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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Da haben wir also eine S6-Folge über Bowling und über Homers Verhältnis zu Maggie. Kann das wirklich funktionieren? Jepp, es kann - wenn auch nicht so ganz 100%ig. Als Rückblende tritt diese Folge natürlich in riesige Fußstapfen, nämlich in die von klassischen Folgen wie "The Way We Was" oder "I Married Marge" und diese Schuhe sind ihr vielleicht ein klein bißchen zu groß was sich vor allem in einer Balance-Schwäche und zunehmender Diskontinuität zeigt.

Es ist immer eine Herausforderung eine klassisch-emotionalere Handlung und eine modernere Gag-Handlung in einer funktionierenden Episode zusammen zu bringen und wenn diese Stilmischung nicht korrekt gemacht wird dann geht eine Episode fast zwangsläufig daneben. In den klassischen Staffeln wurde da oft nicht gezögert die Gag-Handlung so stark runterzudrehen das die dunkle Komponente der Folge klar überwiegt aber das würde nicht mehr zum lockeren Stil von S6 passen und der Autor (in diesem Fall eine Frau, Jennifer Crittenden) mußte einen anderen Weg finden der aber leider etwas an der spaßigen Oberflächlichkeit entlangschrammt.

Die emotionale Handlung darf nicht so ernst und so negativ sein das sie einem die Gags verdirbt und die Gags dürfen nicht so grell sein das sie die emotionale Handlung in den Schwachsinn ziehen. Die Balance ist möglich wie z.B. "Lisa´s Wedding" zeigt aber in "And Maggie Makes Three" ist sie IMO nicht so gut durchdacht wie sie sein sollte. Die Folge enthält echtes Konfliktpotential und emotionale Komponenten aber sie geht nicht wirklich tiefer darauf ein sondern orientiert sich mehr am direkten Spaß - was IMO zur Folge hat das speziell der "schmalzige" Schluß etwas aufgesetzt wirkt.

Homer´s Charakterisierung ist hier sehr S6-typisch und hat dadurch auch die typischen Schwächen einer modernen Charakterisierung in die S5 bereits große Löcher geschlagen hat. Er hat Szenen in denen er wahren Charakter zeigt (vor allem am Schluß) aber auch Szenen in denen er nur als extrem dummes Mittel zum Zweck und Verbindung zwischen den einzelnen Jokes verwendet wird. Vor allem die schräge und untypische Trommelszene in Burns Büro fällt - so lustig sie auf den ersten Blick auch ist - negativ auf, genau wie Homer´s totaler Egoismus den er fast während der ganzen Folge zeigt. Es ist ein akzeptabler Homer (soll heißen es war schon schlimmer) aber nicht so ganz.

Desweiteren stellt sich natürlich auch die Frage ob leicht überdrehtes Material wie die Terroristen-Fantasie mit der "Die Hard"-Parodie, die Cartoon-Sequenz über "Wo die Kegel herkommen" oder der platzende Kopf (S11/12 hätte das sofort für Blutsplatter benutzt) in einer Familien-Rückblenden-Folge wirklich nowendig sind oder irgendwie zur Handlung beitragen. Eigentlich nicht wirklich aber derartiges Material wurde eben "hineingekleistert" um ständig ein stärkeres Fun-Gegengewicht zur Emotionshandlung zu haben. Klassische Beispiele wie 7F12 oder 8F10 haben das nicht gebraucht aber in S6 geht es natürlich nicht mehr ohne und die Balance funktioniert trotz (oder gerade wegen) vieler lustiger Jokes nicht so ganz.

Ein weiterer negativer Faktor der auftritt sind die Kontinuitätsprobleme die infolge der nun doch schon sehr langen Laufzeit der Serie in S6 gehäufter auftreten. Einige sind schwer zu vermeiden aber andere hätte man beachten können. Setzt man die Tatsache das Maggie noch nicht da ist in den Hintergrund dann fallen einige Ungereimtheiten deutlich auf. Homer ist bereits für die Sicherheit im Kraftwerk zuständig (er sitzt zumindest an seiner Konsole)? Ruth Powers ist unter den Gästen bei Marge aber Ruth ist erst in die Straße gezogen als Maggie schon geboren war. Naja, in einer Folge in der der Gang plötzlich zur Badezimmertür wandert ist sowas eben normal.

Hätte die Episode nicht den Schluß den sie hat dann wäre sie vielleicht noch weiter ins Negative abgedriftet aber das Ende rettet wieder viel. Homer zeigt wahren Charakter als er plötzlich alle Probleme und Erniedrigungen der Folge vergißt und erkennt das ihm Maggie und die Familie wichtiger sind als aller Unsinn den er während der Folge gemacht hat. Die Erniedrigung bei Burns steht er durch ohne als Idiot und Clown dazustehen und die "Do It For Her"-Szene gibt der Episode am Schluß etwas was ihr ca. 19 Minuten lang gefehlt hat: Tiefe. Ein genialer A-Schluß für eine IMO leider nicht ganz so geniale Episode.

Ich denke viele Leute die emotionale Folgen mögen finden sie zu geradlinig und zu überdreht spaßig und viele Leute die reine Gaudi-Folgen sehen wollen finden den Schluß zu schmalzig. Die Kritiken in der Capsule geben da ein gutes Bild, manche Leute loben die Folge in höchsten Tönen während sie andere eher negativ und als Stilbruch oder gar als schlechteste Rückblenden-Folge überhaupt sehen und selbst eine Note F ist mal wieder dabei. Der Bruch mit dem klassischen Stil ist deutlich, der Spaß überwiegt und daher hat die Folge nicht so ganz den Geschmack der 7F12-Fans getroffen. Schluß: Top. Folge: leicht Meh und etwas im S6-Mainstream-Style.

Fazit: eine recht amüsante und lustige Folge mit vielen funktionierenden Jokes bei der man aber im Unterschied zu anderen klassischen Rückblenden trotz Lachern eine gewisse Leere fühlt. Manchmal wohl zu plump und geradlinig in ihrem Drang nach simplem Spaß aber mit einem genialen Ende das Homer Tiefe gibt und viel entschuldigt. Die Balance zwischen Spaß und Ernst ist etwas uneinheitlich und einige Szenen (Trommlerei, Kegelfabrik) wirken überdreht und Fehl am Platz. Die ganze Sache mit Homer, Maggie und Bowling hätte auch weit weit weit schlimmer kommen können (was sie auch noch tun wird) aber in gewisser Weise krankt die Episode doch leicht an ungenutzem Potential. Da das jetzt alles wieder recht negativ klingt und ich die Episode trotzdem mag kommt hier noch eine Note, nämlich eine glatte Note B für den Gesamteindruck.

Chris

P.S. Da mir zu der Folge keine 2 Seiten einfallen (19 Minuten leichte Leere, ein Mangel an Satire und Anspielungen und nur 1 Minute Tiefe geben irgendwie kein Potential für Riesen-Reviews) hier noch zwei Stimmen aus der Capsule - eine positive und eine negative.

Tony Hill: This was a superb episode! IMO, the telephone gag was A-1. The self-references (can't go 1/2 hour without snack, the animation gag) are the kind which should be encouraged, as opposed to the less subtle ones in "Bart's Girlfriend." To quote a Simpson, this episode was "perfectly balanced." A+

Aaron Varhola: Two weeks ago, an A episode, and now this? The cutting was too fast to tell a coherent story, and (except for two gags), the gags seemed forced, too "Saturday Night Live"-ish. Dumb Homer made an unwelcome appearance as well, but his "Awwww" fawning over Maggie at the end pulled it above "Fear of Flying". C-/D+