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Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Werfen wir also einen Blick auf Folge 1F15 "Bart Gets An Elephant" aus Staffel 5, geschrieben von John Swartzwelder, US-Erstsendung am 31.03.1994.

Auf der positiven Seite verbucht die Folge sicher zahlreiche gut gelungene und einprägsame Gags und Zitate, die der Zuschauer vom Stil her mit Staffel 5 und generell der Mirkin-Ära in Verbindung bringen wird. Filmzitate in der Episode beinhalten u.A. Jurassic Park (Stampys Auge vor dem Fenster), The Wizard of Oz (Patty und Selma auf Schaukelstühlen im Tornado) und eine Referenz, die mir selbst lange Zeit unklar war: "D´oh. A deer. A female deer" als wunderbar in die Story integriertes Zitat auf "Sound of Music."

Das parodistische Prinzip der Story ist eine Veralberung üblicher Plotmuster aus "Ein Kind und sein Tier"-Filmen (Lassie etc.), die hier amüsiert dekonstruiert werden. Hatten sich Folgen wie "Barts Dog Gets an F" und "Dog of Death" noch eher jener Formeln bedient, und damit einen Stil vertreten, der von Freunden neuerer Staffeln als "kitschig" bezeichnet werden könnte, zerlegt 1F15 diese Muster fast vollständig: jede Szene (abgesehen vom Schluß), in der Stampy Bart zu "verstehen" scheint, endet in einer ironischen Umkehrung.

Kritisch ist zu der Folge anzumerken, daß sie in gewisser Weise aber auch ein typisches S5/Mirkin?-Produkt darstellt: die Familie in einer schrägen Situation und einem Plot, der einem auffallend dünnen Handlungsfaden von Gag zu Gag folgt. Für subtile Töne ist kaum Platz, die plakative "Satire" mit den Aufschrifen "We can´t govern" und "We´re plain evil" bei Veranstaltungen der Demokraten und Republikaner ist ein gutes Beispiel im Detail.

Die OFF-Charaktere sind im Vergleich zu den frühen Staffeln auf grundlegende Eigenschaften reduziert: Bart ist das Objekt einer Parodie auf Tierkitschserien, Marge putzt und murrt, Lisa nörgelt über Tierquälereien (und wird auf ihr Zimmer geschickt) und Homer läßt am Fließband schrägste Ideen und Homerismen ab, was ihn mehr oder weniger zur Hauptfigur der Folge macht. Daß es funktioniert, liegt zum Großteil aber IMO eher an der hohen Qualität des Humors und weniger an der Originalität von Story oder Figuren.

Symptomatisch mag auch die Aussage des Elfenbeinhändlers sein, der neben einigen anderen Schurkereien zugibt, auch schon "President of the FOX Network" gewesen zu sein. Man kann solche Aussagen nun einem Gewinn von mehr Selbstbewußtsein der Serie zuschreiben, man kann in ihnen (und anderen Aspekten von Staffel 5) jedoch IMO auch gewisse Spuren einer Proto-S1x-Entwicklung sehen. Zumindest haben Oakley & Weinstein diese Art der Entwicklung in S7 unterbrochen.

Fazit: 1F15 ist eine unterhaltsame Folge mit vielen guten Ideen und parodistischen Zitaten. Im Unterschied zu älteren Folgen ist der Stil jedoch stärker auf direkten Humor ausgerichtet und setzt weniger auf Inhalt und Substanz der Figuren, als auf etabliertere Verhaltensmuster und oftmals relativ cartoonige visuelle Gags. Das ist zur Auflockerung einer Staffel sicher geeignet, passiert aber vielleicht etwas zu oft in S5. Note 2-