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Die Simpsons


„Was deutsche Universitäten aus jungen Menschen machen, das musste ich am eigenen Leib miterleben", lächelt der attraktive Mitzwanziger. Schon seit langem forscht das Universalgenie über illusionäre Verkennungen und Halluzinationen bei den .Simpsons'» Es war eine Frage der Zeit, wann es endlich einem Verlag gelingen würde, ihm das sagenumwobene Manuskript aus einem seiner vielen Paläste zu entführen und es endlich hier in Heftform zu bringen.
Das ist nun gelungen.

Und man muss dieses Heft kaufen, denn der Autor hat gerade die Verfilmung durch Hollywood abgelehnt. „Es gibt derzeit einfach keinen Regisseur vom Rang eines Billy Wilder oder Alfred Hitchcock, der diesem Stoff gewachsen wäre", grinst mich der wohlhabende Malefizkerl bei unserem Gespräch letzte Woche in seiner Villa auf Formentera an. Wer keinen Sinn für Humor hat und noch nicht mal von seinen Freunden so tun will, der sollte wenigstens mit dem Kauf dieses wunderbaren Heftes ein Universalgenie unserer Tage daran hindern, seine kostbare Zeit mit Taxifahren zu vergeuden. Ökonomische Zwänge haben nämlich schon seine kriminelle Karriere beendet, seine literarische hat ein anderes Schicksal verdient.
<i>Aus der Einleitung von Jakob Hein>

Im Anhang des Textes: eine Auflistung von Halluzinationen und ähnlichen Zuständen bei den .Simpson', die dem näher Interessierten einen guten Überblick über die Häufigkeit dieser Phänomene darbietet.

ISBN 3-930442-72-8 ReEducation 2,50 €


Falko Hennig
Springfield auf Trip
Rausch, Wahn und Halluzinationen bei 'Den Simpsons'
Edition RauschKunde 72
Text und Satz von Falko Hennig
Illustrationen:
Fotos von Kifferplakaten aus holländischen Coffeeshops vom Autor;
Innenumschlag vorn von Mathias Haede
Heftumbruch von Petra Petzold
Kulla-Dank
Druck: Maro, Augsburg
Verlegt durch Werner Pieper & The Grüne Kraft
Alte Schmiede
D-69488 Löhrbach
Fax 06201 22585
eMail: Versand@gruenekraft.com
www.gruenekraft.net
ISBN 3-930442-72-8
© 2004 Falko Hennig
www.Falko-Hennig.de

Vorwort

von Jakob Hein


Falko Hennig ist ein vielbeschäftigter Mann. Den meisten würde schon seine Tätigkeit in der Charles-Bukowski-Gesellschaft zuviel sein, deren Gründer und Geschäftführer er ist. Doch dies ist nur eins der Gesichter des Ing. Hennig. Als Koordinator zahlreicher eigener Shows ist er täglich an der Strippe, um die Künstler diese Veranstaltungen aus Chicago, St. Petersburg oder einfach ihrem Bett heranzutelefonieren. „Das mache ich ganz nebenbei.", grinst der Lira-Millionär, der in der Reformbühne Heim & Welt auch noch allsonntäglich auf den Brettern steht, die für jemanden geringeres schon die ganze Welt bedeuten würden.
Zu den weiteren Facetten des Multimediamoguls zählt es, dass er der alleinige Besitzer und Betreiber des Senders Radio Hochsee ist, der Sendestudios in ganz Berlin besitzt. „Mit der terrestrischen Ausstrahlung ist es noch nicht so weit, aber ich zähle auf den Langzeiteffekt. Selbst an einem schlechten Abend habe ich bessere Quoten als die meisten Sender", schwelgt der „Rupert Murdoch von Mitte". Viel gemunkelt wird über die Intentionen hinter seinem Vortrag „Charles Bukowski und der Film". Kenner der Szene sagen ihm Absichten nach, mit diesem Vortrag und den immensen Erlösen, die er daraus erzielt seinen Rückstand gegenüber Leo Kirch wettmachen zu wollen, um später vielleicht dessen Film- und Fernsehimperium zu übernehmen. „Dazu gebe ich keinen Kommentar ab", lächelt der Medienprofi verschmitzt.
In der letzten Zeit hat sich dieser Tausendsassa jedoch hauptsächlich seiner literarischen Karriere gewidmet. Den Lesern fast aller überregionalen Zeitungen, besonders von „FAZ", „taz" und „Die Hebamme" sollte er bekannt sein. Schon kurz nach der Veröffentlichung seiner Berichte vom lispelnden Kellner Ernst Wiese („Gastronomie in der Kriße"), lag schon sein Erstlingsroman vor. In „Alles nur geklaut" zeigte der Romancier ganz nebenbei einer ganzen Generation von Ostkindern, wie man ein Buch über seine Kindheit richtig schreibt. Schon wenig später, praktisch nicht unterbrochen von seiner Arbeit im Kernforschungszentrum Julien, erschien der nächste Roman des großen Deutschen. In „Trabanten" wurde erstmals in der Literaturgeschichte die Verflechtung der deutschen Geschichte mit ihrer Autobahn filigran seziert.
Doch auch in den Neurowissenschaften fühlt sich das Allround-Talent schon lange Zuhause. Er ist Vorreiter bei der Entwicklung neuer, geschlechtsspezifischer Intelligenztests. „Dass Frauen auf der ganzen Welt 10 Jahre länger als Männer leben, muss doch eine Ursache haben.", feixt der passionierte Hobby-Neurochirurg. Die Vielzahl seiner hochdotierten, teilweise verbeamteten Tätigkeiten erklärt der Gelehrte auch damit, dass er später die Mehrzahl seiner 43 Kinder an Elite-Universitäten in England und den USA schicken will. „Was deutsche Universitäten aus jungen Menschen machen, das musste ich am eigenen Leib miterleben.", lächelt der attraktive Mitzwanziger. Schon seit langem forscht das Universalgenie über illusionäre Verkennungen und Halluzinationen bei den „Simpsons". Es war eine Frage der Zeit, wann es endlich einem Verlag gelingen würde, ihm das sagenumwobene Manuskript aus einem seiner vielen Paläste zu entführen und es endlich hier in Heftform zu bringen. Das ist nun gelungen.
Und man muss dieses Heft kaufen, denn der Autor hat gerade die Verfilmung durch Hollywood abgelehnt. „Es gibt derzeit einfach keinen Regisseur vom Rang eines Billy Wilder oder Alfred Hitchcock, der diesem Stoff gewachsen wäre.", grinst mich der wohlhabende Malefizkerl bei unserem Gespräch letzte Woche in seiner Villa auf Formentera an. Wer keinen Sinn für Humor hat und noch nicht mal vor seinen Freunden so tun will, der sollte wenigstens mit dem Kauf dieses wunderbaren Buches ein Universalgenie unserer Tage daran hindern, seine kostbare Zeit mit Taxifahren zu vergeuden. Ökonomische Zwänge haben nämlich schon seine kriminelle Karriere beendet, seine literarische hat ein anderes Schicksal verdient.

Springfield auf Trip

Rausch, Wahn und Halluzinationen bei den 'Simpsons'

Seit 1987 gibt es die amerikanische Zeichentrickserie „Die Simpsons". Der Erfolg der ersten Kurzfilme, auch Shorts genannt, führte dazu, dass am 17. Dezember 1989 die erste „abendfüllende", jedenfalls 20 minütige Folge über die amerikanischen Bildschirme flimmerte. Kaum jemand hätte dem Projekt damals zugetraut, dass es in den nächsten anderthalb Jahrzehnten zur erfolgreichsten Zeichentrickserie in der Geschichte der Menschheit entwickeln sollte.
Schon Mitte der 90er Jahre begannen mir merkwürdige Zustände in dieser Serie aufzufallen, von der Zeichentrickrealität abweichende Erscheinungen, die ich damals allesamt als „Halluzinationen" bezeichnete. Mit der intensiveren Beschäftigung damit im Lauf der nächsten Jahre erfuhr ich, dass es sich nur um eine recht grobe Bezeichnung für die verschiedenen psychischen und pathologischen Phänomene handelte.
Aber bevor ich mich tatsächlich systematisch mit dem Thema beschäftigen konnte, musste ich viel Geld in Videorekorder und -kassetten investieren, ersteren programmieren und letztere regelmäßig wechseln. Zwischen 5 und 6 Stunden passen auf eine Kassette, „Die Simpsons" liefen und laufen immer noch täglich. Irgendwann bemerkte ich, dass ich bestimmte Folgen zum dritten oder vierten Mal aufnahm. Also musste ich noch systematischer werden, was bedeutete: Katalogisieren. Nach Monaten sehr intensiver Arbeit war es endlich soweit, dass ich eine Datenbank zur Verfügung hatte, mit der ich die wichtigsten Halluzinationen bei „Den Simpsons" auswerten konnte.
Halluzinationen sind Sinneswahrnehmungen ohne äußeren Reiz, man sieht etwas, wo nichts ist. Vieles, was uns zuerst wie Halluzinationen erscheint, sind tatsächlich illusionäre Verkennungen, doch werde ich auf die Psychopathologie später genauer eingehen.
Halluzinationen sind nur eine Art der Sinnestäuschung, Sinnestäuschungen sind also der Oberbegriff. Halluzinationen oder auch Wahrnehmungstäuschungen wiederum gibt es in jeder einzelnen Wahrnehmungsart, also als optische, akustische, taktile (fühlbare), sowie Riech- und Schmeckhalluzinationen.
Dagegen verkennt man bei der „illusionären Verkennung" etwas, was durchaus vorhanden ist. Wenn also Homer seine Frau für einen wandelnden und sprechenden blauen Kaktus hält (THE HOMER THEY FALL, AUF IN DEN KAMPF! 4F03), dann ist dies ein Illusion. Aber der Kaktus mit seiner Anspielung auf die halluzinogene Peyote Pflanze der Indianer sollte uns im Gedächtnis bleiben.
Schon in der allerersten jemals gesendeten Folge der Simpsons vom 19. April 1987, damals noch als Kurzfilm im Rahmen der Tracey Ullmann Show, bekommen wir es mit einer Halluzination zu tun (enthalten in THE SIMPSONS 138TH EPISODE SPECTACULAR, DIE 138. EPISODE, EINE SONDERVORSTELLUNG, 3F31). Wer denkt, er kenne „Die Simpsons" wird sich beim Anblick dieser Gestalten etwas wundern, denn es sind noch nicht ganz die Simpsons, die wir kennen. Man könnte sie als die Ur-Simpsons bezeichnen: Homer hat noch mehr Haare auf dem Kopf, Marges Bienenkorbfrisur ist noch nicht ganz so gigantisch, Barts Frisur hat noch 12 statt der späteren 9 Zacken und überhaupt sind die Figuren noch viel zittriger gezeichnet.
Auf keinen Fall müssen Halluzinationen von vornherein als krankhaft angesehen werden. Zwar sind Halluzinationen durchaus typische Symptome einer Schizophrenie. Aber der krankhafte Charakter einer Halluzination ergibt sich nur aus dem Zusammenhang. Denn jeder kennt halluzinatorische Erlebnisse beispielsweise aus der Einschlafphase. Man denkt zu fallen oder zu stolpern und plötzlich bewegt man sich ruckartig im Bett. Um genau eine solche hypnagoge Halluzination, das heißt in der Einschlafphase, handelt es sich in diesem „Good Night" betitelten Kurzfilm.
Mutter Marge singt darin dem Baby Maggie ein Einschlaflied:

 „Rock-a-bye-baby, in the tree top
When the wind blows, the cradle will rock When the bough breaks, the cradle will fall And down will come baby, cradle and all."

Die kongeniale Übersetzung, die das unheimliche Thema sogar noch etwas überspitzt, lautet:
 „Schlaf schön, meine Kleines hoch oben im Baum
 Der Wind schaukelt die Wiege wie im süßesten Traum
 Wenn die Äste dann brechen, stürzt die Wiege hinab
 Und das Baby samt Wiege landet im Grab."
Durch dieses wenig sensible Schlaflied wird das Gegenteil erreicht, Maggie sieht sich in der hypnagogen Halluzination wie im Lied gesungen samt Wiege in ein Grab fallen und kann ob dieses Horrors überhaupt nicht schlafen.
In der Folge BART WIRD EIN GENIE (BART THE GENIUS, 7G02) rät die Lehrerin Mrs. Edna Krabappel ihrem, nun, nicht gerade Lieblingsschüler Bart, sich doch die Rechenaufgabe bildlich vorzustellen. Schnell kann Bart seine Vorstellung von der Realität nicht mehr deutlich unterscheiden. Wenn schon nicht in eine Halluzination steigert sich Bart jedenfalls in einen handfesten Wachtraum hinein. Er sieht sich in einem der Züge aus der Mathematikaufgabe, die Zahlen, Geschwindigkeiten und bedrohlichen Figuren nehmen überhand, an eine Lösung der Aufgabe ist nicht zu denken. Schließlich kommt dem Zug noch ein anderer mit voller Geschwindigkeit auf dem selben Gleis entgegen und Bart kann nicht einmal die Kollision verhindern, deren Gewalt ihn wiederum von seinem Stuhl im Klassenzimmer wirft.
Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Barts Neigung zu Wachträumen genetisch bedingt, sein Vater Homer leidet in noch viel stärkerem Maße darunter. Andererseits können schlechte schulische Leistungen kaum überraschen beim Schüler Bart, dessen Motto „Schlechter Schüler und darauf stolz" lautet und der seit 10 Jahren in derselben Klasse festsitzt. Nur allzu leicht verständlich, dass er sich seine Langeweile mit Tagträumen verschiedener Art vertreibt. Eher verwunderlich ist es, dass der noch zwei Jahre ältere, also noch länger in der selben Klasse der Schulhierarchie steckengebliebene Nelson sich dieses mentalen Hilfsmittels nicht bedient. Eine besondere Art von Halluzination wird angeblich von klinisch Toten viel berichtet. Tatsächlich hat man aber bisher noch keinen wirklich Toten befragen können, so betreten wir mit dem folgenden das Gebiet der Spekulation. Man hat immerhin nachweisen können, dass beim Sterben der Temporallappen, das ist der Schläfenlappen des Gehirns, als letztes abstirbt. Dieser Schläfenlappen ist für die optischen Erinnerungen zuständig. Die todesnahen Erlebnisse haben natürlich auch viel mit den körpereigenen freigesetzten Morphinen zu tun. Zusammen bewirken diese Prozesse vermutlich jenen weißen Lichtpunkt und das oft beschriebene Tunnelerleben.
Damit haben wir einen Erklärungsansatz für die viel berichteten Todesvisionen, von denen eine in BART KOMMT UNTER DIE RÄDER (BART GETS HIT BY A CAR, 7F10) zu sehen ist. Todesvisionen sind sehr kulturell geprägt. Das weiße Licht, auf dass das der Sterbende zu schwebt, ist dabei durchaus eine christliche Vorstellung. In Japan dagegen fliegt man eher über Teiche und Wälder, jedenfalls wenn man filmischen Arbeiten zu dem Thema Glauben schenkt. Erinnerungen sind durchaus veränderlich und beeinflussbar, also kann ein kultureller Außendruck bewirken, dass sich solche Reminiszenzen vereinheitlichen. Ein gewisses Misstrauen ist dabei also durchaus angebracht: Man ist ja in dem Moment klinisch tot, an den man diese Erinnerung haben will. Während also Erinnerungen an den Unfall, selbst an die Ereignisse der nächsten Wochen völlig fehlen, wird aber die Frage, ob man „auch einen weißen Punkt gesehen" hat, bejaht.
Übrigens kann jeder versuchen, seine eigenen Erfahrungen dazu zu befragen. Der klinische Tod ist als die Abwesenheit von EEG-Signalen definiert, die Hirnentwicklung beginnt erst in der 6ten bis 7ten Schwangerschaftswoche. Also ist ein jeder, streng genommen, die ersten 7 Wochen seines Lebens, wenn man die Befruchtung als Lebensbeginn nimmt, klinisch tot. Die Vermutung hat einiges für sich, dass eher die Erinnerungen daran denen des zukünftigen Todes ähnlich sind. Wie stark solche Erlebnisse kulturell determiniert sind wird schon daraus deutlich, dass Bart sich in der Hölle in einem Gemälde von Hyronimus Bosch wiederfindet und dass der Teufel einen Computer benutzt. Nicht ganz geklärt ist, ob es sich dabei um einen Macintosh Gerät handelt, oder um einen mit Microsoft Windows betriebenen PC. Mit Hilfe dieser, so oder so teuflischen, Technik jedenfalls sieht Satan, dass Bart erst fällig ist, wenn die Amerikaner die Fußballweltmeisterschaft gewinnen: „Das dauert bestimmt noch 100 Jahre. 1000 Jahre sind ein Tag." Und als Ratschläge für sein weiteres Leben gibt der Teufel Bart noch einige Maximen mit auf den Weg zurück in die Wirklichkeit: „Immer schön lügen und betrügen. Und zieh Dir Heavy Metal rein!"
In MARGES MEISTERWERK (BRUSH WITH GREATNESS, 7F18) erklärt Professor Lombardo seine Zeichenmethode, für die man sich die zu malenden Motive als aus einfachen geometrischen Körpern zusammengesetzt vorstellen soll. Lombardo erläutert das Prinzip nebenbei an einem Matt-Groening-Hasen, der in den Simpsons oftmals zitiert wird. Jedenfalls kann Marge mit diesen bewusst herbeigeführten illusionären Verkennungen sowohl ihrem Ehemann Homer als auch dessen Chef, Montgomery Burns, auf so vollendete Weise abbilden, dass sie dafür einen renommierten Preis bekommt.
Erwähnt habe ich schon die jedem bekannten halluzinatorischen Erlebnisse aus der Einschlafphase. Ein Beispiel dafür finden wir in der Folge LISA'S PONY (8F06). Dieser Ausschnitt ist gleichzeitig ein schönes Beispiel für die Integration von klassischer Literatur bei den Simpsons, der Mond aus Der kleine Häwelmann von Theodor Storm und das Hinweisschild „Slumberland" stehen dafür. Der Grund für Homers Müdigkeit ist sein Zweitjob im Kwik-E-Mart von Apu Nahasapeemapetilon. Während hypnagoge Halluzinationen normalerweise harmlos sind, werden sie im Straßenverkehr zu einer großen Gefahr und vor dem Fahren bei Übermüdung muss auf jeden Fall abgeraten werden. Homer nickt am Steuer seines Wagens ein, wird im Traum von Engeln in einem Bett getragen und es ist eher ein Wunder aus der Welt des Zeichentricks, dass er auch in diesem Zustand heil bis zu seiner Garage gelangt.
In der Folge DAS ERFOLGSREZEPT (FLAMING MOE'S, 8F08) finden wir eine schon krankhafte Halluzination Homers, die sich aus dem Fehlverhalten des Wirtes Moe Szyslak ergibt. Moe hat Homer das Rezept für einen wunderbaren, und auch finanziell sehr erfolgreichen Drink gestohlen. Es beginnt bei Homer mit harmlosen akustischen Verkennungen, steigert sich dann aber bis hin zu umfangreichen optischen Wahnvorstellungen. Er entflieht seinem Haus und der Familie, nur um die gesamt Straße mit Moes bevölkert zu sehen, auch im Fernsehen, überall ist nur noch Moe. Selbst als er auf der Wiese ins Gras fällt drehen sich die Blumen zu ihm hin und haben jede Moes Gesicht. Eine paranoide Halluzination ist es deshalb, weil Homer die Umwelt nicht nur falsch, sondern auch als bedrohlich wahrnimmt. Bedenklich muss in unserem Zusammenhang stimmen, dass die geheime Zutat zu dem so erfolgreichen Drink ausgerechnet Krustys Hustensaft ist. In manchen Hustensäften ist bis heute Codein enthalten, von circa 1898 bis 1910 war eine beliebte Zutat das Heroin von Bayer Leverkusen. Und dass ausgerechnet der Alkohol-, Nikotin- und Schmerzmittel süchtige Krusty sich an die Vorschriften für Medikamentenrezepte hält, ist sehr fraglich.
Wiederum Homers Anfälligkeit für Tagträumereien und sein ganz eigenes Deutschlandbild können wir in BURNS VERKAUFEN DER KRAFTWERK, auf deutsch KRAFTWERK ZU VERKAUFEN (Folge 8F09) sehen. Angeregt wird Homer zu seiner Fantasie durch die Bemerkung der neuen deutschen Kraftwerksbesitzer, Deutschland sei das Heimatland der Schokolade. In dem Wachtraum ist das Heimatland der Schokolade mit Häusern, Straßen, Läden aus dem süßem Material ausgestattet, selbst die springenden Hasen und herumtollenden Hunde sind aus Schokolade und lassen sich gern von Homer Stücke herausbeißen.
In der Folge DER VERMISSTE HALBBRUDER (BROTHER, CAN YOU SPARE TWO DIMES?, 8F23) bekommen wir es mit einer wunderbaren optischen Halluzination von Homer zu tun, die ihm beim Ausprobieren des Rüttelsessels "Spine Melter 2000" erscheinen. Obwohl Halluzinationen prinzipiell durch ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern im Gehirn ausgelöst •werden, gibt es in der gesamten wissenschaftlichen Literatur nicht einen beschriebenen Fall, in dem dieses Gleichgewicht durch Rütteln gestört •würde. Insofern haben wir es bei aller zeichnerischen Sorgfalt der Trickfilmer hier mit einer Fantasie zum Thema zu tun.
Die dargestellten Farbhalluzinationen sind übrigens typisch für die von Mutterkornalkaloiden (also LSD und Mescalin) ausgelösten Sinnestäuschungen. Der große Reiz, den „Die Simpsons" auch auf ein älteres Publikum von Cineasten ausüben, liegt in der Fülle von Parodien und Zitaten klassischer Filme. Ein guter Teil der Simpsons-Freunde sind zweifellos auch fernsehsüchtig, nur so vorgebildet kann man die vielen filmischen Anspielungen überhaupt entschlüsseln. Die bei Homer stattfindenden Raum- und Farbverschiebungen, die Sichtung unbeschreiblichen Objekte, all das ist ein Zitat der vorletzten Szene aus dem Film 2001: A Space Odyssey von Stanley Kubrick. Doch während für den Genuss von Kubricks Film der Konsum bewusstseinserweiternder Drogen sicher hilfreich ist, kann man die Szene bei den Simpsons auch nüchtern würdigen.
Über die unter gewissen Umständen auch hilfreichen Auswirkungen einer illusionären Verkennung berichtet uns ein Ausschnitt aus BÜHNE FREI FÜR MARGE (A STREETCAR NAMED MARGE, Folge 8F18). Erst unter Wirkung einer Hasshalluzination kann Marge ihr schauspielerisches Potential richtig ausschöpfen. Das erinnert sehr an die schon beschriebene Strategie von Professor Lombardo. Marge soll in einer Musicalversion von „Endstation Sehnsucht" Stella darstellen, die ihren unordentlichen Ehemann Stanley Kowalski, gespielt von Ned Flanders, angreifen soll. Doch erst als Marge ihn sich als Homer Simpson vorstellt, ist die Wut groß genug, Flanders mit einer abgebrochenen Flasche wutentbrannt anzugreifen. Der Regisseur Llewelyn Sinclair glaubt, diese überzeugende Darstellung wäre sein Verdienst, während Flanders es kaum schafft, Marges Angriff abzuwehren.
Mit der mehrfach beschriebenen eigentlich ganz normalen Halluzination vor dem Einschlafen bekommen wir es noch einmal in IM ANFANG WAR DAS WORT (LISA'S FIRST WORD, 9F08) zu tun. In seiner Wirkung erinnert die Angst des noch kleinen Bart sehr an die Halluzination des Babys Maggie aus der allerersten Folge. Ursache ist ein Heimwerkerprodukt von Homer, der es mit seinem Sohn besonders gut meint. Homer baut ein Bett, das in einen diabolischen, bösartigen und gigantischen Clown übergeht. Bei Bart löst das solche Angstvorstellungen aus, dass er den Clown Drohungen ausstoßen hört und schließlich zitternd auf der Couch endet und nur noch wiederholen kann: „Kann nicht schlafen, Clown frisst mich. Kann nicht schlafen, Clown frisst mich."
Wie Jakob Hein (aus bürokratischen Gründen darf keinesfalls erwähnt werden, dass er als Dr. med. Kinder- und Jugendpsychiater an der Charite war) es formulierte: „Diese ganzen Filmemacher, diese ganzen Typen die da sitzen und die Simpsons machen, sind alle in den 70er Jahren an den Unis gewesen in Amerika, und haben sich LSD und Mescalin bis unter die Schädeldecke reingepumpt. Es ist wirklich wahr. Ich erinnere mich noch an eine Statistik-Professorin, die mir von LSD erzählte, dann ungläubig in die Luft kuckte und sagte: "Mann, haben wir damals VIEL genommen."
Die erste große klassische Halluzination finden wir in SELMA WILL EIN BABY (SELMA'S CHOICE, 9F11). Lisa ist das Opfer, verursacht wird ihr Trip durch LSD im Abwasser der Duff Gardens, von dem Lisa unvorsichtigerweise trinkt. Man wird einwenden können, dass es nicht mit Sicherheit um LSD geht, es könne sich doch etwa genauso um Mescalin handeln. Nun sind aber die "Simpsons" keine Wirklichkeit sondern ein Kunstprodukt, in dem die Macher jede Menge Zitate, Hin- und Querverweise versteckt haben, die man beachten muss, wenn man sie als Schöpfer ernst nimmt. Und bei diesem Ausschnitt zeigen die Hinweise alle auf LSD. Es besteht kein Zweifel, dass die Zeichner eigene Erfahrungen auf diese Art verarbeitet haben. So wie in normalen Spielfilmen niemals jemand aus Zufall durch den Bildhintergrund läuft, weil alles geplant und von Statisten dargestellt wird, so ist auch bei den "Simpsons" nichts zufällig. Leider ist das „setting" für einen LSD-Trip nicht sonderlich günstig, Lisa ist mit Bart und Tante Selma auf einer Bootsrundfahrt in Duff Gardens, einer Art Disney Park der Duff-Bierbrauerei, unterwegs. Dabei singen Puppen aller Kontinente das Lied „Little Land of Duff", dessen Text sich ohne Anfang und Ende wiederholt:
 „Duff beer for me
 Duff beer for you
 I’ll have a Duff
 You have one too."
Es beginnt bei Lisa gleich nach dem Trinken des Wassers bedrohlich mit Färb- und Geräuschtäuschungen, sie ruft: Jetzt sind sie überall, man kann ihnen nicht entkommen!" Als Tante Selma sie beruhigen will, greift ein Tiger aus ihrer Schulter Lisa an, mit Jimmi-Hendrix-artiger Musik löst sich Selmas Gesicht in bunte Kugeln und geometrische Formen auf. Die Halluzinationen verstärken sich zu umfassenden, geradezu unbeschreiblichen Wahrnehmungen, als Lisa ihre Hand vor sich schwenkt, löst sie sich in Phasenbilder auf: „Ich kann die Musik sehen!" Man beachte auch die diktierten, also geweiteten Pupillen, die für die Wirkung von Mutterkornalkaloiden typisch sind, ganz im Gegensatz zu verengten Pupillen bei den meisten anderen Drogen. Als Lisa schließlich nackt von Wachmännern in das Büro gebracht wird, wo die entnervte Tante Selma wartet, ruft sie: „Ich bin die Eidechsenkönigin!" Ein Mann im weißen Kittel gibt ihr eine Hand voll Tabletten, Selma: „Danke Doktor!"
Er erwidert: „Ich bin kein Doktor!" Das wäre ein eigenes Buch wert: Das Gesundheitswesen oder auch nur Ärzte bei den Simpsons. Es gibt ja den unseriösen Dr. Rivera und den angeblich zuverlässigen Dr. Hibbert, der aber auf Empfehlung seines Psychiaters in Stress-Situationen zu lachen pflegt, was besonders die Empfänger schlimmer medizinischer Neuigkeiten irritieren muss.
Auch die nächste Halluzination aus GROSSER BRUDER - KLEINER BRUDER (BROTHER FROM THE SAME PLANET, 9F12) gibt einem eine Ahnung davon, wie unbehaglich Sinnestäuschungen für jemanden sein kann, der darunter leidet. Barts Zorn auf seinen Vater ist so groß, dass er ihn als Leiche wahrnimmt, dessen Gesichtshaut sich wie in einem Verwesungsprozess glitschig von den Knochen löst, während sich die Landschaft in eine von Höllenfeuern leuchtende Vulkanwüste verwandelt. Zweifellos ist diese Zwangsvorstellung von Horror- und Zombiefilmen inspiriert, die Bart sich mit Vorliebe ansieht. Wieder sei der Hinweis gestattet auf den Unterschied zwischen eigentlich harmlosen Halluzinationen, über die sich niemand ernsthaft sorgen muss. Anders ist es bei Halluzinationen mit bedrohlichen Inhalt. Ohne chemische Substanzen sind Homer und Bart davon verstärkt betroffen, ein Indiz für die Neigung zu Psychosen und Schizophrenien in Familien.
In PRINZESSIN VON ZAHNSTEIN (LAST EXIT TO SPRINGFIELD, 9F15) wird wieder Lisa von einer Halluzination oder vielmehr einem richtigen Trip heimgesucht. Ort der Handlung ist eine Zahnarztpraxis, diesmal führt das unangenehme Setting, der Zahnarzt zeigt ihr Operationsinstrumente wie Spürhaken und Hohlmeißel, jedoch nicht zu einem Horrortrip. Stattdessen fliegt Lisa durch den Himmel einer Welt, die stark an den Zeichentrickfilm „Yellow Submarine" der Beatles erinnert.
Unübersehbar sind die Anspielungen auf LSD, immerhin ruft einer der Beatles, die in einem schwebenden U-Boot eintreffen: „Kuck mal, Lisa in the Sky, aber ohne Diamonds." Zwar heißt der berühmte LSD-Song der Beatles „Lucy in the Sky with Diamonds", aber auch mit „Lisa" ergibt das abgekürzt LSD. Obwohl also LSD gemeint ist, wird Lachgas als Narkosemittel erwähnt. Lisas Narkose lässt denn auch auf ein typisches Durchgangsphänomen schließen. Diese Zustände sind so manchem Anästhesisten bekannt, Betäubte sprechen in der Aufwachphase sehr albern oder vulgär, zeigen also starke Persönlichkeitsveränderungen, an die sie sich zum Glück später nicht mehr erinnern.
In der Regel verursacht eine Betäubung durch Lachgas aber nur eine Affektveränderung, also man ist heiterer Stimmung, ohne dass die Wahrnehmung gestört ist. So haben sich die Drogenfreaks der Simpsons wieder einige dichterische Freiheiten genommen und einiges multitoxisch gemischt.
Von dem Film Kids weiß man, dass Lachgas durchaus einige Zeit eine interessante Straßendroge für junge Leute war. Der entsprechende Jugendliche zog sich ein Lachgaszelt über den Kopf und war dann einige Zeit benommen. Lachgas ist simpler Stickstoff (genauer: Distickstoffmonoxid) und fällt damit nicht einmal unter das Betäubungsmittelgesetz. Schlichter Sauerstoffmangel führt also zu diesen Effekten, die durch einfaches Luftanhalten genauso herbeizuführen wären.
Die Wirkung inhalierter Drogen hält nicht so lange an als beispielsweise von injizierten. Erstbenutzern von Haschisch ist zu raten, wenn sie denn schon nicht die Finger von dem Teufelszeug lassen können, die Drogen als Keks oder Kuchen einzunehmen oder wenigstens auf das Inhalieren zu verzichten. Bei den Simpsons sind es hauptsächlich Otto und die Polizisten, die regelmäßig kiffen, wie man in den Folgen HOMER AUF TOURNEE (HOMERPALOOZA, 3F21) und DER TOLLSTE HUND DER WELT (THE CANINE MUTINY, 4F16) sehen kann. Es stinkt nach Marihuana in Springfield, und wie beim Fisch geht auch hier der Geruch vom Kopfe aus: Bürgermeister Diamond Joe Quimbie ist Kiffer und baut sogar in seinem Büro die Rauschpflanze an (TINGELTANGEL-BOB, SIDESHOW BOB ROBERTS, 2F02).
Sogar Homer kifft in „Medical Marijuana" (16. Folge der 13. Staffel). Nach Verletzungen, hervorgerufen durch den Angriff eines Krähenschwarms, verschreibt Dr. Hibbert Homer gegen seine Augenschmerzen medizinisches Marijuana. Sofort sind Homers Pupillen vergrößert, er zeigt starke Persönlichkeitsveränderungen und halluziniert. Statt Blut fließen ihm Regenbogenfontänen aus den Schnittwunden, die er sich unter Einfluss beim Rasieren zufügt. High fliegt er in seinem Auto zur Arbeit und aus dem Kühltürmen des Atomkraftwerks steigen Blüten. Auch Lisas Saxophon Solos erträgt und genießt er. Er wird von Montgomery Burns befördert, weil er als einziger über seine Witze lacht und verbringt viele heitere Stunden mit Otto auf dem Dachboden, wo sie sich darüber amüsieren, dass das Klirren des Schlüsselbundes ihnen so laut erscheint wie das Klingeln der Tür. Sogar die Bibel lässt er sich von Ned Flanders komplett vorlesen und unterschreibt zum Dank dafür eine Unterschriftenliste gegen die medizinische Zulassung von Marijuana. Diese Folge wurde in den USA wegen der heiklen Problematik nicht im Vorabendprogramm gezeigt sondern erst nach 22 Uhr.
Eher körpereigene Morphine sind es, die in HOMER LIEBT MINDY (THE LAST TEMPTATION OF HOMER, 1F07) beim Oberhaupt der Simpsons erst zu Illusionen und dann zu Halluzinationen führen. Vom ersten Augenblick, in dem er die neue Kollegin Mindy Simmons sieht, hat er starke Halluzinationen. Es liegt nahe, das auf Liebe zurückzuführen, selbst William S. Burroughs vermutete kurz vor seinem Lebensende, dass Liebe die stärkste Droge sei, die es gibt. Doch Homer liegt wohl nicht falsch, wenn er auch noch einen anderen Zusammenhang vermutet: „Ich hätte besser das Paket Soßenpulver nicht verputzen sollen, das ich auf dem Parkplatz gefunden habe." Aber die Hinweise auf andere als körpereigene Drogen verdichten sich noch, als er mit seinem Auto rückwärts in eine „Trout Hatchery", also eine Forellenzuchtanlage fährt. Als die Forellen dann noch in seinem Auto singen, muss man diese Hinweise auf den bekanntesten LSD-Roman „Trout Fishing in America" von Richard Brautigan (deutsch „Forellenfischen in Amerika") ernst nehmen.
Eine sehr wahnhafte Halluzination von Montgomery Burns sehen wir in der Folge VOM TEUFEL BESESSEN (SPRINGFIELD (OR, HOW I LEARNED TO STOP WORRYING AND LOVE LEGALIZED GAMBLING), 1F08). Der über hundertjährige Mephisto von Springfield hat sein Atomkraftwerk aufgegeben um ein Spielkasino zu betreiben. Dabei wird er aber immer sonderlicher, lässt sich einen Vollbart stehen, verlässt das Bett nicht mehr, sammelt seinen Urin und entwickelt wahnhafte Mikrobenangst.
Angeblich litt Zeitungskönig Hurst unter diesem Waschzwang, auch vom Erfinder Tesla ist solche exzentrische Bazillenangst überliefert. Seine kulturelle Ursache hatte dieses Phänomen in der Entdeckung verschiedenster bakterieller Krankheitserreger in der Zeit um 1900. Hauptsächlich aber wird hier auf Howard Robard Hughes (1905-1976) angespielt, der ebenso paranoid war, und, wie Burns, sein Geld in Spielcasinos anlegte. Auch Burns Vorliebe für selbstgebaute Holzmodelle von Flugapparaten („Wir nehmen den Fichtenelch!), die er für durchaus vollwertige Flugzeuge hält, erinnert an Hughes, der eigene Flugzeuge entwarf, unter anderem das später von Lockheed Aircraft gebaute Verkehrsflugzeug Constellation.
Wieder um LSD geht es kurz in der Folge HOMIE UND NEDDIE (HOMER LOVES FLANDERS, 1F14). Lysergsäure führt bei kleinsten Dosen, 0,0005 bis 0,002 mg pro Kilogramm Körpergewicht, eine halbe bis anderthalb Stunden nach der Einnahme zunächst zu vegetativen Irritationen, dann psychotischen Erscheinungen bis hin zu psychedelischen Bewusstseinserweiterungen, die einen Tag andauern können. Die Reaktion kann zwischen Hoch-bis Mißstimmung variieren, der Horrortrip ist für letzteres die volkstümliche Bezeichnung. Das verbreitete Rauschmittel kann bei chronischem Gebrauch zu psychischer Abhängigkeit führen. Mescalin wie auch LSD wurden bis in die 70er zur Erforschung geistiger Krankheiten genutzt. Der berühmteste Protagonist für die menschheitsveredelnden Wirkungen dieses Medikaments, Timothy Leary (gestorben 1996) wurde übrigens am 22. Oktober 1920 in Springfield (Massachusetts) geboren, und das beantwortet vielleicht auch die Frage nach dem Bundesstaat, in dem „Die Simpsons" eigentlich spielen. Für Leary wäre es sicher keine beängstigende Drohung gewesen, die Homer in Bezug auf einen psychoaktiven Angriff von Springfields Erzfeindesstadt Shelbyville feststellt: „Sie haben gedroht uns LSD ins Trinkwasser zu tun, aber dazu haben sie nicht den Mumm!" Als Marge dann ein Glas aus der Leitung trinkt, schmelzen ihr die Wände, der Truthahn springt aus der Röhre, ihre Pupillen weiten sich und auch die typischen Farbveränderungen treten ein. Und vielleicht haben wir hier eine Erklärung für die Fülle von Halluzinationen und Verkennungen aller Art in Springfield, die medizinisch bemerkenswert sind. Denn nichts kann wohl so allgegenwärtig sein, wie LSD im Trinkwasser.
Dagegen ist für die Halluzinationen von Homer in BART GEWINNT ELEFANT (BART GETS AN ELEPHANT, 1F15) der Einfluss von Reinigungsmitteldämpfen schuld. Homer soll den Keller säubern, in dem sich der Müll und Dreck von damals (1994) schon 7 Jahren Simpsons angesammelt hat. Er spart dabei nicht an Chemikalien, worauf die Figuren aus den Etiketten springen und Homer angreifen.
Sie sind auch ein deutliches Beispiel dafür, dass Halluzinationen ich-synthon, also stimmungsabhängig sind. Als Marge Homer bittet, nicht mehr so zu schreien, ist es Homer peinlich, und auch die Figuren auf seinen Schultern und dem Kopf sind beschämt und halten sich danach tatsächlich etwas zurück.
Wie viele Bewohner von Springfield, spricht auch Krusty der Clown am liebsten dem Alkohol zu, seine Pornosammlung, sein starkes Rauchen und seine Spielsucht lassen auf einen komplizierten Abhängigkeitscharakter schließen. Dass er 1973 durchaus auch anderen Substanzen zugeneigt war, lässt ein Ausschnitt aus RALPH LIEBT LISA (I LOVE LISA, 9F13) vermuten. Als Rocksänger vor psychedelischer Kulisse singt er die Doors-Zeilen „Break On Through to The Other Side" und krümmt sich, mit der E-Gitarre verzerrte Töne spielend, auf der Bühne. Welche Drogen für diesen Auftritt verantwortlich sind, kann Krusty selber nicht mehr sagen: „Was habe ich damals nur genommen?" Zu vermuten ist bei Jim Morrisons Drogenschicksal, dass es sich um das 1898 als Medikament zugelassene Derivat des Morphins „Heroin" handelt.
In MARGE WIRD VERHAFTET (MARGE IN CHAINS, 9F20) sehen wir die Mutter der Simpsons mit durch Erschöpfung hervorgerufenen Halluzinationen. Marge ist zusätzlich zu ihrer notorischen Überlastung auch noch erkältet. Wenn es einem Leser ähnlich gehen sollte, sind Sorgen unnötig, Halluzinationen in Erschöpfungszuständen sind normal und keinesfalls Anzeichen einer Schizophrenie. Als die angeschlagene Marge jedenfalls im Markt von Apu Nahasapeemapetilon einkauft, verwandeln sich die Büchsen in die Köpfe ihrer Familie und quälen sie mit zum Teil unerfüllbaren Wünschen: „Feuersteinkaumorphium!" Als sie durch diese Erlebnisse abgelenkt vergisst, den Whisky für Grampa zu bezahlen, wird sie zur Strafe ins Gefängnis geworfen.
Am unheimlichsten muss aus Springfielder Sicht die Welt sein, die wir als Realität begreifen. In LIEBHABER DER LADY B. (LADY BOUVIER'S LOVER, 1F21) befürchtet Homer, dass die Liebschaft seines Vaters mit der Mutter von Marge zu Inzucht und besonders schrecklichen Resultaten bei den Nachkommen führt: „Das werden Horrorwesen mit rosa Haut und fünf Fingern an jeder Hand." Genau in diesem Moment erscheinen ihm, statt seiner Familie, auch diese Wesen, bei denen es sich nach Einschätzung vieler um die schlimmsten Bewohner dieses Planeten handelt. Strenggenommen ist es wieder keine Halluzination sondern eine Illusion, Homer projiziert seine Horrorvorstellungen auf seine Kinder.
Meine persönliche Lieblingshalluzinationen treten bei Homer in der Folge HOMIE DER CLOWN (HOMIE THE CLOWN, 2F12) auf. Wie jeden Monatsbeginn ist der Rand der Autobahn mit neuen Riesenplakaten versehen, doch diesmal wird neben Barbeque-Sauce und English Muffins auch für Krustys Clowns College geworben, und Homer ist sich sicher: „Diese Werbung hat überhaupt keinen Einfluss auf mich." Wie zum Beweis ist seine Gedankenblase zu sehen, in der nur er selber sich befindet, darüber nachdenkend, wie er in einer weiteren Gedankenblase einen Donut isst. Dann aber wird er von dem sich bewegenden Clowns-College-Plakat zur Seite gestoßen, dazu erklingt Zirkusmusik. Sein Arbeitskollege Lenny erscheint ihm ebenfalls als Clown, der ihm sagt: „Homer, der Bereich auf den Du aufpassen sollst, steht in Flammen." Großartig ist Lennys gleichgültiges Gesicht dabei, als handele es sich um eine Lappalie. Auch die durch Homers Unachtsamkeit brennenden Kollegen erscheinen ihm als tanzende Clowns, während sie versuchen ihre Flammen zu löschen, kommt Homer zu der Erkenntnis: „Clowns sind komisch."
Abends am Abendbrottisch baut er sich auf den Teller ein Zirkuszelt aus Butter, was zu Befremden bei der Familie führt und Marges Alkoholproblem an den Tag legt: „Ich glaube ich trinke heute mal einen Wein." Das fremdgesteuerte Verhalten Homers ist ein Zitat aus dem Film "Die Unheimlichen Begegnungen der Dritten Art". Als Homer schließlich auch seine Frau und die Kinder als Clowns erscheinen und wiederum die Zirkusmusik erklingt, steht er auf und ruft: „Ihr habt mir lange genug im Weg gestanden. Ab morgen gehe ich aufs Clowns College!" und verlässt wütend den Tisch, Bart spricht für alle: „Das hätte wohl keiner von uns erwartet." Diese handfesten Wahrnehmungsstörungen sind wohl die unerreichbare Traumwirkung, die sich Werbeschaffende von ihren Kampagnen erhoffen. Die durch Werbung verursachten Illusionen werden durch Homers eingeschränkte kognitive Kapazität unterstützt. Seine Verführbarkeit, dafür gibt es viele Beispiele, ist gigantisch.
Das seltene Phänomen einer Halluzination, ja sogar einer Bewusstseinserweiterung hervorgerufen durch Koteletten können wir uns in WER IST MONA SIMPSON? (MOTHER SIMPSON, Folge 3F06, Erstausstrahlung 11/19/95) ansehen. Mona Simpson, die Mutter von Homer, der solches widerfährt, ist wohl auch die Person, die durch ihre aus diesem Erlebnis folgende Arbeit im Untergrund wohl am meisten mit illegalen Drogen zu tun bekommen hat. Ein Indiz für früher oder später auftauchende Halluzinationen ist sie allemal, in diesem Fall handelt es sich mal wieder um eines der Mutterkornalkaloide, also LSD oder Mescalin. Da in der Literatur kein Beispiel einer durch Koteletten hervorgerufenen Halluzination beschrieben ist, haben wir es wohl mit dem Phänomen des Flashbacks zu tun, zu deutsch „Echorausch" oder auch „Nachhall-Psychose". Es handelt sich dabei um einen rauschähnlichen Zustand, der Wochen oder Monate nach dem eigentlich Rausch auftreten kann und mitunter so stark und beängstigend ist, dass die davon Betroffenen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Doch bei Mona Simpson enthüllt dieser halluzinogene Rausch eher eine Welt der Rebellion, die normalerweise hinter Tapeten und unserer Realität verborgen ist. Schließlich treiben sie diese Visionen in den Untergrund, in dem sie bis heute lebt.
Eine Illusion ist es, die in AUF IN DEN KAMPF! (THE HOMER THEY FALL, 4F03) durch Schläge auf Homers Kopf ausgelöst werden. Dadurch hält er seine Frau für eine Pflanze und es ist wohl kaum ein Zufall, dass es sich dabei wieder um eine halluzinogene Pflanze handelt, vermutlich Peyote: „Der Kaktus hat recht!" Wieder hat Homer ein Selbstgespräch geführt, die er, wenn sie ihm unangenehm sind auch mal abrupt beendet, erinnert sei an seine Drohung: „Klappe Hirn, sonst gibt's was mit dem Wattestäbchen!"
Bis jetzt nicht wieder erreichter Höhepunkt des halluzinatorischen Schaffens bei den Simpsons ist HOMERS MERKWÜRDIGER CHILI TRIP (EL VIAJE MISTERIOSO DE NUESTRO JOMER, 3F24). Sowohl in seinem Facettenreichtum und auch der Länge kann bisher kein anderer Trip in Springfield mithalten. Mehrere Hinweise gibt es auf die Peyote-Pflanze, die im Reich der Inka eine wichtige Rolle spielte wie auch bei der Native American Church.
Alles beginnt beim Chili-Wettbewerb, wo Homer aus dem Topf von Chief Wiggum mehrere Pepperonis isst, was ihm nur gelingt, da er sich vorher seine Mundhöhle mit Kerzenwachs imprägniert hat. Diese Pepperonis im Chili von Chief Wiggum, angeblich von den Insassen eines guatemaltekischen Irrenhauses gezüchtet, bewirken bei Homer erst Magenschmerzen und schließlich einen psychonautischen Trip. Es ist „El viaje misterioso ...", so der Titel im Original. Im deutschen heißt die Folge dagegen sehr viel prosaischer „Homers merwürdiger Chili-Trip". Er ist erst in einer wüstenartige Landschaft, die Kakteen verweisen wieder auf Peyote, ein Schmetterling von der Größe eines Flugzeugs ängstigt Homer und lässt ihn rätseln: „Wo bin ich? Shelbyville?" Inzwischen hat Homer schon einige Erfahrungen mit bewusstseinsverändernden Substanzen, deshalb weiß er: „Ich muss meine Pupillen überprüfen." Die sind, wie für Mutterkornalkaloide typisch, tatsächlich geweitet, doch was Homer in den Augen seines Spiegelbildes sieht, sollte ihn noch mehr beunruhigen: die Pupillen springen hin und her und platzen gar ohne einen Rest zu lassen. Eine Riesenschlange umschlingt ihn, Homer hat Farbhalluzinationen, das Gefühl der Schwerelosigkeit und eine Persönlichkeitsspaltung. Sowohl der Schrei nach Hilfe, wie auch die Tatsache, dass alles für Homer plötzlich von Sinn erfüllt ist, lassen eine Psychose vermuten. Homer •will raus, kann aber nicht. Im Gegensatz zur Illusion hat Homer völlig die Realität verloren, er ist in dieser Welt gefangen. In diesem Zustand sind Menschen sehr gefährdet, sollten sich zur Sicherheit unter Beobachtung begeben, immerhin könnte Homer in diesem Zustand auf der verkehrsreichsten Kreuzung von Springfield stehen. Als er bemerkt, dass er durch einfaches Vor- und Zurücklaufen Sonnenauf- und Sonnenuntergang hervorrufen kann übertreibt er es soweit, dass die Sonne wie eine riesige Glasschale auf der Erde zerschellt. Homer ist klar, dass etwas nicht stimmt: „Note to seif: Stop doing anything." Am Himmel erscheint schließlich ein riesiger Coyote (nochmals eine Anspielung auf das ganz ähnlich klingende Peyote), gesprochen von Johnny Cash, der Homer Antworten und Ratschläge gibt: „Du bist auf der Suche nach Wissen." Homer solle sich mehr Eigentum zulegen und nicht etwa Besitz aufgeben. Als Homer droht, ihn zu treten, weiß der Coyote: „Dein Geist ist bereit", Homer müsse seinen Seelenpartner finden. Das ist natürlich Marge. Homer erwacht mit immer noch geweiteten Pupillen auf dem Golfplatz von den Pfiffen Kent Brockmans.
Die in DER BERG DES WAHNSINNS (MOUNTAIN OF MADNESS, 4F10) auftretenden Sinnestäuschungen sind eine Mischung aus Kälte-, Platzangst und Hungerhalluzinationen von Homer und seinem Vorgesetzten Montgomery Burns. Sie sind durch Lawinen in einer Berghütte eingeschlossen und Burns' sowieso schon exzentrisches bis paranoides Verhalten verschlimmert sich. Nach Berichten von Überlebenden, die knapp dem Kältetod entgingen, friert man zuerst, fühlt sich dann aber wohl und hat auch meistens Halluzinationen. Deshalb findet man Kältetote auch immer wieder entkleidet bis auf ihre Unterwäsche. Man beachte, dass Burns zur Unterstützung eine Armee wilhelminischer Schneemänner mit Pickelhauben erscheinen, dagegen halluzinierte Homer sich Gandhi, Lincoln, Mao, einen Pharao und Teddy Roosevelt, historisch keinesfalls eine dumme Auswahl. Der Zustand, in dem wir Homer in New York sehen, würde ich als Pissen-müssen-Halluzination bezeichnen. Die Passage aus HOMER UND NEW YORK (THE CITY OF NEW YORK VS. HOMER SIMPSON, 4F22) sollte nach dem Anschlag vom 11. November 2001 nie wieder gezeigt und bei allen Wiederholungen der Folge herausgeschnitten werden. Tatsächlich kann es einen etwas beklemmen, zu sehen, wie sich Büroinhaber aus Nord- und Südturm des World Trade Centers (WTC) streiten: „Alle Idioten sitzen im Südturm!" Inzwischen hat sich aber die amerikanische Gedankenpolizei, die am liebsten aus allen Filmen der Vergangenheit die Türme des Handelszentrums getilgt hätte, soweit beruhigt, dass die Folge doch wieder unzensiert gezeigt wird. Barney Gumble hat Homers Auto in einer Trunkenheitsfahrt auf den Platz des WTC abgestellt, Homer wartet an seinem Wagen, um die von der Polizei angebrachte Sperre lösen zu lassen. Seinen Hunger löscht er mit einer unheimlichen Fleischspeise namens „Khlav Kalash", seinen Durst mit Unmengen von arabischen Krabbensaft, der schließlich einen solchen' Druck hervorruft, dass eine Ortsbezeichnung wie „Flushing Meadows" ihn bei offenen Augen von Wiesen träumen lässt, auf denen hunderte von spülenden Klos stehen. Eine Steak-induzierte Halluzination kommt in DAS GEHEIMNIS DER LASTWAGENFAHRER (MAXIMUM HOMERDRIVE, AABF13) vor. Homer isst Unmengen von „Beef", woraufhin er Rinder in sehr menschlicher Kommunikation sieht. Das meiste amerikanische Rindfleisch ist stark hormonbehandelt und vielleicht ist das auch der Grund für seine Täuschung.
Die Halluzination in WIR FAHR'N NACH... LAS VEGAS (VIVA NED FLANDERS, AABF06) ist schwer einzelnen Drogen zuzuordnen. Hunter S. Thompson taucht darin auf, ich zitiere aus seinem Buch Angst und Schrecken in Las Vegas, was Thompson und sein Anwalt alles für ihrem Trip nach Las Vegas eingepackt haben: „Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, einen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Upper, Downer, Heuler, Lacher... sowie eine Flasche Tequila, eine Flasche Rum, einen Karton Budweiser, einen halben Liter unverdünnten Äther und zwei Dutzend Knick-und-Riech."
Wieder durch Sauerstoffmangel, wenn man so will eine der billigsten Drogen, verursacht ist der Trip von Homer in KÖNIG DER BERGE (KING OF THE HILL, 5F16). Dass bei manchen Bergsteigern durchaus Suchtverhalten anzutreffen ist, wird niemand bezweifeln. Vielleicht ist ja das Verlangen auch sehr hohe Berge ohne Sauerstoffflaschen zu besteigen in den euphorischen Mangelzuständen begründet. Ein Schicksal wie das von Reinhold Messner, den weder der Verlust seines Bruders noch der von etlichen Zehen von seiner Leidenschaft abbringen kann, findet dadurch vielleicht seine Erklärung.
Etwas beunruhigend sind die Wahrheiten, die wir in MR. X UND DER WEBSITESCHUND (THE COMPUTER WORE MENAGE SHOES, CABF02) erfahren. So sind beispielsweise Grippespritzen mit einer Substanz bestückt, die den vorweihnachtlichen Kaufrausch auslöst. Die halbe, vielleicht sogar die ganze Folge besteht aus Drogenräuschen, der Koalabär aus BART GEGEN AUSTRALIEN scheint dahinter zu stecken. Der mit Drogen arbeitende Überwachungsstaat erinnert an Huxleys „Schöne Neue Welt". Deutscher Akzent bereitet im Original bei der Übertragung in die deutsche Synchronisation etwas Probleme, so wurde der deutsche Austauschschüler Uter in Deutschland zu einem Schweizer. In dieser Folge wurde der deutsche Akzent von Homers Doppelgänger in einen italienischen umgewandelt.
Mit der Passage aus HOMER IST EIN TOLLER HIPPIE (D'OH IN' IN THE WIND, AABF02), in der durch Homers Fehler ganz Springfield auf Trip kommt, muss mein Vortrag enden. Wieder hat das Auftauchen von halluzinogenen Substanzen indirekt mit Homers Mutter Mona zu tun, deren Hippie-Freunde inzwischen eine kleine Gemüsesaftproduktion betreiben. Da Homer versehentlich die Herstellung lahm legt, versucht er in einer Nachtaktion seinen Schaden wieder gutzumachen. Er versaftet allerdings nicht nur das für die Öffentlichkeit bestimmte Gemüse sondern auch die Pflanzen, über die zur Tarnung eine Plane gespannt war. Die beiden Hippie-Inhaber sind entsetzt: „Das war doch unser Privatgemüseanbau!" Doch Homer glaubt sie zu beruhigen: „Und jetzt kann sich die ganze Stadt an diesen Vitaminen laben!" Das tut sie auch, mal mit mehr, mal mit weniger Vergnügen. Während Hausmeister Willie sich mit einer Harke das Gesicht zerkratzt im Glauben es wäre seiner Geliebte Sarah. Ned Flanders sieht aus dem Auto erst marschierende Skelette, dann riesige Hämmer, von denen einer ihn mit Rolling-Stones-Zunge bedroht: „Und jetzt spitz Deine Lippen, Ned!" Barney Gumble sieht ein schreckliches Monster, erst ein kühles Bier bringt den Alkoholiker par excellence in seinen Normalzustand zurück, ein rosa Elefant kommt herein und zertritt das bedrohliche Tier. Barney: „Danke Pinky, Du bist immer für mich da!" Grampa Abraham Simpson und der weißbärtige Freund sitzen auf einer Parkbank und kichern: „Wir sind schon so alt." Sie lachen weiter, so blöde wie Beavis und Butthead nach dem Kiffen während eine halluzinogene Sonne über allem scheint. Auch die Polizisten sind berauscht, während der eine auf dem Drehstuhl durch die Wache kreiselt ruft er: „Der elektrische Aal hat mich bei der Gehirnbanane erwischt." Nur Chief Wiggum behält einen kühlen Kopf, kostet und weiß: „Das ist ja nur Möhrensaft mit Mescalin!" Das Wort Mescalin leitet sich vom spanischen mescal aus Nahuatl ab, auch Meskalin oder Mezkalin. Es ist ein Alkaloid aus der in Texas und Mexiko wachsenden Kaktee Anhalonium (Lophophora) lewinii, auch bekannt als Peyotl, Peyote, Pellote und Piule. Die chemische Bezeichnung ist Trimethoxyphenyläthylamin und es wird als Rauschmittel verwendet, wie vorhin schon bei Homers Chili Trip gesehen. Den Abspann muss man sich, wie in der obengenannten Folge in Erinnerung rufen, Flächen sich verändernder und wabernder Farben, unterlegt von entsprechend halluzinogener Musik und Homer, der deliriert: „Ich habe Flanders erschlagen."


  Berlin, 16. Jan. 04

ENDE