ULOC-Logo      
ULOC-Suche

 
Die Simpsons

Review von Chris Pfeiler

Einen hab ich für dieses Wochenende aber nicht mehr (ich war in den letzten Tagen etwas zuviel mit a.t.s. beschäftigt aber ich will drts ja nicht vernachlässigen :-))

Ich könnte jetzt ein Review über eine sehr gute Folge schreiben, ihr eine Note A+ geben und detalliert sagen warum ich diese und jene Folge so richtig supergut finde. Auf der anderen Seite wäre das aber nicht besonders interessant, also machen wir lieber ein Review über eine S5- Problemfolge (die in dieser Staffel nicht wirklich die einzige ist) auch wenn es dann wieder mal so aussieht als ob ich nur noch negativ über Folgen sprechen würde. Ich denke ich suche mir schon die passenden Folgen aus um negativ darüber zu sprechen und die Probleme zu zeigen, die es auch damals schon gab. Der Niedergang ist kein S9/S10- spezifisches Problem und er kam auch nicht über Nacht. Die Wurzeln kamen schon sehr viel früher...

Machen wir also wieder ein "kleines" und negatives aber IMO faires Review über eine klassische Problemfolge. Über eine Folge deren Titel aus 4 Wörtern besteht. 4 Wörter die für viele Leute einen der ersten Hinweise darauf gaben das die Serie begann ihre Richtung zu verlieren. 4 Wörter die für einen ersten und frühen Identitätsverlust der Serie und ihrer Charaktere stehen. 4 Wörter die dem einmal perfekten Gesamtbild "Simpsons" schon damals einen empfindlichen Schlag versetzt haben. 4 Wörter als Symbol das die Serie begann ihre alten Wurzeln zu verlieren.

Der Problemtitel mit den 4 Wörtern ist "Homer Goes To College" aka "Homer auf der Uni".

"Was soll denn das nun wieder?" werden da einige sagen "das ist doch noch eine supertolle und superlustige Klassiker-Folge aus der genialen fünften Staffel. So langsam kann man dich nicht mehr ernstnehmen, Chris, denn du lästerst ja nur noch über Folgen rum. Früher war es gerechterweise nur S11 aber jetzt machst du ja alles nieder und man will dir gar nicht mehr zuhören. Geh doch und lass dich zusammen mit deinen ersten drei Staffeln einsalzen. Mann, du nervst. Homer auf der Uni ist voll superlustig."

Voll superlustig? Wirklich? Vielleicht ist sie das ja auch aber was ist sie noch? Um was ging es in der Folge eigentlich? Was war die Handlung? Was war der Hintergrund? Was passierte am Folgenende? Kann es sein das viele Leute diese Folge schon etliche Male gesehen haben (dank P7) aber das am Ende nach allen Lachern jedes Mal nur ein leeres Gefühl blieb und das die Folge bei jedem erneuten Anschauen immer flacher und inhaltsloser wurde?

Die Folge (oder ein Großteil davon) existiert nur aus einem Grund und dieser Grund ist auch ihr Hauptproblem: Homer J. Simpson und seine mittlerweile extrem gewordene Dummheit. Die Folge lebt nur davon Homers Dummheit für ihre Handlung quasi "auszubeuten" und ihn von Joke zu Joke und von einer abstrusen Situation zur nächsten zu bringen, während alle anderen Nebenfiguren - einschließlich der Familie - als Statisten im Hintergrund bleiben und Homers "wacky adventure" nur als schwache Stütze umrahmen. Kommt einem das nicht bekannt vor? Staffel 11 läßt grüßen.

Die Folge ist IMO nicht "definierend" für Homer als Charakter sondern "degradierend" für ihn. Sie degradiert sie ihn zu einem extrem dummen und leicht psychotischen flachen Idioten der von vorne bis hinten absolut nichts begreift und nichts versteht und am Schluß (ist es wirklich einer?) über seine eigene Dummheit und totale Ignoranz sogar noch froh ist und selbst über sein völliges Versagen von anderen informiert werden muß - aber trotzdem nicht versteht sondern sofort wieder zu seinem flachen und dummen eindimensionalen Ausgangszustand zurückgeht (Party, Party, Party...)

Homer ist flach und dumm bis zu einem Level der sein altes leicht kindliches aber "menschliches" Ich über lange Strecken ad absurdum führt. Er verfolgt Bienen, zündet das Haus an, er kichert wirr und verfolgt ein Eichhörnchen (schon wieder Eichhörnchen? Sollten sich alle Probleme der Serie mit Eichhörnchen erklären lassen? ;-)) und benimmt sich über lange Strecken der Folge hart an der Grenze zu einem psychotischen Kleinkind. Symptomatisch ist vielleicht noch die Szene als er Bart unkontrolliert und ohne wirklichen Grund am Esstisch beinahe mit dem Messer attackiert und seine ständige Idee den Dekan von der Brücke zu werfen (umrahmt von wirrem Kichern.)

Ist das noch der alte Homer oder sind das die ersten Schritte zum psychotischen, debilen und flachen Jerkass (sorry, das Wort muß hier einfach sein) der die Folgen dominiert und wirklich nur dazu da ist den Zuschauer von flachem Homer-Lacher zu Homer-Lacher zu führen ohne echten Hintergrund zu haben. Die Ausbeutung von Homers Dummheit ist der einzige Hintergrund.

Man kann aber nicht sagen das die Folge keine Handlung hat, das Gegenteil ist der Fall: die Folge enthält extreme viel Handlung (Homer im SNPP, Homer auf der Uni, Homer und die Nerds, Homer klaut Schwein, die Nerds bei Homer etc etc) ohne wirklich einen echten festen Faden zu haben. Man hat am Ende zwar das Gefühl eine Folge gesehen zu haben die länger als 20 Minuten gedauert hat aber die Überlastung mit (unfertigen) Handlungsfragmenten ist so groß das die Folge ein arg leeres Gefühl hinterläßt und man nicht so recht weiß um was es eigentlich ging. Je öfter man die Folge sieht desto mehr nutzen sich die Dummheits-Jokes ab und um so schlechter erscheint sie einem.

Satire? Inhalt? Charakter? Tiefe? Hauchdünn bis nicht vorhanden.

Das Hauptproblem der Folge ist ja daß Homer das College bestehen *muß* um seinen Job zu behalten aber diese "dunkle Seite" der Handlung wird von Homers wirren und "superlustig/flachen" Abenteuern total in den Hintergrund gedrängt und man ist am Ende eher überrascht als die Handlung nach allen Schwenkern sprungartig wieder zu diesem Ursprungs- Problem zurückkehrt und es in ca. 2 Minuten Handlung noch zu lösen versucht und natürlich versagt. Der Schluß wirkt meiner Ansicht nach in vielerlei Hinsicht unfertig und unbefriedigend. Homer hat in allem versagt aber er begreift es nicht einmal und ist zufrieden über seine eigene Dummheit. Erinnert einen das nicht an S11?

Die Satire in der Folge ist hauchdünn (nicht das es kein Potential gegeben hätte, z.B. für Seitenhiebe auf das US-Schulsystem und College) denn die Handlung wird weit mehr für arg platten Unsinn und simplen leichten Spaß verschwendet. Die Folge hat einen einzigen wirklich satirischen Satz als Bart die Bilder von Sir Oinksalot herumzeigt und sagt "Hier verleiht er Richard Nixon die Ehrendoktor-Würde - und hier wälzt er sich im eigenen Dreck..." Das ist ein Moment im wahren Geist von Matt Groening, der Rest der Folge ist mehr im Slapstick-Geist der Looney Toons.

Ein SNPP mit Selbstzerstörungsknopf, ein Hund der Knöpfe drückt, eine ganze Belegschaft die schläft, Homer als Bienen-Boss mit dem dicken Hintern, die Szenen mit dem grün leuchtenden Nuklear-Homer ("Muß Menschheit vernichten) und das gleich zweimal und somit schon wieder über der Grenze des handlungsrelevanten Sightgags (der Unterschied zum kritisierten Plutonium auf den Zähnen ist nicht besonders groß, oder?) und Homer der seine echte Chance das Problem zu lösen mit "Lecken sie meinen dicken gelben Hintern" quittiert etc etc etc. All das definiert die Folge als simple und leere Spaß-Folge die weder Wert auf Satire noch auf Charaktere noch auf Inhalt legt und damit ist sie auch definierend für vieles das noch kommt und irgendwann zu S11 führen wird.

Fazit: es ist keine wirklich schlechte Folge aber es ist eine weitere Problemfolge auf dem langen Weg zu S11 mit vielen Wurzeln die zu Problemen führen werden und geführt haben. Fast keine Satire, simpler und platter Spaß, Homer-zentrisch bis zum Letzten, Ausbeutung von Homer- Dummheit (die inzwischen an teilweise unterträgliche und debile Grenzen stößt) und ein Schluß der nach allen Handlungswirren doch arg aprupt kommt und keinerlei Lösung des ursprünglichen Problems oder gar Erkenntnis bei Homer bringt. Die Folge ist anschaubar wegen ihrer Jokes aber das nutzt sich IMO sehr sehr schnell ab. Ein unnötige Folge und von einem gewissen klassischen Standpunkt aus gesehen eine schlechte Folge und eine Wurzel des Übels.

Und jetzt macht mich alle nieder. Aber wenn man genau darüber nachdenkt liege ich doch nicht wirklich ganz falsch, oder? Kommentare von Gegnern und Befürwortern sind willkommen.