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Die Simpsons
Fünf Jahre ist es nun her, dass ich mein erstes drts-Treffen besuchte. Wahrscheinlich wird man mir Zeit meines Lebens unter die Nase reiben, dass ich das erste nicht miterlebte, denn es war seinerzeit das zweite. Dass ich trotzdem mehr Treffen besuchte als manch anderer, scheint egal zu sein. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn auch die Strapazen, die das diesjährige Treffen für seine Teilnehmer bedeutete, nichts daran änderten.

Letztes Jahr hatte Florian großes Glück, beim Treffen dabei sein zu können, da er doch nur wenige Tage vorher noch in Kanada weilte. Damals schon scherzte Jo im Vorfeld mehrfach, dass wir das Treffen einfach bei ihm veranstalten sollten. Dieses Jahr weilte Florian wieder im Ausland (und zwar in England) (und tut dies auch nach dem Treffen noch). Urlaub für das Treffen zu nehmen war für ihn aber nicht drin. Und so scherzte Jo erneut, man könne doch einfach zu ihm reisen.

nach obenEs muss ein bierseliger Abend gewesen sein, als ihm zusammen mit Tim die wahnwitzige Idee kam, es tatsächlich so zu machen. Dank einer irischen Fluglinie, die für ihre niedrigen Preise bekannt ist, hielten sich die Kosten so sehr in Grenzen, dass die üblichen Verdächtigen schnell zusagten. Und so kam es, dass sich am Abend des 3. August neun seltsame Gestalten im White Horse Pub in Royal Leamington Spa im Herzen Englands einfanden um das nunmehr siebte drts-Treffen einzuläuten. So viele Kilometer Anreise waren nie. Doch wie es sich für das verflixte 7. Jahr gehört, lief diesmal nahezu alles anders als man es sonst gewohnt war.

Nicht nur, dass die Autos auf der falschen Straßenseite fuhren. Wurden die Treffen sonst nach Ankunft der letzten angekündigten Gäste mit einem kräftigen - und natürlich wenig textsicheren - "We do!" eingeläutet, getraute sich diesmal kaum jemand dieses Liedchen zu trällern. In Zeiten von ständiger Terrorbedrohung auch verständlich. Wer weiß, was einen erwartet, wenn neun "krauts" lauthals trällern, sie hätten die britische Krone unter Kontrolle. Dafür sangen Tobi J. und meine Wenigkeit schon im Flugzeug fleißig Lieder (vornehmlich aus der Folge "Simpsoncalifraglisticexpiala(Annoyed Grunt)cious").

Nachdem also schon der Einstieg aus simpsonistischer Sicht in den Sand gesetzt wurde, versuchte man auch gar nicht erst, sich zu bessern, sondern ließ sich stattdessen mehr oder weniger alkoholhaltige Getränke munden. Danach teilte sich die Gruppe kurzfristig, als die Spätankömmlinge Jens, Andi und Tobi J. mit Florian zum Hotel fuhren und die anderen ins "Benjamin Franklin" gingen, das eigentlich einen anderen Namen trägt, den ich aber ignoriere. Dass der Grund hierfür mein löchriges Gedächtnis ist, soll hier keine Erwähnung finden. Dort wurden zwei Tische besetzt und, nachdem die Gruppe wieder vereint war, Essen und Getränke bestellt. Da Tobi sich im Umgang mit seinem letzten Schluck Wein etwas ungeschickt anstellte, fand das Essen ein abruptes Ende. Da aber alle schon ihren Teller leer gegessen hatten und nur noch ihren Getränken frönten, kam niemand dem Hungertod nahe.

Jo und Jens, die als Fahrer der Mietwagen nach vier bzw. drei Stunden Fahrt von Stansted nach Leamington doch etwas müder waren als die anderen, nutzten die Gunst der Stunde und entschwanden in Richtung Hotel. Etwas verpeilt rannte Tobi ihnen mit einiger Verzögerung hinterher, während sich der Rest noch auf den Weg zu einem weiteren Pub machte. Schließlich war die Nacht noch jung. Aus welchen Gründen auch immer blieb es bei einem letzten Bier, so dass gegen halb zwei alle friedlich zu Bett gegangen waren.

Der nächste Tag begann mit einer langen Autofahrt nach Birmingham. Nach einigen Irrfahrten (so viele Kreisverkehre waren nie) am Ziel, dem Bullring, angekommen, wurde zunächst feist geschmaust, bevor es auf Erkundungstour durch die zweitgrößte Stadt Englands ging. Gegen drei Uhr nachmittags saßen alle wieder im Auto, denn schließlich sollte der kulturinteressierte Tourist es sich nicht entgehen lassen das nahegelegene Stratford-upon-Avon zu besuchen, erblickte hier doch immerhin einer der erfolglosesten erfolglosen Poeten das Licht der Welt. Um Tims grauenvollen Witz nicht zu wiederholen, werde ich seinen Namen lieber nicht nennen und darauf vertrauen, dass William Shakespeare als Autor von Macbeth, Hamlet, Romeo und Julia, Much Ado About Nothing, As You Like It, etc. bekannt ist. Schon früh scheint man sich hier der Anziehungskraft des berühmten Namens bewusst gewesen zu sein und so konnten viele Häuser bestaunt werden, die mehrere Jahrhunderte schon ungerührt an ihrem Ort stehen. Dass aber ausgerechnet das Geburtshaus des namentlich nicht erwähnten Poeten nahezu unberührt und wenig frisch gestrichen aussah, verwunderte dann doch.

nach obenDie Option der Innenbesichtigung war zwar vorhanden, doch war man sich überraschend schnell einig, dass sieben Pfund doch besser in schöngeistige Getränke investiert werden sollten und so ging es zurück zu den Autos, um die Rückreise nach Leamington anzutreten, wo gegrillt werden sollte. Es wurde dann doch nicht gegrillt, sondern gebraten. Und auch wenn es an eleganten Sitzmöbeln mangelte, schmeckten die Steaks gut, die Soßen schlecht, die Getränke dafür umso besser. Die Zeit bis zum nächsten und letzen Programmpunkt verflog schnell und bald saß man wieder im - na? - Auto. So viel Autofahren war nie.

In Coventry angekommen wurde das Parkhaus traditionsgerecht als Gelegenheit genutzt, um doch wenigstens einmal an diesem Wochenende gemeinsam "We do!" zu trällern. Dank eines gewitzten Kniffes meinerseits war man diesmal textsicher. Wäre doch nur all die Jahre zuvor mal jemand auf die Idee gekommen, sich den Text vorher aufzuschreiben. Und so ging es dann auf den Weg in das in der Altstadt versteckte örtliche Multiplexkino, um dort den Simpsons-Film anzuschauen. Und egal, was Sebastian sagt, auf dem Plakat stand "Simpsons" und kein unverständliches Buchstabenwirrwarr. Eine Filmbewertung soll an dieser Stelle nicht erfolgen, aber alle waren sich einig, dass es sich manchmal doch lohnt, sich von Florian ins Kino einladen zu lassen.

Nachdem der Film zu Ende und die gesammelte Mannschaft wieder bei Florian war, wurden die letzten Biere getrunken, bevor man sich voneinander verabschiedete. Als ich am nächsten Morgen erwachte, war Jens schon in der Luft, Andi und Tobi in London und Jo und Markus, der an dieser Stelle dann doch erwähnt werden soll, um nicht zu verschweigen, dass er nach fünf Jahren auch endlich wieder mal dabei war, schon auf dem Weg zu Florians Wohnung, wo Tim und ich nächtigten, um von dort zum Hotel aufzubrechen, in dem Sebastian schlief, selbigen dort abzuholen und Markus und Florian ebenda zurückzulassen, denn auch auf uns würde das Flugzeug sicher nicht warten. Damit war das siebte drts-Treffen auch schon wieder vorüber.

Es war ein schönes Wochenende, doch der Englandaufenthalt zu kurz, der Simpsons zu wenig - wenn es nach einem ginge, der nicht mitkommen wollte - des Spaßes aber dennoch mehr als genug. Wer anderer Meinung ist, der darf sie behalten und sollte das auch tun, denn sonst wird er nächstes Jahr nicht mitgenommen, wenn Christian Gassmann uns nach Atlanta einlädt.

Marc Weinreich mit Fotos von Markus Dressler