es ist der vielleicht der einzige wirklich extrem (nicht zielgerichtet) surreale Schluß, den ich absolut genial finde (Humor liegt hier auch im Detail, alle Wolkenköpfe außer BGM werden von James Earl Jones gesprochen.) Ich denke, die Emotion der Folge und auch die Tiefe von Lisa in der Situation sind stark genug, den bizarren Schluß zu tragen, Lisa steht als "echter" Charakter quasi über der Surrealität. Der Abspann mit der eigenen Fassung von Carol Kings "Jazzman" ist absolut genial. So sollte eine Folge über den Tod eines semi-regulären Charakters aussehen, nicht wie in der platten und "superlustigen" BABF10.

Das einzig Negative, das man über die Folge sagen könnte, ist die Tatsache, das der Tod von BGM eben - genau wie bei Dr. Monroe - daher kommt, das er ein relativ unbeliebter Charakter war und das ihn die Autoren deshalb gewählt haben (ich hab ihn immer gemocht, "Coolest Jazzman in Town.) Mittlerweile hat die Realität die Folge leider eingeholt, BGM-Sprecher Ron Taylor ist verstorben :-(.

Die Synchro der Folge ist halbwegs in Ordnung, Sabine Bohlmann erreicht die Qualität von Yeardley Smith natürlich nicht, der deutsche BGM ist aber besser als der von Rabe in 7G06. Es ist eine der wenigen Folgen, wo Steve Allen auch in der DV genannt und nicht zu Eddie Murphy und ähnlichem umgeändert wird. Ein Jazzman namens "Willy Witherspoon" wird in der DV zum "Lothar Lollypop". Der Titel der Ep bezieht sich auf das Album "Round Midnight" der Jazz-Legende Thelonious Monk.

Fazit: eine genial ernste Folge mit genau richtiger Balance zwischen dunklen Seiten und Humor, die sich mit dem Thema Tod in passender (und nicht zynischer/superlustiger) Weise beschäftigt und die sowohl Lisa als auch Bart echten Tiefgang gibt. Es ist nicht nur wichtig, guten Humor schreiben zu können, es ist auch wichtig, zu wissen, wo die Grenzen des Humors liegen und wieviel Humor eine Handlung verträgt. Im Gegensatz zu vielen S5 ist die Balance hier sehr gut. Der Schluß ist cartoonig, aber die Charaktere tragen ihn, der Song ist genial. Play it again, Lis. Note A.

P.S. Weiß eigentlich jemand, warum die Folge einen derart hohen P-Code hat und warum es keine Folgen zwischen 2F22 und 2F31 gibt? Ich hab das glaub ich mal irgendwo gelesen, aber weiß den Grund nicht mehr.

© Chris Pfeiler